Location Check: AC17

Ein Geist geht um im Chemnitzer Nachtleben. An einigen Ecken wird derzeit des Öfteren ein leises „AC17“ in den eisigen Nachthimmel geatmet. Neues Aufputschmittel? Angesagter Szene-DJ? Naja – so ähnlich zumindest. Das AC17 ist ein neuer Club (im weitesten Sinne) auf der – wie der geneigte Abkürzungsdechiffrierer bestimmt schon erkennen konnte – Altchemnitzer Straße 17. Gute Gelegenheit um die sagenumwobende neue Location bei einem Undercover-Check-In mal gründlich auszuchecken – und zwar nach den allgemeinen Gütekriterien des re:marx-Clubchecks.

Ambiente:
Das AC17 erreicht man über die Buslinie 22 Richtung Altchemnitz – Ausstieg Bruno Salzer Straße. Folgt man der Altchemnitzer noch um die nächste kleine Kurve in Richtung Sanitätsstelle, soll einem laut Hörensagen ein kleines Schild den Weg in einen dunklen Hinterhof und weiter folgend zu einer unscheinbaren Tür weisen. Unser Redakteur hat allerdings erst ein paar Runden drehen müssen, bis der richtige Hinterhof gefunden wurde. Betritt man nun die Location, geht es erst ein paar Treppen hinauf, vorbei an den Toiletten, bis am Ende der „Einlass“ kommt. Der erste Raum den man dann betritt ist ein kleiner Flur von dem der eigentliche Konzertraum (ungefähr doppelt so groß wie der kleine Flur) und eine riesige Halle (ungefähr 20 mal so groß wie der kleine Flur) abgehen. Die Halle ist eine Mischung aus Backstage für die Bands, aber auch Rumhäng-Area für die Gäste, wobei auf jegliche Einrichtung, abgesehen von willkürlich verteilten Sitzgelegenheiten, verzichtet wird. Das eigentliche Hauptgeschehen findet ja im Konzertraum statt. Der bietet nur dann Platz für 30 Leute, wenn diese, einem Fischschwarm gleich, jede Bewegung synchron ausführen. Aber das ist ja bekanntlich die angenehmste Art zu Tanzen.
Abschließend zum Ambiente ein paar treffende Adjektive, die durchweg positiv zu werten sind: klein, intim, unfertig, DIY, freundschaftlich, roh, kollegial, konzeptlos schön.

Publikum:
Der neue Stern am Chemnitzer Nightlife-Himmel hat sich seit November 2011 kleinen Wohnzimmerkonzerten mal mehr, mal weniger bekannter Hardcore/Emo/Punkbands verschrieben. Dementsprechend gestalteten sich die Veranstaltungsräumlichkeiten größtenteils als hipsterfreie Zone. Tattoos, Tunnel und löchrige Jeans formen in Gesamtheit das Bild eines Publikums, das Wert auf Werte legt und diese vornehmlich in der gemeinsam zelebrierten Musik (egal ob live oder Konserve) gründet. Hier wird Authentizität und Trueness noch groß geschrieben. Ganz im Sinne des DIY-Gedankens früherer Hardcore- und Punkgenerationen kennt jeder jeden und alle feiern vorurteilsfrei zusammen. Auch die sinnentleerte Phrase „Ach – Ihr schönen Menschen“ wird man hier nicht hören.

Licht:
Naja – ein Lichtkonzept in dem Sinne gibt es nicht. Es ist nirgends dunkel, das ist doch was.

Sound:
Als dieser Clubcheck entstand, spielte Mikrokosmos23 gerade ein Konzert ihrer Promotour zum neuen Album „ALLES LEBT ALLES BLEIBT“. Der Sound im kleinen Konzertraum war etwas muffig und undefiniert, lässt sich aber wahrscheinlich aufgrund der Räumlichkeiten nicht besser machen. Die Atmosphäre eines wunderbaren „Auf-die-Mütze“-Konzerts kam dennoch rüber. Nach dem eigentlichen Gig gab´s Mucke vom I-Pod von irgendjemandem. Michael Jackson, das Beste der 80er und die bekanntesten Harcorde- und Punkklassiker. Alles was das elektro-überdrüssige Herz begehrt. Gott sei Dank keine Diktator-Jukebox (DJ), sondern echte Musik-Demokratie.

Service:
Eine Bar gibt es nicht. Dafür Bier und Burger am Einlass zu moderaten Preisen (Bier 1,50€, Burger 2€). Fleischliebhaber werden hier allerdings nicht auf ihre Kosten kommen, die Burger sind 100% vegan und schmecken prima. Für alle Carnetarier gilt im AC17 der bewährte Grundsatz: 8 Bier sind auch ein Schnitzel.
Die äußerst moderaten Verpflegungspreise spiegeln sich auch im Eintritt wider: Vorband + Hauptact 4€, kommt man zu spät und sieht nur noch eine Band kostet es die Hälfte.

Hygiene:

Sogar die Toiletten sind vegan.

Geruch:

Schweiß und Freundschaft

Abschleppchancen:
Sowohl der One-Night- als auch der One-Life-Stand könnte im AC17 drin sein. Es wird aber befürchtet, das hier, anders als in anderen Clubs der Stadt, zum Erreichen des jeweiligen Ziels im Vorfeld zumindest halbwegs sinnvolle Gespräche geführt werden müssen. Das liegt ja nicht jedem.

Fazit:
Das AC17 ist mit Sicherheit nichts für gelackte Styler und Szene-Hipster, die im monotonen Mantra-Takt der ewig gleichen Elektrobeats ihre eigene aalglatte Gleichgültigkeit vergessen wollen. Hier werden die Grundfesten der DIY-Mentalität in ihrer ursprünglichsten Form zelebriert. Gute Live-Konzerte, absolut angemessene Preise und ehrliche Feierei ohne Pseudo-Chic.

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