Mythos Schlossteich: Unterwegs im Venedig des Ostens.

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Gemeinhin gilt Chemnitz ja als hässlich. Einzig echte Chemnitz-Conaisseure – wie etwa die Redakteure vom Qualitätsmedium Buzzfeed – wissen, wo die ewige graue Stadt heimlich so richtig hübsch ist: In der Senke zwischen Schloss- und Kaßberg, ganz in der Nähe … Weiterlesen

Re:marx in Gefahr: Das Fest.

Die Sterne am Nachthimmel über dem Thüringer Wald sehen aus wie mit der Paint-Sprühdose gemalt. Unzählige feine, gelbfunkelnde Sprenkel auf tiefem Blau. Zwischen hohen Tannenspitzen hat die Nacht ihr Zelt über den Wald gespannt: Eine kühle Schutzhülle für den heißen Tag, der hier gerade endet, friedlich und still.

Aber ich bin nicht für den Frieden da, sondern in der Hoffnung auf einen Eklat.

Tief in Thüringen könnten Skandale gelingen, denkt man. Und dabei natürlich an den NSU. Die Reise in das Herz der Finsternis führt über Dörfer, die „Jesuborn“ heißen, vorbei an Kneipen namens „Zur Sorge“, und eine leise Ahnung davon, wie viel Kummer hier schon im Bierkrug ertränkt wurde, wird laut. Graue Schieferhäuschen säumen die Straßen, manche prächtig, andere mit bröckelnder Fassade. Wie eine kitschig überzeichnete Märchenwelt liegen sie in der Landschaft, derart eingeschlafen und vergessen, dass man hinter jeder vergilbten Spitzengardine eine schlummernde Terrorzelle, Drogenküche oder einfach nur Inzucht vermutet. Ein Plakat eines engagierten Verschwörungstheoretikers hängt einsam am Straßenrand und solidarisiert sich mit Russland („Russen sind unsere Freunde“). Weit und breit kein einziger geöffneter Bratwurststand. Das Schlecker-Schild prankt noch blau und blass über dem leerstehenden Laden: Thüringen hat heute geschlossen.

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Gebraut to beer a Chemnitzer! Abgefüllt: Die Nacht der langen Schnäpse.

Fast jeder, der schon mal in Italien war, erzählt von typisch italienischen Nächten, in denen man nachts draußen sitzt, statt in Clubs oder Kneipen zu gehen. Auf Treppen, in Parks und an Brunnen in historischen Stadtzentren. Doch das bedeutet eben auch: Mehr Müll, mehr Lärm und mehr Wildpinkler – was im inkontinenten sozialen Gefüge einer Stadt wie Chemnitz manche mehr und manche weniger stört.
Diese Italiener sind uns jedenfalls sehr sympathisch. Und immer, wenn wir nachts draußen sitzen, auf Treppen, in Parks und an Brunnen und was trinken oder auch nicht, weil in Kneipen oder Clubs nichts los ist oder gerade deswegen, denken wir: Ist ja fast wie in Italien. Oder in Spanien.
Nur eben hier.
Warum ist Draußensitzen nicht gleich Draußensitzen? Hat der Italienneid ein Zimmer im champagnerfarbenen Neubaublock des kollektiven Unterbewusstseins der Karl-Marx-Städter? Was ist der Unterschied zwischen Großstadtflair und Ruhestörung? Wir wissen nicht, ob das die Fragen sind, die Rico Ranunkel beschäftigen. Der hat einen Abend, bevor das Alkoholverbot in der Innenstadt in Kraft getreten ist, zur Nacht der langen Schnäpse eingeladen. Zeit für ein sommerlich-schnapsgetränktes Abgefakt Abgefüllt über den ersten Chemnitzer Flasch-Mob.

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Ein Ort friedlicher Ko-Existenz, die Quelle italienischen Lebensgefühls: Der Brunnen im post-historischem Stadtzentrum.


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And the MS BEAT goes on: 2084 – Wir betreten #Neuland.

Vor vielleicht in etwa ungefähr genau einem Jahr schauten wir – ein ängstliches Kollektiv überflüssigerweise auch noch bloggender Großstadt-Neurotiker – gemeinsam mit unserer beherzten Leserschaft mit bangen Blicken dem Ende entgegen. Denn die Katastrophen-Experten vom MS BEAT-Festival hatten mit Hilfe ihrer Glaskugel berechnet, dass Ende Juli die Apokalypse ca. fünf Monate früher als eigentlich erwartet eingetreten sein und der Zeitpunkt des wahren Weltuntergangs zufälligerweise mit dem des Festivals korreliert haben wird.
Mit dieser düsteren, doch wissenschaftlich sehr fundierten Vorahnung sollten sie Recht behalten haben werden sein  (ab jetzt schreiben wir nur noch im falschen Futur II) und so ging die Welt ein infernalisches Festival-Wochenende lang so richtig unter, wie uns diese schaurigen Amateur-Aufzeichnungen beweisen.

Doch wo zwei Enden sind, da ist auch eine Wurst. Und ein Anfang. Und eine neue Zeitrechnung. Was dem Rest der mutierten Menschheit erschien wie ungefähr in etwa vielleicht fast ein Jahr, waren gemäß der neuen, von den Futur-Experten des MS BEAT Festivals höchst wissenschaftlich ermittelten Zeitrechnung jedoch genau 72 Jahre – 72 ziemlich kurze Jahre, die alle verbliebenen Lebensformen (die Zombie-Experten des MS BEAT-Festivals nennen sie auch „Hipster“ (Vgl. Veranstaltungstext, Facebook, 2013))  sowie die Welt, auf der ebendiese trendgeil wandeln, zur Regenerierung gebraucht haben (werden wird).
Jetzt also, im Jahre 2084, nach gefühlten Ewigkeiten des totalen Nichts, erblüht diese einst versunkene Welt wieder zu neuem Leben. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber Anarchie is‘ trotzdem nich: Da auch der leicht mutierte Mensch ohne System und Strukturen nicht sein kann, wird am 26. und 27. Juli am Staussee Oberrabenstein der erste staatliche Staat des Jahres 2084 gegründet. Ein Inselstaat mit Flugplatz und Festlandanbindung, ja es soll sogar Musik, Kunst und Wetter geben.

Aufgrund unseres ausgeprägten Neurotizismus wurde uns die Ehre zuteil, das dortige Ministerium für InseL-und Festlandsicherheit, kurz M.I.L.F., zu übernehmen, um Sicherheit für alle Bürgerinnen und Burger zu gewährleisten. Schließlich ist das MS BEAT für uns alle ähm… #Neuland. Aber der Staat, das sind immer noch wir. Und genau deshalb werden wir zur Gewährleistung der staatlichen Sicherheit am Wochenende ganz skandalfrei für fürsorgliche Video-Überwachung und qualitative Abhörung sorgen – und eigens eine öffentliche Denunziations-Stelle für alle einrichten.

In dem Sinne: wir werden euch gesehen haben!

abgefakt: Sommerfest der Fachschaften.

Nachdem das letzte abgefakt: Mensaparty ein derart großer Erfolg war, dass wir die 300.000-Likes Marke auf Facebook (einschließlich der gekauften Gefällt Mirs aus Indonesien) knacken konnten und der zuständige Redakteur für den Pulitzerpreis in der Kategorie „Bester Bash“ nachnominiert wurde, haben wir beschlossen uns für den Fame fortan nur noch auf studentische Veranstaltungen einzuschießen. Mag man zumindest annehmen, wenn man ohnehin schon annimmt, hinter re:marx verberge sich eine Horde arroganter Snobs, die alles hassen was a) billig, b) studentisch und c) aus Chemnitz ist. Ironie funktioniert eben nicht im Internet und in Chemnitz schon gar nicht. Aber das ist uns egal, solange die Likes auf Facebook stimmen und deshalb gibt es hier und heute die abgeFakten über die Freiluft-Version der Mensaparty – das Sommerfest der Fachschaften (In anderen Unis nennt man so was auch Campus-Festival)
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abgefakt: Holi Open Air Chemnitz || Alter Spinnereimaschinenbau

Ehrlich gesagt: Die Invasion der Holi Open Airs in Deutschland finden wir fragwürdig. Sehr fragwürdig. Das Gelände des ehemaligen Spinnereimaschinenbaus als Veranstaltungsort mit Potenzial finden wir hingegen reichlich spannend. Beides in Kombination: zumindest interessant und bestimmt totally abgefakt.

Das war:
Ein uraltes Frühlingsfest im Norden Indiens. Eine spirituelle Farborgie mit erotischem Charakter (Vgl. Wiki Pedia, 2012). Menschen, frei von jeder Kaste, bewerfen sich mit bunt gefärbtem Wasser und ebensolchem Pulver, in Indien auch Glual genannt. Damals alles natürlich noch voll öko und so. Jetzt bestimmt so schädlich wie Bubble Tea.

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re:marx in der Zwischenzeit – Ist das Kunst oder kann das weg?

August. Es ist wiedermal soweit: das Sommerloch schlägt wild mit gähnender Leere um sich. Wobei „wild“ natürlich das vollkommen falsche Wort ist – denn eigentlich passiert nichts. Nichts ist wiederum auch nicht richtig, denn irgendwas ist immer, sogar in Chemnitz (Stadtfest, Treibsand, diverse Open-Air-Offerte) und irgendwie waren da ja auch noch die Begehungen. Das Festival für junge Kunst ist mittlerweile nicht nur eine wichtige Institution im Kunst-und Dunstkreis der Chemnitzer Szene (die soll`s ja auch geben) sondern bietet damit gleichermaßen auch eine kulturelle Bastion im ewigen Sommerloch.

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Re:view – The Look of MS Beat.

Endlich gibt es die Apokalypse auch zum Anschauen. Ein opulentes Spektakel in zwei Akten. Und natürlich in HD – schärfer als die Realität oder so. Egal – mit re:marx sieht man eh besser. Also colour your life, because we love to entertain you.

The Final Countdown.

Es ist die Meldung der Woche – Beunruhigung allerseits. Die Medien schlagzeilen panische Purzelbäume, die Menschen verbarrikadieren sich ängstlich in ihren Häusern, kaum einer wagt sich noch nach draußen. Zurecht, denn: Die Sonne scheint! Und das mitten im Sommer.
Experten wissen bereits: dieses ungewöhnliche, seit Urzeiten nicht mehr dagewesene Natur-Phänomen kann nur der ultimative Vorbote sein, ein grausamer Vorbote zum Weltuntergang. Dessen Datum wurde nun neu berechnet: vergesst den 21. Dezember – der 27. Juli naht. Meteorologen sagen bereits apokaylptischen Sternenhagel für den Stausee Oberrabenstein voraus. Friede, Freude und Festivalstimmung bedrohen die Region um Chemnitz. Das Ende dieser Woche markiert das Ende dieser Welt. Doch wir sagen: fürchtet euch nicht.
Dabei sein ist alles!

Lights & Music: ein Konzertabend mit den Me Succeeds im Lokomov.

Auf die Form kommt es an. Und die ist im besten Falle rund. Das Runde: ein weicher Kontrast zum rauen, kantigen Industrie-“Chic“ der Stadt. Die Rede ist von Lampen: Beleuchtungs-Konstruktionen im sozialistischem Design bringen hier (Chemnitz) vielerorts sehr oft sehr viel Licht ins Dunkel-Grau.
Wer einst gern unter den leuchtenden Monden des Pracht-Brühls wandelte, findet nun vielleicht Trost irgendwo zwischen Sonnenberg, Lutherviertel und Gablenz. Denn in der Augustusburger Straße, Nr. 102, gibt es ziemlich schöne, ziemlich ostalgische Lampen in einer Indoor-Variante zu bestaunen.


Lokomov nennt sich der „Klubraum“: ein lichtdurchfluteter Raum im überaus charmanten urban-retro Style, wie man im fernen Hipsterhausen (Berlin) vielleicht sagen würde.

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