re:2017 – Ein Ausblick

Da wir nach außen hin nur einen sehr sparsamen Umgang mit Selbstzweifeln pflegen, können wir wiederholt feststellen, dass 2016 das beste re:marx-Jahr seit ungefähr 2015 war.
Wir haben uns in blaue Sicherheitsmülltüten geworfen und den Kassberg beschützt, uns gewissenlos auf’s Kosmonaut erpresst, für den Wallfrieden eingesetzt, eine Horde Orcas auf die Pinguine vor dem Brazil losgelassen, unsere erste eigene Kochsendung produziert, uns durch einen verspäteten Instagram-Einstieg endgültig in Hipster-Sphären katapultiert, den Untergang des Stadthallenparks und viele weitere Wahrheiten visionär vorausgesagt (Bombendrohung im Roten Turm, Kulturhauptstadt-Bewerbung), ein erfolgreiches Meme gepostet und Infografiken eingeführt. Und wir haben unser fünfjähriges Bestehen mit einer als Party-Schande vom Sonnenberg in die Blog-Annalen eingehenden Festivität zelebriert, wobei letzteres eine ziemlich ekelhafte Wortkombination ist.

Mit unserem Jahresausblick 2016 hatten wir zwar oft Recht, aber eben nicht oft genug: Am Ende ist doch wieder fast nichts passiert, weil in Chemnitz einfach nie irgendwas passiert. Als hoffnungslose Betonromantiker warten wir dennoch Jahr für Jahr auf den großen Chemnitz-Knall, das ultimative Ereignis, das passierende Irgendwas, das am Ende doch wieder nur ein Nichts ist. Deshalb haben wir, tief eingeschneit in unserem Garagenbüro, das Jahr 2017 aus der verglimmenden Asche eines Lagerfeuers gelesen.



Januar
Die Süddeutsche veröffentlicht einen Artikel über den MoPo-Schlagzeilengenerator.

„Je suis Chemnitz – Welche Opfer bringst du?“ wird Titel der Kampagne, mit der sich Chemnitz als Kulturhauptstadt 2025 bewirbt.


Februar
371-Leser erwachen aus fünfjährigem Koma und wählen Stylesnap zum Blog des Jahres.

Ordnungsbürgermeister Miko Runkel feiert Fasching verkleidet als Altherrenwitz.

Der neue Biosupermarkt auf der Weststraße bietet ab sofort einen eigenen SUV-Lieferservice ausschließlich für Kassberger.

Matthias Schweighöfer steigt in den Zug von Chemnitz nach Leipzig.


März
Lars Riedel outet sich als heterosexuell.

Die Vögel zwitschern, die Kriminalität im Stadthallenpark nimmt wieder zu – man weiß, es wird Frühling.

Der Mann hinter re:marx geht zur Frauenmesse und ovuliert.


April
CFC-Rettungsmaßnahme I: Michael Ballacks Tränen und Schweiß werden als Chemstrails über der Community4-Arena versprüht.

Segway-Fahrer aus ganz Sachsen treffen sich zu ihrer ersten Critical Mass an der Treppe zur Kassberg-Auffahrt und treten für stufenlose Verkehrsregelung ein.

Das Spinnereigelände wird zur Saunalandschaft für nacksche Linke, der Zutritt ist fortan nur noch im Bademantel erlaubt.

Matthias Schweighöfer kommt in Leipzig an.

Mai
Lars Fassmann bricht in eine Brühl-Immobilie ein, um sich nach der ordnungsgemäßen Installation von Feuerlöschkörpern zu erkundigen.

CFC-Rettungsmaßnahme II: Katharina Witt wird neue Chef-Trainerin der ersten Mannschaft.

Xavier Naidoo veranstaltet ein Benefiz-Konzert auf dem Lessingplatz.


Juni
Segway-Fahrer aus ganz Sachsen treffen sich unter dem Namen „Segway the Swagway“ an der Chemnitz und machen sich für ein stadtweites Segway-Streifennetz stark.

Veganer wird zu Baum auf der Reichenhainer Straße.

Re:marx scheitert am erneuten Versuch, sich mit einer blutigen Schmier-CD auf das Kosmonaut zu erpressen und geht stattdessen auf’s Wolkenkuckucksheim.

Casper bekommt einen eigenen Planeten auf dem Kosmonaut-Festival.

Juli
CFC-Rettungsmaßnahme III: Eins energie spendet acht Milliarden Euro aus eigener Tasche.

Der Wolkenkuckucksclan erwirbt neue schnurlose Walkie-Talkies.

Der Brühl wird zur Anlage für betreutes Wohnen.

August
Der Brühl wird geschlossen wegen zu lauten Sterbens.

Auf Facebook erscheint „Nacksche Linke“, eine neue renommierte Fotoreihe von Karla Mohr.

Mehr Bier für die Künstler.

Der Stadtrat beschließt die Rettung von Radio UNiCC. Neun Milliarden.

Ritter Noctulus wird neuer Generalmusikindentant der Theater Chemnitz.

September
Sonnenberg wird sauber.

Klaus Kellnberger wird zum Bundeskanzler gewählt. Der Kellnberger-Tower erstrahlt in Schwarzrotgold.

Der Stadthallenpark muss einem neuen Einkaufscenter weichen und wird an der Jakobi-Kirche rekonstruiert. Ein neuer Schwarzmarkt für pädophile Crystal-Rupper entsteht.

Chemnitzer entdecken seltenes Viadukt.

Oktober
Die Chemnitzer Türsteher-Szene bietet ersten Awareness-Workshop im Lokomov an. Thema: „Hipster oder Salafist?“.

Die Community-4You-Arena wird in „Subventionsmoloch-by-You“ umbenannt.

Matthias Schweighöfers neuer Film „Die Passion Schweigi“ über eine Zugfahrt von Chemnitz nach Leipzig ist der erfolgreichste Film des Jahres.

November
Arno von den Beatsteaks bereitet gemeinsam mit AG Arschgeige in einer Chemnitzer Kochshow ein Zebra zu.

Das Technische Rathaus wird kurz vor der offiziellen Einweihung aus lärmschutztechnischen Gründen wieder abgerissen. Rollstuhlfahrer hatten sich über zu laute Aufzüge beschwert.


Dezember
Re:marx veröffentlicht einen lustigen Artikel.

Feuerteufel zündet Reifenstecher an.

Schönau erklärt Sonnenberg Krieg.

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