Agenda „Chemnitz 2000“ – Rico Ranunkel kandidiert als Ordnungsbürgermeister

Am zehnten Juni 2015 wählt der Chemnitzer Stadtradt einen neuen Bürgermeister für das Dezernat 3: Recht, Sicherheit und Umweltschutz. Ihm unterliegen das Rechtsamt, zentrale Verwaltungsdienste und die Beschaffungsstelle, das Ordnungsamt, Bürgeramt, Umweltamt, Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt, sowie der Tierpark. Kurzum: Es geht um den Ordnungsbürgermeister. Die siebenjährige Amtszeit vom aktuellen Amtsinhaber, Popstar und Karnevalsikone Miko Runkel, neigt sich also dem Ende zu – oder geht einfach in die nächste Runde. Das Schicksal von Zucht und Ordnung der Stadt liegt in den Händen ihrer Räte. Zwar wurde Runkel seitens halbverwahrloster Linksradikaler immer wieder eine repressive Politik vorgeworfen, dabei wollte er ursprünglich nur ein paar Regeln gegen Menschen im öffentlichen Raum einführen – zum Wohle aller BürgerInnen der Stadt Chemnitz. Und tatsächlich. Was wäre die Stadt heute ohne das Alkohol- und Glasflaschenverbot oder das Untersagen von „aggressiven Betteln“? Wie viel schöner könnte es hier noch sein, wenn sich das Fahrradfahrverbot für die Innenstadt wirklich durchgestetzt hätte? Auch das Skateboard und BMX-Fahrverbot an „baulichen Anlagen entgegen ihrer Bestimmung“ und die Einführung einer Siesta in Chemnitz waren herrausragende Ideen, die Chemnitz zu einer noch sichereren Festung gemacht hätten, als sie es heute ist. Ohne Frage: Runkel hat ganze Arbeit geleistet. Und trotzdem denken wir: Da geht noch mehr.
Deshalb stellt Re:marx, mit zwei Sitzen selbst im Stadtrat vertreten, einen eigenen Kandidat für die Wahl des Ordnungsbürgermeisters 2015: Rico Ranunkel.

künstler
– sieht so der neue Ordnungsbürgermeister aus? –
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abgefakt: Zeitgeist 2014. Teil II (Juli bis Dezember)

Juli:
Eintrag vom 02. Juli 2014
Liebes Tagebuch,
„Heute ist wieder einer dieser Tage. An dem eine unendliche Leere die Seele umschlingt wie Lianen die Bäume im Dschungel. Denn heute ist fußballfrei. […] kein Tor in der Nachspielzeit der Nachspielzeit, kein Wet-Look-Jogi im Regen von Recife, keine Kathrin Müller-Hohenstein, die mit Poldi am Pool sitzt und mit den Füßen leise Muster ins Wasser malt. Und so droht man in ein bodenloses Loch zu fallen, ein Loch, größer als das Conti-Loch, ein Loch, größer als das größte Sommerloch jemals sein kann.“


Was sonst noch geschah:

Der Aufreger des Monats:
Diese „bloggende Selbstherrlichkeit“, diese „Bastion der Arroganz“, dieser „lose Verband wahnsinniger Geisteswissenschaftler“ (Zitat re:marx über re:marx) ging uns so richtig auf die Eier. Zeit für ein abgefakt! Die Chemnitzer Community dankte es uns inständig – scheinbar haben wir damit vielen Lesern aus der Seele geschrieben.

IMG_6249Was außer sonst noch sonst noch geschah:

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abgefakt: Zeitgeist 2014. Teil I (Januar bis Juni)

Die Jahresrückblicke im Fernsehen inszenieren die bewegensten Momente des Jahres ja gerne als diejenigen, in denen sich eine ganze Nation stolz selbst feiern darf: „Deutschland“, wie es vorübergehend auf dem ersten Platz des Medaillien-Spiegels der olympischen Winterspiele steht, Bastian Schweinsteiger, wie er mit blutigem Heldengesicht den Pokal küsst, Helene Fischer, wie sie im Lady-GaGa-Gedächtnis-Dress Millionen Deutsche atemlos macht, ganz Berlin, wie es leuchtende Luftballons in den dunklen Novemberhimmel stiegen lässt. Natürlich gab es auch schlimme Bilder, die man für die tägliche Dosis Unwohlsein zwischen den ganzen Jubelarien immer mal wieder einschieben sollte: Ebola, wie es Europa bedroht, der IS, wie er britische Geiseln köpft, Putin, wie er ungeniert vor sich hin annektiert oder natürlich jüngst Ramelow, wie er als erster linker Ministerpräsident für konservative Kräfte eine größere Terror-Bedrohung darstellt als sämtliche Salafisten in Frankfurt. Aber solche schrecklichen Dinge will man doch eigentlich gar nicht mehr sehen, wenn einen der schöne Schein der Adventskerzen bereits in vorweihnachtliche Besinnlichkeit gelullt hat. Wir sind Weltmeister, das ist Erinnerung genug. Schnell noch mal  die schwarzrotgoldenen Millionen am Brandenburger Tor zeigen. Für manche war das einer der finstersten Momente deutscher Jubelgeschichte seit 1933, für viele Leitmedien war es jedoch endlich der Weg zur geschichtsbefreiten Selbsterkenntis Deutschlands als liebenswerteste, beliebteste und wirtschaftlich geilste Nation aller Zeiten –  endlich on top of the world, und das auf völkerrechtlich absolut legitimen Weg. In diesem Rahmen möchten wir unsere liebenswerte Nation ganz ohne Hintergedanken übrigens noch einmal an den Slogan der WM 2006 erinnern, die dieses tolle „Wir-Sind-Schland“- Gefühl einst so fürsorglich reproduzierte: Die Welt zu Gast bei Freunden. Hust.
Weil re:marx typisch deutsch ist und sich 2014 selbst endlich als liebenswertestes, beliebtestes und wirtschaftlich geilstes Blog in Chemnitz erkannte, beweihräuchert es sich deshalb anlässlich des großen Finales mit einer emotionalen Chronik der bewegensten Bilder, Wortspiele, Schnapsideen und Alliterationen des Jahres noch mal so richtig selbst!

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Exklusive Leseprobe: Rico Ranunkel – Mein Leben mit der Misanthropie: Geständnisse eines soziophoben Schnapstrinkers

Ein später Spätsommernachmittag in Chemnitz. Der Himmel strahlt freundlich und blau wie das Wappen des CFC, aber die Luft ist bitterlich kalt und alles, was kürzlich noch Hoffnung auf den Sommer machte, wurde vom sintflutartigen Regen der letzten Tage zurück auf den Boden der Tatsachen gespült. Im Schatten des innerstädtischen Alkoholverbotes – am Ende des Brühls – steht ein Mann an der Ecke und atmet in eine Tüte, atmet tief ein und dann noch viel tiefer wieder aus, krisenresistente Schnaps-Atmung, ein einsames Röcheln im polyphonen Rhythmus von „Jeffer“. Dann nagt er nervös an seiner getrockneten Salami – Walnuss-Geschmack, Marke Kaufland Classic. Wurst isst Rico Ranunkel immer dann, wenn er sich ausgeschlossen und unverstanden fühlt, wenn er die ganze Welt gegen sich wähnt, mal wieder. Manchmal, an den schlimmen Tagen, isst er drei Packungen am Tag.

Wir treffen Ranunkel am Brühl, einem Ort, wo kaum noch echte Menschen hinkommen. Hier fühlt er sich wohl, hier ist er Mensch, hier kann er allein sein. Sein Coming-Out als Misanthrop sei ihm nicht leicht gefallen, seufzt er schwerfällig. Als Menschenfeind fühlt er sich gefangen in der globalen Spaßgesellschaft, an die er ohnehin noch nie geglaubt hat. Im Gegenteil: So stark wie nie spüre dieser Tage den apokalyptischen Atem der dekadenten westlichen Welt, sagt er. Mit der Zeit habe er es jedoch einfach nur noch „unerträglich“ gefunden, Tag für Tag die gute Miene zum bösen Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Spiel wie eine kaputte Karnevals-Maske mit sich herum tragen zu müssen.

Heute erscheint seine Autobiografie „Rico Ranunkel – Mein Leben mit der Misanthropie: Geständnisse eines soziophoben Schnapstrinkers“ im Chemnitzer Verlag.

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Nie und Nipster: Du wirst nicht glauben, wie diese fünf Wahl-Plakate aus Chemnitz dein Leben für immer verändern werden!

Vergangene Woche neigte Klaus Kleber im heute-Studio den Kopf ganz besonders schief zur Seite und sprach vom „Sommer der Kriege“. Na fein, denkt sich da der geneigte Zyniker vorm Mediengerät angesichts der derzeitigen globalen Schieflage. Hieß das neulich nicht noch „Sommer der Liebe“? Sprach man nicht einst vom „Sommer unseres Lebens“? Wo “früher“ also alles besser war und man im Sommer barfuß über duftende Alpenwiesen tanzte und mit haarigen Hippies am Lagerfeuer sang und nachts nackt in den See sprang und die BILD Schlagzeilen wie „Hammer-Hitze in Heidelberg“ auspackte, tobt nun der „Sommer der Kriege“. Für grundsätzlich weltschmerzgeplagte Kulturpessimisten wie mich uns sind das wahrlich harte Zeiten, in denen nicht mal mehr die in Deutschland ohnehin schwer auslieferbare Allzweckwaffe Ironie hilft. Auch der vom Aussterben bedrohte Qualitätsjournalismus hechelt da nur noch hilflos hinterher, röchelt schwerfällige Schlagzeilen und kotzt Informationsbrocken ins Netz – Hauptsache sie lassen sich leicht wegputzen:
Fünf Dinge, die Sie jetzt über den IS wissen sollten.
Fünf Fotos von kopflosen Toten, die Sie nie vergessen werden.
Fünf Fakten über die Ausbreitung von Ebola in Europa, die Ihr Leben verändern werden. Sie werden nicht glauben, was diese fünf süßen Katzenbabies mit dieser kleinen Spitzmaus machen!

Und: Er erfindet neue furchtbare Wörter für eigentlich nicht so ganz neue, aber nicht minder unschöne Phänomene – die Rede ist vom Nipster. Was klingt wie ein niedliches Nagetier ist jedoch weitaus schlimmer als die letzte Waschbärenplage in Niederwiesa: Nazis, die gern so wären wie Hipster. Sie tragen Jute-Beutel und Bärte und kochen vegan und anti-koscher auf YouTube. Und weil das Elend der Welt anscheinend noch nicht groß genug ist, bedrohen sie nun auch noch die demokratische Grundordnung in Chemnitz.

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Die MS BEAT vital re:marx Umschau als kostenloser illegaler Download.

Am vergangenen Wochenende traf sich, wie bereits erwähnt, die westsächsische Pharma-Lobby unter dem Decknamen „MS BEAT vital“ in Oberrabenstein, um mittels  geheimer Studien an wehrlosen Wellensittichen und physisch fitten Festivalbesuchern die heilsame Wirkung von Pfeffi und Musik in unmittelbarer Korrelation zu testen.
Re:marx war vor Ort, um die Test-Ergebnisse für die durch Schleichwerbung finanzierte „re:marx umschau“ (Rum:schau) festzuhalten. Während die Testgruppe echte Berliner Luft schnuppern durfte, erhielt die  Kontroll-Gruppe ein Placebo namens Peffi – mit verheerenden Konsequenzen auf den Bewegungsapparat und das mentale Stadion, die vor allem ein Mann ganz besonders zu spüren bekam: Rico Ranunkel.

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Medizinisches Fachpersonal bei der Weiterbildung.

Wie es Ranunkel mittlerweile ergeht, wann man Wurst-Wasser besser nicht trinken sollte und wohin der längste Treppenlift der Welt führt, erfahrt ihr exklusiv im für den Pulitzerpreis 2015 nominierten, qualitätsjournalistischen Fachmagazin „Rumschau“, das wir euch an dieser Stelle ohne Risiken und Nebenwirkungen als kostenlosen Download zur Verfügung stellen wollen.

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