Shades of Grey – Diese 88259847 Grautöne musst du gesehen haben, bevor du nichts mehr siehst.

Grau ist das Eigenschafts-Wort, das auf diesem Blog mit Abstand am häufigsten geschrieben wurde, das verrät uns zumindest die gefühlte Wahrheit, und die lügt bekanntermaßen nie. Ja, das farblose Wörtchen „grau“ haben wir als Adjektiv und Substantiv bereits derart oft verwendet, dass wir es fast schon zum Verb erklären könnten. Grauen. Ich graue, du gräust, er graut: Grau ist unsere Stimmung, grau ist unsere Stadt, grau werden auch bald unsere Haare sein, wenn wir hier so greisgrämig weiter schreiben.

Grau – das ist schwärzer als Weiß und weißer als Schwarz. Besser als böse, böser als gut. Mehr nichts als sagend, mehr trüb als sinnig, mehr Mono als Ton. Dauerfröhlichcamper und versonnenstrahlte „Die Welt ist schön“-Finder werden uns an dieser Stelle natürlich wieder Graumalerei vorwerfen. Aber Grau ist ja auch die Nicht-Farbe der Melancholie, jenem Gemütszustand der schönen Traurigkeit, in dem wir uns so gerne suhlen, und deshalb lieben wir Nebelschwaden. Sogar in Chemnitz. Denn Chemnitz ist die graue Eminenz unter den deutschen Großstädten. In jeder Hinsicht: Sachlich, alt, unscheinbar, bescheiden, langweilig, gleichgültig und zubetoniert. Eine gigantische Grauzone.

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East of Eden: Unterwegs im Florida des Ostens. Report vom Markt.

Weil wir knalligbunt hinkende Vergleiche lieben wie – knalligbunt hinkenden Vergleich hier bitte einfügen – , muss die Stadt Chemnitz ja ständig als das Irgendwas des Ostens herhalten. Egal was, Hauptsache Osten, Hauptsache eine andere Stadt, Hauptsache keine eigene Identität.
Das sächsische Manchester, das Venedig, das Texas, das Bochum, das Tschernobyl, der Osten des Ostens. Oder das Atlètico Madrid des Ostens: Hässliche, destruktive Spielart und trotzdem effektiv und irgendwie sympathisch, wegen des starken Teamgeistes. Dabei ist es doch offensichtlich, dass Chemnitz vor allem eines ist: Nicht das Paris, sondern das Paradies, das Florida des Ostens.

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Lebensfrohe Sonnenschirme in der Bucht von Key West

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Match ärger dich nicht: Der erkenntnisreiche Weg vom Tinder-Date zum Samenstau

Hinweis: Dieser Artikel ist offenkundig aus der Sicht eines Herren mittleren Alters geschrieben. Außerdem die obligatorische Anmerkung: Die Ähnlichkeit mit real existierenden Personen und Geschichten ist durchaus korrekt. #gähn

Eine Zeit lang war es modern, cool und fast schon ein Zwang, irgendeinen Senf über die Dating-App Tinder zu verfassen. Ob nun Erfahrungsberichte, Statistiken über Nutzerzahlen oder die schlichte Betitelung als Apokalypse, die die Form und Verkörperung einer App angenommen hat – jeder musste seinen oftmals sinnentleerten Brei dazugeben. Nun sind wir nicht gerade bekannt dafür, auf irgendwelche vor sich hin rasenden Hype-Züge aufzuspringen. Vielmehr warten wir ab, bis sich die Wogen wieder geglättet haben und sammeln in der Zeit Erfahrungen, um letztendlich davon doch noch zu berichten – wenn es aber auch wirklich gar keine Sau mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Genau so verhält es sich beim Phänomen Tinder: Bereits vor geraumer Zeit stand die Idee im Raum, selbst ein Profil zu erstellen und einen vollkommen uneigennützigen Test zu starten. Und in der Tat wurde dieses waghalsige Vorhaben auch vor fast exakt anderthalb Jahren in die Realität umgesetzt. Nach 550 Tagen, 250 Matches und 0 Mal Geschlechtsverkehr können wir mit Fug und Recht behaupten: So lang und intensiv wurde bisher kaum ein Produkt auf dieser Welt jemals getestet.

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Fear and Loathing in Cats Vegas: Ein unvergesslicher Trip in das dunkle Herz Deutschlands.

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Rassekastrat „Gonzo Fiktio vom ironischen Blog“ hat vergangenes Wochenende die SaxCat aufgemischt.


– „Hey, Jäger S. Thomas – hast du nicht Lust, voll gonzomäßig kommendes Wochenende auf der Katzenmesse SaxCat rumzustreunern und einen subjektiven Erlebnisbericht darüber zu verfassen?“

Auf die wohlwollende Nachricht der guten Seele von re:marx, wie unsere Chefin keiner nennt, reagiere ich mit gespieltem Argwohn und verschaffe mir einige Vorteile im Kampf um Style und Content.
– „Ich mag Katzen viel zu sehr, als dort hasserfüllt rumzustolzieren und mich über alles lustig zu machen, denn wie sagt ein chinesisches Sprichwort: ‚Wer Katzen nicht mag, bekommt keine schöne Frau‘. Außerdem habe ich gerade viel zu viel zu tun. Was ist mit den anderen?“
– „Bennser, der Shownacktikant, ist mit seinen Eltern in der Sauna und trainiert Nacktheit für seinen geplanten Einsatz als Flitzer beim nächsten CFC-Heimspiel und Scumi kennt das Wort Wochenende nicht.“
Aus dem entstehenden Eindruck, ich würde diese Aufgabe nur äußerst widerwillig übernehmen, kann ich ihr das zähneknirschende Zugeständnis abgewinnen, dass über dem Artikel ein von mir gemaltes, dämliches Paint-Bild prangen wird.
– „Okay, ich bring die Story, aber dann will ich ein Bild aus Eyes Wide Shut bearbeiten und der maskentragenden Elite, die sich zu wilden Orgien trifft, Katzenköpfe aufsetzen (siehe unten). Das ganze nennen wir dann ‚SexCat – eine Katzenmesse.'“
– „Das versteht doch wieder niemand…“
– „Dann frag halt Scumi. Der ruft dich dann am Montag an und wundert sich, warum er vor verschlossenen Türen steht.“
„Es ist immer wieder schön, mit dir aus einem Mangel an Alternativen zusammenarbeiten zu müssen.“
– „Die Freude ist ganz meinerseits, Chefin.“
Erst muss ich mir eine Mülltüte überziehen und einen auf Wutbürger machen, weil die Chemnitzer, die mehr als zwei Sätze am Stück lesen können, über den eigentlichen Ernst der Lage lachen sollen – und jetzt auch noch das.

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Mythos Schlossteich: Unterwegs im Venedig des Ostens.

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Gemeinhin gilt Chemnitz ja als hässlich. Einzig echte Chemnitz-Conaisseure – wie etwa die Redakteure vom Qualitätsmedium Buzzfeed – wissen, wo die ewige graue Stadt heimlich so richtig hübsch ist: In der Senke zwischen Schloss- und Kaßberg, ganz in der Nähe … Weiterlesen

re:marx in Gefahr: Wir sind wieder Wehr. Unterwegs als Bürgerwehr in Chemnitz.

Anfang März, es ist kalt in Deutschland. Kalt und dunkel, vielleicht regnet es auch.
Wir sind besorgt.

Das Pflaster des Chemnitzer Marktplatzes ist nicht nur holprig, es ist auch gefährlich. Wenn es dunkel wird trauen sich nur noch die Wagemutigsten hinaus in die feindselige, schwarze Nacht: Angst. Angst vor Kriminalität. Angst vor Armlängen, die zu kurz sind. Angst ums Abendland. Angst bis zur Morgenlanddämmerung.
Fast vollständig umnachtet scheint so manch besorgter bürgerliche Geist.

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Kreuzungsgefährlich und auch ein bisschen revisionistisch: Die Reichsstraße in Chemnitz, wo schöne blaue Narzissen wachsen.

Überall im Land, von der Maas bis an die Memel, streifen derzeit Bürgerwehren über Bürgersteige, um die abendländische Sicherheit zu schützen und unsere schönen deutschen Frauen zu retten (aber nur die Blonden!). Wutiges Patrouillieren auf den bürgerlichen Pfaden der Selbstjustiz. Die Selfmade-Sheriffs mit ganz viel Pfeffi-Spray und Schlagstock im Gepäck stilisieren sich als Freund und Helfer der überforderten Polizei – nachtwandeln aber aus Gründen einer übersteigerten Empathie mit sich selbst. Kleingärtner zum Beispiel, die ihre Lauben vor Lauch-Langfingern schützen und um ihre Beete beten, in denen noch deutscher Kohl gedeiht, bald aber Kichererbsen wachsen werden – wenn wir nicht aufpassen. Wenn wir uns nicht wehren.

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Wir sind der Verkehr: Kritischer Hass.

In Chemnitz gibt es ja so bestimmte Typen von Radfahrern: Klapprige Diamant-Ostalgiker, aggressive Meth-Männer auf tiefergelegten Fahrgestellen, Outdoor-Fanatiker mit familienfreundlicher Funktionsunterwäsche und Fixie-Freaks, die an der Kaßberg-Auffahrt absteigen und den Bus nehmen müssen. Manchmal fahren die dann kritisch im Kreis herum und nennen das Critical Mass – bei schlechtem Englisch phonetisch auch leicht verwechselbar mit Crystal Meth. Weil wir professionellen Hassknechte von re:marx dringend mal wieder was zum Bashen brauchten, wollen wir dieser speziellen Gruppe heute einen kulturkritischen Kommentar widmen.

Kaum klopft der Frühling an die Tür, werden für den kommenden Sommer und Frühherbst schon mal prophylaktisch die ersten Critical Mass-Treffen über Facebook angekündigt. An alle Radler: Das Wetter wird schöner, die Straßen sind vom Winterschmutz befreit – wie wäre es da, an der „Critical Mass“ teilzunehmen? Endlich mal wieder richtig schön kritisch sein.

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Zehn/Kurze Fragen mit Lin Baker.

Seit zwei Jahren existiert das Erfolgsformat „Zehn/Kurze Fragen“ – Zeit für harte Fakten: 200 Gläser Schnaps wurden gefühlt gefüllt, fünf Kotzehäufen kunstvoll geformt,  drei Interviewer-Lebern verschleißt, 122 Fragen nicht gestellt, 400 Stunden Video Material schlecht geschnitten. Achtundneunzigkommafünf Prozent unserer Interview-Gäste waren männlich, weiß und Chemnitzer. Der beste Beweis dafür, wie tief auch die Chemnitzer Kulturszene von patriarchalischen Strukturen durchwirkt ist – seit zwei Jahren kämpft das Matriarchat von re:marx (Frauenquote im Vorstand von 1000 Prozent) gegen das männlichweiße Privileg. Jetzt ist es uns endlich gelungen: Die erste Frau, die im Schnaps-Weltall von re:marx Gläser poliert (schlechter Klischee-Witz zum Hausfrauentarif), ist Lin Baker, die vielleicht schon an jeder Bar der Stadt Schnaps ausgeschenkt hat, als Betreuerin für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge arbeitet und ganz nebenbei gemeinsam mit „and the“ Musik macht – und zwar Soul. Das das bekanntermaßen schwarze Musik ist, haben wir unsere selbstgesetzte Marginalisierte-Minderheiten-Quote fast erreicht und mit diesem Satz bestimmt auch irgendwo einen Aufschrei generiert, aber um lupenreine political correctness können wir uns zu dieser späten und wirren Dienstag-Abendstunde nicht mehr kümmern, deshalb bleibt uns nur noch, die bereits wundgelegenen Problemstellen unserer komplexen Welt mit ganz viel Gisela zu desinfizieren. Dass Lin Baker and the gerade eine EP namens „Cigarettes and Whisky“ draußen haben, die man in Chemnitz auch kaufen kann,  ist absoluter Zufall und hat rein gar nichts mit diesem Interview zu tun.
Ein Gespräch, von dem wir schon wieder vergessen haben, worum es eigentlich ging, weil unser Techniker zu lange gebraucht hat, um es zu schneiden und es natürlich wie immer viel zu lang ist, um sich das Ganze noch mal in Ruhe anzugucken. Weil wir Blogger und als solche ja ständig busy und dizzy sind. Ihr jedoch müsst diesen Film geschoben haben, unbedingt! Vielleicht, so munkeln unsere vom Pfeffi ganz weichgespülten Gehirnzellen, geht es um Frauen, Männer, Armlängen und um den Klang von Chemnitz. Prost!

Kein Blog ist illegal: Die Wahrheit über re:marx.

In Zeiten, in denen grau-schwarz bekleidete Menschen mit glänzenden Glatzen, zahnlosen Mündern, furchtbaren Dialekten und selbst gebastelten Galgen durch sächsische Städte flanieren und wahllos „Wir sind das Volk“ und „Lügenpresse“ skandieren, als wären nur stumpfe Parolen in ihre geistige Pack-DNA einprogrammiert, ringen seriöse Qualitäts-Medienmacher wie wir nicht nur mit unserer zunehmenden Verzweiflung, sondern natürlich auch um das Vertrauen der Leser.  Ja, auch wir waren vielleicht nicht immer ehrlich zu euch, haben verschwiegen, dass der Mann hinter re:marx in Wirklichkeit Katharina Witt ist und wir vor vier Jahren von ab-in-den-Urlaub aufgekauft wurden, weshalb unsere Inhalte seither von Michael Ballack fremdbestimmt sind. Außerdem haben wir kein Impressum, was uns zu virtuellen Vagabunden, faktisch Klicks-klauenden Kriminellen, mindestens aber illegalen Einwanderern in der Chemnitzer Blogosphäre macht. Als Internet-Invasoren haben wir das Socialweb-System unterwandert wie die NPD nach der Wende die Sächsische Schweiz.
Kein Blog ist illegal, würden gute Menschen jetzt sagen, aber wir sind es doch, irgendwie. Es ist das letzte Fünkchen Rebellion, das in unseren angepassten, pseudo-individuellen Hipsterleben glimmt.
Weil ihr uns trotzdem vertraut und unsere Überschriften lest und manchmal unsere Posts liked, wollen wir – anlässlich unseres fünfjährigen Bestehens und als Zeichen der Dankbarkeit für eure Treue – endlich ehrlich mit euch sein und schonungslos offenlegen, wie und wo wir manipulieren. Wir leaken uns selbst – ein Beitrag, so transparent wie das Glas des geplanten Kellnberger-Towers, denn in Zeiten gläserner Konsumenten braucht es auch gläserne Blogger. Möglicherweise werden uns nach diesem Beitrag noch mehr Menschen hassen als zuvor – insgeheim hoffen wir aber, dass unsere gnadenlose Ehrlichkeit inmitten all der staatlich manipulierten Systemmedien mit noch mehr Fame belohnt wird.

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Was wir mit Leonardo DiCaprio & Facebook gemeinsam haben. Oder: re:marx goes Leipzig!

Der ehemalige Profi-Handballer Stefan Kretzschmar nimmt sich unseren Lieblingschoreografen Detlef „D“ Soost als Vorbild und bietet als etwa 129. Pseudopromi einen eigenen Fitnesskurs basierend auf der Interaktion mit dem eigenen Körpergewicht an. Facebook etabliert nach 268 Jahren der Mutmaßungen offiziell neue Reaktions-Buttons. Und Leonardo DiCaprio erhält im gefühlt 564. Anlauf seinen ersten Oscar. Was haben diese weltbewegenden, jedoch auf den ersten Blick nicht im Zusammenhang-stehenden Ereignisse allesamt gemeinsam? Sie waren so vorherseh- wie gleichzeitig unvermeidbar. „Es ist eben nur eine Frage der Zeit“, könnte hier stellvertretend als Leitspruch gelten. In dieser Reihe der historischen Ereignisse wollen auch wir uns nun einordnen. Weiterlesen