abgefakt: Bleich für immer – Make Chemnitz Grey Again. Re:marx feiert Geburtstag.

Es gab eine Zeit, da war re:marx irgendwie cool. Als man sich noch Blogger nannte und in schlecht gelaunte Anonymität gehüllt auf die brachliegende Chemnitzer Kultur-Landschaft einfiel wie rasant radelnde Sommerfrischler in Marschners Eisdiele, Partys generell lieber mied und Menschenmengen auch. Das war vor „Bleich für immer“, jener Festivität am 22. Oktober 2016, die das hoffnungsvolle Versprechen gab, die Stadt, die längst viel zu fröhlich geworden war, endlich wieder grau zu machen.bfi_teasPlötzlich drehte sich alles.
Nur noch um diesen einen Abend: Die Post der Moderne wurde eingestellt, der Paint-Pinsel beiseite gelegt, das wutblinde Gebashe, das uns einst berühmt gemacht und gleichermaßen ruiniert hatte, verstummte im Veranstalterwahn, der uns mit Walkie-Talkies bewaffnet in burnout-große Funklöcher stolpern lies. Re:marx war unter die Party-Macher gegangen, und niemand, wirklich niemand konnte ahnen, dass das einsiedlerischste Kollektiv seit  Misanthropie-Gedenken damit zum Scheitern verurteilt war.
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The Hood, the Bad and the Ugly: Unterwegs in B-Village.

Jede gute Studentenstadt, wie sie Chemnitz jetzt nicht unbedingt ist, hat auch ein ebensolches Viertel. Wo sich die Kneipen aneinanderreihen wie die Ersties an der Essensausgabe, es mehr Fahrrad- als PKW-Parkplätze und viele entzückende kleine Buchläden gibt, man mit frischen Falafeln auf blumigen Wiesen rumliegen und nachts mit Bier auf Bürgersteigen sitzen kann. In Chemnitz sagt man dazu kurz: Bernsdorf. Jeder von uns hat zu einem Zeitpunkt seines bewegten Chemnitz-Lebens schon mal in Bernsdorf gewohnt. Von einigen als tonnenbrennende Hood kriminalisiert (Messerstichwort „B-Village“), bei anderen nur durch den schlüpfrigen YouTube-Klassiker „Bernsville Couple Making Out“ bekannt, ist Bernsdorf vor allem ein gutes Viertel zum naja, in Ruhe wohnen. Der Brühl ist wenigstens eine echte Geisterstadt, der Kaßberg hat die Häuser schön, der Sonnenberg steht für Gefahr, Gablenz und das Yorckgebiet haben das Gablenz- und das New Yorck-Center. Bernsdorf hat nichts: Nicht mal ein eigenes Einkaufscenter, nur Nah&Gut, na gut. Bernsdorf ist ein bisschen wie das Wetter an dem Tag, an dem wir die folgenden Fotos gemacht haben: Weder schön noch schlecht, sondern irgendwie profillos. Zwar ist das Flair vorm Assi-Netto recht räudig, und manchmal kann man Überfälle auf offener Straße beobachten oder Leute nachts laut kotzen hören, aber das war’s auch schon an Aufregung und großstädtischem Nervenkitzel. Ein paar Bahn-Unfälle gibt es ab und an noch zu sehen, aber das ist eher was für dauergaffende BILD-Leser mit hemmungslosen Hang zu affektierten Alliterationen. Anstelle von Kneipen, Galerien, Clubs und was man halt noch so cool finden kann, haben sich hier Wohnungsgenossenschaften angesiedelt und Steinmetze, denn der Friedhof scheint das heimliche Zentrum des hippen Stadtteils zu sein. So geht Kiez! Garantiert nicht.

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Kein Blog ist illegal: Die Wahrheit über re:marx.

In Zeiten, in denen grau-schwarz bekleidete Menschen mit glänzenden Glatzen, zahnlosen Mündern, furchtbaren Dialekten und selbst gebastelten Galgen durch sächsische Städte flanieren und wahllos „Wir sind das Volk“ und „Lügenpresse“ skandieren, als wären nur stumpfe Parolen in ihre geistige Pack-DNA einprogrammiert, ringen seriöse Qualitäts-Medienmacher wie wir nicht nur mit unserer zunehmenden Verzweiflung, sondern natürlich auch um das Vertrauen der Leser.  Ja, auch wir waren vielleicht nicht immer ehrlich zu euch, haben verschwiegen, dass der Mann hinter re:marx in Wirklichkeit Katharina Witt ist und wir vor vier Jahren von ab-in-den-Urlaub aufgekauft wurden, weshalb unsere Inhalte seither von Michael Ballack fremdbestimmt sind. Außerdem haben wir kein Impressum, was uns zu virtuellen Vagabunden, faktisch Klicks-klauenden Kriminellen, mindestens aber illegalen Einwanderern in der Chemnitzer Blogosphäre macht. Als Internet-Invasoren haben wir das Socialweb-System unterwandert wie die NPD nach der Wende die Sächsische Schweiz.
Kein Blog ist illegal, würden gute Menschen jetzt sagen, aber wir sind es doch, irgendwie. Es ist das letzte Fünkchen Rebellion, das in unseren angepassten, pseudo-individuellen Hipsterleben glimmt.
Weil ihr uns trotzdem vertraut und unsere Überschriften lest und manchmal unsere Posts liked, wollen wir – anlässlich unseres fünfjährigen Bestehens und als Zeichen der Dankbarkeit für eure Treue – endlich ehrlich mit euch sein und schonungslos offenlegen, wie und wo wir manipulieren. Wir leaken uns selbst – ein Beitrag, so transparent wie das Glas des geplanten Kellnberger-Towers, denn in Zeiten gläserner Konsumenten braucht es auch gläserne Blogger. Möglicherweise werden uns nach diesem Beitrag noch mehr Menschen hassen als zuvor – insgeheim hoffen wir aber, dass unsere gnadenlose Ehrlichkeit inmitten all der staatlich manipulierten Systemmedien mit noch mehr Fame belohnt wird.

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Die 22 besten Bücher über Chemnitz, die man gelesen haben muss, bevor man woanders hin zieht.

Chemnitz ist ja Welthauptstadt für vieles: Für Beige-Töne, Lärm-Beschwerden, Parkhäuser und Graufacetten zum Beispiel. Außerdem vermuten Experten hier die größte Karl-Marx-Büste des Erdtrabanten und den versteinertsten Wald der Welt. Doch trotz aller offensichtlichen urbanen Qualitäten ist Chemnitz eines erstaunlicherweise nicht: Eine Weltstadt der Literatur. Dabei wurde Peter Härtling hier geboren und Stephan Heym, außerdem befindet sich wohl eine der besten Buchhandlungen des Landes weit oben in der hohen Luft des Kaßberges und hier kann man in den Genuss der Ergüsse der Chemnitzer Schreibwerkstatt kommen. Wenn man aber Bücher über Chemnitz sucht, die keine  Reiseführer oder alte Eisenbahn-Pornos sind, findet man höchstens Bildbände über halbverweste Industriebrachen und buchgewordene Karl-Marx-Stadt-Nostalgie vom Chemnitzer Verlag. Na gut: Und Rico Ranunkels Bestseller „Mein Leben mit der Misanthropie“ natürlich – vermutlich das erfolgreichste und ehrlichste Buch, das jemals über Chemnitz geschrieben wurde. Erstens, weil es nie wirklich geschrieben wurde und zweitens, weil es nie wirklich über Chemnitz geschrieben wurde, sondern nur das erbämliche Leben Ranunkels erzählt – was von vielen Kritikern als Allegorie (wahlweise auch Allergie) auf eine menschenfeindliche Stadt interpretiert wurde. In Chemnitz ist so viel nicht los, dass man ganze Bücher damit füllen könnte – Romane, in denen auf über tausend Seiten rein gar nichts passiert, sind ja bekanntermaßen auch die besten. Trotzdem scheint diese Stadt von großer belletristischer Armut gebeutelt, und es bleibt vollkommen unklar, warum „50 Shades of Grey“ nicht in Chemnitz handelt, warum sich noch kein Germanistik-Student mit einem biografischen „Ich bin dann mal weg“ in die Berliner Arbeitslosigkeit verabschiedet hat und warum wir von Re:marx noch keine neunhundertseitige Wortspiel-, Alliterations-, und Syntaxorgie namens „Nihilysses“ an den Suhrkamp-Verlag geschickt haben.

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La Vie en Rose: Montkass, le plus beau quartier du monde.

Ein Freitagabend im April. Im Hinterhof eines großen, grauen Eckhauses an der Weststraße wird Glut geschürt. Jemand hat einen halben Baum ins Feuer geworfen und die Flammen haben jetzt die Höhe eines siebenfarbigen Schornsteins – natürlich stilsischer gestaltet von einem Franzose – erreicht. Farbton: Feuerwehrrot. Irgendwo nebenan geht ein Fenster auf, die Stimmung: Beschwerdegrau. „Jetzt macht doch mal das verdammte Feuer aus. Wisst ihr wie das stinkt? Wir versuchen schon seit ’ner halben Stunde zu schlafen“, pöbelt die einsame Eingabe aus dem Nichts der Nacht. Das Fenster knallt wieder zu. Freitagabend, um elf: Die Ruhe auf dem Berg wird nur gestört vom Knistern des Feuers.
Ein Freitagabend im Mai. Im Hinterhof eines großen, grauen Eckhauses an der Weststraße wird Grillgut kredenzt. Keine profanen Bratwürste, sondern feinste, fettige Chorizo. Es gibt lauwarmes Pils aus dem Fass, „VIPils“ der Edelbiermarke Perlbacher, aus dem Lidl von der Limbacherstraße. Mit der Nacht hat sich auch die Stille über Dächer gelegt, vereinzelt ertönt schrilles Mitvierziger-Lachen. In einer Wohnung flackert blaues Strobo-Licht. Irgendwo nebenan steht ein Fenster offen: Jemand hat Sex und das ganze Karree, vielleicht auch der halbe Hügel, hört mit. Keine Beschwerden an dieser Stelle. Schließlich muss man dafür sorgen, dass der erhöhte Kinderwagenverkehr auf der Weststraße nicht zum Erliegen kommt. Schließlich wird Ramontik hier noch falsch geschrieben. Schließlich ist Chemnitz die Stadt der Liebe.

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Abgefakt: Holding Back The Years – Studentendisko revisited.

Wir sind wieder hier. In unserm Revier. Warn nie wirklich weg. Ham uns nur versteckt. Nach gefühlten Jahrzehnten der Abstinenz begab sich re:marx, getrieben von Nostalgie und Wermut äh Wehmut, bei der allseits beliebten Chemnitzer Studentendisko auf die Suche nach dem Gefühl von früher und der Antwort auf die Gretchen-Frage: Sind die anderen uncool, oder sind wir einfach nur alt geworden? Ein Abgefakt: Studentendisko. Oder ist es ein eher ein Abgefakt: Wir selbst ?

Das war:
Nichts wie es heute ist. Bevor man dem Johannisplatz die graue Kellnberger-Glasfassaden-Uniform übergestülpt und mit der Ansiedlung eines Vapianos endgültig zum Einkaufsstraßen-Einerlei komplettiert hatte, befanden sich hier kreisrunde Blumenbeete, meist mies bepflanzt. Hip sahen die nicht aus, aber man konnte auf ihren gekachelten Rändern sitzen und sich von der Clubnacht abkühlen. Bier trinken, rauchen, seriöse Suff-Gespräche führen, nach Gras gefragt werden. Anlass dafür war meist die Studentendisko: Jeden soundsovielten (wir wissen es gerade gar nicht mehr, so lang ist das schon her) Mittwoch im Monat, der Eintritt war frei – ein Highlight im studentischen Veranstaltungskalender. Immer traf man hier alle, die man gern treffen wollte, und auch die anderen. Immer liefen hier handfeste Indie-Hits und immer Madness. „Our House“ bis zum Britpop-Erbrechen. Irgendwann konnte man es nicht mehr hören: Tausend mal gehört, tausend mal ist nichts passiert.

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Früher war mehr Konfetti.

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1000 mal geliked – 1000 mal ist nichts passiert. Die große Gala der Danksagung.

Was haben wir nicht alles in den letzten Jahren über uns und besonders über euch ergehen lassen, um den heiligen Gral des Web 7.0 endlich in den Händen halten zu können. Die vielfach preisgekrönte Akt-Kunstform der Rektal-Reime, inflationär genutzter Lautgleichklang am Wortbeginn trotz ausgeprägter Alliterations-Allergie aller Angestellter,  Recherchen, die den Investigatiefpunkt journalistischer Blogtätigkeit neu definierten, Artikel über alles, nichts, oder – Hauptsache Chemnitz kommt dabei schlecht weg, nur weil wir von Chemnitz schlecht weg kommen. Kaum etwas war uns zuwider, zu eklig, zu Zenti. Vetternwirtschaft: ein steter Dauergast. Unverblümte Selbstbeweihräucherung: höchste Priorität. Inkonsistente Meinungsmache: vorBILDlich umgesetzt, no Konsens – just Nonsens: yolo! Alles nur für den digitalen Durchbruch, die binäre Blogbeliebtheit, die local Loyalität.

Bildschirmfoto 2015-05-28 um 21.15.21Diese wichtige statistische Erhebung beweist: Wir sind knorke!

Aber es sah ziemlich düster aus mit dem Internetzruhm, bis uns das Café Central auf die glorreiche Idee brachte, einfach auch auf die Tränendrüse zu klicken. Dank des ausgiebigen Bades in Selbstmitleid ist es nun endlich bewerkstelligt: Die Anzahl der Facebook-Likes entspricht nun der Menge an Kurzen, denen wir für unser inzwischen von Ugo Begon Halder geklautes Format Asyl gewährt haben. 2000 Likes. In Worten: Eintausend. In lokalen Zahlen: Wir haben jetzt so viele Möger wie Chemnitz Lautstärkebeschwerden pro Woche, die nächtlichen Ampelsignale Dezibel und die Stadt Einwohner unter 35. Das Erreichen der Zahl nach 1999 gilt im Facebook-Universum als magische Schallmauer, die es zu durchbrechen gilt, selbst wenn alle anderen längst mit Lichtgeschwindigkeit reisen. Die 2000 trennt Seriosität von Satire, Hip vom Hop, den Kass- vom Sonnenberg.

Unsere Reichweite: Neuerdings gekauft wie Qatar von Sepp Blatter 

Etwas seltsam ist die Vorstellung schon, dass wirklich über 2000 unterschiedliche, menschliche Seelen (oder Chemnitzer) diesen Blog liken, der sich selbst nicht mal einig ist, welcher Artikel jetzt eigentlich vor Blog gehört. 2000 digital natives finden uns irgendwie ok oder wollen zumindest ihrem Feind am Nächsten sein. Das schreit förmlich nach ein paar direkten, unironischen, ernstgemeinten Worten an unsere Leserschaft:

Liebe re:marx Leser, die wir generell alle in eine Schublade stecken (Student, kurz vor Studiumsabbruch, immer auf der Suche nach dem fehlenden N*Dorphin-Date)

Ihr seid uns wichtig. Wirklich jetzt. Ohne euch wären wir immer noch bei 3-8 popligen Gönnern (also uns selbst), ohne euch würde die Nationalmannschaft jetzt mit Karl-Marx-Trikots auflaufen, ohne euch gäbe es kein Publikum, dem wir unsere sekundären Geschlechtsmerkmale von innen gegen den Bildschirm drücken könnten und ja – ohne euch hätten wir das N*Dorphin wirklich mal in unseren Dates erwähnt, sprich: ohne euch würde es den Drum n Bass noch geben. Aus unserem tiefsten Innern, ja, aus diesem unendlich schweren Bröcklein schwarzer Materie heraus möchten wir euch an dieser Stelle gern eines sagen: Selber schuld!

Querschnitt vom Mount Everest.

Ohne Scheiß, es hätte so schön sein können. Für uns, für euch, für Chemnitz. Hättet ihr nicht auf den Daumen geklickt und uns die Bestätigung gegeben, nach der wir seit Bloggeburt lechzen, die wir aber auf jeden Fall überhaupt sowas von gar nicht nötig haben, weswegen wir auch niemals hektisch jeden neuen Liker stalken und uns ungläubig die Augen reiben, wenn ein Beitrag die 100er Marke knackt. Likes sind für uns wie Eis von  Marschners: eins ist keins! Likes sind Online-Umarmungen, die uns in den kalten Nächten des digitalen Zeitalters wärmen, Likes sind die Währung der Mitellosen. Oder verhält es sich doch eher andersrum? Likes sind Schall und Rauch, sie sagen doch über den Charakter gar nichts aus, Likes sind nur der Klick für den Augenblick? Wir halten´s da wie Chemnitz. Wir sind uns selbst genug. Wir können allein. Wir sind die Elite. Wir sind die 1.000 Likes. Lasst uns in Ruhe mit der offenherzigen Zuneigungsmentalität eures linken Zeigefingers und hört auf Madonna: Liked nicht uns. Like a virgin!

Das Wort zum Sonntag: An einem Sonntag in Chemnitz

Sonntag. SONNTAG – sieben Buchstaben, sieben Zeichen, sieben Tage in der Woche,  die mit dem Sonntag jedes mal ein jähes Ende findet. Der Letzte macht das Licht aus und der Letzte ist in diesem Fall immer der Sonntag. An dieser Stelle wollen wir über den letzten Tag der Woche philosophieren, der nicht umsonst polarisiert wie kein anderer. Schließlich kam der Allerheiligste an genau diesem Tag zur Ruh‘, gibt es Suppe im Lokomov und das letzte Spiel der ersten Fußballbundesliga findet um 17.30 Uhr statt. Und trotzdem: In einer Rangliste aller Wochen(end)tage ist der Sonntag stets derjenige, der wahlweise auf dem letzten oder dem ersten Platz landet. Verhält es sich doch so: An guten Sonntagen gibt es Rouladen mit Rotkohl und Klößen und im ZDF klatschen grenzdebile Graukappen zum stumpfen Schlagertakt des Fernsehgartens. An guten Sonntagen trifft man sich mit Freunden zum Frühstück und abends schaut man gemeinsam Tatort, obwohl man Tatort hasst und eigentlich nur über Til Schweiger twittern will. Die Sonne scheint und im besten Fall ist Sommer und man kauft sich in Winters Eisgarten ein Schoko-Vanille-Softeis, das später in den Haaren klebt.

soft1An guten Sommersonntagen wird im Hinterhof gegrillt. An guten Sonntagen gewinnt der Lieblingsverein das schwere Auswärtsspiel.
Doch nicht jeder Sonntag ein guter Tag. Im Gegenteil. Laut einer persönlichen und deshalb absolut stichfesten Statistik von Re:marx (März 2015) sind gute Sonntage so selten wie journalistisch angemessene Berichterstattung über Flugzeugabstürze. Es gibt Leute, die meinen, der Montag sei das wahre Enfant Terrible unter den Wochentagen, was vermutlich mit der Arbeit zu tun hat, die sie ausüben. Sonntage sind für sie Glückstage (keine Arbeit, Zeit für sich oder einander), Naherholungs-Paradiese, Liebesinseln oder weiß der Teufel was. Aber der Teufel weiß hier vermutlich nichts genaueres, denn der Sonntag gehört Gott allein. Also Satan Ibrahimovic. Also doch dem Teufel. Herr je – Mindfuck as usual. Dabei dürfte doch mittlerweile jedem klar sein, dass an Montagen das Wetter grundsätzlich besser und der Sonntag in Wirklichkeit genau so ein fieses Charakterschwein wie der Montag ist. Und überhaupt: Schlechte Sonntage sind statistisch ähnlich wahrscheinlich wie alberne Alliterationen bei Re:marx.

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re:marx in Gefahr: Im VIP-Bereich beim CFC-Spiel

Keine andere Kategorie hat auf diesem Blog so viel Tradition und doch so wenig Beiträge wie re:marx in Gefahr. Dabei haben wir – zumindest in Gedanken – ständig so Sachen wie Krach in der Innenstadt gemacht, in den Untiefen der hiesigen Nipster-Szene recherchiert, Volksmusikveranstaltungen torpediert, uns als Praktikanten bei der Blauen Narzisse probiert, uns in der Parkeisenbahn bei voller Fahrt entblößt – und das alles ohne Impressum.
Kein Abgrund und kein Schnapsglas sind uns zu tief, kein Risiko zu reich, kein innerstädtisches Alkoholverbot zu straff. Als Reporter ohne Schamgrenzen, ohne Schmerz und ohne Herz, gehen wir dahin, wo es weh tut. Deshalb wird es endlich Zeit für ein Re:marx in Gefahr: in der Südkurve auf der VIP-Tribüne beim Heimspiel des CFC.

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Abgefakt: Re:marx – Party, Pop und Poesie.

Re:marx. Ein Name wie ein Verbrechen. Ein Name, der Industrie- mit Popkultur und kreativlose Arbeiterklasse mit arbeitsloser Kreativklasse vereint und der mit dem hippen Doppelpunkt zudem noch für grafische Raffinesse im steinernen Wortwitzwald der Chemnitzer Kulturszene sorgt. Party, Pop und Poesie: Ein Slogan, der das Gehör so zart umschmeichelt wie ausgelassene Butter ein saftiges Schnitzel. Nur inhaltlich scheint Re:marx derzeit passiver als die brasilianischen Abwehrreihen und ideenloser als Özil beim Passspiel. Das einzige was hier noch errichtet wird, ist eine Mauer der Ignoranz. Zeit, dieser bloggenden Selbstherrlichkeit eines unserer gefürchteten „abgefakts“ zu widmen.

Das war:
Gegründet:
wurde Re:marx vor dreihundert digitalen Jahren, nämlich 2011. Eine wilde, eine unbeschwerte Zeit, in der man noch Statusmeldungen und rote Herzen bei Facebook postete und dabei Witch House hörte. Aus Witch House wurde Future R’n’B und wofür genau Facebook eigentlich noch gut ist, weiß mittlerweile keiner mehr. Heute erzählt man sich die Legende, Re:marx sei ursprünglich als mediale Plattform für die sagenumwobene Beta-Bar gedacht gewesen. Der Hauch einer absurden Idee, zum Leben erweckt von einer handvoll irrer Musikredakteure des ausblutenden Radio UNiCC – eine sektenartig eingeschworene Gemeinschaft, fest vereint im Glaube, Jeffer sei der beste Song aller Zeiten.

Was bisher geschah: Nach Jahren mickriger Klickzahlen und monatlichen, als Redaktionstreffen getarnten, Besäufnissen zwischen ausbleibender Resonanz und sich anschleichender Resignation, blühte der Blog im vergangenen Jahr plötzlich auf und statt räudigem Sterni gab es bei den Treffen nur noch edlen Pfeffi. Re:marx avancierte zum letzten große Mythos des Chemnitzer Nachtlebens. Gerüchte wurden laut über einen Schatten im Osten, ein namenloses Grauen ging um, ein gnadenloses Gebashe: Herzlos und kaltblütig, feige gehüllt in den duckmäuserischen Deckmantel der Anonymität. Clubs schlossen reihenweise, nachdem Re:marx sie gecheckt hatte, Weltansichten gerieten ins Wanken, Lichtgestalten wie Rico Ranunkel erschienen auf der Bildfläche, andere verschwanden. Renommierte Chemnitzer Leitmedien wie das 371 sprachen bereits vom „wichtigsten popkulturellen Medium der Stadt“. Formate wie „Zehn/Kurze Fragen“, „Hit The Klo, Check“ und „Po:esie“ verhießen Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Plötzlich wollte sich Prominenz gemeinsam mit Re:marx besaufen, plötzlich hatte Re:marx über sechshundert Likes bei Facebook, plötzlich glaubte man wieder an eine Chemnitzer Zukunft. Doch dann kam der Sommer.

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