The re:marx Diaries Part III: Hipster-Report C (14. & 15.10.2011)

Von wegen in Chemnitz ist nichts los! Am vergangenen Wochenende erstickte die Stadt förmlich im unerschöpflichen Kultur-und Partyangebot. re:marx entschied sich für eine ausgiebige Konzert-Runde, schaffte vier Bands in knapp 24 Stunden und ward somit Teil eines wunderbaren Oktoberwochenendes. Sensation!

Freitag, 19:30; B-DORF
Die Luft riecht nach Herbst. Klar, kalt und ein wenig modrig. Das Tageslicht wird rar. Und dennoch: euphorischer Fußmarsch durch den finsteren Park, Destination Schauspielhaus. Eine Rolle Plakate klappert verdächtig in meiner ultra-hippen Totebag, die das Logo einer Band schmückt, die eh kein Schwein kennt. Und überhaupt: die Eisenbahnbrücke auf der Zschopauer Straße sieht doch auch fast aus wie das Ostkreuz!

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„Einfach Tanzen!“ – Hercules and Love Affair am 04.03.11 in Leipzig (Conne Island)

Andrew Butler ist der Kopf von Hercules and Love Affair. Und Andrew Butler ist, naja, raus. Ziemlich raus.

Der Versuch, ihm im Interview güldene Geheimnisse seines Disco-Daseins zu entlocken beginnt mit einem eher unglamourösen Schmatzen. Andrew hat schließlich Hunger. Gänzlich unglamourös auch sein T-Shirt, auf dem das  eher angsteinflößende Logo einer Death-Metal-Kombo (der seines Bruders nämlich) prangt. Ohnehin mag Andrew Metal, wie er uns verrät. Hätte er die Wahl zwischen einem Konzertbesuch von … and you will know us by the trail of dead oder Slayer – er würde Slayer nehmen. Klar. Musikalische Extreme sind sein Ding. Disco und Deathmetal, vereint in dem löchrigen Sweater, der das Metal-Shirt umrahmt. Dieser, so philosophiert Andrew, könnte ja genau so auch von Yves Saint Lauren stammen. Stammt er aber nicht. Sondern vom Flohmarkt. Überhaupt ist das mit dem Geschmack ja so eine Sache, sagt Andrew. Schließlich ist dieser nicht angeboren, sondern konditioniert. Hat er alles in seinem Studium gelernt. Gender Studies. In New York. Worüber wir hier aber eigentlich gerade sprechen, ist Disco. Warum ist Disco so verschrien? Und ist Disco wirklich so oberflächlich? Nein, ist es nicht, sagt Andrew. Zumindest nicht das, was Hercules and Love Affair machen. Das, ja, das hat einen tieferen Sinn. Disco, als Ausdruck von Melancholie. Deshalb auch der Albumtitel „Blue Songs“. Obwohl, blau kann ja so vieles bedeuten. Himmel und Meer und so, meint Andrew. Aber eigentlich, verrät er, eigentlich heißt das Album ja nur so, weil das Wort „blue“ so häufig fällt.

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