Abgefakt: Holding Back The Years – Studentendisko revisited.

Wir sind wieder hier. In unserm Revier. Warn nie wirklich weg. Ham uns nur versteckt. Nach gefühlten Jahrzehnten der Abstinenz begab sich re:marx, getrieben von Nostalgie und Wermut äh Wehmut, bei der allseits beliebten Chemnitzer Studentendisko auf die Suche nach dem Gefühl von früher und der Antwort auf die Gretchen-Frage: Sind die anderen uncool, oder sind wir einfach nur alt geworden? Ein Abgefakt: Studentendisko. Oder ist es ein eher ein Abgefakt: Wir selbst ?

Das war:
Nichts wie es heute ist. Bevor man dem Johannisplatz die graue Kellnberger-Glasfassaden-Uniform übergestülpt und mit der Ansiedlung eines Vapianos endgültig zum Einkaufsstraßen-Einerlei komplettiert hatte, befanden sich hier kreisrunde Blumenbeete, meist mies bepflanzt. Hip sahen die nicht aus, aber man konnte auf ihren gekachelten Rändern sitzen und sich von der Clubnacht abkühlen. Bier trinken, rauchen, seriöse Suff-Gespräche führen, nach Gras gefragt werden. Anlass dafür war meist die Studentendisko: Jeden soundsovielten (wir wissen es gerade gar nicht mehr, so lang ist das schon her) Mittwoch im Monat, der Eintritt war frei – ein Highlight im studentischen Veranstaltungskalender. Immer traf man hier alle, die man gern treffen wollte, und auch die anderen. Immer liefen hier handfeste Indie-Hits und immer Madness. „Our House“ bis zum Britpop-Erbrechen. Irgendwann konnte man es nicht mehr hören: Tausend mal gehört, tausend mal ist nichts passiert.

konfetti

Früher war mehr Konfetti.

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Abgefakt: Re:marx – Party, Pop und Poesie.

Re:marx. Ein Name wie ein Verbrechen. Ein Name, der Industrie- mit Popkultur und kreativlose Arbeiterklasse mit arbeitsloser Kreativklasse vereint und der mit dem hippen Doppelpunkt zudem noch für grafische Raffinesse im steinernen Wortwitzwald der Chemnitzer Kulturszene sorgt. Party, Pop und Poesie: Ein Slogan, der das Gehör so zart umschmeichelt wie ausgelassene Butter ein saftiges Schnitzel. Nur inhaltlich scheint Re:marx derzeit passiver als die brasilianischen Abwehrreihen und ideenloser als Özil beim Passspiel. Das einzige was hier noch errichtet wird, ist eine Mauer der Ignoranz. Zeit, dieser bloggenden Selbstherrlichkeit eines unserer gefürchteten „abgefakts“ zu widmen.

Das war:
Gegründet:
wurde Re:marx vor dreihundert digitalen Jahren, nämlich 2011. Eine wilde, eine unbeschwerte Zeit, in der man noch Statusmeldungen und rote Herzen bei Facebook postete und dabei Witch House hörte. Aus Witch House wurde Future R’n’B und wofür genau Facebook eigentlich noch gut ist, weiß mittlerweile keiner mehr. Heute erzählt man sich die Legende, Re:marx sei ursprünglich als mediale Plattform für die sagenumwobene Beta-Bar gedacht gewesen. Der Hauch einer absurden Idee, zum Leben erweckt von einer handvoll irrer Musikredakteure des ausblutenden Radio UNiCC – eine sektenartig eingeschworene Gemeinschaft, fest vereint im Glaube, Jeffer sei der beste Song aller Zeiten.

Was bisher geschah: Nach Jahren mickriger Klickzahlen und monatlichen, als Redaktionstreffen getarnten, Besäufnissen zwischen ausbleibender Resonanz und sich anschleichender Resignation, blühte der Blog im vergangenen Jahr plötzlich auf und statt räudigem Sterni gab es bei den Treffen nur noch edlen Pfeffi. Re:marx avancierte zum letzten große Mythos des Chemnitzer Nachtlebens. Gerüchte wurden laut über einen Schatten im Osten, ein namenloses Grauen ging um, ein gnadenloses Gebashe: Herzlos und kaltblütig, feige gehüllt in den duckmäuserischen Deckmantel der Anonymität. Clubs schlossen reihenweise, nachdem Re:marx sie gecheckt hatte, Weltansichten gerieten ins Wanken, Lichtgestalten wie Rico Ranunkel erschienen auf der Bildfläche, andere verschwanden. Renommierte Chemnitzer Leitmedien wie das 371 sprachen bereits vom „wichtigsten popkulturellen Medium der Stadt“. Formate wie „Zehn/Kurze Fragen“, „Hit The Klo, Check“ und „Po:esie“ verhießen Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Plötzlich wollte sich Prominenz gemeinsam mit Re:marx besaufen, plötzlich hatte Re:marx über sechshundert Likes bei Facebook, plötzlich glaubte man wieder an eine Chemnitzer Zukunft. Doch dann kam der Sommer.

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Gebraut to beer a Chemnitzer! Abgefüllt: Die Nacht der langen Schnäpse.

Fast jeder, der schon mal in Italien war, erzählt von typisch italienischen Nächten, in denen man nachts draußen sitzt, statt in Clubs oder Kneipen zu gehen. Auf Treppen, in Parks und an Brunnen in historischen Stadtzentren. Doch das bedeutet eben auch: Mehr Müll, mehr Lärm und mehr Wildpinkler – was im inkontinenten sozialen Gefüge einer Stadt wie Chemnitz manche mehr und manche weniger stört.
Diese Italiener sind uns jedenfalls sehr sympathisch. Und immer, wenn wir nachts draußen sitzen, auf Treppen, in Parks und an Brunnen und was trinken oder auch nicht, weil in Kneipen oder Clubs nichts los ist oder gerade deswegen, denken wir: Ist ja fast wie in Italien. Oder in Spanien.
Nur eben hier.
Warum ist Draußensitzen nicht gleich Draußensitzen? Hat der Italienneid ein Zimmer im champagnerfarbenen Neubaublock des kollektiven Unterbewusstseins der Karl-Marx-Städter? Was ist der Unterschied zwischen Großstadtflair und Ruhestörung? Wir wissen nicht, ob das die Fragen sind, die Rico Ranunkel beschäftigen. Der hat einen Abend, bevor das Alkoholverbot in der Innenstadt in Kraft getreten ist, zur Nacht der langen Schnäpse eingeladen. Zeit für ein sommerlich-schnapsgetränktes Abgefakt Abgefüllt über den ersten Chemnitzer Flasch-Mob.

07

Ein Ort friedlicher Ko-Existenz, die Quelle italienischen Lebensgefühls: Der Brunnen im post-historischem Stadtzentrum.


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Zwischen Druckschluss und Trugschluss: Die Chemnitzer Presselandschaft. Ein abgefakt in eigener Sache.

Die Veranstaltung, über die hier geschrieben werden soll, fand im Druckhaus des Chemnitzer Verlages statt, kuratiert von Kreatives Chemnitz, das in verschiedenen öffentlichen Diskussionen einen Blick auf die städtischen Kreativ-Szenen wirft und in diesem Rahmen unter anderem schon die hiesige Film- und Designwirtschaft beleuchtete. Die Podiumsdiskussion über den Chemnitzer Pressemarkt bot für uns den perfekten Anlass selbigen endlich mal skeptisch zu beäugen.

Geladen:
waren Vertreter der Freie Presse (u.a. Geschäftsführer Ulrich Lingnau), des Sachsenfernsehens, Stadtstreichers und ein freier Fotograf. Moderiert wurde das Ganze von Lars Neuenfeld, dem Chefredakteur des 371.

Re:marx: wurde komischerweise nicht eingeladen, weshalb wir es uns zum Ziel machten, diese Podiums-Party – verkleidet als profesionelle Presse-Mitarbeiter – durch extremes Hyper-Lokal-Guerilla-Blogging aus dem Hinterhalt zu sabotieren.

Wer ebenfalls fehlte:
Dass Frau Baburske, eine absolute Koryphäe der Chemnitzer Medienlandschaft, eine Frau, die schon in Chemnitz Fernsehen machte, als die Braun`sche Röhre noch gar nicht erfunden war, nicht auf dem Podium anwesend war, ist schlichtweg ein Skandal. Für ein bisschen mehr Brisanz hätten sicher auch Gäste von BILD und Morgenpost gesorgt. Wobei die Morgenpost vermutlich zu beschäftigt damit ist, üble Fremdwörter wie präsentieren vom Leser fernzuhalten und die BILD in letzter Zeit derart starke Konkurrenz durch re:marx bekommen hat, dass beide auch einfach gar nicht mehr relevant sind.

Wie oft re:marx erwähnt wurde: Einmal.

zeitung

Seltener Anblick: eine echte Zeitung in freier Wildbahn.

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Viel Lärm um Nichts: die re:marx Neujahrsansprache 2014.

Und so fand er sein jähes Ende, der 31. Dezember, der selige Silvester-Segen, der einzige Tag im Jahr, an dem man sogar in Chemnitz auch nach 23 Uhr noch Lärm in der Innenstadt machen darf. Krach, so scheint es, wird zum Jahreswechsel hier ganz besonders intensiv gefeiert – und dementsprechend enthusiastisch auch kriegsähnliche Knallerei in die himmlische Peripherie gefeuert. So lange, bis das ganze Pulver, das Geld, der Krach, die Euphorie, die Energie schon wieder verschossen ist, bevor das neue Jahr überhaupt beginnt. Am Ende des bunten Lichtspektakels, das die sternhagelvolle Winternacht Jahr für Jahr auf`s Neue erhellt, steht trotz des grenzenlosen Geböllers, trotz aller wilder Zukunftsspekulation und guter Vorsätze dennoch nur bei den wenigsten eine echte Erleuchtung. Vielmehr ist das, was bleibt vom alljährlichen Urknall, eine große Leere, ein akuter Anfall von Sentimentalität, vielleicht auch Selbstmitleid, eine beachtliche Menge Restalkohol und das körpereigene Gänsefett, das sich während der Weihnachtstage in der Bauchregion angesammelt hat.
leuchterAber weil Neujahr ist, und weil wir brave Blogger sind, wird es Zeit für einige wehmütige Zeilen zum Jahresende respektive Jahresanfang.
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abgefakt: Proud to be a Chemnitzer

Chemnitz, we have a problem! Um genauer zu sein, a problem with the Image of the Stadt. Diese perception muss auch in der Chemnitzer Townhall Einzug gehalten haben, als man die decision traf, der city eine neue Imagekampagne zu verpassen – finally!

Aber unfortunately zeichnen sich die dort rulenden chiefs durch ein amazing großes leg* an creativity aus, sodass man sich entschloss eine externe agency zu engagen. Kurzerhand wurde eine competition ausgecalled und everybody konnte ein Imagekonzept submitten.

Nachdem die „fachkundige“ Jury alle 27 submissions gebrieft hatte, entschied man sich für die number one unter den ostdeutschen advertising agencies: ZEBRA – verantwortlich für smashing Brands like Bauz’ner Senf, Sachsenobst oder Radio PSR. Der von dieser agency createte Slogan, mit dem Chemnitz in the future Fachkräfte pullen soll lautet:

Proud

Proud to be a Chemnitzer!

Amazing? Awesome? …Ach du Scheiße! So ein trash. Wir sind not amused und because of that widmen wir diesem shot in the oven – ihr habt es for sure schon gemerkt – ein in einwandfreiem Chemnitzer denglish gehaltenes Abgefakt: Weiterlesen

re:marx leaks – Die besten re:marx Artikel, die nie veröffentlicht wurden.

Dass Privatsphäre an sich ziemlich überbewertet und spießig ist, dürfte dem aufgeklärten Internet-USer nicht erst seit Edward Snowden bekannt sein. In Zeiten flächengreifender digitaler FKK-Bereiche wirkt das Bedürfnis nach Datenschutz wie eine archaische Wertvorstellung aus der Biedermeier-Epoche. Webcam abkleben ist soo 2010 – der neue Trend heißt totale Transparenz! Wir jedenfalls haben unsere Passwörter und Bankverbindungen längst in der iCloud gespeichert und der NSA sicherheitshalber schon mal im Voraus unsere Telefon-Nummern zukommen lassen. Enthüllungen sind schließlich hip – und weil wir bekanntermaßen absolute Trendhuren sind, enthüllen wir uns nun endlich selbst…

… Wer nun an atemberaubende Nacktfotos oder gar ein professionelles Impressum denkt, wird wohl bitter enttäuscht sein. Uns geht es um die einmalige Offenbarung aller jemals für re:marx geplanten Artikel, Ideen, Vorhaben und Bashing-Attentate, die jedoch aus  Gründen nie realisiert werden konnten. Mit schonungsloser Offenherzigkeit legen wir unseren treuen Lesern als Dank für ihre unerschütterliche Loyalität hiermit sämtliche Gespinste unserer vermutlich bereits vom berühmtberüchtigten Chemnitzer Industrie-Smog verseuchten Hirnwindungen vor. Copyright und geistiges Eigentum sind uns dabei natürlich auch total Bock-, Brat-, und Currywurst. Deshalb hier nun die Liste der besten re:marx-Artikel (im weiteren Sinne), die niemals auf re:marx erschienen sind.

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Zum Tag der Deutschen Einheit: Letzte Grüße aus der ironiefreien Zone.

Ironie funktioniert im Radio nicht.
Gut, das haben wir kapiert. Und auch das:
Ironie funktioniert im Internet nicht.

Das wiederum wollen wir partout nicht akzeptieren, weshalb wir sie [die Ironie] hier trotzdem maßlos zelebrieren – und das sogar ohne die Verwendung der netzspezifischen Interpretationshilfen wie diesem seltsamen Smiley, der ganz offensichtlich irgendwas im Auge hat. Doch nach ungefähr zweieinhalb Jahren des beispiellosen Bloggens müssen wir feststellen, dass die Expedition Ironie gescheitert ist. Denn, und jetzt kommt die eigentliche Erkenntnis:
Ironie funktioniert nicht in Chemnitz.

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abgefakt: Sommerfest der Fachschaften.

Nachdem das letzte abgefakt: Mensaparty ein derart großer Erfolg war, dass wir die 300.000-Likes Marke auf Facebook (einschließlich der gekauften Gefällt Mirs aus Indonesien) knacken konnten und der zuständige Redakteur für den Pulitzerpreis in der Kategorie „Bester Bash“ nachnominiert wurde, haben wir beschlossen uns für den Fame fortan nur noch auf studentische Veranstaltungen einzuschießen. Mag man zumindest annehmen, wenn man ohnehin schon annimmt, hinter re:marx verberge sich eine Horde arroganter Snobs, die alles hassen was a) billig, b) studentisch und c) aus Chemnitz ist. Ironie funktioniert eben nicht im Internet und in Chemnitz schon gar nicht. Aber das ist uns egal, solange die Likes auf Facebook stimmen und deshalb gibt es hier und heute die abgeFakten über die Freiluft-Version der Mensaparty – das Sommerfest der Fachschaften (In anderen Unis nennt man so was auch Campus-Festival)
turmbau
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abgefakt: Mensaparty

Abfüllen, Abschleppen, Abgefakt: Mensaparty!
In regelmäßigen Abständen verwandelt sich die große Studentenkantine an der Reichenhainer Straße zur ebenso großen Diskothek mit allem was dazu gehört: Musik für jedermann auf 3 Floors, eine wabernde Masse die ständig zwischen diesen hin und her stolpert sowie peinliche Peeps in H&M Klamotten. Ein Festival des gezwungenen Feierns und Denkmal für Durchlaufamüsement.

Grund genug für ein weiteres Abgefakt!

am Mittag Kulinarik-Tempel, am Abend Party-Hölle

Das war:
DIE Singlebörse für Erstsemester und Hiwis, eine gute Gelegenheit für die Studentenclubs ihren Suff zu finanzieren und immer wieder aufs neue erschreckend voll, eng und warm.

Das ist:
Brauclub goes Campus! Ein riesiges Promotion-Event für Tabakkonzerne, Alcopopvertriebe und Mobilfunkanbieter, von Jahr zu Jahr schlimmer geworden und immernoch erschreckend voll, eng und warm.

Klassischer Anblick beim Mittagessen: Stilvolle Party-Flyer verdecken den Speiseplan

Das könnte es sein:
Nichts! – denn das würde auch niemanden jucken.

Das wird hier wohl nichts mehr:
Eine Party von Studenten für Studenten mit Studenten. Denn jeder Student, der halbwegs Anspruch ans Feiern legt, meidet diese Party.

Überreste vergangener Mensa-Parties findet man noch heute auf dem Vorplatz

Darum muss man da gewesen sein:
Um einmal den fuseligen Atem seines Hintermanns im Nacken gespürt zu haben, während man studenlang im Trippelschritt zwischen Sachsenstube und Speisesaal hin und herwackelt. Könnte aber auch als gute Kontrastfolie zu den wirklich guten Partys dienen, die Chemnitz zu bieten hat, wenn man mal den Campus verlässt.

Hipster-Convention an der Mensa der TU-Chemnitz