Treibsand Open Air am 21.08. 2011

Am Sonntag endete die Treibsandsommersaison mit dem letzten Open Air für dieses Jahr. Während die Partyreihe für Club- und Tanzliebhaber im Winter mit dem Weltecho ein echtes Zuhause hat, ähnelt sie im Sommer unfreiwillig einem Wanderzirkus, der letztes Jahr auf dem Citybeach begann, zur Schlossteichinsel zog und dann zum Ndorphin musste. Immer sind es unsichtbare Mächte in Form von gestaltlosen Anwohnerbeschwerden und fantasievolle Ordnungs- und Sittlichkeitsauslegungen, die ein schönes sonntägliches Feiern in Chemnitz schlicht ausschließen. So hält die Stadt tapfer und reaktionär wie gewohnt die Dinge fern, die ihr gut tun würden.

Angemessenerweise schadet das aber nur der Stadt selbst, denn die Treibsandreihe profitiert vom Zwang nach neuen Austragungsorten zu suchen. So erwies sich die Entscheidung für eine Fortsetzung im idyllischen Naturbad Niederwiesa als Volltreffer. Doch auch da fanden sich wieder genügend Menschen, die so feinfühlig sind, dass sie sich auch aus mehreren Kilometern Entfernung von Musik stören lassen können. Wie gewohnt äußerten sich diese unmenschlichen Wahrnehmungsleistungen in Missgunst und Beschwerde, wodurch der bisher letzte Umzug des Open Airs erzwungen wurde. Und es zog zum Riesenrad.

Riesenrad im Sonnenlandpark

Der Sonnenlandpark Lichtenau wurde für einen Tag zur Spielwiese für erwachsene Kinder. Wer nicht gerade getanzt hat, lag bei subtropischer Sommerluft ein bisschen auf der Wiese, genießt ein kühles Getränk, streichelt die sympathischen freilaufenden Rehe, fährt ne Runde Riesenrad oder genießt einfach nur Musik und Menschen. Die gabs auf zwei Bühnen. Während Künstler des Dresdner Musiklabels Uncanny Valley vor allem mit den Live-Performances von Cuthead und C-Beams feat. Tina Lotta für experimentelle Abwechslung sorgten, konnte vor der Hauptbühne immer schön geradeaus getanzt werden. Dort hat vor allem Headliner Âme nicht enttäuscht, indem er gezeigt hat wie gut er das Publikum lesen kann und wie wohl sich dadurch alle gefühlt haben.

Headliner Âme

Zuvor feierten Cath Boo und Liza Main Treibsandpremiere. Die beiden Chemnitzer DJanes werden in letzter Zeit immer häufiger gebucht. Mal getrennt und mal gemeinsam. Deshalb haben wir den beiden mal ein paar Fragen gestellt:

Wie ist es denn zur Zusammenarbeit zwischen euch gekommen?

Liza Main: Dass wir uns getroffen haben, ist einer Reihe glücklicher Zufälle geschuldet. Wir sind musikalisch auf einer Wellenlänge, ergänzen uns und es kommt wieder was Neues dabei raus. Trotzdem bringt natürlich jeder seinen eigenen Stil ein. Das genieße ich sehr und freue mich natürlich umso mehr, wenn wir die Gelegenheit haben zusammen aufzulegen. Diesmal wars ganz einfach so, dass Christin als Treibsand-Crew-Member mich eingeladen hat, mit ihr aufzulegen.

Cath Boo: Wir haben schnell festgestellt, dass wir denselben Musikgeschmack teilen. Glücklicherweise ergab sich direkt ein Booking für Citylights, was uns unterstützte auch gemeinsam die Auflegleidenschaft zu zelebrieren. Ein Grund mehr auch zusammen bei Treibsand zu zweit die Turntables unsicher zu machen.

Wie schätzt Ihr die Treibsandreihe ein?

L. M.: Ich habe Treibsand ja zu Beginn – anders als Christin, die ja Teil der Crew ist – als Gast wahrgenommen und war davon schon überzeugt. Das Booking war durchgängig sehr gut und vor allem außergewöhnlich für Chemnitzer Verhältnisse. Wobei man an der Stelle natürlich nicht Cupcas Citylights außer Acht lassen darf. Da kann man auch sehr gute DJs und Musik hören. Leider hab ich manchmal das Gefühl, dass manchen Leuten das gar nicht so bewusst ist.

C. B.: Treibsand als Event hat für mich einen sehr bedeutsamen Stellenwert in Chemnitz. Es trägt hier auf hohem Niveau zur Untermalung der kaum ausgeprägten Subkultur bei. Ich bin froh und stolz dieser Sache organisatorisch und musikalisch beizuwohnen, denn auch freundschaftlich sind mir da ganz besondere Unikate begegnet, die ich nicht mehr missen möchte. Selbst Lisa habe ich damals bei der Veranstaltung am Ndorphin erstmals spielen hören dürfen. Für mich ergänzt das die Bemühungen von Cupca, der schon vorher in dieser Richtung mit Citylights eine mir sehr wichtige Veranstaltungsreihe etablierte.

Was macht euch als DJs aus?

C. B.: Das ist wirklich seltsam selbst zu beantworten. Das müsste man Zuhörer fragen. Ich für meinen Teil denke, dass solange man etwas mit Leidenschaft verfolgt, kann man diese Leidenschaft auch anderen vermitteln. Und ich möchte mit meinem bzw. unserem Sound einfach nur bewirken, dass Musik, die mich bzw. uns bewegt auch andere bewegt.

L. M.: Genau. Das wichtigste ist, dass man hinter dem steht, was man macht. Dann kommt alles andere von allein. Sobald man anfängt sich zu verbiegen, geht der Spaß und die Leidenschaft verloren – und das merken die Leute auch schnell.

Hättet Ihr die Wahl, wo würdet ihr am liebsten mal auflegen?

C. B.: Auflegewunsch… Ich denke mal, das Traumzwischenziel ist Berlin. Aber interessant ist wohl auch der Weg bis dahin…

L. M.: Berlin, klar! Da würd ich auch nicht nein sagen.

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