1000 mal geliked – 1000 mal ist nichts passiert. Die große Gala der Danksagung.

Was haben wir nicht alles in den letzten Jahren über uns und besonders über euch ergehen lassen, um den heiligen Gral des Web 7.0 endlich in den Händen halten zu können. Die vielfach preisgekrönte Akt-Kunstform der Rektal-Reime, inflationär genutzter Lautgleichklang am Wortbeginn trotz ausgeprägter Alliterations-Allergie aller Angestellter,  Recherchen, die den Investigatiefpunkt journalistischer Blogtätigkeit neu definierten, Artikel über alles, nichts, oder – Hauptsache Chemnitz kommt dabei schlecht weg, nur weil wir von Chemnitz schlecht weg kommen. Kaum etwas war uns zuwider, zu eklig, zu Zenti. Vetternwirtschaft: ein steter Dauergast. Unverblümte Selbstbeweihräucherung: höchste Priorität. Inkonsistente Meinungsmache: vorBILDlich umgesetzt, no Konsens – just Nonsens: yolo! Alles nur für den digitalen Durchbruch, die binäre Blogbeliebtheit, die local Loyalität.

Bildschirmfoto 2015-05-28 um 21.15.21Diese wichtige statistische Erhebung beweist: Wir sind knorke!

Aber es sah ziemlich düster aus mit dem Internetzruhm, bis uns das Café Central auf die glorreiche Idee brachte, einfach auch auf die Tränendrüse zu klicken. Dank des ausgiebigen Bades in Selbstmitleid ist es nun endlich bewerkstelligt: Die Anzahl der Facebook-Likes entspricht nun der Menge an Kurzen, denen wir für unser inzwischen von Ugo Begon Halder geklautes Format Asyl gewährt haben. 1000 Likes. In Worten: Eintausend. In lokalen Zahlen: Wir haben jetzt so viele Möger wie Chemnitz Lautstärkebeschwerden pro Woche, die nächtlichen Ampelsignale Dezibel und die Stadt Einwohner unter 35. Das Erreichen der ersten vierstelligen Zahl nach 0999 gilt im Facebook-Universum als magische Schallmauer, die es zu durchbrechen gilt, selbst wenn alle anderen längst mit Lichtgeschwindigkeit reisen. Die 1000 trennt Seriosität von Satire, Hip vom Hop, den Kass- vom Sonnenberg.

Bildschirmfoto 2015-05-28 um 21.15.35

Beeindruckende Prozente. Die hat sonst nur Sepp Blatter.

Etwas seltsam ist die Vorstellung schon, dass wirklich 1000 unterschiedliche, menschliche Seelen (oder Chemnitzer) diesen Blog liken, der sich selbst nicht mal einig ist, welcher Artikel jetzt eigentlich vor Blog gehört. 1000 digital natives finden uns irgendwie ok oder wollen zumindest ihrem Feind am Nächsten sein. Das schreit förmlich nach ein paar direkten, unironischen, ernstgemeinten Worten an unsere Leserschaft:

Liebe re:marx Leser, die wir generell alle in eine Schublade stecken (Student, kurz vor Studiumsabbruch, immer auf der Suche nach dem fehlenden N*Dorphin-Date)

Ihr seid uns wichtig. Wirklich jetzt. Ohne euch wären wir immer noch bei 3-8 popligen Gönnern (also uns selbst), ohne euch würde die Nationalmannschaft jetzt mit Karl-Marx-Trikots auflaufen, ohne euch gäbe es kein Publikum, dem wir unsere sekundären Geschlechtsmerkmale von innen gegen den Bildschirm drücken könnten und ja – ohne euch hätten wir das N*Dorphin wirklich mal in unseren Dates erwähnt, sprich: ohne euch würde es den Drum n Bass noch geben. Aus unserem tiefsten Innern, ja, aus diesem unendlich schweren Bröcklein schwarzer Materie heraus möchten wir euch an dieser Stelle gern eines sagen: Selber schuld!

Bildschirmfoto 2015-05-28 um 21.16.46

Querschnitt vom Mount Everest.

Ohne Scheiß, es hätte so schön sein können. Für uns, für euch, für Chemnitz. Hättet ihr nicht auf den Daumen geklickt und uns die Bestätigung gegeben, nach der wir seit Bloggeburt lechzen, die wir aber auf jeden Fall überhaupt sowas von gar nicht nötig haben, weswegen wir auch niemals hektisch jeden neuen Liker stalken und uns ungläubig die Augen reiben, wenn ein Beitrag die 100er Marke knackt. Likes sind für uns wie Eis von  Marschners: eins ist keins! Likes sind Online-Umarmungen, die uns in den kalten Nächten des digitalen Zeitalters wärmen, Likes sind die Währung der Mitellosen. Oder verhält es sich doch eher andersrum? Likes sind Schall und Rauch, sie sagen doch über den Charakter gar nichts aus, Likes sind nur der Klick für den Augenblick? Wir halten´s da wie Chemnitz. Wir sind uns selbst genug. Wir können allein. Wir sind die Elite. Wir sind die 1.000 Likes. Lasst uns in Ruhe mit der offenherzigen Zuneigungsmentalität eures linken Zeigefingers und hört auf Madonna: Liked nicht uns. Like a virgin!