Die Post der Moderne: Was im Oktober in Chemnitz geschah.

Es ist Herbst in Chemnitz, der Sommer hat sich verabschiedet und mit ihm die unzähligen Erfolgsfans der Stadt. Die meisten von ihnen kamen eh nur, um coole Selfies mit den angesagtesten Nazis und meistgefollowten Faschofluencern der Republik zu machen, manche aber auch, um auf Kunst- und Musikfestivals in der sengenden Sommerhitze leichtfüßig in Pfeffiblasen zu tanzen. Aber der Sommer ist in Chemnitz schon länger weg, hier ist schon Ende August schlagartig alles braun und kalt und aus den Pfeffiblasen ein Schnapssumpf geworden, der CFC verliert keine Spiele mehr, an die Nazis hat man sich erschreckend schnell „gewöhnt“ — wer jetzt noch in Chemnitz ist, muss entweder Die-Hard-Fan oder anderweitig ruiniert sein. Herbst in Chemnitz ist nur für die Härtesten, für Leute, die drei Stunden lang im Nieselregen auf ein Taxi warten, die sonntags zu Emmas Onkel gehen, ohne vorher einen Tisch zu reservieren, die im Bus  hinten einsteigen, im Stadthallenpark Alkohol aus Glasflaschen trinken, unbewaffnet über den Sonnenberg laufen und den Lulatsch als unerträglich bunte und widerlich lebensfrohe Perversion empfinden. Für Leute also, die die Post der Moderne immer bis ganz zum Ende durchlesen.

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Nie wieder Selfiestick: Der große Überwachungskamera-Check

Chemnitz, wir müssen über Chemnitzer Gefühle reden. Während andere Städte vom Völlegefühl völlig übersättigt vor Bars und Kneipen hängen, ist Chemnitz eher so der Schnaps-Exzess auf nüchternen Magen: Eine Mischung aus melancholischem Leere- und postmodernem Freiheitsgefühl. Nachts mitten auf der Straße nachhause zu laufen und dabei nicht überfahren zu werden, weil überhaupt niemand da ist, der einen überfahren könnte, das ist so ein typisches Chemnitz-Gefühl. Sich bei einem Konzert nicht aus dem schüchternen Halbkreis heraus vor die Bühne zu trauen, auch. Dann gibt es noch die soziopathische Angst, vor Emmas Onkel vorbeizulaufen und Leute grüßen zu müssen. Das traurige Geltungsbedürfnis der Chemnitz-Krankheit. Das euphorische „Fast-wie-eine-richtige-Stadt“-Gefühl und das warmherzige Gefühl der Familien-Zusammenführung, wenn man irgendwo hinkommt, und alle die man kennt, sind auch schon da. Und dann wäre da noch das Sicherheitsgefühl Komma subjektiv. Warum das Sicherheitsgefühl neuerdings immer mit dem Zusatz subjektiv versehen wird, ist uns ehrlich gesagt vollkommen unklar, denn Gefühle können ja von Natur aus gar nicht objektiv sein. Mit dem Sicherheitsgefühl Komma subjektiv ist es jedenfalls kompliziert, denn wie alle Gefühle ist es vollkommen fakten– und vernunftresistent, quasi postfaktisch. Es ist immer nur dann da, wenn es nicht da ist, bezieht sich seltsamerweise ausschließlich auf deutsche Städte, nicht aber auf die deutsche Autobahn, ist das wütend lamentierte Lieblingsargument bei Bürgersprechstunden, vielleicht ist es auch nur als Angst getarnte Fremdenfeindlichkeit. Denn gefühlt betrifft es vor allem beigejackige Jammerossis zwischen 50 und 70, die abends ohnehin nie rausgehen, weil sie lieber die hundertste Tatort-Wiederholung auf ihrem 2478 Zoll Flatscreen gucken, und sich ihr Sicherheitsgefühl aus den Tag24-Schlagzeilen konstruieren.
Das Sicherheitsgefühl ist kein alleiniges Chemnitz-Problem, sondern allgemein das fragilste aller deutschen Gefühle, schlimmer noch, als die Angst davor, auch bei der nächsten Fußball-WM wieder in der Vorrunde auszuscheiden. Deshalb hat die Stadt Chemnitz dem kleinen Sensibelchen jetzt gleich mehrere videofähige Babyphones neben das Bett gestellt: 31 schicke neue Überwachungskameras vom Typ Panomera S4 und S8, im Mai vom Stadtrat beschlossen, im Sommer installiert, seit heute in Betrieb. Echte Herbst-Babys also, wobei Herbst auch wieder nur so ein Gefühl ist, genauso wie das Gefühl, von Big Babalu beobachtet zu werden. Die Kameras, ob sinnvoll oder nicht, sind jetzt jedenfalls da, und wir müssen das Beste daraus machen, wie ein Sportverein in der Krise twittern würde. Und was ist das Beste, das man mit einer Kamera machen kann? Genau: Selfies! Unser Guide zum Beobachten und Beobachten lassen in Chemnitz Mitte. 

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Es gibt ein richtiges Chemnitz im Falschen.

Seit sieben Jahren schreiben wir über Chemnitz, und im Prinzip immer wieder dasselbe: Über Lärmbeschwerden, Leeregefühle und Lulatschfarben. Über schlechte Zugverbindungen, die Betonsünden von Kellnberger, die chronischen Midlife-Krisen der Stadt und die seltsamen Ideen der Stadtverwaltung. Immer wieder sind auch Nazis und Rechtspopulisten Thema, mal mehr, mal weniger mehr, meistens jedoch nur in den Nebensätzen, irgendwo erwähnt am rechten Rand.
Jetzt sind die Rechten in die Hauptsätze marschiert, in die Schlagzeilen, auf die Titelbilder. Sie sind Innenminister, sie sind Verfassungsschutzpräsident, in den Kommentarspalten sind sie sowieso schon die ganze Zeit. Mit ihnen in den Fokus gerückt ist Chemnitz: Die Stadt, in der man sich über fehlende Parkplätze mehr aufregt als über grölende Nazis, in der es eher unwahrscheinlich ist, dass man nachts überhaupt noch andere Menschen auf der Straße trifft. Die alte Arbeiterstadt, die eigentlich nur ihre Ruhe haben will — und das ist vielleicht ihr größtes Problem.

Noch nie haben wir mehr über diese Stadt gelernt als in den letzten zwei Wochen. Gleichzeitig war es noch nie schwerer, über die Stadt zu schreiben, als in diesen letzten zwei Wochen. Weil wir aber nicht zur Normalsatire übergehen können, als wäre nichts passiert (dafür gibt’s ja außerdem schon die CDU Sachsen), müssen wir es doch tun. 

Was andere denken, wie Chemnitz ist.

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Sonnenberg vs. Kaßberg: Das Duell der Hoods im Faktencheck.

Ausgerechnet vorm Nischel und ausgerechnet an diesem sonderbar hitleresquen Datum (18/08/18), schwenken am Samstag ein paar braunverbrannte Trottel mal wieder eifrig ihre Reichsfahnen und demonstrieren dafür, endlich ungehemmt „deutsch und stolz“ sein zu dürfen. Die wirklich wichtige Frage aber wird nebenan im Stadthallenpark geklärt: Sonnenberg und Kaßberg kämpfen gemeinsam gegeneinander in einer historischen Wasserschlacht um die Chemnitzer Vorherrschaft und zeigen den Nazis, wo und wie sich eine Spaltung der Gesellschaft wirklich lohnt. Sojalatte gegen Sterniflasche, Großbourgeoisie gegen Arbeitermentaliät, Onkel gegen Loko, Bonzenedeka gegen Assinetto, Firstworldprobleme gegen Problemviertel, kurz: Kaßberg gegen Sonnenberg. Ihr wisst nicht, auf welcher Seite ihr dabei stehen sollt? Wir haben beide Stadtteile für euch auf essentielle Chemnitz-Kriterien wie „Ringbushaltestellen“, „Inszenierungspotenzial“ und „Kriminalitätsrate, gefühlt“ faktengecheckt. 
Eingang: Auf den Sonnenberg geht man viral durch einen dunklen Fußgängertunnel, der im Volksmund liebevoll Bazillenröhre genannt wird, weil man sich dadrin so schnell anstecken kann mit Chemnitz und mit Kriminalität. Die Bazillenröhre wäre in jedem finsteren deutschen Krimi ein zentraler Schauplatz: Für Verbrechen, für Verfolgungsjagden mit Nick Tschiller, für Drogendelikte oder für quälend lange Angstszenen. In Chemnitz ist sie wahlweise eine No-Go-Area für chronisch besorgte Tag24-Leser, eine Pilgerstätte für Kraftklubfans oder ein  potenzieller U-Bahn-Schacht für alle 2025-Visionäre. 
Auf den Kaßberg gelangt man nur über die Kaßbergauffahrt — wie bei einem alten Adelssitz. Weil die Kaßbergauffahrt derzeit aber restauriert wird, kommt man weder auf den Kaßberg rauf, noch vom Kaßberg runter, weshalb der urbane Adel quasi im goldenen Käfig festsitzt. Die Kaßbergauffahrt ist deshalb aber nicht weniger gefährlich: Wer sie mit dem Bus runterfährt, ohne sich manisch am Rollator festzuklammern, könnte auch genauso gut ohne Fallschirm Fallschirmspringen. Offizielle Alternative zur Kaßbergauffahrt ist übrigens die aaltra-Treppe — eine Art Freiluft-Bazillenröhre, nur viel viel anstrengender.
Fazit:  Die Bazillenröhre hat mehr Streetcred als jeder Citytunnel – 1:0 für den Sonnenberg.  Weiterlesen

Schöner Cornern in Carparkstadt — Chemnitzer Parkhäuser im Test.

Bei 371 Grad im Schatten kann es selbst im sozialkalten Chemnitz schon mal warm werden. Dann wird Chemnitz zum sächsischen Death Valley: Ein grauer Hitzeschleier senkt sich über die Stadt wie die Burka-Bedrohung über die Frauen von AfD-Anhängern. Der Asphalt flimmert, die Sonne knallt so unerbittlich wie der dritte Sangria-Eimer, der Beton zerfließt in der Hand, Tumbleweed-Tüten rollen durch den leeren Stadthallenpark. Die Rentner sitzen trotzdem beim Weinfest als sei es eine Donaukreuzfahrt und schunkeln sich bei Riesling und Roster zum Hitzschlag. Es gibt kein Wasser in der vorerzgebirgischen Wüste, nur Museen statt Seen, nur zwei Frenchfrybäder (man geht ja nur wegen der Pommes ins Freibad) statt Gunzenhauser und einen Tümpel in Niederwiesa, der unschuldige Schwimmer in grün glitzernde Aliens verwandelt als wäre er die Zauberkugel der Mini-Playbackshow. Es gibt nichts, wirklich nichts, was man an solchen heißen Hundstagen in Chemnitz machen kann, außer sich im nächstgelegenen Edeka vor das Kühlregal zu stellen und so tun, als bräuchte man zwei Stunden, um sich für die richtige Wurstsorte zu entscheiden.
In Chemnitz badet man deshalb in der kalten Klimaluft, die aus den unzähligen Einkaufsgalerien strömt, planscht zwischen Sale-Schildern, erfrischt sich am Wühltisch. Doch das muss nicht sein — wir haben den ultimativen Hitzetipp für heiße Tage, für kalte Tage, für alle Tage, genau: Parkhäuser. Sie sind angenehm dunkel, kühl und videoüberwacht, es riecht nach Benzin und die Luft ist viel besser als auf den Straßen. Parkhäuser gibt es in Chemnitz wie Sand am Uferstrand, mehr als Freibäder, Museen und Spätis zusammen. Wir haben alle für euch getestet, natürlich fachgemäß zu Fuß, haben am Asphalt geleckt, in Kameras gewunken, haben die Türsteher ausgetrickst, sind die Rampen runtergerollt als wären es blühende Bergwiesen. Alles für den großen Parkhaus-Test, so ausführlich und so lang wie eine Parkplatzsuche auf dem Kaßberg.

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Die Post der Moderne: Was im Juli in Chemnitz geschah.

Früher war mehr Loch: Mehr Sommerloch, mehr Conti-Loch, mehr Schlagloch. Na gut, vielleicht war früher ein bisschen weniger Arschloch, aber das sind ja angeblich immer nur gefühlte Wahrheiten. Und weil heute viel mehr Arschloch ist, also gefühlt, gibt es auch kein Sommerloch mehr. Stattdessen überall menschlich vollkommen verkorkste Debatten: Darüber, ob Özil nun ein aufrichtiger Deutscher ist oder ernsthaft auch darüber, ob man ertrinkende Menschen aus dem Meer rettenden sollte, viel zu wenig aber darüber, was eigentlich mit dieser verdammten Gesellschaft gerade nicht stimmt. Wer das alles nicht mehr erträgt, weil das alles kaum noch zu ertragen ist, der kann nach Chemnitz gucken.
In Chemnitz ist alles wie immer, denn das Einzige, das hier debattiert wird, ist die Frage, ob Chemnitz jetzt fast wie eine richtige Stadt oder doch nur ein bedeutungsloser Furz zwischen Gera und Görlitz ist. Deshalb haben wir ein neues Sommerloch für euch ausgehoben: Die Post der Moderne im Juli. 


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Endhaltestellen im Chemnitzability-Check: Burgstädt.

Wir haben es an dieser Stelle schon mehrfach geschrieben: Chemnitz hat sich verändert. Die Stadt platzt aus allen Nähten, sie krankt an Überfüllung. Überall sind jetzt Menschen: In den Bussen, in den unzähligen kleinen Bars, in der Innenstadt, manchmal begegnet man ihnen sogar nach 21 Uhr auf offener Straße. Und wenn man die Ampel an der Zenti überquert, fühlt man sich wie auf dem Time Square, so viele Leute kommen einem entgegen. Sie sind wie Waschbären und die Wildschweine in Berlin— eine Plage: Sie flanieren in Scharen über den Brühl, sie dealen im Stadthallenpark, sie spucken feine Rotzefäden an die Zenti. Sie zerstören unseren Wall, klirren mit leeren Schnapsflaschen und grunzen so laut, dass man nachts nicht mehr schlafen kann, sie gentrifizieren den Kaßberg, sie warten am Hauptbahnhof auf den ICE. Sie warten und warten, sie warten ewig, sie warten für immer. Der ICE, er kommt einfach nicht.
Stattdessen hält am Gleis gegenüber eine kleine rot-weiße Bahn, sehr modern, sehr schnittig. Sie sieht aus wie ein Toyota Coupè aus den Neunzigern, viel schöner und schneller als so ein komischer ICE, das wird sich doch eh nicht durchsetzen, dieses Fernverkehrsnetz. Vorne an der Bahn blinkt in grellem LED das Ziel: Burgstädt — das kennt man, weil hier immer der Schienenersatzverkehr nach Leipzig hält und weil Penig in der Nähe liegt – der Ort, bei dem alle immer ein pubertäres Kichern unterdrücken. Wir steigen ein. Wir halten den Lärm nicht mehr aus, das Großstadttreiben, die Enge, die Menschenmenge. Auf der Suche nach neuem Lebensraum und innovativen Landlustoasen im Osten prüfen wir umliegende Städte auf Chemnitzability. Also auf nach Burgstädt.

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re:marx auf dem Kosmonaut: Als Oldtimer auf dem Autotuner-Treffen. 

Früher war Auto-Tuning ein Großereignis für Leute mit tiefergelegten Freizeitinteressen und fragwürdigen Felgenfetischen, die sich regelmäßig im größtmöglichen Parkhaus ihrer Stadt trafen, um Speziallacke anzurühren, Motorhauben mit Wolfsmotiven airzubrushen und natürlich für die Sexy Carwash-Show. Auto-Tune war auch das, was Xzibit damals bei „Pimp my Ride“ gemacht hat, der zweitbesten MTV-Show nach „Cribs“: Pools und Cocktails-Bars und bombastische Bassanlagen in Kofferräume einbauen und Menschen mit dem simplen Satz „Hey, I’m Xzibit, and I’m here to pimp yo `ride“ zu Tränen rühren.
Heute ist Autotune der Stoff, aus dem große Youtube-Hits und die Stimme von Cher gemacht sind: Automatische Tonhöhenkorrektur, das klingt nach betrunkenen Handy-Tippfehlern, wurde aber einst entwickelt, um schiefe Stimmchen im Studio wieder gerade zu biegen. Mittlerweile werden vor allem Rap-Tracks inflationär damit aufgepimpt, mit der Konsequenz, dass ein Großteil der Musik immer mehr nach einem Rummelbesuch auf Gras, oder schlimmer, Opioiden, klingt. Das heißt dann Cloud Rap, weil es direkt aus der Internet-Cloud in die Downloadordner tröpfelt — und am Cloud Rap scheiden sich auf dem diesjährigen Kosmonaut nicht so sehr die Geister, sondern eher die Alter, die Alters, die Eltern oder was auch immer der autokorrekte Plural davon ist. Weil wir super gern über Dinge berichten, von denen wir absolut keine Ahnung haben, Basketball-Spiele zum Beispiel oder eben Deutsch-Rap, haben wir uns dieses Jahr aufs Kosmonaut gewagt, um mit Festivalberichterstattung krass abzureißen, obwohl wir schon mindestens Ende Zwanzig sind. Am Ende sind wir auf dem Kosmonaut zwar als Musikkritiker gescheitert, aber als Influencer und auch als Chemnitzer gewachsen.

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11 geheime Geheime Headliner-Tipps für das Kosmonaut-Festival

Es ist wieder so weit: Das Kosmonaut Festival steht an und in ganz Chemnitz, vielleicht sogar Sachsen, wird gewettet, gezockt und spekuliert wie sonst nur in schäbigen Bahnhofs-Vierteln und schummrigen Spielhöllen. Wir haben die gängigsten Wettquoten und geheimverschwörerischsten Headliner-Theorien für euch geprüft.

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Lonely Planet Chemnitz: Als Tourist im rauen Herz des Ostens.

Bis vor kurzem fuhr man für die Selbst- und Sinnsuche und natürlich für den Insta-Travelfame noch mit dem Rucksack durch Südostasien, in überfüllten alten Rumpelzügen, jeder Halt ein kleines Abenteuer auf dem langen Weg zur Katharsis. Zwischendurch musste man den Kopf aus dem Fenster in die tropisch-schwüle Luft halten und ganz tief vom Kulturschock inhalieren, damit man sich das später in die Social-Media-Vita schreiben konnte. Doch auch Reisetrends wandeln sich so stet wie die Mode an der Zenti. Und seitdem der Lonely Planet entdeckt hat, dass sein Name nirgendwo mehr Programm ist, als in Chemnitz, gilt die kleine graue bei Stadt bei Leipzig als der Geheimtipp für Leute, die schon jede peruanische Panflöte gespielt und jeden neuseeländischen Nationalpark durchwandert haben, die also nichts mehr kulturschockieren kann. Außer eine Reise nach Chemnitz: Leer wie die karge Steppe der Mongolei, bergig wie das Himalaya, kalt und dunkel wie ein Winter auf Spitzbergen, der Verkehr so hektisch wie in Hanoi, die Straßen so kriminell wie ganz Südamerika, der Charme postindustriell wie in Detroit und überall kleben die Klischees an den Laternen — kurz: Chemnitz hat alles, was das rucksackreisende Herz begehrt. Nach Chemnitz reist man nicht wie nach Indonesien, um die innere Leere mit Abenteuern zu füllen, sondern damit sich die innere Leere weiter ausdehnen kann. Wer nicht wenigstens einmal im Leben fast an einer trockenen Roster erstickt oder mit einem dieser MRB-Züge gefahren ist, die selbst in Myanmar ausrangiert worden wären, weiß nichts über die Welt oder das Leben im Allgemeinen. Nicht umsonst wurde Chemnitz vom Lonely Planet zu dem Reiseziel 2018 erkoren. Ihr solltet lieber schnell hin, bevor alle anderen kommen. Damit ihr euch besser orientieren könnt, haben wir typische Touristenfallen aufgespürt und ein paar nützliche Insider-Tipps für euren Trip ins wilde Herz Mitteldeutschlands gesammelt.

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