Die Post der Moderne: Herbstschmerz in Chemnitz.

Was bisher geschah:
Die Hitzewelle hatte eine dunstige Glocke der Apathie über die Stadt gelegt, weshalb „Dämmse“ zum sächsischen Wort des Jahres und unser Erfolgsformat „Die Post der Moderne“ vorübergehend auf Softeis gelegt wurde. Es gab einfach zu wenig, worüber man sich hätte aufregen können und die Blutdrucksenker hatten endlich angeschlagen. Jetzt aber scheint das Phlegma vom schlechten Wetter verweht, der Hass liegt gemeinsam mit den Resten des Sommers im nassen Laub auf der Straße: Der Herbst hat Einzug in die Stadt gehalten. Kälte ist in die Herzen gekrochen und hält sie mit eisiger Faust umklammert. Hochkonjunktur für Wutblogger wie uns.

In unserem Bericht über die dunkeldeutschen Winkel Sachsens hatten wir Chemnitz noch in Schutz genommen, aber the times, they are a-changein‘. Sobald der Herbst an die Tür klopft, gefrieren die Herzen. Was will man auch machen, wenn man nicht mehr allabendlich im Garten unter der Deutschlandfahne grillen kann, die Stadtfestsaison vorbei ist, die Freibäder geschlossen haben und statt buntem Holi-Pulver nur noch nasser Schnee vom Himmel fällt? Wenn nichts bleibt, außer die schmerzhafte Konfrontation damit, dass der Nahe Osten eben nicht so weit weg ist, wie es viele gerne hätten. Vielleicht kann man sich mal wieder ein bisschen wehren. Kaum wird es kalt, ist die bürgerliche Wehrmacht zurück.

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