dm-Haul and other Poems.

„Heute Vormittag ging ich mal wieder kurz zu dm Drogerie Markt. Sie kennen das. Man braucht nur Zahnpasta und kauft dann noch Duschgel, Lebkuchen, Geschenkpapier, Windeln … zum Schluss ist der Wagen voll und man tritt reumütig den Weg zur Kasse an. Als ich all meine Einkäufe auf das Band gelegt hatte, entdeckte ich aus dem Augenwinkel eine neue Manomama-Tasche! Wer hier schon etwas länger mit liest, weiß ja inzwischen, dass ich jede Manomama-Taschen mit Begeisterung und aus Überzeugung kaufe.“

OK, kurze Pause. Sind den Hipsterschmierfinken von re:marx nun endgültig die Gehirne windelweich gespült und, in einer Berliner-Luft-dichten Kruste aus Duschgel und Lebkuchen versiegelt, in Geschenkpapier verpackt der Zahnpastafee auf das Motelbettkopfkissen gelegt worden? Nein, aber dazu später mehr. Der zitierte Text ist die Einleitung zu einer spektakulären Enthüllung der Bloggerin Pia Drießen, die einen „Shitstorm über dm“ (Meedia, Chip, Huffington Post) regnen ließ. Einen Tag, nach dem der Beitrag „Nicht nur eine Tasche“ auf ihrem Blog erschien, der von einer Biowaschmittelfirma gesponsert wird, hat Drießens beeindruckende Recherche ihren eigenen Hashtag, damit sich die öko-alarmbereite Landlust-Gesellschaft so schnell wie möglich gegenseitig mit einem Tweet vor der fiesen Drogeriekette warnen kann. Einen Tag später ist der #Taschengate bei Spiegel Online und der Süddeutschen angekommen, die dm-Webseite  lahmgelegt und vor der neuen dm-Filiale in der Ermafa-Passage legten Menschen am Sonntag spontan Kränze nieder.

Irina_Gache

Po-e-sie: Kommerziell katastrophale Kunstform für verzweifelte Versfans Foto: Irina Gache für Besser Als Heute Morgen

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Besser als Heute Morgen: Die 1. internationale Chemnitzer Lyrikzeitung

Wer kann sich nicht daran erinnern, wie er im Deutschunterricht Goethes Zauberlehrling herunterstammelte und danach mit einem harschen „Vier, Setzen!“ schweißgebadet zurück auf seinen Platz verwiesen wurde? Für viele von uns ein Kindheitstrauma, das dazu führte, von Lyrik und Poesie in Zukunft respektvollen Abstand zu halten. Doch warum sollte man nicht auch der Lyrik eine zweite Chance im Leben geben? Immerhin soll sie ja unterhaltsam sein und nicht frustrierend.

Genau diese Annahme muss den Machern der ersten internationalen Chemnitzer Lyrikzeitung bei ihrem Vorhaben zugrunde gelegen haben, denn sie bieten uns und der Lyrik eine zweite Chance einander warm zu werden. Re:marx traf sich mit den beiden Mitinitiatoren Christian und Frank zum Interview bei Tee und Kippe, um der Sache auf den Zahn zu fühlen:

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