Die Post der Moderne (KW 24): Was diese Woche in den Wurstküchen geschah.

Um das gesellschaftliche Renommè der Wurst sind wir schon länger besorgt. Besorgte Wurstbürger, sozusagen. Zum Wurstbürgertum gehört, dass man das moralische Dilemma dahinter ignoriert: Beim Gedanken an Schlachtabfälle und Massentierzuchthäuser wird uns zwar kotzübel, aber sobald wir auch nur den Zipfel  einer Grillwurst sehen, tropft uns der Zahn und alles ist wieder gegessen: Gelebter Hedonismus im Speckmantel.
Diese Woche aber, so scheint es, hat das Ansehen der Wurst jedoch seinen Tiefpunkt erreicht. In Tschechien gibt es Meth-, in Offenbach offenbar Mettküchen. Dort fand jetzt nämlich eine Razzia statt –  in einer illegalen Wurstküche. Eine Schlagzeile wie vom Postillon, aber ernst gemeint, bierernst. Einmal Realsatire mit Darm, bitte: In der Wohnung eines Privatmetzgers fand das Veterinäramt imposante 22 Wannen (sic!) Hack und Pötte voller Schweinedärme, natürlich ungekühlt. Daraus wollte er Grillwürste für eine Fete machen, aber die Party fiel wohl ins Wurstwasser, denn das gute Hack wurde vernichtet, was jedoch leider keine entzürnten HacktivistInnen auf den Plan rief. Dafür aber eine drohende Geldstrafe. Eine „illegale Fleischmafia“ stecke nicht dahinter, berichtete die SZ. Welchen Trip man von halbgammeligen Hack wohl bekommt – außer vermutlich eine starke Anregung des Magen-Darm-Traktes, auch Lebensmittelvergiftung genannt – bleibt unklar. Vielleicht löst die illegale Wurstküche ja aber bald die Crystal-Küchen ab. Neue Hoffnung ähm keimt in der Region. In den Suchtkliniken hängen den Patienten dann zwar Fettfetzen zwischen den Schneidezähnen, aber immerhin fallen diese ihnen dann nicht mehr aus. Das Aggressionspotenzial sinkt und die Beschaffungskriminalität – abgesehen von etwaigen Einbrüchen in Metzgereien – vermutlich auch. Unsere Garagen und Fahrräder und Kinder sind dann endlich wieder sicher. Wir sagen: Weg mit dem Crystal-Dreck, her mit dem Hack-Besteck!

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Harry Potter, Hack und Hauls : Chemnitzer Blogger und was re:marx von ihnen lernen kann. Eine kleine Blogkunde.

Alle Jahre wieder im März feiern wir großes Jubiläum. Dieses Mal sind es vier Jahre re:marx, was fast schon fünf Jahre sind, was fast ein halbes Jahrzehnt, was im Internet wiederum eine halbe Ewigkeit ist. Alle Jahre wieder fühlen wir uns wie kurz vor der inhaltlichen Insolvenz. Alles schon geschrieben und alles schon ignoriert, was es zu schreiben und was es zu ignorieren gab:
Alle zwei Jahre macht das Atomino irgendwo zu und irgendwo anders wieder auf. Ein alter Club schließt, ein neuer wird eröffnet. Jemand klagt über Lärm. Jemand hat die Ironie nicht verstanden. Niemand kommt zum Konzert. Fensterscheiben werden eingeschlagen, Autos angezündet, Kulturgelder gekürzt. Ein paar kackbraune Nazis marschieren an betongrauen Kellnbergerfassaden vorbei. Queen Antifa marschiert buntbefahnt dagegen. Ein Projekt, das spannend klingt, verläuft sich im Nichts. Falko Rock postet ein neues Foto auf Instagram. Das Leben in Chemnitz dreht sich so zuverlässig im Kreis wie sich die Welt um Re:marx dreht. Dachten wir jedenfalls immer. Doch als dann das Kurze Kraftklub-Interview das vorgegebene Ziel (20.000 Facebook-Follower) nicht erreichte, gerieten wir kurz ins Zweifeln. Was könnte man besser machen – falls besser überhaupt noch möglich ist? Wo kann man billig Themen kaufen? Wie fesselt man die Leserschaft? Wie löst man einen Shitstorm aus?
Im regelmäßigen Rahmen unserer  schonungslosen Selbstreflexion haben wir aufgrund der großen Ideenleere  beschlossen, uns einer der gängigsten Praktiken der Lügenpresse zu bedienen: Unreflektiertes Abschreiben der Fehler der anderen. Oder vielmehr: Inhalte klauen bei anderen Blogs. Wobei uns die Erkenntnis, dass es in Chemnitz außer uns tatsächlich noch andere Blogs gibt, zugegebenermaßen recht schmerzlich traf. Jemand hat uns ins Revier gepisst – das riecht nach Beef! Jetzt wird zurück gepisst. Auf der Suche nach dem verlorenen Inhalt haben wir Chemnitzer Blogs auf Herz (Impressum) und Nieren (Facebook-Follower) geprüft – und uns dabei gleich Anregungen für eine neue thematische Ausrichtung geholt. Es folgt Teil eins der Blogkunde: Buch-, Back- und Beautyblogs.

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