Re:marx beim Club Royal

In der Regel meidet der kulturbegeisterte und introvertierte Mittzwaniger das große Rampenlicht des Showgeschäfts. Das Glitzern, die gezogenen Lachgesichter und die ständig gute Laune (Flori S. lässt hier grüßen) passen so gar nicht zur Ernüchterung des „Erwachsengewordenseins“. Um so erstaunlicher ist es, das ausgerechnet im Herzen des kulturellen Anspruchs dieser Stadt, nämlich im Theater oder besser gesagt im Exil, eine Veranstaltungsreihe Erfolge feiert, die nach eben diesem Showformat auftritt. Nur tut sie dies zum Glück auf eine leicht parodierende Art und Weise, was den zu vermeidenden Glitzerüberschuss schon wieder abschwellen lässt und re:marx dazu brachte zu recherchieren:

Angestachelt durch diesen vielversprechenden Video-Teaser und gelockt durch freien Eintritt fanden ausgesprochen viele Gäste den durch die allgegenwärtige Kältewelle eisigen Weg ins Exil. Dass sich dieser Weg lohnte, wurde schon kurz nach Beginn der Veranstaltung klar. Eine für die Stadt einmalige Mischung aus impovisierter Kunst und durchdachtem Schabernack sorgte bei vielen für Faszination bzw. zu ausgelassenem Gelächter.

Club Royal oder auch „Der Abend deines Lebens“ ist kein Improvisations-Theater, schafft es aber so zu wirken und das ist wiederum die Kunst. Es ist also keine der oben beschriebenen Hochglanz-Aufführungen, wie wir sie aus den Abendprogrammen kennen. Vielmehr besteht der Reiz oder Spaß darin, das die „Aufführung“ so nah wie möglich an das Ideal aus dem Fernsehen herankommen will, dann aber doch am eigenen Humor scheitert. Diese trashig-sympathische Grundnote und das einnehmende Auftreten des „Showmasters“ Wenzel Banneyer, dem diese Rolle auf den Leib geschnitten zu sein scheint, lassen das ganze sehr autentisch wirken.

Hinzu kommt die inhaltliche Vielfalt die mit dem Leitsatz, „Geguckt wird was auf den Tisch kommt“ diktatorisch eingegrenzt wird. Zu gucken gab es dann auch eine ganze Menge: Ernste und und nicht so ernst gemeinte musikalische Einlagen, ein Interview mit Kraftklub auf dem Klo des Atominos, das „langweiligste Hörspiel der Welt“ zum anschauen (es hat diesen Titel verdient) sowie eine Live-Konferenz via Skype nach St. Gallen in der Schweiz. Dort fand zur gleichen Zeit eine ähnliche Veranstaltung statt und die beiden Showmaster lieferten sich unter tobendem Gelächter einen intensiven Schlagabtausch, welche der beiden Städte denn nun provinzieller sei. Ein eindeutiger Sieger konnte zwar nicht ermittelt werden, aber der Stimmung an beiden Orten tat es außerordenlich gut. Insgesamt kam im Puplikum sowieso kaum langeweile auf, was auch an der intensiven Beteiligung der Gäste am Programm lag. So wurden z.B. immer wieder kleine aber ausgefallene Spiele eingestreut, bei denen sich die Gäste miteinander messen konnten. Zu gewinnen gab es meist Theaterkarten oder einen Pfeffi an der Bar.

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