Die Post der Moderne: Was im November in Chemnitz geschah.

Es wird kalt in Deutschland. Es wird gemütlich in Chemnitz. Es wird Weihnachten auf der Welt, und alle schlimmen Dinge pausieren im Sinne des scheinheiligen Weihnachtsfriedens. Selbst Pro Chemnitz geht in die Winterpause, die hoffentlich bis zum nächsten Asteroiden-Einschlag dauert. Weil bei den harten Temperaturen die Reichsfahnen einfrieren und natürlich aus Rücksicht vor dem Weihnachtsmarkt und seinen glühweinseligen Besuchern sowie dem Weihnachtsgeschäft, wolle man erstmal pausieren, erklärte Kohlmann. Das finden wir wirklich großzügig. Konsumtradition und traditionelle Trunkenheit müssen schließlich beschützt werden, mehr noch als demokratische Grundwerte und dieses vollkommen überbewertete gesellschaftliche Miteinander, von dem  immer alle reden. Und während sich ganz Twitter gerade wegen „Soko Chemnitz“ an der Zenti für politische Schönheit prügelt, wird es Zeit für unseren meditativen Monatsrückblick: Die Post der Moderne für November.

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A Punsch In Your Face: Zwei Autoren, ein Wintermarkt

Re:marx ist ein Blog gewordener Traum der persönlichen Traumata-Bewältigung: Die wöchentliche argwöhnische Aufarbeitung und zynische Zubereitung von all dem Ekel, den entsetzlichen Ereignissen, den emotionalen Eskapaden, die uns in dieser Stadt immer wieder begegnen, ist für uns hilfreicher als es jede Psycho- und Eigenurintherapie jemals sein könnte. Und mit der Adventszeit ist nun eine wirklich traumahafte Zeit für uns angebrochen: Wintermarkt in Chemnitz.
Anlass genug für zwei unserer Autoren, sich getrennt von einander am selben Tag zur selben Zeit auf den Wintermarkt zu wagen, um dort die knallharte Konfrontation mit ihren inneren Ängsten, soziopathischen Neurosen und dem Hang zum Alkoholismus zu suchen – und die Erfahrungen anschließend hier zu Papier (naja) zu bringen. Ein Markt – zwei Perspektiven – drei Glühwein – und vier Euro für eine Zuckerwatte.

IMG_6248_klEins: Zwischen Weltenhass und Winterliedern von Rolf Zuckowski
Unbestimmte Menschenmassen, die sich, in glühselig gröhlenden Grüppchen formiert, durch die Chemnitzer Innenstadt schieben und nicht mehr wissen, ob sie gerade in köstlich duftende Kotze-Reste oder doch nur in eine klebrige Zucker-Lache getreten sind. Futterneidisches Gerangel an der Bratwurstbude, eine halbe Stadt kurz vor der Hungersnot, vom Glühwein glühende Wangen unter weinroten Wintermann-Mützen: Ja, es sind wieder Wintermarkt-Wochen, der Ausverkauf der seligen Nacht hat begonnen.

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