A Punsch In Your Face: Zwei Autoren, ein Wintermarkt

Re:marx ist ein Blog gewordener Traum der persönlichen Traumata-Bewältigung: Die wöchentliche argwöhnische Aufarbeitung und zynische Zubereitung von all dem Ekel, den entsetzlichen Ereignissen, den emotionalen Eskapaden, die uns in dieser Stadt immer wieder begegnen, ist für uns hilfreicher als es jede Psycho- und Eigenurintherapie jemals sein könnte. Und mit der Adventszeit ist nun eine wirklich traumahafte Zeit für uns angebrochen: Wintermarkt in Chemnitz.
Anlass genug für zwei unserer Autoren, sich getrennt von einander am selben Tag zur selben Zeit auf den Wintermarkt zu wagen, um dort die knallharte Konfrontation mit ihren inneren Ängsten, soziopathischen Neurosen und dem Hang zum Alkoholismus zu suchen – und die Erfahrungen anschließend hier zu Papier (naja) zu bringen. Ein Markt – zwei Perspektiven – drei Glühwein – und vier Euro für eine Zuckerwatte.

IMG_6248_klEins: Zwischen Weltenhass und Winterliedern von Rolf Zuckowski
Unbestimmte Menschenmassen, die sich, in glühselig gröhlenden Grüppchen formiert, durch die Chemnitzer Innenstadt schieben und nicht mehr wissen, ob sie gerade in köstlich duftende Kotze-Reste oder doch nur in eine klebrige Zucker-Lache getreten sind. Futterneidisches Gerangel an der Bratwurstbude, eine halbe Stadt kurz vor der Hungersnot, vom Glühwein glühende Wangen unter weinroten Wintermann-Mützen: Ja, es sind wieder Wintermarkt-Wochen, der Ausverkauf der seligen Nacht hat begonnen.

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And the MS BEAT goes on: 2084 – Wir betreten #Neuland.

Vor vielleicht in etwa ungefähr genau einem Jahr schauten wir – ein ängstliches Kollektiv überflüssigerweise auch noch bloggender Großstadt-Neurotiker – gemeinsam mit unserer beherzten Leserschaft mit bangen Blicken dem Ende entgegen. Denn die Katastrophen-Experten vom MS BEAT-Festival hatten mit Hilfe ihrer Glaskugel berechnet, dass Ende Juli die Apokalypse ca. fünf Monate früher als eigentlich erwartet eingetreten sein und der Zeitpunkt des wahren Weltuntergangs zufälligerweise mit dem des Festivals korreliert haben wird.
Mit dieser düsteren, doch wissenschaftlich sehr fundierten Vorahnung sollten sie Recht behalten haben werden sein  (ab jetzt schreiben wir nur noch im falschen Futur II) und so ging die Welt ein infernalisches Festival-Wochenende lang so richtig unter, wie uns diese schaurigen Amateur-Aufzeichnungen beweisen.

Doch wo zwei Enden sind, da ist auch eine Wurst. Und ein Anfang. Und eine neue Zeitrechnung. Was dem Rest der mutierten Menschheit erschien wie ungefähr in etwa vielleicht fast ein Jahr, waren gemäß der neuen, von den Futur-Experten des MS BEAT Festivals höchst wissenschaftlich ermittelten Zeitrechnung jedoch genau 72 Jahre – 72 ziemlich kurze Jahre, die alle verbliebenen Lebensformen (die Zombie-Experten des MS BEAT-Festivals nennen sie auch „Hipster“ (Vgl. Veranstaltungstext, Facebook, 2013))  sowie die Welt, auf der ebendiese trendgeil wandeln, zur Regenerierung gebraucht haben (werden wird).
Jetzt also, im Jahre 2084, nach gefühlten Ewigkeiten des totalen Nichts, erblüht diese einst versunkene Welt wieder zu neuem Leben. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber Anarchie is‘ trotzdem nich: Da auch der leicht mutierte Mensch ohne System und Strukturen nicht sein kann, wird am 26. und 27. Juli am Staussee Oberrabenstein der erste staatliche Staat des Jahres 2084 gegründet. Ein Inselstaat mit Flugplatz und Festlandanbindung, ja es soll sogar Musik, Kunst und Wetter geben.

Aufgrund unseres ausgeprägten Neurotizismus wurde uns die Ehre zuteil, das dortige Ministerium für InseL-und Festlandsicherheit, kurz M.I.L.F., zu übernehmen, um Sicherheit für alle Bürgerinnen und Burger zu gewährleisten. Schließlich ist das MS BEAT für uns alle ähm… #Neuland. Aber der Staat, das sind immer noch wir. Und genau deshalb werden wir zur Gewährleistung der staatlichen Sicherheit am Wochenende ganz skandalfrei für fürsorgliche Video-Überwachung und qualitative Abhörung sorgen – und eigens eine öffentliche Denunziations-Stelle für alle einrichten.

In dem Sinne: wir werden euch gesehen haben!

Re:marx of the year!

Ende! Finito! Basta! Fin! Das wars! Doch zur Überraschung aller meinen wir hiermit etwa nicht den unheilsamen Untergang der großen weiten Welt, sondern das plötzliche Ende des Jahres [2012], das mit großen, unaufhaltsamen Schritten naht – Endzeitstimmung! So werden selbst wir, die grausamen Basher von re:marx, in Anbetracht des jähen Endes ungewohnt sentimental und schwelgen in wehmütigen Erinnerungen an ein buntes Jahr in der schönsten grauen Stadt der Welt, weshalb wir diesem [Jahr 2012] just hier an dieser Stelle einen würdigen Rückblick widmen wollen. Natürlich in Listen-Form, aber ohne Publikumsbeteiligung, schließlich halten wir nichts von dieser Demokratie und werden  allein mit unserem subjektiven Qualitäts-Urteil diese Stadt zu einem viel viel besseren Ort machen.

burning down the (opera) house.

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abgefakt: Holi Open Air Chemnitz || Alter Spinnereimaschinenbau

Ehrlich gesagt: Die Invasion der Holi Open Airs in Deutschland finden wir fragwürdig. Sehr fragwürdig. Das Gelände des ehemaligen Spinnereimaschinenbaus als Veranstaltungsort mit Potenzial finden wir hingegen reichlich spannend. Beides in Kombination: zumindest interessant und bestimmt totally abgefakt.

Das war:
Ein uraltes Frühlingsfest im Norden Indiens. Eine spirituelle Farborgie mit erotischem Charakter (Vgl. Wiki Pedia, 2012). Menschen, frei von jeder Kaste, bewerfen sich mit bunt gefärbtem Wasser und ebensolchem Pulver, in Indien auch Glual genannt. Damals alles natürlich noch voll öko und so. Jetzt bestimmt so schädlich wie Bubble Tea.

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Re:view – The Look of MS Beat.

Endlich gibt es die Apokalypse auch zum Anschauen. Ein opulentes Spektakel in zwei Akten. Und natürlich in HD – schärfer als die Realität oder so. Egal – mit re:marx sieht man eh besser. Also colour your life, because we love to entertain you.

Re:portage – The Sound Of MS Beat.

Das war nun also dieser Weltuntergang von dem jetzt immer alle reden. Mit Pauken und Trompeten verabschiedete sich Mutti Erde vergangenes Wochenenede am Staussee Oberrabenstein mit einer fetten Party von ihren Fans. Unzählige Jünger pilgerten friedlich und feierwütig zum Ort des Geschehens, um noch einmal ein zweitägiges apokalyptisches Abendmahl zu zelebrieren, ein letztes Abenteuer voller Tanz, Musik, Kunst und Krempel, kurz: ein wundervolles Wunderland namens MS Beat. 

re:marx war dabei. Stolz können wir nun von uns behaupten: we survived the Weltuntergang. Doch verarbeiten wir die Erlebnisse auf dem diesjährigen MS Beat Festival nicht mit ödem Text, sondern in opulentem Bild und wildem Klang. Letzterer macht nun den Auftakt. In Kooperation mit re:marx und dem MS Beat Festival war unser rasender Reporter Tag und Nacht (vor allem da!) für uns unterwegs um apokalyptische Impressionen eines imposanten Spektakels zu sammeln. Ein Stimmungsbild zum Nachhören. Hier und jetzt. Viel Spaß.

The Final Countdown.

Es ist die Meldung der Woche – Beunruhigung allerseits. Die Medien schlagzeilen panische Purzelbäume, die Menschen verbarrikadieren sich ängstlich in ihren Häusern, kaum einer wagt sich noch nach draußen. Zurecht, denn: Die Sonne scheint! Und das mitten im Sommer.
Experten wissen bereits: dieses ungewöhnliche, seit Urzeiten nicht mehr dagewesene Natur-Phänomen kann nur der ultimative Vorbote sein, ein grausamer Vorbote zum Weltuntergang. Dessen Datum wurde nun neu berechnet: vergesst den 21. Dezember – der 27. Juli naht. Meteorologen sagen bereits apokaylptischen Sternenhagel für den Stausee Oberrabenstein voraus. Friede, Freude und Festivalstimmung bedrohen die Region um Chemnitz. Das Ende dieser Woche markiert das Ende dieser Welt. Doch wir sagen: fürchtet euch nicht.
Dabei sein ist alles!

Apocalypse, now!

MS BEAT FESTIVAL 2012 +++ erste Stimmen wurden laut +++ Exklusiv bei re:marx Freikarten gewinnen +++ heiße Polen-Mädchen +++ grobe Bratwurst+++
Endlich: Ende in Sicht! Einst von den Maya in ziemlich weiser, unglaublich weiter und wissenschaftlich total fundierter Voraussicht prophezeit, droht am 21.12.2012 nun die Deadline des Daseins auf unserem wunderbaren Planet Erde. Alle Zeichen stehen dabei schon längst auf Untergang, die Uhr schlägt fünf vor Zwölf – und jeder hat ein dickes, rentables Stück vom letzten Kuchen. Die Maya hatten ihren Kalender, die apokalyptischen Reiter ihre Gäule, die Europäische Union hat den Euro, manche haben Atombomben, andere haben Terroristen, der Himmel hat das Ozon-Loch und Pro7 den Disaster-Day…
Und Chemnitz??

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10 & 11.09.11: I’m festival, I’m a Parade: Glorreiches Ende der Festival-Saison in Chemnitz.

Samstag, 10.09.2011

Der Sommer in den letzten Zügen.
Party-Überangebot im Betongrau.
Raven zu Ramba Zamba im Atomino? Und wofür steht eigentlich BBC? Band Büro…Brau…Club…Beat…Be…Beta… aah! Auf zum stark elektronisch versetzten  Indoor-Festival in die Beta-Bar also:

Start:
Grafstøm, ganz cool mit norwegischem ø: die angeblichen Bratze aus Bautzen, einer Stadt, deren Existenz just an jenem Abend für beendet erklärt wird, die aber eigentlich aus Leipzig sind. Klingen wie naja, Bratze aus Leipzig. Im Publikum kommt Freude und Tanzwut auf.

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Sie verlassen den Verantwortungsbereich: Begehungen 2011 in Wort und Bild.

Das vergangene Wochenende war wundervoll – doch der plötzliche Sommereinbruch erschwert eine ausführlich-investigative Berichterstattung und so tröpfeln die richtigen Worte für das Kunstfestival Begehungen, das vom 18. bis 21.08 in der ehemaligen JVA auf dem Chemnitzer Kaßberg stattfand, nur mühsam aus dem erhitzen Gehirn. Und dennoch: re:marx war verdeckt vor Ort um die subjektiven Eindrücke mit euch zu teilen. Es folgt eine Collage aus Bild und Wort, die wohl mehr Bild als Wort ist, aber Bilder sagen ja bekanntermaßen auch viel mehr als Worte, oder wie war das?

1)
wir verlassen den verantwortungsbereich, lassen die verantwortung am tor zurück, der stacheldrahtzaun nimmt sie uns ab. beeindruckend.

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