re:marx Clubcheck part III: BRAUCLUB

Erster Clubcheck: Stairways. Kurz danach: Schließung. Zweiter Clubcheck: Atomino. Kurz danach: Verlagerungen größerer Veranstaltungen ins Exil oder AJZ.
Nun also der Brauclub. Wir wollen uns natürlich keinesfalls als Unheilstifter vermarkten. Und dass dem Brauclub ein ähnliches Schicksal blüht, ist eher unwahrscheinlich, wurde der Veranstalter André Donath vom meist-diskutierten Blatt des Landes höchstpersönlich zum Chemnitzer Partymacher número uno gekührt. Der Clubcheck beschränkt sich dabei auf die wöchentlichen Parties am Mittwoch und Freitag. Let’s test:
Brauclub Logo
Ambiente:

Nachdem der Einlass erfolgreich passiert wurde (was manchmal gar nicht so leicht sein kann – wir empfehlen: keine schmutzigen Schuhe wie Chucks, die bereits dutzende Festivals überlebt haben, auf gar keinen Fall auch nur ansatzweise Beinfreiheit beim männlichen Publikum, und am besten ein nicht-zu-aussagekräftiges Hemd), geht es ein paar Stufen runter zum Ort des Geschehens. Ein größerer Raum, in dem sich alles befindet, was zu einer gelungenen Party gehört: Drei Bars und ein Floor. Um der Musik mal für fünf Minuten zu entrinnen, muss also ein Gang mehr zu den Toiletten her, oder eben wieder nach oben zu den Rauchmöglichkeiten gegangen werden. Sonst heißt es permanente Beschallung. Sitzmöglichkeiten sind genug vorhanden: So befindet sich in jeder Ecke eine kleine Lounge, die jeweils gemietet werden können, und an den Rändern kann ebenfalls das Spektakel von halbwegs außen betrachtet werden.
Über den Standort selbst in der Innenstadt muss wohl kein Wort erwähnt werden. Praktischer geht es kaum.

Publikum:

Durch die eben erwähnte starke Einschränkung der Garderobe gerade bei dem vermeintlich starken Geschlecht wird bereits deutlich, dass das Brauclub-Team ein gewisses Maß an (nennen wir es mal) Stil voraussetzt. Damit geht natürlich auch Individualität größtenteils verloren. Indie-Hipster haben es also nicht gerade leicht, sich Eintritt zu verschaffen. Die Damenwelt gibt sich wie gewohnt freizügig (natürlich rennt auch hier niemand nackig herum). Die Anzahl der Anwesenden insgesamt ist bei sogut wie jeder Party nicht gerade niedrig, wodurch man glücklicherweise selten alleine ist.

Licht:

Eine Person ist hierfür permanent eingeteilt, den Dancefloor zu belichten. Insgesamt wird hier stets eine gute Balance zwischen hell genug, um geradeaus gehen zu können, und dunkel genug, um manche Gäste gekonnt ignorieren zu können, gefunden.

Sound:

Die Anlage passt wunderbar zu den hotten Tunes, die im Brauclub gespielt werden. Dazu gehören Richtungen wie aktuelle Pophits, schmissige Black Musi(c)k, und fetterfetter Elektro. Auf unbekannte Perlen braucht man hier nicht hoffen. Dafür gehört der größte Teil zum Repertoire eines jeden Hörers, der sich auch mit etwas leichterer Kost zufrieden gibt, und die Stimmung kann dadurch ziemlich gut und problemlos ins Unermessliche gesteigert werden.

Service:

Über die Art und Weise des Verhaltens von Security-Menschen muss wohl kaum noch diskutiert werden. Hier macht jeder so seine eigenen Erfahrungen, und man ist meistens den entsprechenden Launen hilflos ausgeliefert (Beispiel: Nach dem Besuch der Örtlichkeiten zur Freisetzung überflüssiger Körperflüssigkeiten wurde der Schreiber bei dem Versuch des Wiedereintritts in den Club von der sich neben der Tür befinden Aufpasserkraft nett und freundlich mit dem Wort „STEMPEL!!!!!!!!!!!!“ kurzzeitig etwas wild aufgehalten). Die Bar- und Garderobenmenschen sind größtenteils nett, auch wenn teilweise ganz schön auf sich aufmerksam gemacht werden muss, um zu zeigen, dass man nicht nur baggernd an der Bar steht, sondern auch etwas Trinkbares nötig hat.

Hygiene:

Eine Reinigungskraft sorgt stets dafür, dass hier sogut wie gar nicht gemeckert werden kann. Zumindest gilt dies für die erwähnten Örtlichkeiten. Was den Club selbst betrifft, so ist auch im Brauclub das Problem der Scherben kaum zu Hand haben. Bei einer Veranstaltung schaffte es eine leicht angetrunkene Dame sogar, mit einer einzigen Körperbewegung stolze sechs (zum Glück leere) Gläser auf einmal herunterzureißen. Leider war kein Mitglied der Guiness World Records-Jury anwesend, wodurch dieses Ereignis lediglich zur Belustigung diente, und nicht für die Nachwelt festgehalten werden konnte.

Geruch:

Viele Menschen + viel nicht-gerade-gut-riechende Flüssigkeit = G.E.S.T.A.N.K. Da müssen schon genauso viele Breeze One Touchs wie Anwesende aufgestellt werden, um das zu übertünchen. Zum Glück ist das im Brauclub auf jeden Fall ertragbar. Zu späterer Stunde achtet auf so etwas eh niemand mehr, und man wundert sich höchstens ein paar Stunden später nach dem verkaterten Öffnen der Augen über sich selbst, wie Kommunikation mit auch nur einer einzigen anderen Person möglich war, ohne dass diese sofort in einen siebenjährigen Schlaf verfallen ist.

Abschleppchancen:

Eine gewagte These des Analytikers lautet: Wer abschleppen will, schafft das hier auch zu 95%. Natürlich müssen dafür teilweise manchmal Abstriche gemacht werden. Und auf keinen Fall soll der Brauclub dadurch als einzige Liebeshöhle dargestellt werden. Aber allein aufgrund der Beobachtungen von vielen Veranstaltungen lässt sich ein gewisser Grad an Juckigkeit in diesem Etablissement nicht leugnen.

Preis-Leistung:

Zwischen fünf und sechs Euro Eintritt ist wohl mittlerweile Standard. Zusätzlich muss das studentische Publikum lediglich die Hälfte bezahlen. Das Getränkeangebot ist immens, und die Preise durchschnittlich (sechs Euro für die meisten, sehr gut gemachten Cocktails). Außerdem wird durch eine Happy Hour zwischen 22.00 Uhr und 0.00 Uhr dafür gesorgt, dass sich viele schon relativ früh ins Chemnitzer Nachtleben stürzen.

Fazit:

Natürlich hat der Brauclub beim Hipster-Publikum keinen guten Ruf. Das wird sich wohl auch nie ändern. Dennoch muss zugegeben werden, dass die positiven Aspekte durchaus überwiegen. Tolle Lage, gute Getränke, druckvolle Anlage, immer etwas los. Man muss sich eben auf die Musik einlassen können, und sein Hemd entstauben.

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