Essen mit Sozialphởbie: Ein Streifzug durch die Chemnitzer Streetfoodszene.

Chemnitz ist eine Großstadt mit sehr dörflicher Struktur. Wissenschaftler der TU  Chemnitz haben herausgefunden, dass die Stadt so engmaschig vernetzt ist, dass alle Chemnitzer Frauen erwiesenermaßen zeitgleich menstruieren, dementsprechend auch zeitgleich ovulieren und demnach auch alle zur selben Zeit schwanger werden und dann reihenweise Kinderwägen über den Prenzlauer Kaßberg schieben. Aufgrund der dörflichen Stadtstruktur ist das Risiko also sehr groß, sogar bei einem vermeintlich harmlosen Imbissbuden-Besuch versehentlich auf einen alten Bekannten zutreffen und neun Monate später selbst einen Kinderwagen vor Emmas Onkel zu parken. Die Wahl des richtigen Imbisses gehört deshalb zu den größten Problemen des Firstworldlebens. Wo knallt die Knoblauchsoße am meisten, wie scharf ist eigentlich mittelscharf und vor allem: wie vermeide ich unangenehme Begegnungen mit losen Bekannten aus einem früheren Chemnitz-Leben? Wir haben alle angesagten Szene-Imbisse der Stadt für euch auf Sozial- und Lebensmittelverträglichkeit geprüft. Und denkt daran: Wer in Chemnitz essen geht, sollte seine Bestellung immer in der genuschelten Landessprache aufgeben, sonst gelten Westmarkpreise.


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Die Post der Moderne: Was im Januar in Chemnitz geschah.

Der Januar ist der längste Monat des Jahres, ein nie enden wollender Montag, und jetzt endlich vorbei: Chemnitz hat einen Tiger weniger, ein paar Lausbuben mehr und endlich wieder Charisma. Die Post der Moderne ist zurück – jetzt regelmäßig als Monatsrückblick.

Die Substanz des Monats:  Chemnitz ist eine abgasaffengeile Autostadt, quasi das sächsische Los Angeles, und gilt als die Wiege des deutschen Parkhauses. Die Fußwege sind nicht etwa leer, weil hier niemand wohnt, sondern weil hier jeder Auto fährt, als gäbe es keinen Technobus mehr.  Deshalb schmeckt die Chemnitzer Luft auch immer ein bisschen dunstig nach Diesel und nach dem Krebsrisiko, das so schön auf der Zunge prickelt, wenn man am Ampelstau vorbei schlendert und tief ein- und danach schwarze Feinstaub-Brocken wieder ausatmet. Weil Chemnitz gemeinhin als Peking des Ostens gilt, war die Feinstaubbelastung zu Silvester hier dezent höher und stieg auf 670 Mikrogramm pro Kubikmeter.  Zum Vergleich: Die karg besiedelten Ökohippiehochburgen Leipzig und Dresden lagen mit lächerlichen 90 Mikrogramm weit abgeschlagen hinter Chemnitz, das sich endlich mal gegen die beiden durchsetzen konnte und sich dem Traum von der Kulturhauptstadt-Medaille ein kleines bisschen näher böllerte. Klimaforscher und weltweite Wissenschaftler rätselten derweil, wie es in einer Stadt namens Rußchams zu derart hohen Werten kommen konnte, und machten Böller dafür verantwortlich. Gemessen wurde der Wert jedoch an der Leipzigerstraße, die bekannt ist für ihr ausgeprägtes Feinstaubmilieu, weil sie ständig als Ersatzspur für die dauerkaputte Reichsbahnanbindung nach Leipzig herhalten muss. Wir vermuten: Die explodierten Feinstaubwerte lagen gar nicht am Geböller, sondern daran, dass selbst in der Silvesternacht viel zu viele Autos unterwegs waren. Vermutlich wurden die meisten Chemnitzer Böller einfach während der Fahrt zum nächstgelegenen Mäcces schön aus dem SUV heraus gezündet — das ist erstens viel sicherer und zweitens muss man dabei nicht raus an die frisch verpestete Luft.

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re:marx in Gefahr: Als Reptiloid auf der Esoterik-Messe.

Jedes Jahr zum Jahreswechsel beschließt re:marx überhaupt gar nichts, außer an Silvester kurz vor zwölf ins Bett zu gehen und die Welt zu hassen, aber nicht mal das bekommen wir hin. Und so stehen wir jedesmal doch wieder mit Wunderkerzen an Kaßbergkreuzungen, und nehmen uns fest vor, endlich ein besserer Blog zu werden. Das nennt sich „guter Vorsatz“ und hält meistens genau drei Minuten, dann ist der letze Funke Optimismus schon wieder im Feinstaub verglüht und der Vorsatz liegt zwischen Böllerresten und dem Traum von der eigenen ICE-Verbindung auf dem kalten Boden der Tatsachen. Jetzt ist 2018, und alles soll sich ändern, denn wir wollen bessere Chemnitzer werden und Menschen sowieso. Wir wollen optimaler werden als all die egozentrierten Selbstoptimierer mit ihren Schritt- und Kalorienzählern, Healthgoals und handgepflückten Avocado-Broten. Nein, wir streben nach Höherem: Nach Ganzwerdung — unsere Seele im Einklang mit dem Turmglockenspiel, mit Chemnitz, mit sich selbst. Wir sind auf der Suche nach unserer inneren Mitte, das ist quasi die Zenti der re:marx-Seele: Dauerbebaut, dauergestresst, von Konflikten zerrüttet, von der Stadt überrollt. Wir wollen uns von eins Energien befreien. Wir wollen uns von mehr als nur dem Lulatsch erleuchten lassen. Wir wollen positiver werden.
Wir waren auf der Esoterik-Messe.

Die Chemnitzer Zukunft steht in den Stadthallen-Sternen.

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re:marx in Gefahr: Beim Heimspiel der Niners.

Wenn man von etwas keine Ahnung hat, soll man einfach mal die Schnauze halten. Oder einen Beitrag schreiben. Wenn re:marx von einer Sache ganz besonders wenig Ahnung hat, dann von Sport. Sport ist für uns das, was Churchill angeblich mal gesagt hat: Mord. Wobei Churchill natürlich nur „No Sports“ gesagt hat, was aber gar nicht belegt ist, weshalb man vermutet, dass die Aussage in Wirklichkeit von re:marx stammt.

In der Grundschule mussten wir zum Sport-Förderunterricht, weil wir an der Kletterstange scheiterten wie der (Lieblingsvergleich!) CFC am Zweitliga-Aufstieg, später waren wir nach der Sportstunde mal alleine in der Turnhalle eingeschlossen, weil wir selbst beim Umziehen die Langsamsten waren. Einmal wollten wir beim Dodgeball in der Mensa zugucken, doch dann haben wir den Ball direkt an den Kopf bekommen und mussten weinen vor lauter Schreck und Unsportlichkeit und generellem Bewegungsunvermögen.

Wir wurden immer als Letze in die Mannschaften gewählt.
Wir werden nie ein Fitnessarmband tragen.
Wir können nur mittelmäßig gut Fahrrad fahren, manchmal sogar geradeaus.
Wir schreiben auch dann in der Wir-Form, wenn wir nur ein Ich sind, so groß ist unser Teamgeist, immerhin.
Wir sind sportlich einfach unbegabt.

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Der re:marx-Leserpoll 2017. Die Ergebnisse. 

Ihr habt gevotet, wir haben ausgewertet.

Club des Jahres:
Kaum eröffnet, schon hängt er alle anderen ab: Der Technopark konnte beachtliche 82% der Stimmen auf sich vereinen — der beste Umfragewert für einen Chemnitzer Club seit Martin Schulz. Der Vorjahressieger N’Dorphin landete trotz Schließung im Sommer mit 10% auf Platz zwei. Sax und Pentagon3 teilen sich den dritten Platz.

Bar des Jahres: Hier konnte vor allem das oberschichtige Oberdeck (37%) überteuerte Longdrinks abräumen. Andere Bars landeten auf anderen Plätzen.

Regionaler DJ des Jahres:  Der aufstrebende Newcomer „Der Musikling“ (35%) ist euer Plattenteller-Darling des Jahres.  Auf Platz 2 performt die Freiberger Flower-Power-Legende Falko Rock (FR%), auf den dritten Platz habt ihr überraschenderweise DJ Uwe Bier (20%) gewählt.

Festival des Jahres:
Ein herber Rückschlag für das Kosmonaut Festival: Aus Solidarität mit re:marx haben viele von euch den Rabensteiner Ringelpietz hart abgestraft. Sieger wurde stattdessen mit über 50% das MS Beat 2014, das vielen Szene-Kennern als Vorbild fürs Kosmonaut gilt. Auch die Makers Faire freut sich zunehmender Beliebtheit und konnte 20% der Stimmen für sich gewinnen. Die restlichen Stimmen sind wild über die Chemnitzer Festivalszene verteilt: Von „Brühlfest“ über „buntes Brühlfest, bis hin zu „Baumwollbaum“ und „Kiezmarkt Brühl“ ist alles dabei.

Leerstes Konzert des Jahres: 
5 Prozent stimmten für das „Friends of Gas“-Konzert im Rahmen der Reihe „Die unteren Zehntausend“. 95 Prozent gaben an, gar nicht auf Konzerte zu gehen. Weiterlesen

Vom hässlichen Schlot zum schönen Schornstein: Lang leuchte der Lulatsch.

Die städtische Stromerzeuger-Koryphäe eins energie hat erkannt, was wir schon lange wissen: Die DDR ist vorbei, der Nischel muss weg! David Hasselhoff wird kommen und den Marx-Kopf niedersingen und damit wohl auch die indigenen Nischel-Jumper ausrotten. Das wird dann kurz traurig, aber irgendwie sind trotzdem alle glücklich, liegen sich in den Armen, tanzen auf den Trümmern, schwingen Wunderkerzen. Denn: Endlich kann sich die Stadt ein ordentliches Vermarktungskonzept zulegen, die Bronzezeit ist vorbei. Chemnitz braucht dann eine neue Corporate Identity, und da diese wohl eher nicht himmelblau wird, haben wir da sieben ganz besondere Farben im Sinn. Der Lulatsch — auch bekannt als „Heizkraftwerk Chemnitz-Nord“ — trägt nicht umsonst den gleichen Namen wie Oberbürgermeisterin Babalulatsch:

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Re:marx steigt in den Ring. Eine Anleitung zum Ringbusfahren.

Der Tag, an dem sich alles ändert, ist ein Sonntag im Dezember. Zweiter Advent, der wintergraue Himmel hat den Lulatsch verschluckt, Schnee wirbelt von den Dächern. In den Kaßberg-Fenstern strahlen prachtvolle Schwibbögen, blinken epileptische Leuchtsterne — ein heimliches Wettrüsten um die größte Erzgebirgskredibilität. Alles scheint wie immer in Chemnitz, und doch ist nichts mehr wie es war. Chemnitz hat jetzt einen Ringbus. Chemnitz ist jetzt Berlin.

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Abgevagt: CVAG. Weil wir auf dich abfahren. 

Zugegeben, so schlecht steht es gar nicht um die CVAG, der schönsten Nahverkehrsgesellschaft, seit es intimen Stadtverkehr gibt. Die Busse und Bahnen fahren meistens, und das sogar nachts. Außer natürlich, es ist gerade Winter, womit aber vorher niemand rechnen konnte, mitten im Januar. Oder es ist gerade Unfall, Bergparade, Roland Kaiser oder Bombenfund, da kann es schon mal zu Ersatzverkehr kommen. Die Preise sind je nach Kontostand mit 2,20 Euro pro Stunde einigermaßen akzeptabel oder unverschämt teuer. In Berlin kostet das aber auch nur 60 Cent mehr, und dort gibt es U-Bahnen, Doppelstockbusse und das Kotti. Hier gibt es stattdessen immerhin die Zenti, die ist mindestens genau so gefährlich, und überhaupt ein krasser Partytouristen-Hotspot, vielleicht sogar der einzige der Stadt. Und obwohl niemand versteht, was genau da eigentlich gerade „modernisiert“ wird an der Zenti und warum sie jeden Tag anders aussieht und der Bus schon wieder an einem anderen Bahnsteig abfährt, ist im Prinzip alles okay mit der CVAG: Es gibt das Chemnitzer Modell und ab Sonntag eine revolutionäre Ringbuslinie im 20-Minutentakt. Wären da nicht der Youtube-Kanal, die Image-Filme und die Fahrplanauskunft auf der Homepage.

Plötzlicher Wintereinbruch im Januar. Das konnte wirklich keiner wissen. Alle Screenshots sind  von der CVAG-Facebookseite.

Der Medienauftritt einer Verkehrsgesellschaft muss nicht unbedingt immer aufregend sein, außer natürlich, man ist zufällig „Arm-aber-Sexy“-Berlin und muss mit poppigen Kampagnen davon ablenken, dass es mit anderen Verkehrsprojekten gerade eher nicht so gut läuft. #weilwirnichtfliegen
Vielmehr sollte der Medienauftritt einer Verkehrsgesellschaft funktionieren, Übersicht geben, durchs Liniennetzdickicht navigieren. Außer natürlich, man ist zufällig „Alt-aber-Sexy“-Chemnitz, dann ist der Medienauftritt weder aufregend noch übersichtlich, sondern hochgradig modernisierungsbedürftig.

Alle elf Minuten übergibt sich ein Single an der Zenti.

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Clubcheck: Institut für Zukunft

Seitdem das N* Dorphin schließen musste, weil es von re:marx nie in den Party-Dates erwähnt wurde, gibt es in Chemnitz keinen Club mehr für aufrichtige Raver. Auch die Partypoesie Instanz des Clubchecks wurde aufgrund akuten Chemnitzer Clubmangels vorerst auf Trockeneis gelegt. Wer in Chemnitz was auf sich hält, feiert jetzt in Leipzig. Denn Leipzig hat neben dem MDR auch viel MDMA zu bieten, und heißt jetzt neuerdings Detroitnitz, weil es bekanntermaßen die Wiege des Techno ist und weil es das „Institut für Zukunft“ hat. Das ist ein Club wie die „Zukunft“, nur dass dort noch härter gegendert wird und das Plenum vermutlich wesentlich anstrengender ist. Lange haben wir von re:marx uns nicht ins IfZ getraut – zu sagenhaft waren die kolportierten Geschichten von auf Tabletts gereichten Früchten und Amphetamin-Orgien. Doch weil das IfZ nicht umsonst auch „Zwerghain“ genannt wird, was so viel wie Berghain für Chemnitzer bedeutet, wird es Zeit, den Hype nach drei Jahren endlich mal auf Herzrasen und Nierenschäden zu prüfen. Der Clubcheck ist zurück. Als werft ein bisschen Acid ein äh an und rollt eure Geldscheine zusammen, denn hier kommt unser Ausgehtrip für’s Wochenende.

Location
Das IfZ ist im Keller einer Leipziger Biogasanlage untergebracht. Die langen verwinkelten Gänge erinnern an ein Institut der Vergangenheit. Der Haupttanzsaal ist gefliest. Alles fühlt sich etwas nach einer Omnibusbahnhoftoilette an und der DJ-Bereich erinnert an eine ländliche Fleischertheke. Eine Treppe führt in den Saal hinunter, eine hinauf. Hinter einem kleinen Vorhang liegt ein Ruhebereich mit Neunzigerjahre-Sofas. Hier ist es ungemütlich offen und in der Mitte könnte man sich einen Billardtisch vorstellen.  Eigentlich ist es ein Hobbykeller. Die Bar erinnert mit ihren Kinositzen an einen Studenten-WG-Flur, genauso eng ist es auch. Der kleine Darkroom ist hell und ungemütlich, hier lässt man sich ungern entjungfern. Das Beste am IfZ ist aber: Man kann es mieten, auf so einer Seite, die schicke Eventlocations für Stadtobere und solche, die es noch werden wollen, anbietet. „Der Alte Fabrikkeller im Kohlrabizirkus überzeugt mit einem authentischen Industrieambiente bei jedem Event. Freuen Sie sich auf einen der begehrtesten Clubs des Leipziger Nachtlebens. Der rustikale und industrielle Charme wurde beim Ausbau erhalten und bietet eine authentische Kulisse für Ihre Präsentation, Betriebsfeier oder Privatparty„, verspricht die Beschreibung. Hier kann man bei Bedarf auf Weihnachtsfeiern übergriffig werden, Hahnenkämpfe mit 200 wettsüchtigen Asiaten oder einfach seine eigenen Raves veranstalten, vorausgesetzt man hat die ganze Kohle nicht schon vorher für Koks und Ecstasy verpulvert.

Seltene Außenaufnahme vom IfZ, das sich im „Kohlrabizirkus, einer ehemaligen Biogasanlage, befindet

Tür
Ein schlaksiger Junge mit Kapuze fragt mich am Einlass, ob ich schonmal aware getanzt habe. Ich antworte, dass er ruhig deutsch mit mir reden kann. Die Stimmung kippt leicht. Er fragt, warum ich hier sei. Darauf antworte ich vorbereitet mit: „Na wegen der Inka Bause!“. Auch das kommt nicht gut an, Inga Mauer wäre der richtige Name gewesen. Da ich aber die vorgeschriebene Mode trage (völlig beliebig, drittes Semester Wirtschaftsingenieur in dunkel) darf ich rein. Der Insecurity tastet mich ab und übersieht mein Fläschchen Poppers. Ich zahle irgendeinen Unkostenbeitrag an der kleinen Kasse und gehe rein. Weiterlesen

Chemnitz – Eine Stadt steht Kopp. Neun bessere Vermarxungsstrategien für den Nischel.

Eine Sache gibt es in Chemnitz fast genau so wenig wie Spätis am Sonnenberg: Sehenswürdigkeiten. Der Rote Turm ist nur das handgeziegelte Modell einer Fit-Flasche, der Versteinerte Wald bloß eine plumpe Pompeji-Kopie und Burg Rabenstein der gescheiterte Versuch, einen auf Game-Of-Thrones-Kulisse zu machen. Der Lulatsch zählt auch nicht, das ist nur ein überdurchschnittlich bunter Schornstein, der traurig braune Kohle-Wolken exhaliert und ohnehin bald abgerissen wird, damit Deutschland endlich seine Klimaschutzziele erreicht. Die Wahrheit ist: Abgesehen von der Parkeisenbahn und vielen denkmalgeschützten Parkhäusern bietet Chemnitz all den Touristen, die hier gern Geld für Touristen-Sachen ausgeben möchten, absolut nichts: Keinen Turm, auf den man mit dem Fahrstuhl fahren kann, keinen Dom, in dem man seine finanzielle Seele der Katholischen Kirche spenden kann, kein nostalgisches Kinderkarussell im Stadthallenpark, keinen prächtigen Brunnen, in den man seine Hundert-Euroscheine werfen und sich was wünschen kann, keine alternative Kneipenmeile auf dem Brühl, ja nicht einmal eine Seilbahn, die verirrte Fixski-Touristen zum Kaßberg rauffährt. Ok, das liegt vielleicht daran, dass Chemnitz einfach keine Touristenstadt ist, in der im Stundentakt CO2-vergnügliche Kreuzfahrtschiffe am Uferstrand anlegen, aber trotzdem — irgendwas müssen sie sich doch angucken, die zwei vietnamesischen Großfamilien, die jährlich zum Sightseeing hier her kommen. Denn die Stadt Chemnitz wäre nichts als ein trostloses Einkaufszentrum, gäbe es da nicht ihr einziges Wahrzeichen:

Den verfallenen Plattenbau an der Reichsstraße.

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