Die Post der Moderne: Was im Januar und Februar in Chemnitz geschah

Als wir uns für den Zweimonatsrückblick nochmal reizüberflutet durch die letzten Meldungen geklickt haben, ist uns aufgefallen, dass es in den vergangenen Wochen abseits der Kulturhauptstadtbewerbung eigentlich nur drei andere große Themen gab: Sonne, Grippe und Nazis. Wobei sich die beiden letzteren ziemlich ähnlich sind: Viraler Rotz, der gefährlich ansteckend ist und in jeder Hinsicht krank macht. Die Kulturhauptstadtbewerbung wiederum ist mit ihren Lenkungsgruppen, Programmräten, Beratern und Kulturbotschaftern so bürokratisch verwirrend, dass sie ein eigenes „abgefakt“ verdient hat. Die Sonne hingegen scheint. Der einzige zuverlässige Hoffnungsschimmer für die Stadt zu sein, denn kaum liegt die erste zarte Ahnung von Frühling in der Luft, eiskaliert ganz Chemnitz auf einem Niveau wie man es sonst nur aus dem mediterranen Süden kennt. Plötzlich tut die halbe Stadt so, als gäbe es sie im Winter gar nicht, bildet Schlangen vor Eiscafés wie die Leute in DDR-Witzen, lächelt manchmal sogar, sitzt selig in der Sonne und trinkt Aperol und sieht dabei kurz, ganz kurz nur, ein bisschen italienisch aus. Überall sind dann Menschen, wirklich überall, sogar auf dem Brühl, und man muss sich erstmal zurechtfinden mit so viel seltener Chemnitzer Lebensfreude. Wenn man sich erstmal aklimatisiert und vorm Café feierlich angesessen hat, kann man sich zurücklehnen undl in Ruhe die Post der Moderne lesen.

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Mythos Schlossteich: Unterwegs im Venedig des Ostens.

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