Was wir mit Leonardo DiCaprio & Facebook gemeinsam haben. Oder: re:marx goes Leipzig!

Der ehemalige Profi-Handballer Stefan Kretzschmar nimmt sich unseren Lieblingschoreografen Detlef „D“ Soost als Vorbild und bietet als etwa 129. Pseudopromi einen eigenen Fitnesskurs basierend auf der Interaktion mit dem eigenen Körpergewicht an. Facebook etabliert nach 268 Jahren der Mutmaßungen offiziell neue Reaktions-Buttons. Und Leonardo DiCaprio erhält im gefühlt 564. Anlauf seinen ersten Oscar. Was haben diese weltbewegenden, jedoch auf den ersten Blick nicht im Zusammenhang-stehenden Ereignisse allesamt gemeinsam? Sie waren so vorherseh- wie gleichzeitig unvermeidbar. „Es ist eben nur eine Frage der Zeit“, könnte hier stellvertretend als Leitspruch gelten. In dieser Reihe der historischen Ereignisse wollen auch wir uns nun einordnen. Weiterlesen

Wie es euch nicht gefällt: Der Tragödie zweiter Teil. Ein Bullshit-Drama in vier Akten.

Weihnachten, Fest der Liebe, Fest der Familie, Fest der festlichen Werbung, Fest des Fettfressens, Fest des glücklichen Glühwein-Erbrechens, Festung der abendländischen Tradition. Zeit, besinnlich das Jahr ausklingelingen zu lassen, das, zeitgeschichtlich und weltpolitisch betrachtet, noch beschissener war als das letzte, und das, obwohl man letztes Jahr den Gipfel der Beschissenheit der Dinge längst erreicht glaubte. Würde es bei re:marx einen Jahresrückblick geben, er wäre finsterer als die einsamste regnerische November-Nacht in Chemnitz: Menschenhass, graue Bilder, getrübte Emotionen.

Aber weil uns das zu fröhlich wäre, widmen wir uns einem Thema, das letztes Jahr schon da und dieses Jahr noch präsenter war: Hatespeech, sagt man hier in Chemnitz beim Projekte-Pitchen dazu, Hasskommentare. Man will sie ignorieren, man will sie nicht weiter kommentieren, man will nicht schon wieder einen Herzinfarkt riskieren. Aber sie sind da, die ganze Zeit. Überall. Immer wieder. Immer mehr. Und wenn man ihnen nicht in den virtuellen Virenschleudern begegnet, dann eben am gemütlichen Kaffeetisch bei der achsofriedlichen Familienfeier. Möge der Hass mit dir sein.
Des einen Not ist des anderen Brot, sagt man ja auch. Das gilt besonders für Journalisten und solche, die es gerne wären, also Blogger wie uns. Und so haben auch wir uns für ein paar mickrige Likes an der Dummheit, Empathie-Befreitheit, Sturheit, Weltfremdheit, also an der akuten Not der sächsischen Gesellschaft ergötzt – und die Fortsetzung des renommierten Bullshit-Dramas „Viel Lärm um Nichts“ verfasst. Dieses Mal ausschließlich aus originalen und nur minimal manipulierten* MoPo-Leserkommentaren (Facebook) bestehend: „Wie es euch nicht gefällt – der Tragödie zweiter Teil“. Ein Drama in vier Akten. Jetzt mit noch mehr Wut, mehr Verschwörung, mehr Hass, mehr Vorurteilen und vielleicht sogar Bildern. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für alle, denen Weihnachten schon immer zu besinnlich war.

schwibsbogen

*hin und wieder wurden einzelne Wörter sinngemäß getauscht oder ersetzt, des schlechten Reimes wegen. 96 Prozent sind jedoch Original-Wortlaut, daher auch die mangelhafte Grammatik.
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1000 mal geliked – 1000 mal ist nichts passiert. Die große Gala der Danksagung.

Was haben wir nicht alles in den letzten Jahren über uns und besonders über euch ergehen lassen, um den heiligen Gral des Web 7.0 endlich in den Händen halten zu können. Die vielfach preisgekrönte Akt-Kunstform der Rektal-Reime, inflationär genutzter Lautgleichklang am Wortbeginn trotz ausgeprägter Alliterations-Allergie aller Angestellter,  Recherchen, die den Investigatiefpunkt journalistischer Blogtätigkeit neu definierten, Artikel über alles, nichts, oder – Hauptsache Chemnitz kommt dabei schlecht weg, nur weil wir von Chemnitz schlecht weg kommen. Kaum etwas war uns zuwider, zu eklig, zu Zenti. Vetternwirtschaft: ein steter Dauergast. Unverblümte Selbstbeweihräucherung: höchste Priorität. Inkonsistente Meinungsmache: vorBILDlich umgesetzt, no Konsens – just Nonsens: yolo! Alles nur für den digitalen Durchbruch, die binäre Blogbeliebtheit, die local Loyalität.

Bildschirmfoto 2015-05-28 um 21.15.21Diese wichtige statistische Erhebung beweist: Wir sind knorke!

Aber es sah ziemlich düster aus mit dem Internetzruhm, bis uns das Café Central auf die glorreiche Idee brachte, einfach auch auf die Tränendrüse zu klicken. Dank des ausgiebigen Bades in Selbstmitleid ist es nun endlich bewerkstelligt: Die Anzahl der Facebook-Likes entspricht nun der Menge an Kurzen, denen wir für unser inzwischen von Ugo Begon Halder geklautes Format Asyl gewährt haben. 2000 Likes. In Worten: Eintausend. In lokalen Zahlen: Wir haben jetzt so viele Möger wie Chemnitz Lautstärkebeschwerden pro Woche, die nächtlichen Ampelsignale Dezibel und die Stadt Einwohner unter 35. Das Erreichen der Zahl nach 1999 gilt im Facebook-Universum als magische Schallmauer, die es zu durchbrechen gilt, selbst wenn alle anderen längst mit Lichtgeschwindigkeit reisen. Die 2000 trennt Seriosität von Satire, Hip vom Hop, den Kass- vom Sonnenberg.

Unsere Reichweite: Neuerdings gekauft wie Qatar von Sepp Blatter 

Etwas seltsam ist die Vorstellung schon, dass wirklich über 2000 unterschiedliche, menschliche Seelen (oder Chemnitzer) diesen Blog liken, der sich selbst nicht mal einig ist, welcher Artikel jetzt eigentlich vor Blog gehört. 2000 digital natives finden uns irgendwie ok oder wollen zumindest ihrem Feind am Nächsten sein. Das schreit förmlich nach ein paar direkten, unironischen, ernstgemeinten Worten an unsere Leserschaft:

Liebe re:marx Leser, die wir generell alle in eine Schublade stecken (Student, kurz vor Studiumsabbruch, immer auf der Suche nach dem fehlenden N*Dorphin-Date)

Ihr seid uns wichtig. Wirklich jetzt. Ohne euch wären wir immer noch bei 3-8 popligen Gönnern (also uns selbst), ohne euch würde die Nationalmannschaft jetzt mit Karl-Marx-Trikots auflaufen, ohne euch gäbe es kein Publikum, dem wir unsere sekundären Geschlechtsmerkmale von innen gegen den Bildschirm drücken könnten und ja – ohne euch hätten wir das N*Dorphin wirklich mal in unseren Dates erwähnt, sprich: ohne euch würde es den Drum n Bass noch geben. Aus unserem tiefsten Innern, ja, aus diesem unendlich schweren Bröcklein schwarzer Materie heraus möchten wir euch an dieser Stelle gern eines sagen: Selber schuld!

Querschnitt vom Mount Everest.

Ohne Scheiß, es hätte so schön sein können. Für uns, für euch, für Chemnitz. Hättet ihr nicht auf den Daumen geklickt und uns die Bestätigung gegeben, nach der wir seit Bloggeburt lechzen, die wir aber auf jeden Fall überhaupt sowas von gar nicht nötig haben, weswegen wir auch niemals hektisch jeden neuen Liker stalken und uns ungläubig die Augen reiben, wenn ein Beitrag die 100er Marke knackt. Likes sind für uns wie Eis von  Marschners: eins ist keins! Likes sind Online-Umarmungen, die uns in den kalten Nächten des digitalen Zeitalters wärmen, Likes sind die Währung der Mitellosen. Oder verhält es sich doch eher andersrum? Likes sind Schall und Rauch, sie sagen doch über den Charakter gar nichts aus, Likes sind nur der Klick für den Augenblick? Wir halten´s da wie Chemnitz. Wir sind uns selbst genug. Wir können allein. Wir sind die Elite. Wir sind die 1.000 Likes. Lasst uns in Ruhe mit der offenherzigen Zuneigungsmentalität eures linken Zeigefingers und hört auf Madonna: Liked nicht uns. Like a virgin!

Viel Lärm um Nichts: Das große FP-Leserkommentar-Bullshit-Drama in vier Akten.

Auch wenn man als echter Ureinwohner des Internets die digitale Weisheit mit goldenen Löffeln gefressen und das gesamte Internet schon mindestens einmal ausgedruckt und auswendig gelernt hat, so wird man doch täglich auf’s Neue von weltweitwebbewegenden Erkenntissen erschüttert. Zum Beispiel durch diese: Facebook-Kommentare sind das neue Unterschichten-Fernsehen!
Wo früher konfliktgeile Koriphäen wie Britt, Bärbel, Arabella und Vera, Andreas Türck und Oliver Geissen prekäre Familienstreits und bumsfidele Bumsgeschichten schlichteten, klafft heute eine große Lücke, die weder von „Mitten im Leben“ noch durch formvollendete Formate wie „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ mit dem entsprechenden Müllgehalt gefüllt werden kann. Weil der Fernseher ja aber ohnehin ein nahezu archaisches Gerät aus dem letzten Jahrhundert und in der digitalisierten wie intellektuell inszenierten Welt vom Aussterben bedroht ist (Stichwort: „Zum Glück schaue ich schon seit Jahren kein Fernsehen mehr“), sind solche Formate auch gar nicht mehr von Nöten, denn stattdessen gibt es heute ja glücklicherweise das dicke große Facebook, in dem man abends lieber liest, anstatt sich durch Zwangsgebühren finanzierte Volksverdummungsmusikshows anzuschauen. Anstelle des trashigen Nachmittagstalks, mittels dessen man sich stets so wunderbar über die Dummheit der anderen aufregen und an der eigenen Bildung berauschen konnte, tritt nun der gemeinhin gruslige und grenzdebile Facebook-Leserkommentar, der sich derzeit unter den Statusmeldungen sämtlicher null-bis topseriöser Tageszeitungen ähnlich rasant verbreitet wie die europäische Panik vor Ebola.

bernd
Weil wir uns auch so gerne über andere aufregen, wollten wir uns schon lange einmal die Leserkommentare unter den Posts unseres städtischen Lieblings-Leitmediums, der Freie Presse, vornehmen und knallhart analysieren bzw. die Idee des Leserkommentar-Bullshit-Bingos von der LVZ klauen. Da Bullshit-Bingos mittlerweile jedoch so langweilig und vorhersehbar sind, dass man auch einfach ein Bullshit-Bingo-Bullshit-Bingo anfertigen könnte, haben wir uns dafür entschieden, unseren selbstauferlegten Bildungsautrag zu erfüllen und ausgewählte Freie-Presse-Facebook-Kommentare aus dem Monat Oktober fast unverfälscht und als das wiederzugeben, was sie auch sind: Ein antikes Drama ohne Sinn, in unendlich vielen Akten.
Sollte das nachfolgende Stück, das ausschließlich aus original Leserkommentaren und unheimlich schlechten Reimen besteht und deshalb orthografisch wie inhaltlich absolut fragwürdig ist, demnächst in sämtlichen sächsischen Schulen als Weihnachtsmärchen über die Mär von Nächstenliebe, gesamtdeutscher Gastfreundschaft und dem Volk der großen Dichter und Denker zwangsaufgeführt werden, wäre uns das jedenfalls eine große Freude.

jutta Weiterlesen

Blood, Sweat, Tears: Future Islands. Am 20.07.11 in der BETA-BAR.

Es gibt die schlechten Tage. Die, an denen man meint, aufgrund des unfassbar mangelhaften (pop)kulturellen Interesses, das die Stadt, oder viel mehr deren juvenile Bevölkerung, an den Tag zu legen scheint, verzweifeln zu müssen. Dann schreibt man, zumeist jedoch nur in Gedanken, lange lange Briefe. An die Stadt, die Leute, das eigene bemitleidenswerte, triste Dasein in Kombination mit ebenjenen. Muss man aber nicht. Denn es gibt auch die guten Tage. Dann erscheint das eigene Dasein in Kombination mit der unsäglichen Stadt und den komischen Leuten weder bemitleidenswert noch trist, und überhaupt: die Stadt ist schön und die Leute sind super! Dann malt man ganz entzückt pubertäre kleine Herzen in den Hefter oder auf das eigene Facebook-Profil.

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