Pokè Moderne – was diese Woche in Chemnitz geschah.

Viele von uns haben es schon lange geahnt, seit dieser Woche ist es endlich offiziell: Die Menschheit ist am Ende. Totally fucked up, nicht mehr zu retten, so richtig am Arsch. Wir können das Aftershave der nahenden Apokalypse schon riechen: Es riecht nach Parkhaus und auch ein bisschen nach Jogi Löw und es vernebelt uns die Sinne.
Terror, Krieg, Brexit, Rechtsruck, irre Amtsinhaber, und: Pokèmon Go. Wenn unzählige Menschen überall fiktive Anime-Viecher aus den Neunzigern jagen, während die Welt da draußen jeden Tag ein Stückchen mehr brennt, kann das Ende nicht mehr weit sein. Angesichts des nahenden zivilisatorischen Untergangs ist es vielleicht auch kein Wunder, dass wir uns wieder auf das zurück besinnen, was die Evolution ursprünglich für uns vorgesehen hat: Jagen, Sammeln, Rudeltier sein, sich um irgendetwas kloppen, bescheuerte Balztänze aufführen. Zurück zum Ur-Instinkt, weg von der digital durchoptimierten Selbstsucht.

Deshalb treffen sich Menschen jetzt, um gemeinsam mit ihren Smartphones durch Städte zu laufen und am Holocaust-Mahnmal in Berlin putzige Monster zu fangen. Egal, ob sie dabei überfahren werden oder in fiese Datenschutzlücken stolpern. Denn: Pokèmon Go hilft Menschen mit Angststörungen das Haus zu verlassen. Depressive fühlen sich besser an der frischen Luft – selbst einbeinige 300-Kilo-Kinder gehen endlich wieder raus spielen. Geschäfte steigern ihre Umsätze, Straftäter werden geschnappt, herrenlose Hunde gerettet, ja vielleicht sogar bald der Weltfrieden gemacht, wenn die Menschheit nun wieder näher zusammenrückt, um virtuelle Monster zu jagen.

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abgefakt: Zeitgeist 2014. Teil II (Juli bis Dezember)

Juli:
Eintrag vom 02. Juli 2014
Liebes Tagebuch,
„Heute ist wieder einer dieser Tage. An dem eine unendliche Leere die Seele umschlingt wie Lianen die Bäume im Dschungel. Denn heute ist fußballfrei. […] kein Tor in der Nachspielzeit der Nachspielzeit, kein Wet-Look-Jogi im Regen von Recife, keine Kathrin Müller-Hohenstein, die mit Poldi am Pool sitzt und mit den Füßen leise Muster ins Wasser malt. Und so droht man in ein bodenloses Loch zu fallen, ein Loch, größer als das Conti-Loch, ein Loch, größer als das größte Sommerloch jemals sein kann.“


Was sonst noch geschah:

Der Aufreger des Monats:
Diese „bloggende Selbstherrlichkeit“, diese „Bastion der Arroganz“, dieser „lose Verband wahnsinniger Geisteswissenschaftler“ (Zitat re:marx über re:marx) ging uns so richtig auf die Eier. Zeit für ein abgefakt! Die Chemnitzer Community dankte es uns inständig – scheinbar haben wir damit vielen Lesern aus der Seele geschrieben.

IMG_6249Was außer sonst noch sonst noch geschah:

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