Zehn/Kurze Fragen mit Playfellow

„Dummheit frisst, Intelligenz säuft“, sagte mal wer. Wer wissen wir gerade nicht genau.
„Happiness in intelligent people is the rarest thing I know“, schrieb mal wer. Das war Hemingway, der depressive Säufer mit der nüchternenen Sprache.

Wer sehr intelligent ist, ist selten glücklich, und wer selten glücklich ist, trinkt intellektuell-bordaeuxfarbenen Wein wie Wasser, schlussfolgern wir daraus und aus unserer eigenen, über Jahre hinweg angetrunkenen Rotwein-Weisheit.

Chemnitz ist in ihrer nischlbetonharten Modedrogenresistenz seit jeher eine Stadt, durch die zwar nur ein kleiner unbedeutender Fluss, dafür aber ein kontinuierlicher Strom Alkohol fließt, der viele immer wieder ins Verderben reißt.

Daran, dass die Chemnitzer besonders intelligent sind, liegt das vermutlich nicht. Daran, dass die postsozialistische Traurigkeit in Chemnitz so großflächig grau erlebbar ist, wie nirgendwo sonst (übertrieben geschrieben) vielleicht schon.

Vor zwei Wochen haben wir uns mit der traurigsten Band der Stadt getroffen, um all das kollektive Chemnitz-Leid in Gin zu ertränken, uns melancholisch im Schnaps zu baden und peinliche Lanz-Fragen zu stellen.  Es folgen: Zehn/Kurze Fragen mit Playfellow, genau, die, die heimlich bei Radiohead klauen und die ab morgen mit ihrem neuen Album „Ephraim’s House“ ein Stück der Chemnitzer Melancholie in die weite Welt tragen.

Zehn Kurze/Fragen mit: Jan Kummer.

Aus Rücksicht auf die Wähler ist er nicht Bürgermeister geworden.
Wenn es nach ihm ginge, würde Chemnitz noch Karl-Marx-Stadt heißen.
An seinen Texten hat sich die Stasi die kleinen grauen Zellen wund geschubbert.
Und seine Hochzeit hat er beinah beim Friseur verpennt.
Jan Kummer ist der erste Interview-Gast, bei dem wir überlegt haben, ob wir ihn nicht Siezen müssten. Der Don Brummer, Maler, Atomino-Gründer, Papa von zwei Kraftklub-Kids, 371-Kolumnist etc. pp., Jahrgang 1965, muss auch darüber nachgedacht haben. „Hallo, ich bin der Jan“, ist das erste, was er sagt. Und dann redet er vier Stunden ununterbrochen, signiert ein AG Geige-Plakat, raucht eineinhalb Schachteln Petra, die Mutti aus Tschechien mitgebracht hat, trinkt eine halbe Flasche Whiskey, hat nix zum Abendbrot gegessen und sieht trotzdem so aus als könnt er noch fahren:
Zehn Kurze/Fragen mit dem ewig unverstandenen Chuck Norris von Chemnitz!