Match ärger dich nicht: Der erkenntnisreiche Weg vom Tinder-Date zum Samenstau

Hinweis: Dieser Artikel ist offenkundig aus der Sicht eines Herren mittleren Alters geschrieben. Außerdem die obligatorische Anmerkung: Die Ähnlichkeit mit real existierenden Personen und Geschichten ist durchaus korrekt. #gähn

Eine Zeit lang war es modern, cool und fast schon ein Zwang, irgendeinen Senf über die Dating-App Tinder zu verfassen. Ob nun Erfahrungsberichte, Statistiken über Nutzerzahlen oder die schlichte Betitelung als Apokalypse, die die Form und Verkörperung einer App angenommen hat – jeder musste seinen oftmals sinnentleerten Brei dazugeben. Nun sind wir nicht gerade bekannt dafür, auf irgendwelche vor sich hin rasenden Hype-Züge aufzuspringen. Vielmehr warten wir ab, bis sich die Wogen wieder geglättet haben und sammeln in der Zeit Erfahrungen, um letztendlich davon doch noch zu berichten – wenn es aber auch wirklich gar keine Sau mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Genau so verhält es sich beim Phänomen Tinder: Bereits vor geraumer Zeit stand die Idee im Raum, selbst ein Profil zu erstellen und einen vollkommen uneigennützigen Test zu starten. Und in der Tat wurde dieses waghalsige Vorhaben auch vor fast exakt anderthalb Jahren in die Realität umgesetzt. Nach 550 Tagen, 250 Matches und 0 Mal Geschlechtsverkehr können wir mit Fug und Recht behaupten: So lang und intensiv wurde bisher kaum ein Produkt auf dieser Welt jemals getestet.

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Zehn/Kurze Fragen mit Lin Baker.

Seit zwei Jahren existiert das Erfolgsformat „Zehn/Kurze Fragen“ – Zeit für harte Fakten: 200 Gläser Schnaps wurden gefühlt gefüllt, fünf Kotzehäufen kunstvoll geformt,  drei Interviewer-Lebern verschleißt, 122 Fragen nicht gestellt, 400 Stunden Video Material schlecht geschnitten. Achtundneunzigkommafünf Prozent unserer Interview-Gäste waren männlich, weiß und Chemnitzer. Der beste Beweis dafür, wie tief auch die Chemnitzer Kulturszene von patriarchalischen Strukturen durchwirkt ist – seit zwei Jahren kämpft das Matriarchat von re:marx (Frauenquote im Vorstand von 1000 Prozent) gegen das männlichweiße Privileg. Jetzt ist es uns endlich gelungen: Die erste Frau, die im Schnaps-Weltall von re:marx Gläser poliert (schlechter Klischee-Witz zum Hausfrauentarif), ist Lin Baker, die vielleicht schon an jeder Bar der Stadt Schnaps ausgeschenkt hat, als Betreuerin für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge arbeitet und ganz nebenbei gemeinsam mit „and the“ Musik macht – und zwar Soul. Das das bekanntermaßen schwarze Musik ist, haben wir unsere selbstgesetzte Marginalisierte-Minderheiten-Quote fast erreicht und mit diesem Satz bestimmt auch irgendwo einen Aufschrei generiert, aber um lupenreine political correctness können wir uns zu dieser späten und wirren Dienstag-Abendstunde nicht mehr kümmern, deshalb bleibt uns nur noch, die bereits wundgelegenen Problemstellen unserer komplexen Welt mit ganz viel Gisela zu desinfizieren. Dass Lin Baker and the gerade eine EP namens „Cigarettes and Whisky“ draußen haben, die man in Chemnitz auch kaufen kann,  ist absoluter Zufall und hat rein gar nichts mit diesem Interview zu tun.
Ein Gespräch, von dem wir schon wieder vergessen haben, worum es eigentlich ging, weil unser Techniker zu lange gebraucht hat, um es zu schneiden und es natürlich wie immer viel zu lang ist, um sich das Ganze noch mal in Ruhe anzugucken. Weil wir Blogger und als solche ja ständig busy und dizzy sind. Ihr jedoch müsst diesen Film geschoben haben, unbedingt! Vielleicht, so munkeln unsere vom Pfeffi ganz weichgespülten Gehirnzellen, geht es um Frauen, Männer, Armlängen und um den Klang von Chemnitz. Prost!

Was wir mit Leonardo DiCaprio & Facebook gemeinsam haben. Oder: re:marx goes Leipzig!

Der ehemalige Profi-Handballer Stefan Kretzschmar nimmt sich unseren Lieblingschoreografen Detlef „D“ Soost als Vorbild und bietet als etwa 129. Pseudopromi einen eigenen Fitnesskurs basierend auf der Interaktion mit dem eigenen Körpergewicht an. Facebook etabliert nach 268 Jahren der Mutmaßungen offiziell neue Reaktions-Buttons. Und Leonardo DiCaprio erhält im gefühlt 564. Anlauf seinen ersten Oscar. Was haben diese weltbewegenden, jedoch auf den ersten Blick nicht im Zusammenhang-stehenden Ereignisse allesamt gemeinsam? Sie waren so vorherseh- wie gleichzeitig unvermeidbar. „Es ist eben nur eine Frage der Zeit“, könnte hier stellvertretend als Leitspruch gelten. In dieser Reihe der historischen Ereignisse wollen auch wir uns nun einordnen. Weiterlesen

Chemnitz Zweitausendsechzehn: Ein Ausblick.

Hallo 2016. Das Jahr, das dem letzten jetzt schon mindestens eine Armlänge voraus ist: Nordkorea-Kim testet Atombomben, Saudi-Arabien und Iran testen den nicht vorhandenen Weltfrieden, Köln testet die Grenzen unserer Gesellschaft. Geht jedenfalls super los, dieses Jahr, und wenn wir Glück haben, wird alles noch viel besser.

Anlässlich des Jahreswechsels haben wir nicht etwa zu tief ins Glas (naja), sondern ganz tief in die Glaskugel geschaut, in der die Zukunft so unheilvoll dunkel glitzert wie das Wasser des Schlossteichs bei Regen. Bis sie uns schließlich phantastische Prophezeiungen vor die Füße gespuckt hat, die sich nicht etwa auf das durchweg verdorbene Weltgeschehen beziehen, sondern auf das besiegelte Schicksal der Stadt, über die wir hier hin und wieder schreiben, und das ist, Überraschung, Chemnitz. Jahresrückblicke sind ohnehin total 2014. Der moderne Blogger mit dem weltmännischen Weitblick von heute schreibt seine Jahreschroniken schon, bevor das Jahr überhaupt richtig begonnen hat. Deshalb hier, jetzt, exklusiv und nie wieder: Unsere Billanz für das Jahr 2016. Eine leichte Prise schwerer Schwachsinn, bevor wir uns wieder dem Ernst des Chemnitzer Lebens widmen.

In diesem Sinne: Frohes Neues!

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Zehn/Kurze Fragen mit Playfellow

„Dummheit frisst, Intelligenz säuft“, sagte mal wer. Wer wissen wir gerade nicht genau.
„Happiness in intelligent people is the rarest thing I know“, schrieb mal wer. Das war Hemingway, der depressive Säufer mit der nüchternenen Sprache.

Wer sehr intelligent ist, ist selten glücklich, und wer selten glücklich ist, trinkt intellektuell-bordaeuxfarbenen Wein wie Wasser, schlussfolgern wir daraus und aus unserer eigenen, über Jahre hinweg angetrunkenen Rotwein-Weisheit.

Chemnitz ist in ihrer nischlbetonharten Modedrogenresistenz seit jeher eine Stadt, durch die zwar nur ein kleiner unbedeutender Fluss, dafür aber ein kontinuierlicher Strom Alkohol fließt, der viele immer wieder ins Verderben reißt.

Daran, dass die Chemnitzer besonders intelligent sind, liegt das vermutlich nicht. Daran, dass die postsozialistische Traurigkeit in Chemnitz so großflächig grau erlebbar ist, wie nirgendwo sonst (übertrieben geschrieben) vielleicht schon.

Vor zwei Wochen haben wir uns mit der traurigsten Band der Stadt getroffen, um all das kollektive Chemnitz-Leid in Gin zu ertränken, uns melancholisch im Schnaps zu baden und peinliche Lanz-Fragen zu stellen.  Es folgen: Zehn/Kurze Fragen mit Playfellow, genau, die, die heimlich bei Radiohead klauen und die ab morgen mit ihrem neuen Album „Ephraim’s House“ ein Stück der Chemnitzer Melancholie in die weite Welt tragen.

Abgefakt: Holding Back The Years – Studentendisko revisited.

Wir sind wieder hier. In unserm Revier. Warn nie wirklich weg. Ham uns nur versteckt. Nach gefühlten Jahrzehnten der Abstinenz begab sich re:marx, getrieben von Nostalgie und Wermut äh Wehmut, bei der allseits beliebten Chemnitzer Studentendisko auf die Suche nach dem Gefühl von früher und der Antwort auf die Gretchen-Frage: Sind die anderen uncool, oder sind wir einfach nur alt geworden? Ein Abgefakt: Studentendisko. Oder ist es ein eher ein Abgefakt: Wir selbst ?

Das war:
Nichts wie es heute ist. Bevor man dem Johannisplatz die graue Kellnberger-Glasfassaden-Uniform übergestülpt und mit der Ansiedlung eines Vapianos endgültig zum Einkaufsstraßen-Einerlei komplettiert hatte, befanden sich hier kreisrunde Blumenbeete, meist mies bepflanzt. Hip sahen die nicht aus, aber man konnte auf ihren gekachelten Rändern sitzen und sich von der Clubnacht abkühlen. Bier trinken, rauchen, seriöse Suff-Gespräche führen, nach Gras gefragt werden. Anlass dafür war meist die Studentendisko: Jeden soundsovielten (wir wissen es gerade gar nicht mehr, so lang ist das schon her) Mittwoch im Monat, der Eintritt war frei – ein Highlight im studentischen Veranstaltungskalender. Immer traf man hier alle, die man gern treffen wollte, und auch die anderen. Immer liefen hier handfeste Indie-Hits und immer Madness. „Our House“ bis zum Britpop-Erbrechen. Irgendwann konnte man es nicht mehr hören: Tausend mal gehört, tausend mal ist nichts passiert.

konfetti

Früher war mehr Konfetti.

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Die Post der Moderne (KW wasweißich): Was letzte Woche im Chemnitzer Internet geschah.

Weil wir von Re:marx uns als zwangsklicks-finanziertes, öffentlich-nichtganzrechtliches Blog dem Bildungsauftrag verpflichtet fühlen, wollen wir euch an dieser Stelle mal ein essentielles kommunikationstheoretisches Konzept vorstellen: Die Schweigespriale. Das ist keine besonders stille Verhütungsmethode, sondern eine Theorie zur öffentlichen Meinung. Und im Kern ganz einfach: Merkt man, dass man die Meinung, die man hat, scheinbar alleine hat, weil sie nicht konsensfähig ist, verzichtet man lieber darauf, diese Meinung öffentlich zu äußern. Man hüllt die strittige Meinung in den sanften Schutzmantel des Schweigens. Warum das so ist? Weil der Mensch als Rudeltier Angst vor sozialer Isolation hat und stets nach gesellschaftlicher Anerkennung und Inklusion strebt. Glaubt man aber zu wissen, dass die eigene Meinung gerade angesagt ist, steigt die Bereitschaft, sie zu äußern, bzw. sie in grausamen Deutsch in die Kommentarspalten unter diverse Facebook-Posts zu tippen und dafür mit Zustimmung – also Likes und „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Kommentaren – überhäuft zu werden. Fast fertig ist die Theorie, über die man sich als angehende_r KommunikationswissenschaftlerIn im Laufe des Studiums gefühlt 30 Referate anhören darf. In jedem dieser 3000 Referate über Noelle-Neumanns Schweigespirale gab es jedenfalls ein spezifisches Beispiel: Die BILD-Zeitung.

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Post der Moderne (KW 16): Was diese Woche überall geschah.

Was für eine Woche! Wieder einmal scheint die Welt aus den Fugen geraten zu sein: Tief erschüttert vom #Trainerbeben liegt sie nun in tausend schwarz-gelbe Einzelteile zerbrochen rautenförmig vor uns. Für alle die, die Mittwochmittag durch nutzlose Taten wie Arbeit oder Studium oder Vergleichbares verhindert waren und somit keinen einzigen der unzähligen Katastrophen-Live-Ticker live mitverfolgen konnten, haben wir die spekulativen Live-Ticker-Ereignisse des gestrigen Tages im ersten großen re:marx Live-Ticker-Live-Ticker zusammengestellt. Hier und jetzt zum Nachlesen, für die, die nachlesen möchten, in dieser professionellen PDF-Datei. Warum? Weil #slowjournalism der neue Live-Ticker ist: Trainerbeben-Liveticker-Liveticker
Alle anderen lesen einfach unten weiter.

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Post der Moderne (KW 15): Was diese Woche in Chemnitz geschah.

Zunächst eine allgemeine Meldung, die uns diese Woche sehr bewegt hat: Der Chef von Rügenwalder Mühle hat gesprochen und es klingt ein wenig wie eine wegweisende Weisheit von Konfuzius: „Die Wurst ist die Zigarette der Zukunft“, sprach er.  Weil die Wurst zunehmend unbeliebter wird und Wurstesser im veganen Weltbild ähnlich beliebt sind wie Raucher in Restaurants. Allein die Gefahr des Passiv-Wurstessens könnte schließlich Tiere töten und darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Es dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich das Wurst-Verbot in Supermärkten durchsetzt. Was ungerecht wäre, denn auch Rohkost kann gefährlich sein. Wir finden die Rügenwalder Analogie aber ganz aufregend: Denn irgendwie galt Rauchen ja mal als cool, als ein Ausdruck der Rebellion, ein stinkendes Statement der Non-Konformisten und war manchmal trotzdem sexy. Wenn das nun bald auch für die Wurst gelten sollte, dann haben wir bisher alles richtig gemacht.

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Der Rock’n’Roll-Lifestyle geht weiter – on the road als Merchboy von …Thanks And Get Ready! Teil 2 – Seiffen: JFV, 28.02.2015

TEIL 1

Chemnitz, Bernsdorf, Samstag Nacht, 28.02.2015, 02.03 Uhr: Völlig aufgekratzt aufgrund des vergangenen Abends liegt der Merchboy in seiner 1,40 Meter Furzmolle und versucht vergeblich, das voller Impressionen vollgesaugte Köpfchen zum Entspannen anzuregen. Doch es will einfach nicht klappen – zu präsent schwirrt L. in den tiefen Bahnen der Gehirnrinde, zu schwer wiegt der Selbstzweifel, ob das komplette Verkaufstalent zum Einsatz kam. Einen WWF Royal Rumble von 1996 später gelingt letztendlich der lang ersehnte Fall in den Tiefschlaf – und das erstaunlicherweise exklusive traumatischer Verarbeitung jeglicher Erlebnisse.

10.30 Uhr: Während die wahren Rockstars am nächsten Morgen in einem nach Puma riechenden Nightliner aufwachen, ohne überhaupt ansatzweise eine Ahnung zu haben, in welcher Stadt sie dieses Mal sabbernde Groupies begatten dürfen, erwacht der Merchboy einsam und #AlleinAllein in seinen eigenen vier Altbauwänden. Eine Low-Carb-Mahlzeit und etliche YouTube-Videos später wächst behutsam die Vorfreude auf Tag 2 der umfassenden 2-Tages-Tour. Dieses Mal sollte alles anders werden: Keine bekannten Gesichter und ein bisher völlig unbekannter Kurort standen auf dem Programm – inklusive der Möglichkeit, gänzlich neue Verkaufsstrategien zu testen, ohne dabei seinen kompletten Ruf zu ruinieren.
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