Der 3D-Druck steigt: Der Abge-Faktencheck zur Maker Faire

Warum wir dort waren:
Sonntage sind zum Sentimental-Sein da. Am offiziellen Wochentag des Weltschmerzes igelt man sich am besten vor der Streaming-Seite ein und ist endlich mal so richtig schön allein. Doch wir von re:marx wollten mutig mit der Tradition brechen, und einen staatlich finanzierten Sonntags-Ausflug machen, der uns als Bloggerteam und Eigenbrötler-Einheit wieder zusammenschweißt. Stichwort Teambuilding-Maßnahme. Denn die drohende Gefahr, die von den rechtschreibschwachen Stadt-Retterinnen von Respect ausgeht, rüttelt in Wirklichkeit mehr an unseren ideellen Grundfesten, als sich der geneigte Leser vielleicht vorstellen mag. In Zeiten wie diesen, in denen das Chemnitzer Internet von gutmütigem Gefühlskitsch überrannt wird, muss der gemein-zynische Blogger zusammenstehen. Ein Besuch der Maker-Faire, ein Event, das wie für Blogger und Kreativgeile gemacht klingt, schien der perfekte Anlass dafür. 

Was wir erwartet haben: Die Maker Faire als Mekka der Kreativszene, wo so hart gepitcht wird, dass alle nur noch mit Mickey-Mouse-Stimmen sprechen. Einen SPACE, in dem auch re:marx eine Zukunft hat. Tipps zur Steigerung unserer Performance, im Blog und im echten Leben. Kontakte knüpfen in einem nachhaltigen Netzwerk, das bald schon das neue Internet of Things sein könnte. Innovatives Design 4.0, von dem auch re:marx Realisieren lernen kann. Die Chance zum Do-It-Together, bei dem wir trotz panischem Festhalten am Do-It-Alone Teil der Community werden. Eine Community, bei der auch Nerds wie wir interaktiv am Happening teilhaben können. Erlebnis-Charakter zum Sharen. Die Möglichkeit, dort endlich selbst einen Job zu finden oder unseren Shownacktikant ins Arbeitsleben zu integrieren.

Die High-Tec Hindenburg beim Landeanflug

Was wir wirklich erwartet haben: Eine Start-Up-Szene, die sich derart akribisch grotesk präsentiert und selbst inszeniert, dass wir endlich wieder Blogfutter und Bullshit-Bingo-Material haben. Viele kostenlose Kugelschreiber, Bonbons, Fahrradsattelschützer, Luftballons und Federmäppchen zum Einstecken.

Was uns wirklich erwartet hat:  Die Maker-Faire ist das Hippie-Festival der Elektronik-Szene, das Coachella der Computer-Connaisseure, das Woodstoock der Technik-Tüftler und so weiter. Statt Haarbänder trägt man hier Ketten aus Elektroschrott, statt LSD greift man zum Elektroschock, statt der John Lennon- trägt man eine Virtual Reality-Brille, man flechtet keine Blumenkränze, aber man schweißt postapokalyptischen Schmuck. Es gibt sogar tanzende Blumen-Roboter, die neue Form von Flower Power. Alles ist aus Holz, gelasert oder nachhaltig 3D-gedruckt, alle sind entspannt, nur der Typ mit der Hindenburg lenkt das lustige Luftschiff aus dem Hinterhalt heimlich gegen die Köpfe der Besucher. Kinder wollen plötzlich wieder friedlich Modelle basteln und mit dem Elektrobaukasten experimentieren, als wäre 1980 und Konsolen und Smartphones noch nicht erfunden. Das führt nicht nur Familien endlich wieder zusammen, sondern auch gebeutelte Blogger-Teams wie unseres. Eigentlich aber ging es auf der Messe doch nur um die eine große Frage der Makerheit:


WER HAT DEN SCHÖNSTEN 3D-DRUCKER? 
Der 3D-Drucker ist der Rasse-Kastrat der Maker-Faire, die hochdekorierte Norwegische Waldkatze, der beste Junghund der Elektronik-Welt, der schönste Veteran der Zukunft. Ein Gerät, das unter großem Druck steht und auf jeder Maker-Messe permanent performen und delivern muss.

Wer den schönsten 3D-Drucker hat: 

Erster Platz „Bester 3D-Drucker international“. Wird ideell von der TU Chemnitz unterstützt.

Sieger in der Kategorie „Bester Drucker-Name“: Der reinrassige Drucker „Stahlschweinmammut 300 – 3D Sklave I“

Dritter in der Kategorie „Schönste Fellfarbe“

Gewinner „Bester JungdruckerIn“

Sieger in der Rubrik „Große 3D-Drucker“

Ging leider leer aus. Ihm fehlt noch die Erfahrung auf großen Messen.

Zweiter Platz in der Rubrik „Bester Veteran“

Drittbester Dreidedrucker

Sieger in der Kategorie „Nationale Nachhaltigkeit“

Was unser Doktorand der Infografik dazu sagt:
„Alle Forscher, die E-Technik oder I-Technik machen und abstrakt nur irgendeine Scheisse programmieren, zeigen heutzutage 3D-Drucker, weil sie keine richtige Forschung machen, die sie zeigen können“

Wortspiele, die wir unbedingt noch machen wollten:  
„sieht aus wie 3D-gedruckt“

Namen der Kinder, die sich nicht benommen haben: Kevin, Matheo, Guck ma Theo.

Sätze, die Kinder nur auf der Maker-Faire sagen: „Mama, ich will jetzt aber löten!“
„Okay, also ich geh jetzt löten“

Sätze, die Eltern nur auf der Maker-Faire sagen: „Kämm dir mal die Löten!“

Anzahl der Holz-Hippies, die den Hut von unserem Shownacktikanten gut fanden:  eins.

3D-Druck-Nachbildung der musischen Kopfbedeckung eines ehemaligen Andrè-Gymnasiasten.

Was selbst wir gut fanden: Es gab wirklich viele, verschiedene, vielfältige Aussteller, die ihre 3D-Drucke auf der Messe mitmach-freundlich präsentierten. Und das wiederum wurde vom ständig unter kreativem 3D-Druck stehenden Chemnitzer sehr gut angenommen.

Diese treuherzigen Roboteraugen lügen wie 3D-gedruckt

Dinge, die wir auf der Maker-Faire gelernt haben:
„Papier ist schnell, Papier ist direkt, uns deshalb braucht man eigentlich gar keine App zum Schreiben“
„Ich baue hier Holzmodelle von DaVinci nach. Beruflich bin ich aber in der Forschung. Wir arbeiten mit 3D-Druck“

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