Lonely Planet Zenti – ein Reiseführer.

Die Zentralhaltestelle liegt zentral auf der Chemnitzer Inneren und ist das Peking des städtischen Nahverkehrs – mit einem Hauch von Methico-City: Laut und luftverschmutzt, hässlich bebaut, verhältnismäßig viele Menschen, ekliges Essen an jeder Ecke, Drogenkriminalität. Kurz: Hier muss man mal gewesen sein, um sich einen dieser Kulturschocks einzuholen, die man sonst nur in asiatischen Mega-Metropolen findet.
Die Zentralhaltestelle – von Einheimischen auch „Zenti“ genannt – ist stark frequentiert, und doch kaum bereist. Dabei vereint sie die multi-ethnische Vielfalt von New York mit dem Charme von Nordkorea. Hier trifft postsozialistische Tram-Tradition auf westliche Meth-Moderne, Altbau-Anwalt auf Plattenbau-Polierer, Chemnitz auf sich selbst. Am besten erreicht man die Zenti zwar per Bus oder Bahn von irgendwo anders herkommend, aber wir gehen zu Fuß. Wandern ist schließlich das neue Tanzen, nur ohne Drogen. Wir tragen einen orangefarbenen Fjällräven-Rucksack, das Wort „Wanderlust“ auf die Wade tätowiert und ein ganz neues, individuelles Freiheitsgefühl spazieren. Diese Reise wird unser Leben verändern – und unseren Instafame potenzieren.

An die Zenti geht man am besten an einem Wochentag zur Mittagszeit, wenn sich das müde Herz der modernen Stadt noch einmal wild schlagend gegen den bevorstehenden Tiefschlaf aufbäumt. Die Zenti ist nicht nur ein Ort, sie ist viele Orte, sie hat viele Persönlichkeiten, tausende Gesichter, aber nur eine hässliche Fratze. Wir haben sie für euch portraitiert. Und dafür eigens eine aufwändige und journalistisch hochinnovative Storymap gebaut.

re:2017 – Ein Ausblick

Da wir nach außen hin nur einen sehr sparsamen Umgang mit Selbstzweifeln pflegen, können wir wiederholt feststellen, dass 2016 das beste re:marx-Jahr seit ungefähr 2015 war.
Wir haben uns in blaue Sicherheitsmülltüten geworfen und den Kassberg beschützt, uns gewissenlos auf’s Kosmonaut erpresst, für den Wallfrieden eingesetzt, eine Horde Orcas auf die Pinguine vor dem Brazil losgelassen, unsere erste eigene Kochsendung produziert, uns durch einen verspäteten Instagram-Einstieg endgültig in Hipster-Sphären katapultiert, den Untergang des Stadthallenparks und viele weitere Wahrheiten visionär vorausgesagt (Bombendrohung im Roten Turm, Kulturhauptstadt-Bewerbung), ein erfolgreiches Meme gepostet und Infografiken eingeführt. Und wir haben unser fünfjähriges Bestehen mit einer als Party-Schande vom Sonnenberg in die Blog-Annalen eingehenden Festivität zelebriert, wobei letzteres eine ziemlich ekelhafte Wortkombination ist.

Mit unserem Jahresausblick 2016 hatten wir zwar oft Recht, aber eben nicht oft genug: Am Ende ist doch wieder fast nichts passiert, weil in Chemnitz einfach nie irgendwas passiert. Als hoffnungslose Betonromantiker warten wir dennoch Jahr für Jahr auf den großen Chemnitz-Knall, das ultimative Ereignis, das passierende Irgendwas, das am Ende doch wieder nur ein Nichts ist. Deshalb haben wir, tief eingeschneit in unserem Garagenbüro, das Jahr 2017 aus der verglimmenden Asche eines Lagerfeuers gelesen.


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abgefakt: Disneyland Chemnitz.

Chemnitz und Touristen. Zwei Wörter, die sich ähnlich kategorisch auszuschließen scheinen wie CFC und Aufstieg oder re:marx und Impressum. Die Vorstellung, dass es Menschen in Weimar, Wismar oder Worms gibt, die sich auf ein kuscheliges Romantik-Wochenende im Hotel Mercure oder ein Shoppingweekend in der Sachsenallee freuen, scheint so abwegig wie die Errichtung eines Kellnberger-Towers.

Wenn Touristen nach Chemnitz kommen, dann sind das vermutlich Erstsemester im Oktober, geschäftsreisende Ingenieure, Weihnachtsmarkt-Groundhopper, Florian Silbereisner-Ultras oder der blutjunge Kraftfanklub. Oder einfach nur Menschen, die gerne in Krisengebiete fahren, um dann auf Periscope für die BILD darüber zu berichten.

Um den Tourismus kümmert sich hier unter anderem die CWE, die Chemnitzer Wirtschafts- und Entwicklungsgesellschaft, und die hat im Januar 2016 zusätzlich zur Entdecker-App und einem virtuellen Stadtrundgang endlich das neue Reisemagazin „Visit Chemnitz“ herausgegeben, auf das wir alle so sehnlich gewartet haben, wobei es natürlich direkt einen Skandal gab. Weil wir unerträglichen Event-Aufreger von re:marx wie Aas-Geier über inhaltlichen Kadavern wie diesen kreisen, haben wir dies gleich als Anlass genommen, die Marketingmaßnahmen zu begutachten oder vielmehr einen zwangskritischen Blick auf den Chemnitzer Tourismus zu werfen.

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„Es lohnt sich also, für das Chemnitz Wochenende einen größeren Koffer zu packen, um für jede Laune gewappnet zu sein“ (vor allem für schlechte, Anm. der Red.)

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Chemnitz Zweitausendsechzehn: Ein Ausblick.

Hallo 2016. Das Jahr, das dem letzten jetzt schon mindestens eine Armlänge voraus ist: Nordkorea-Kim testet Atombomben, Saudi-Arabien und Iran testen den nicht vorhandenen Weltfrieden, Köln testet die Grenzen unserer Gesellschaft. Geht jedenfalls super los, dieses Jahr, und wenn wir Glück haben, wird alles noch viel besser.

Anlässlich des Jahreswechsels haben wir nicht etwa zu tief ins Glas (naja), sondern ganz tief in die Glaskugel geschaut, in der die Zukunft so unheilvoll dunkel glitzert wie das Wasser des Schlossteichs bei Regen. Bis sie uns schließlich phantastische Prophezeiungen vor die Füße gespuckt hat, die sich nicht etwa auf das durchweg verdorbene Weltgeschehen beziehen, sondern auf das besiegelte Schicksal der Stadt, über die wir hier hin und wieder schreiben, und das ist, Überraschung, Chemnitz. Jahresrückblicke sind ohnehin total 2014. Der moderne Blogger mit dem weltmännischen Weitblick von heute schreibt seine Jahreschroniken schon, bevor das Jahr überhaupt richtig begonnen hat. Deshalb hier, jetzt, exklusiv und nie wieder: Unsere Billanz für das Jahr 2016. Eine leichte Prise schwerer Schwachsinn, bevor wir uns wieder dem Ernst des Chemnitzer Lebens widmen.

In diesem Sinne: Frohes Neues!

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Dunkel. Dreckig. Chemnitz: Die Schattenseiten des Sonnenbergs.

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Diese Galerie enthält 81 Fotos.

Wie sang Peter Licht einst so schön? „Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf’m Sonnenberg“. Und wo Licht ist, ist bekannermaßen immer auch Schatten. Für den zweiten Teil der Chemnitzer-Kiez-Portraits haben wir uns die kugelsicheren Westen übergeworfen und uns … Weiterlesen

Die Post der Moderne (KW wasweißich): Was letzte Woche im Chemnitzer Internet geschah.

Weil wir von Re:marx uns als zwangsklicks-finanziertes, öffentlich-nichtganzrechtliches Blog dem Bildungsauftrag verpflichtet fühlen, wollen wir euch an dieser Stelle mal ein essentielles kommunikationstheoretisches Konzept vorstellen: Die Schweigespriale. Das ist keine besonders stille Verhütungsmethode, sondern eine Theorie zur öffentlichen Meinung. Und im Kern ganz einfach: Merkt man, dass man die Meinung, die man hat, scheinbar alleine hat, weil sie nicht konsensfähig ist, verzichtet man lieber darauf, diese Meinung öffentlich zu äußern. Man hüllt die strittige Meinung in den sanften Schutzmantel des Schweigens. Warum das so ist? Weil der Mensch als Rudeltier Angst vor sozialer Isolation hat und stets nach gesellschaftlicher Anerkennung und Inklusion strebt. Glaubt man aber zu wissen, dass die eigene Meinung gerade angesagt ist, steigt die Bereitschaft, sie zu äußern, bzw. sie in grausamen Deutsch in die Kommentarspalten unter diverse Facebook-Posts zu tippen und dafür mit Zustimmung – also Likes und „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Kommentaren – überhäuft zu werden. Fast fertig ist die Theorie, über die man sich als angehende_r KommunikationswissenschaftlerIn im Laufe des Studiums gefühlt 30 Referate anhören darf. In jedem dieser 3000 Referate über Noelle-Neumanns Schweigespirale gab es jedenfalls ein spezifisches Beispiel: Die BILD-Zeitung.

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Der letzte schöne Spieltag: Mein hartes Leben als Fußballfan.

Abstiegskampf, Meisterfeier, Klassenerhalt, Triple-Träume: Am letzten Spieltag der Saison 2014/2015 schreiben vier Redakteure über ihre vier Lieblingsvereine – und darüber, wie sie die Saison erlebt haben. Und auch wenn die Sorgen eines HSV-, CFC-, Barça- und Bayern-Fans nicht unterschiedlicher sein könnten, so haben sie doch einiges gemeinsam: Magengeschwüre nach jedem verdammten Spieltag. Na gut – bei den Bayern vielleicht nicht ganz.

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Post der Moderne (KW 15): Was diese Woche in Chemnitz geschah.

Zunächst eine allgemeine Meldung, die uns diese Woche sehr bewegt hat: Der Chef von Rügenwalder Mühle hat gesprochen und es klingt ein wenig wie eine wegweisende Weisheit von Konfuzius: „Die Wurst ist die Zigarette der Zukunft“, sprach er.  Weil die Wurst zunehmend unbeliebter wird und Wurstesser im veganen Weltbild ähnlich beliebt sind wie Raucher in Restaurants. Allein die Gefahr des Passiv-Wurstessens könnte schließlich Tiere töten und darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Es dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich das Wurst-Verbot in Supermärkten durchsetzt. Was ungerecht wäre, denn auch Rohkost kann gefährlich sein. Wir finden die Rügenwalder Analogie aber ganz aufregend: Denn irgendwie galt Rauchen ja mal als cool, als ein Ausdruck der Rebellion, ein stinkendes Statement der Non-Konformisten und war manchmal trotzdem sexy. Wenn das nun bald auch für die Wurst gelten sollte, dann haben wir bisher alles richtig gemacht.

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Agenda „Chemnitz 2000“ – Rico Ranunkel kandidiert als Ordnungsbürgermeister

Am zehnten Juni 2015 wählt der Chemnitzer Stadtradt einen neuen Bürgermeister für das Dezernat 3: Recht, Sicherheit und Umweltschutz. Ihm unterliegen das Rechtsamt, zentrale Verwaltungsdienste und die Beschaffungsstelle, das Ordnungsamt, Bürgeramt, Umweltamt, Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt, sowie der Tierpark. Kurzum: Es geht um den Ordnungsbürgermeister. Die siebenjährige Amtszeit vom aktuellen Amtsinhaber, Popstar und Karnevalsikone Miko Runkel, neigt sich also dem Ende zu – oder geht einfach in die nächste Runde. Das Schicksal von Zucht und Ordnung der Stadt liegt in den Händen ihrer Räte. Zwar wurde Runkel seitens halbverwahrloster Linksradikaler immer wieder eine repressive Politik vorgeworfen, dabei wollte er ursprünglich nur ein paar Regeln gegen Menschen im öffentlichen Raum einführen – zum Wohle aller BürgerInnen der Stadt Chemnitz. Und tatsächlich. Was wäre die Stadt heute ohne das Alkohol- und Glasflaschenverbot oder das Untersagen von „aggressiven Betteln“? Wie viel schöner könnte es hier noch sein, wenn sich das Fahrradfahrverbot für die Innenstadt wirklich durchgestetzt hätte? Auch das Skateboard und BMX-Fahrverbot an „baulichen Anlagen entgegen ihrer Bestimmung“ und die Einführung einer Siesta in Chemnitz waren herrausragende Ideen, die Chemnitz zu einer noch sichereren Festung gemacht hätten, als sie es heute ist. Ohne Frage: Runkel hat ganze Arbeit geleistet. Und trotzdem denken wir: Da geht noch mehr.
Deshalb stellt Re:marx, mit zwei Sitzen selbst im Stadtrat vertreten, einen eigenen Kandidat für die Wahl des Ordnungsbürgermeisters 2015: Rico Ranunkel.

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– sieht so der neue Ordnungsbürgermeister aus? –
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Das Wort zum Sonntag: An einem Sonntag in Chemnitz

Sonntag. SONNTAG – sieben Buchstaben, sieben Zeichen, sieben Tage in der Woche,  die mit dem Sonntag jedes mal ein jähes Ende findet. Der Letzte macht das Licht aus und der Letzte ist in diesem Fall immer der Sonntag. An dieser Stelle wollen wir über den letzten Tag der Woche philosophieren, der nicht umsonst polarisiert wie kein anderer. Schließlich kam der Allerheiligste an genau diesem Tag zur Ruh‘, gibt es Suppe im Lokomov und das letzte Spiel der ersten Fußballbundesliga findet um 17.30 Uhr statt. Und trotzdem: In einer Rangliste aller Wochen(end)tage ist der Sonntag stets derjenige, der wahlweise auf dem letzten oder dem ersten Platz landet. Verhält es sich doch so: An guten Sonntagen gibt es Rouladen mit Rotkohl und Klößen und im ZDF klatschen grenzdebile Graukappen zum stumpfen Schlagertakt des Fernsehgartens. An guten Sonntagen trifft man sich mit Freunden zum Frühstück und abends schaut man gemeinsam Tatort, obwohl man Tatort hasst und eigentlich nur über Til Schweiger twittern will. Die Sonne scheint und im besten Fall ist Sommer und man kauft sich in Winters Eisgarten ein Schoko-Vanille-Softeis, das später in den Haaren klebt.

soft1An guten Sommersonntagen wird im Hinterhof gegrillt. An guten Sonntagen gewinnt der Lieblingsverein das schwere Auswärtsspiel.
Doch nicht jeder Sonntag ein guter Tag. Im Gegenteil. Laut einer persönlichen und deshalb absolut stichfesten Statistik von Re:marx (März 2015) sind gute Sonntage so selten wie journalistisch angemessene Berichterstattung über Flugzeugabstürze. Es gibt Leute, die meinen, der Montag sei das wahre Enfant Terrible unter den Wochentagen, was vermutlich mit der Arbeit zu tun hat, die sie ausüben. Sonntage sind für sie Glückstage (keine Arbeit, Zeit für sich oder einander), Naherholungs-Paradiese, Liebesinseln oder weiß der Teufel was. Aber der Teufel weiß hier vermutlich nichts genaueres, denn der Sonntag gehört Gott allein. Also Satan Ibrahimovic. Also doch dem Teufel. Herr je – Mindfuck as usual. Dabei dürfte doch mittlerweile jedem klar sein, dass an Montagen das Wetter grundsätzlich besser und der Sonntag in Wirklichkeit genau so ein fieses Charakterschwein wie der Montag ist. Und überhaupt: Schlechte Sonntage sind statistisch ähnlich wahrscheinlich wie alberne Alliterationen bei Re:marx.

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