abgefakt: Zeitgeist 2014. Teil II (Juli bis Dezember)

Juli:
Eintrag vom 02. Juli 2014
Liebes Tagebuch,
„Heute ist wieder einer dieser Tage. An dem eine unendliche Leere die Seele umschlingt wie Lianen die Bäume im Dschungel. Denn heute ist fußballfrei. […] kein Tor in der Nachspielzeit der Nachspielzeit, kein Wet-Look-Jogi im Regen von Recife, keine Kathrin Müller-Hohenstein, die mit Poldi am Pool sitzt und mit den Füßen leise Muster ins Wasser malt. Und so droht man in ein bodenloses Loch zu fallen, ein Loch, größer als das Conti-Loch, ein Loch, größer als das größte Sommerloch jemals sein kann.“


Was sonst noch geschah:

Der Aufreger des Monats:
Diese „bloggende Selbstherrlichkeit“, diese „Bastion der Arroganz“, dieser „lose Verband wahnsinniger Geisteswissenschaftler“ (Zitat re:marx über re:marx) ging uns so richtig auf die Eier. Zeit für ein abgefakt! Die Chemnitzer Community dankte es uns inständig – scheinbar haben wir damit vielen Lesern aus der Seele geschrieben.

IMG_6249Was außer sonst noch sonst noch geschah:

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real, marx: Einmal hin, alles drin. Ein Poethischer Report von den Begehungen.

Mal ganz ehrlich. Wer vergangenen Freitag das Sensationsspiel des CFC gegen Mainz 05 im DFB-Pokal verpasst hat, kann nur einen vernünftigen Grund dafür gehabt haben: Die Begehungen in Bernsdorf. In seiner elften Auflage beging das Kunstfestival dieses Jahr vom 14. bis 17. August den Rosenplatz – ein beschaulicher kleiner Park, idyllisch gelegen zwischen Fetisch-Laden und Nutten-Netto. Chemnitz-Kenner wissen, dass Bernsdorf dem Sonnenberg als angesagtes Problemviertel längst den Rang abgelaufen hat. Der Rosenplatz schien deshalb der perfekte verlassene Ort, um Kunst zu kuratieren und Werke zu installieren zwischen der knarrenden Schaukel auf dem Spielplatz und dem kühlen Serbst-Wind, der leise in den Baumwipfeln wehte. Begangen wurde auch die vergangene Edeka-Kaufhalle auf der Bernsdorferstraße, seit deren Schließung nie wieder auch nur ein einziger Edeka-Supermarkt in Chemnitz gesichtet wurde. Aus diesem Supermarkt wurde nun ein Kunstmarkt, weshalb bei den diesjährigen Begehungen grundsätzlich viel über Konsum im Konsum reflektiert werden durfte. Aber kommen wir zum Wesentlichen: zu uns. Re:marx war erwartungsgemäß dabei und überlegte zunächst lange, wie man sich dem Kunst-Konsum am besten annähern könnte, stieß aber schließlich auf etwas, das stets volksnah, simpel und für alle zugänglich ist: Lyrik! [Bzw. das, was man heute gemeinhin für Lyrik hält]. So kroch in unserem Autorenkreis nicht nur ein heimlicher Hobby-Dada-Dichter aus seinem Kreativkeller ans virtuelle Tageslicht, nein wir praktizierten auch die kunstvolle Form der öhm Live-Lyrik, in Echtzeit geschrieben von den Dichten an der MS BEAT Bar, die endlich noch Dichter werden wollten. Die Resultate: Berauschende MSBeat-Poesie über Konsum; Alkohol-Konsum, Wurst-Konsum, Pfeffi-Konsum, Bier-Konsum, Kunst-Konsum. Alle Gedichte der dichten Dichter und ein bisschen visuelle Poesie in Form von Fotos könnt ihr jetzt und hier konsumieren.

IMG_6303„Immer wenn du denkst es geht nicht mehr kommt von irgendwo ein Pfeffi her.“ [Terle M.]

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Die MS BEAT vital re:marx Umschau als kostenloser illegaler Download.

Am vergangenen Wochenende traf sich, wie bereits erwähnt, die westsächsische Pharma-Lobby unter dem Decknamen „MS BEAT vital“ in Oberrabenstein, um mittels  geheimer Studien an wehrlosen Wellensittichen und physisch fitten Festivalbesuchern die heilsame Wirkung von Pfeffi und Musik in unmittelbarer Korrelation zu testen.
Re:marx war vor Ort, um die Test-Ergebnisse für die durch Schleichwerbung finanzierte „re:marx umschau“ (Rum:schau) festzuhalten. Während die Testgruppe echte Berliner Luft schnuppern durfte, erhielt die  Kontroll-Gruppe ein Placebo namens Peffi – mit verheerenden Konsequenzen auf den Bewegungsapparat und das mentale Stadion, die vor allem ein Mann ganz besonders zu spüren bekam: Rico Ranunkel.

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Medizinisches Fachpersonal bei der Weiterbildung.

Wie es Ranunkel mittlerweile ergeht, wann man Wurst-Wasser besser nicht trinken sollte und wohin der längste Treppenlift der Welt führt, erfahrt ihr exklusiv im für den Pulitzerpreis 2015 nominierten, qualitätsjournalistischen Fachmagazin „Rumschau“, das wir euch an dieser Stelle ohne Risiken und Nebenwirkungen als kostenlosen Download zur Verfügung stellen wollen.

rum:schau

Jenseits von Eden: Am Kassberg entsteht ein neues Senioren-Paradies.

Ach Chemnitz. Eine Stadt und ihr ewiges Image-Problem: Neidisch schielt sie auf die Bohème in Leipzig, die Dampffahrt und Dixieland-Touristen in Dresden oder die Techno-Jünger und Irgendwasmitmedienmenschen in Berlin, dabei hat die Stadt selbst auch einiges zu bieten. Als gefühlt älteste Stadt der Welt ist Chemnitz schlichtweg das perfekte Paradies für die internationale Rentner-Szene. Hübsche Plattenbauten wohin das grau erstarrte Auge reicht, ein durchschnittliches innerstädtisches Schritttempo von 0,02 km/h, eine flächenübergreifende gemäßigte Ruhezone, die bis ins Erzgebirge reicht, eine traumhafte Mecker- und Beschwerden-Quote von 96,8% sowie ein ausgeprägtes südwestsächsisches Traditionsbewusstsein machen diesen auf den ersten Blick so unscheinbaren, grauen Ort zum prächtig blühenden Garten Eden für Best Ager, Junggebliebene, Silver Surfer und GILFs aus aller Welt. Traumhaft. Manche sagen zwar, die Stadt sei senil, überaltert, ein einziger zentraler Friedhof. Doch sie irren sich: Hier plätschern die Jungbrunnen allerorts, hier kann man sich überall am Quell des urbanen Lebens laben, unzählige Hörgeräte-Akustiker, Optiker, Physiotherapeuten und Orthopäden sorgen für ein seliges Senioren-Feeling. Chemnitz mag nicht unbedingt hip sein, aber dafür gibt es hier auch kein lästiges, gesundheitsgefährdendes Nachtleben, das die engelsgleichen Gesichter der Stadt mit fiesen nächtlichen Abnutzungserscheinungen und alkoholbedingten Gebrauchsspuren zeichnet. Nein. Die Chemnitzer Zombies sind fit wie ein orthopädischer Turnschuh – diese Stadt ist über alle Maßen vital!

Doch leider gibt es auch hier, wie überall, immer wieder gewaltbereite Störenfriede, die versuchen, unsere idyllische Lärmschutzzone mit angeblicher Kultur, absolut fragwürdigen Veranstaltungen und perversen Projekten zu vernichten. Gerade in den letzten Jahren hat sich beispielsweise in der eigentlich als Naherholungsgebiet ausgewiesenen Stadt eine zügellose Festivalkultur etabliert, die mit ihrem furchtbaren Krach selbst den Lärm der Ampelsignale übertönt. Dieser der Rentnerszene so feindlich gesinnte Kreis so genannter Kulturschaffender torpediert unser schönes Paradies nicht nur mit abartigen Partys, er zeichnet sich zudem auch durch einen exzessiven Lebensstil ohne jegliche Rücksicht auf gesundheitliche Verluste aus.

vital

In diesem „Haus“ auf dem Kassberg entsteht derzeit ein spektakuläres Senioren-Projekt namens MS BEAT vital

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Viel Lärm um Nichts: die re:marx Neujahrsansprache 2014.

Und so fand er sein jähes Ende, der 31. Dezember, der selige Silvester-Segen, der einzige Tag im Jahr, an dem man sogar in Chemnitz auch nach 23 Uhr noch Lärm in der Innenstadt machen darf. Krach, so scheint es, wird zum Jahreswechsel hier ganz besonders intensiv gefeiert – und dementsprechend enthusiastisch auch kriegsähnliche Knallerei in die himmlische Peripherie gefeuert. So lange, bis das ganze Pulver, das Geld, der Krach, die Euphorie, die Energie schon wieder verschossen ist, bevor das neue Jahr überhaupt beginnt. Am Ende des bunten Lichtspektakels, das die sternhagelvolle Winternacht Jahr für Jahr auf`s Neue erhellt, steht trotz des grenzenlosen Geböllers, trotz aller wilder Zukunftsspekulation und guter Vorsätze dennoch nur bei den wenigsten eine echte Erleuchtung. Vielmehr ist das, was bleibt vom alljährlichen Urknall, eine große Leere, ein akuter Anfall von Sentimentalität, vielleicht auch Selbstmitleid, eine beachtliche Menge Restalkohol und das körpereigene Gänsefett, das sich während der Weihnachtstage in der Bauchregion angesammelt hat.
leuchterAber weil Neujahr ist, und weil wir brave Blogger sind, wird es Zeit für einige wehmütige Zeilen zum Jahresende respektive Jahresanfang.
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re:marx leaks – Die besten re:marx Artikel, die nie veröffentlicht wurden.

Dass Privatsphäre an sich ziemlich überbewertet und spießig ist, dürfte dem aufgeklärten Internet-USer nicht erst seit Edward Snowden bekannt sein. In Zeiten flächengreifender digitaler FKK-Bereiche wirkt das Bedürfnis nach Datenschutz wie eine archaische Wertvorstellung aus der Biedermeier-Epoche. Webcam abkleben ist soo 2010 – der neue Trend heißt totale Transparenz! Wir jedenfalls haben unsere Passwörter und Bankverbindungen längst in der iCloud gespeichert und der NSA sicherheitshalber schon mal im Voraus unsere Telefon-Nummern zukommen lassen. Enthüllungen sind schließlich hip – und weil wir bekanntermaßen absolute Trendhuren sind, enthüllen wir uns nun endlich selbst…

… Wer nun an atemberaubende Nacktfotos oder gar ein professionelles Impressum denkt, wird wohl bitter enttäuscht sein. Uns geht es um die einmalige Offenbarung aller jemals für re:marx geplanten Artikel, Ideen, Vorhaben und Bashing-Attentate, die jedoch aus  Gründen nie realisiert werden konnten. Mit schonungsloser Offenherzigkeit legen wir unseren treuen Lesern als Dank für ihre unerschütterliche Loyalität hiermit sämtliche Gespinste unserer vermutlich bereits vom berühmtberüchtigten Chemnitzer Industrie-Smog verseuchten Hirnwindungen vor. Copyright und geistiges Eigentum sind uns dabei natürlich auch total Bock-, Brat-, und Currywurst. Deshalb hier nun die Liste der besten re:marx-Artikel (im weiteren Sinne), die niemals auf re:marx erschienen sind.

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And the MS BEAT goes on: 2084 – Wir betreten #Neuland.

Vor vielleicht in etwa ungefähr genau einem Jahr schauten wir – ein ängstliches Kollektiv überflüssigerweise auch noch bloggender Großstadt-Neurotiker – gemeinsam mit unserer beherzten Leserschaft mit bangen Blicken dem Ende entgegen. Denn die Katastrophen-Experten vom MS BEAT-Festival hatten mit Hilfe ihrer Glaskugel berechnet, dass Ende Juli die Apokalypse ca. fünf Monate früher als eigentlich erwartet eingetreten sein und der Zeitpunkt des wahren Weltuntergangs zufälligerweise mit dem des Festivals korreliert haben wird.
Mit dieser düsteren, doch wissenschaftlich sehr fundierten Vorahnung sollten sie Recht behalten haben werden sein  (ab jetzt schreiben wir nur noch im falschen Futur II) und so ging die Welt ein infernalisches Festival-Wochenende lang so richtig unter, wie uns diese schaurigen Amateur-Aufzeichnungen beweisen.

Doch wo zwei Enden sind, da ist auch eine Wurst. Und ein Anfang. Und eine neue Zeitrechnung. Was dem Rest der mutierten Menschheit erschien wie ungefähr in etwa vielleicht fast ein Jahr, waren gemäß der neuen, von den Futur-Experten des MS BEAT Festivals höchst wissenschaftlich ermittelten Zeitrechnung jedoch genau 72 Jahre – 72 ziemlich kurze Jahre, die alle verbliebenen Lebensformen (die Zombie-Experten des MS BEAT-Festivals nennen sie auch „Hipster“ (Vgl. Veranstaltungstext, Facebook, 2013))  sowie die Welt, auf der ebendiese trendgeil wandeln, zur Regenerierung gebraucht haben (werden wird).
Jetzt also, im Jahre 2084, nach gefühlten Ewigkeiten des totalen Nichts, erblüht diese einst versunkene Welt wieder zu neuem Leben. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber Anarchie is‘ trotzdem nich: Da auch der leicht mutierte Mensch ohne System und Strukturen nicht sein kann, wird am 26. und 27. Juli am Staussee Oberrabenstein der erste staatliche Staat des Jahres 2084 gegründet. Ein Inselstaat mit Flugplatz und Festlandanbindung, ja es soll sogar Musik, Kunst und Wetter geben.

Aufgrund unseres ausgeprägten Neurotizismus wurde uns die Ehre zuteil, das dortige Ministerium für InseL-und Festlandsicherheit, kurz M.I.L.F., zu übernehmen, um Sicherheit für alle Bürgerinnen und Burger zu gewährleisten. Schließlich ist das MS BEAT für uns alle ähm… #Neuland. Aber der Staat, das sind immer noch wir. Und genau deshalb werden wir zur Gewährleistung der staatlichen Sicherheit am Wochenende ganz skandalfrei für fürsorgliche Video-Überwachung und qualitative Abhörung sorgen – und eigens eine öffentliche Denunziations-Stelle für alle einrichten.

In dem Sinne: wir werden euch gesehen haben!

Sin und Sinderella – Die große re:marx Fotolovestory.

Ach ja, da war ja noch was. Während wir um das Sachsenfernsehen trauerten, nur knapp der Evakuierung entgingen, unseren Wohltätigkeitssinn entdeckten (das könnt ihr übrigens auch – einmal hier für Rabenstein und einmal dort für das Flussufer) und zur neuen re:marx Leser-Challenge aufriefen, haben wir ganz vergessen, die letzte große re:marx Party-Aktion gebührend auszuwerten, was zum Teil aber auch daran lag, dass wir eigens dafür erstmal einen Photoshop-Könner-Kurs belegen mussten, um endlich Photoshop-Level 1000 zu erreichen, schließlich wollen wir ja nur das Beste für euch, für uns, für Chemnitz.

Vielleicht erinnert sich jemand noch dunkel an die große, überaus erfolgreiche re:marx Leseraktion, die im Herbst 2012 begann und scheinbar nie endete und die LeserInnen (ab heute wird gegendert) dazu aufmunterte, eine Alternative zum ewigen Chemnitzer Party-Einerlei zu entwerfen. Dem Sieger-Konzept gelang es durch den sexy Slogan  „Glatze&Bauchfrei erwünscht“ sowie diversen konzeptuellen Anstößigkeiten, die Massen zu mobilisieren. Sex sells. Und so stieg am 18. Mai die sündige Sause, die den verlockenden Name „Sin und Sinnlichkeit“ sowie ein „sensual Healing by Smoota“ im Untertitel trug und sich irgendwo zwischen romantischer Jane Austen-Referenz und wilder Massage-Orgie bewegte. Naja, vielleicht nicht ganz.

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Re:marx of the year!

Ende! Finito! Basta! Fin! Das wars! Doch zur Überraschung aller meinen wir hiermit etwa nicht den unheilsamen Untergang der großen weiten Welt, sondern das plötzliche Ende des Jahres [2012], das mit großen, unaufhaltsamen Schritten naht – Endzeitstimmung! So werden selbst wir, die grausamen Basher von re:marx, in Anbetracht des jähen Endes ungewohnt sentimental und schwelgen in wehmütigen Erinnerungen an ein buntes Jahr in der schönsten grauen Stadt der Welt, weshalb wir diesem [Jahr 2012] just hier an dieser Stelle einen würdigen Rückblick widmen wollen. Natürlich in Listen-Form, aber ohne Publikumsbeteiligung, schließlich halten wir nichts von dieser Demokratie und werden  allein mit unserem subjektiven Qualitäts-Urteil diese Stadt zu einem viel viel besseren Ort machen.

burning down the (opera) house.

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Re:view – The Look of MS Beat.

Endlich gibt es die Apokalypse auch zum Anschauen. Ein opulentes Spektakel in zwei Akten. Und natürlich in HD – schärfer als die Realität oder so. Egal – mit re:marx sieht man eh besser. Also colour your life, because we love to entertain you.