Wie es euch nicht gefällt: Der Tragödie zweiter Teil. Ein Bullshit-Drama in vier Akten.

Weihnachten, Fest der Liebe, Fest der Familie, Fest der festlichen Werbung, Fest des Fettfressens, Fest des glücklichen Glühwein-Erbrechens, Festung der abendländischen Tradition. Zeit, besinnlich das Jahr ausklingelingen zu lassen, das, zeitgeschichtlich und weltpolitisch betrachtet, noch beschissener war als das letzte, und das, obwohl man letztes Jahr den Gipfel der Beschissenheit der Dinge längst erreicht glaubte. Würde es bei re:marx einen Jahresrückblick geben, er wäre finsterer als die einsamste regnerische November-Nacht in Chemnitz: Menschenhass, graue Bilder, getrübte Emotionen.

Aber weil uns das zu fröhlich wäre, widmen wir uns einem Thema, das letztes Jahr schon da und dieses Jahr noch präsenter war: Hatespeech, sagt man hier in Chemnitz beim Projekte-Pitchen dazu, Hasskommentare. Man will sie ignorieren, man will sie nicht weiter kommentieren, man will nicht schon wieder einen Herzinfarkt riskieren. Aber sie sind da, die ganze Zeit. Überall. Immer wieder. Immer mehr. Und wenn man ihnen nicht in den virtuellen Virenschleudern begegnet, dann eben am gemütlichen Kaffeetisch bei der achsofriedlichen Familienfeier. Möge der Hass mit dir sein.
Des einen Not ist des anderen Brot, sagt man ja auch. Das gilt besonders für Journalisten und solche, die es gerne wären, also Blogger wie uns. Und so haben auch wir uns für ein paar mickrige Likes an der Dummheit, Empathie-Befreitheit, Sturheit, Weltfremdheit, also an der akuten Not der sächsischen Gesellschaft ergötzt – und die Fortsetzung des renommierten Bullshit-Dramas „Viel Lärm um Nichts“ verfasst. Dieses Mal ausschließlich aus originalen und nur minimal manipulierten* MoPo-Leserkommentaren (Facebook) bestehend: „Wie es euch nicht gefällt – der Tragödie zweiter Teil“. Ein Drama in vier Akten. Jetzt mit noch mehr Wut, mehr Verschwörung, mehr Hass, mehr Vorurteilen und vielleicht sogar Bildern. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für alle, denen Weihnachten schon immer zu besinnlich war.

schwibsbogen

*hin und wieder wurden einzelne Wörter sinngemäß getauscht oder ersetzt, des schlechten Reimes wegen. 96 Prozent sind jedoch Original-Wortlaut, daher auch die mangelhafte Grammatik.
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abgefakt: Zeitgeist 2014. Teil II (Juli bis Dezember)

Juli:
Eintrag vom 02. Juli 2014
Liebes Tagebuch,
„Heute ist wieder einer dieser Tage. An dem eine unendliche Leere die Seele umschlingt wie Lianen die Bäume im Dschungel. Denn heute ist fußballfrei. […] kein Tor in der Nachspielzeit der Nachspielzeit, kein Wet-Look-Jogi im Regen von Recife, keine Kathrin Müller-Hohenstein, die mit Poldi am Pool sitzt und mit den Füßen leise Muster ins Wasser malt. Und so droht man in ein bodenloses Loch zu fallen, ein Loch, größer als das Conti-Loch, ein Loch, größer als das größte Sommerloch jemals sein kann.“


Was sonst noch geschah:

Der Aufreger des Monats:
Diese „bloggende Selbstherrlichkeit“, diese „Bastion der Arroganz“, dieser „lose Verband wahnsinniger Geisteswissenschaftler“ (Zitat re:marx über re:marx) ging uns so richtig auf die Eier. Zeit für ein abgefakt! Die Chemnitzer Community dankte es uns inständig – scheinbar haben wir damit vielen Lesern aus der Seele geschrieben.

IMG_6249Was außer sonst noch sonst noch geschah:

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Viel Lärm um Nichts: Das große FP-Leserkommentar-Bullshit-Drama in vier Akten.

Auch wenn man als echter Ureinwohner des Internets die digitale Weisheit mit goldenen Löffeln gefressen und das gesamte Internet schon mindestens einmal ausgedruckt und auswendig gelernt hat, so wird man doch täglich auf’s Neue von weltweitwebbewegenden Erkenntissen erschüttert. Zum Beispiel durch diese: Facebook-Kommentare sind das neue Unterschichten-Fernsehen!
Wo früher konfliktgeile Koriphäen wie Britt, Bärbel, Arabella und Vera, Andreas Türck und Oliver Geissen prekäre Familienstreits und bumsfidele Bumsgeschichten schlichteten, klafft heute eine große Lücke, die weder von „Mitten im Leben“ noch durch formvollendete Formate wie „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ mit dem entsprechenden Müllgehalt gefüllt werden kann. Weil der Fernseher ja aber ohnehin ein nahezu archaisches Gerät aus dem letzten Jahrhundert und in der digitalisierten wie intellektuell inszenierten Welt vom Aussterben bedroht ist (Stichwort: „Zum Glück schaue ich schon seit Jahren kein Fernsehen mehr“), sind solche Formate auch gar nicht mehr von Nöten, denn stattdessen gibt es heute ja glücklicherweise das dicke große Facebook, in dem man abends lieber liest, anstatt sich durch Zwangsgebühren finanzierte Volksverdummungsmusikshows anzuschauen. Anstelle des trashigen Nachmittagstalks, mittels dessen man sich stets so wunderbar über die Dummheit der anderen aufregen und an der eigenen Bildung berauschen konnte, tritt nun der gemeinhin gruslige und grenzdebile Facebook-Leserkommentar, der sich derzeit unter den Statusmeldungen sämtlicher null-bis topseriöser Tageszeitungen ähnlich rasant verbreitet wie die europäische Panik vor Ebola.

bernd
Weil wir uns auch so gerne über andere aufregen, wollten wir uns schon lange einmal die Leserkommentare unter den Posts unseres städtischen Lieblings-Leitmediums, der Freie Presse, vornehmen und knallhart analysieren bzw. die Idee des Leserkommentar-Bullshit-Bingos von der LVZ klauen. Da Bullshit-Bingos mittlerweile jedoch so langweilig und vorhersehbar sind, dass man auch einfach ein Bullshit-Bingo-Bullshit-Bingo anfertigen könnte, haben wir uns dafür entschieden, unseren selbstauferlegten Bildungsautrag zu erfüllen und ausgewählte Freie-Presse-Facebook-Kommentare aus dem Monat Oktober fast unverfälscht und als das wiederzugeben, was sie auch sind: Ein antikes Drama ohne Sinn, in unendlich vielen Akten.
Sollte das nachfolgende Stück, das ausschließlich aus original Leserkommentaren und unheimlich schlechten Reimen besteht und deshalb orthografisch wie inhaltlich absolut fragwürdig ist, demnächst in sämtlichen sächsischen Schulen als Weihnachtsmärchen über die Mär von Nächstenliebe, gesamtdeutscher Gastfreundschaft und dem Volk der großen Dichter und Denker zwangsaufgeführt werden, wäre uns das jedenfalls eine große Freude.

jutta Weiterlesen