Abartig! Diese behämmerten Blogger bashen die Begehungen!

Jemand wird hier bald Lofts ausbauen. Eigentum, durchsaniert, Beton und Glasfassaden, bestimmt.
Alle würden gerne einziehen. Stell dir vor. Wie geil. Ich nehme die dritte Etage. Was man hier alles machen könnte. Wenn man nur.
Niemand kann sich das leisten.

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Wir stehen irgendwo in der ehemaligen Sporett-Fabrik, oder Poelzig-Areal, zwischen unheilvoll aufbrausenden Soundinstallationen, halben Dutts und halb das Gesicht bedeckenden Hornbrillen. Wir, das ist eigentlich nur eine Person, der Mann hinter re:marx, aber weil sein Charakter so vielfältig und ihm der Kollektiv-Gedanke so wichtig ist, spricht er gerne von sich im Plural. Oder in der dritten Person. Jedenfalls haben „wir“ eine Mission, die weit darüber hinaus geht, die neuen Sticker (8,8 Cent das Stück, mattes Papier, ordentlich groß, Abziehhilfe) unauffällig an der Bar zu drapieren. Wir wollen abfaken, und zwar die Begehungen. Weil es die Begehungen schon in den Deutschlandfunk geschafft haben, und wir nur von NRJ erwähnt wurden.

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Ton, Steine, Scherben: Nachts im Archäologie-Museum.

Arch-ä-o-logie… Puh… Wem Ornithologie zu beflügelnd und Seismologie zu erschütternd ist, für den wird Schnarch… äh… Archäologie zum heiligen Gral. Jünger dieser Forschungsrichtung finden seit vergangenem Wochenende ihr persönliches Mekka in dem Gebäude, das den meisten Chemnitzern nur als „das Schocken“ bekannt ist. In über zehn Jahren intensiver Planung und Bauarbeiten wurde das ehemalige Vorzeigeobjekt der jüdischen Kaufmanns-Dynastie der Familie Schocken umgestaltet, sodass dort nun das Staatliche Museum für Archäologie (kurz und knackig: smac) sein Zuhause gefunden hat. Die Museumsmitarbeiter haben dabei eine Mammutaufgabe (höhö) bewerkstelligt, immerhin galt es ca. 6000 Exponate zu platzieren, illuminieren und auch in bildungstechnischer Hinsicht näher zu beleuchten. Wir nutzen die spektakulärste Chemnitzer Neueröffnung seit der Enthüllung des Saxonia-Brunnens am Johannisplatz und dem neuen Dönermann Ecke StraNa/Brückenstraße, um eine neue Kategorie bei re:marx auszugraben: den Museums-Check.

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And the MS BEAT goes on: 2084 – Wir betreten #Neuland.

Vor vielleicht in etwa ungefähr genau einem Jahr schauten wir – ein ängstliches Kollektiv überflüssigerweise auch noch bloggender Großstadt-Neurotiker – gemeinsam mit unserer beherzten Leserschaft mit bangen Blicken dem Ende entgegen. Denn die Katastrophen-Experten vom MS BEAT-Festival hatten mit Hilfe ihrer Glaskugel berechnet, dass Ende Juli die Apokalypse ca. fünf Monate früher als eigentlich erwartet eingetreten sein und der Zeitpunkt des wahren Weltuntergangs zufälligerweise mit dem des Festivals korreliert haben wird.
Mit dieser düsteren, doch wissenschaftlich sehr fundierten Vorahnung sollten sie Recht behalten haben werden sein  (ab jetzt schreiben wir nur noch im falschen Futur II) und so ging die Welt ein infernalisches Festival-Wochenende lang so richtig unter, wie uns diese schaurigen Amateur-Aufzeichnungen beweisen.

Doch wo zwei Enden sind, da ist auch eine Wurst. Und ein Anfang. Und eine neue Zeitrechnung. Was dem Rest der mutierten Menschheit erschien wie ungefähr in etwa vielleicht fast ein Jahr, waren gemäß der neuen, von den Futur-Experten des MS BEAT Festivals höchst wissenschaftlich ermittelten Zeitrechnung jedoch genau 72 Jahre – 72 ziemlich kurze Jahre, die alle verbliebenen Lebensformen (die Zombie-Experten des MS BEAT-Festivals nennen sie auch „Hipster“ (Vgl. Veranstaltungstext, Facebook, 2013))  sowie die Welt, auf der ebendiese trendgeil wandeln, zur Regenerierung gebraucht haben (werden wird).
Jetzt also, im Jahre 2084, nach gefühlten Ewigkeiten des totalen Nichts, erblüht diese einst versunkene Welt wieder zu neuem Leben. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber Anarchie is‘ trotzdem nich: Da auch der leicht mutierte Mensch ohne System und Strukturen nicht sein kann, wird am 26. und 27. Juli am Staussee Oberrabenstein der erste staatliche Staat des Jahres 2084 gegründet. Ein Inselstaat mit Flugplatz und Festlandanbindung, ja es soll sogar Musik, Kunst und Wetter geben.

Aufgrund unseres ausgeprägten Neurotizismus wurde uns die Ehre zuteil, das dortige Ministerium für InseL-und Festlandsicherheit, kurz M.I.L.F., zu übernehmen, um Sicherheit für alle Bürgerinnen und Burger zu gewährleisten. Schließlich ist das MS BEAT für uns alle ähm… #Neuland. Aber der Staat, das sind immer noch wir. Und genau deshalb werden wir zur Gewährleistung der staatlichen Sicherheit am Wochenende ganz skandalfrei für fürsorgliche Video-Überwachung und qualitative Abhörung sorgen – und eigens eine öffentliche Denunziations-Stelle für alle einrichten.

In dem Sinne: wir werden euch gesehen haben!

K|G_unstraum – Chemnitz braucht uns.

„Diese Stadt braucht keinen Alltag! Diese Stadt braucht uns!“

Das Theaterprojekt K|G_unstraum erforscht den öffentlichen Raum: Vier anderthalbtägige Workshops erkunden, beobachten und erschließen den Chemnitzer Stadtraum. Daraus resultieren konkrete Ideen und künstlerische Strategien, die anschließend anhand kleiner „ästhetisch-performativer“ Aktionen in der Öffentlichkeit skizziert werden.
Im Fokus steht dabei stets die Stadt und das, was sie zu einer solchen macht. Der Bruch mit Alltagsroutinen und die Provokation von kleinen Irritationen können die Wahrnehmung der Stadt dabei auch verändern. Schließlich gibt es nie nur eine Perspektive auf Chemnitz.

Wir haben für euch exklusives Videomaterial vom ersten Workshop, der bereits Ende Oktober stattfand, in den Tiefen des Internets aufgespürt und möchten euch dieses nicht vorenthalten. Ein Miteinander auf der Achse des Bösen – der Allee zwischen Rewe und Aldi, die Brücke zwischen zwei Tempeln des Konsums. Und wie reagiert der gemeine Chemnitzer auf das Miteinander? Mit mürrischer Ignoranz, versteckter Neugier und zurückhaltender Hilfsbereitschaft. Aber seht selbst:

Der zweite Teil der K|G_unstraum-Workshops findet dieses Wochenende im Haus Arthur statt. Dieses Mal wird der Hauptbahnhof das zentrale Thema sein. Falls ihr auch ein Teil des Ganzen werden wollt und überhaupt noch viel mehr wissen wollt, findet ihr HIER weitere wichtige Informationen.

K|G_unstraum 1 26.10.2012 from K|G_unstraum on Vimeo.

re:marx in der Zwischenzeit – Ist das Kunst oder kann das weg?

August. Es ist wiedermal soweit: das Sommerloch schlägt wild mit gähnender Leere um sich. Wobei „wild“ natürlich das vollkommen falsche Wort ist – denn eigentlich passiert nichts. Nichts ist wiederum auch nicht richtig, denn irgendwas ist immer, sogar in Chemnitz (Stadtfest, Treibsand, diverse Open-Air-Offerte) und irgendwie waren da ja auch noch die Begehungen. Das Festival für junge Kunst ist mittlerweile nicht nur eine wichtige Institution im Kunst-und Dunstkreis der Chemnitzer Szene (die soll`s ja auch geben) sondern bietet damit gleichermaßen auch eine kulturelle Bastion im ewigen Sommerloch.

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Re:portage – The Sound Of MS Beat.

Das war nun also dieser Weltuntergang von dem jetzt immer alle reden. Mit Pauken und Trompeten verabschiedete sich Mutti Erde vergangenes Wochenenede am Staussee Oberrabenstein mit einer fetten Party von ihren Fans. Unzählige Jünger pilgerten friedlich und feierwütig zum Ort des Geschehens, um noch einmal ein zweitägiges apokalyptisches Abendmahl zu zelebrieren, ein letztes Abenteuer voller Tanz, Musik, Kunst und Krempel, kurz: ein wundervolles Wunderland namens MS Beat. 

re:marx war dabei. Stolz können wir nun von uns behaupten: we survived the Weltuntergang. Doch verarbeiten wir die Erlebnisse auf dem diesjährigen MS Beat Festival nicht mit ödem Text, sondern in opulentem Bild und wildem Klang. Letzterer macht nun den Auftakt. In Kooperation mit re:marx und dem MS Beat Festival war unser rasender Reporter Tag und Nacht (vor allem da!) für uns unterwegs um apokalyptische Impressionen eines imposanten Spektakels zu sammeln. Ein Stimmungsbild zum Nachhören. Hier und jetzt. Viel Spaß.

The re:marx Diaries Vol. IV – I am so artsy. 17./18.12.2011

Fuck Art Let’s Dance. Oder Fuck Dance, Let’s Art? Ein artsy-Party Wochenende in Wort und Bild.

Sa. 17.12.

14:00, Chemnitz – Mitte
Chemnitz, kurz vor Weihnachten. Das humane Fassungsvermögen der Stadt und die Finanzlage der Welt kurz vorm Kollaps. Konsumieren geht aber immer. Glühwein auch. Bin eigentlich voll gegen Mainstream und so. Gehe aber trotzdem auf den Weihnachtsmarkt und esse experimentellen Crêpe mit Roter Grütze. Geht natürlich daneben. Egal, hauptsache die Coverband auf der Bühne ist geil.

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Sie verlassen den Verantwortungsbereich: Begehungen 2011 in Wort und Bild.

Das vergangene Wochenende war wundervoll – doch der plötzliche Sommereinbruch erschwert eine ausführlich-investigative Berichterstattung und so tröpfeln die richtigen Worte für das Kunstfestival Begehungen, das vom 18. bis 21.08 in der ehemaligen JVA auf dem Chemnitzer Kaßberg stattfand, nur mühsam aus dem erhitzen Gehirn. Und dennoch: re:marx war verdeckt vor Ort um die subjektiven Eindrücke mit euch zu teilen. Es folgt eine Collage aus Bild und Wort, die wohl mehr Bild als Wort ist, aber Bilder sagen ja bekanntermaßen auch viel mehr als Worte, oder wie war das?

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wir verlassen den verantwortungsbereich, lassen die verantwortung am tor zurück, der stacheldrahtzaun nimmt sie uns ab. beeindruckend.

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24 hour party people: ein ganz normaler Tag in der Stadt der Moderne – 14.05.2011

3:30  Irgendwo in Bernsdorf:
eine studentische Wohngemeinschaft; laues Balkonlüftchen und Nachtgeschwätz am Küchenfenster.

8:15  Irgendwo anders in Bernsdorf:
Brutal: ein Wecker.

11:30 Der Campus am Samstag:
Leere Straßen, leere Bushaltestellen, leere Parkplätze.  Nur irgendein Catering-Service vorm Turmbau. Leben findet woanders statt.

12:00 Kompass am Campus:
Der SAEK lehrt Jingle-Produktion für Radiomacher. Unauffällig dazu setzen. Professionalität heucheln.

15:15: Netto in Bernsdorf:
Polizei-Einsatz an den Einkaufswagen. Zwischen Assi und Alkoholiker. Auweia.

15:20  Weltecho; Designmarkt:
Chemnitz kann so schön bunt sein. Prinzip DaWanda funktioniert schließlich auch hier: Individualitäts-Expansion durch Selbstgemachtes. Zwischen floralen Mustern, farbenfroher Familienfreundlichkeit und Mädchenkram auch das Chemnitzer Label SpangelTangel. Demnächst bitte öfter.

18:00 Zentralhaltestelle: Chemnitzer Museumsnacht.
Mal wieder trübt sich der Himmel und droht mit Dunkelheit.
Auf der Straße: „Dürfen wir sie von hinten filmen? Erscheint ab 01.06! Auf YouTube!“

18:45 Industriemuseum:
Auch Industrie ist Kreativität. Lernen wir. Außerdem: Original-Zeichnungen der wunderbaren  Mummins. Und: 175 Jahre Technische Universität Chemnitz. Betonung bitte auf technisch. Als Geisteswissenschaftler durch Missachtung gestraft.

20:00 Museum Gunzenhauser.
Otto Dix verkriecht sich.

20:15  Uferstrand. Unten am Fluss.
Leergefegt vom Gewitter. Dennoch mutiger Wurst-Test beim charismatischen Würstchenmann.

21:00 DasTIETZ
Unten tobt finnischer Jazz und die trashige Reste – Rampe der Stadtbibliothek. Allgemeiner Andrang.
Im Naturkundemuseum: Lebendige Insekten und tote Vögel.
In der neuen Galerie: bewegende Fotoausstellung (Pipe Dreams).  Geschichten entlang einer Pipeline, irgendwo in Aserbaidschan… Im Keller: ein verrückter Finne fotografiert totalitäre Tempel des Tourismus.

22:00 Der Bus rast. Destination: Felsendome.
Rabenstein, Arsch der Chemnitzer Welt? Der Regen prasselt feindselig. Konsumiere Kola in altertümlichen Ambiente. Nebenan: Fragwürdige Familienfeier. Gegenüber: selige Bierzeltidylle. Höhlenangst – Tiefpunkt erreicht.

23:30 Zentralhaltestelle:
Nass. Kalt. Müde.

00:00 Im Fernsehen:
ESC. Oder wie das jetzt so neumodisch heißt. Aserbaidschan again. Bewegt allerdings weniger.

0:30 Im Kopf:
Entscheidungsschwäche. Erstaunlicher Grund: das gar nicht mal so übliche Überangebot. Techno im Weltecho, Dubsteb im Atomino. Disco in der BETA-BAR. Und, und, und. Wer will sich schon entscheiden?

1:00 – 3:00  Weltecho: Concorde Club Label Night.
Taxi, Tee und Techno. Taxi transportiert, Tee wärmt, Techno belebt.