Interview + Veranstaltungshinweis: Echolot Series | 30.11.2012 | Weltecho

Es war im Jahre 1913, als der Physiker Alexander Behm sein Verfahren zur elektroakustischen Messung von Wassertiefen patentieren ließ. Seitdem sind nun fast 100 Jahre vergangen und damals konnte noch niemand ahnen, dass ausgerechnet dieses als Echolot bezeichnete Verfahren namensgebend für eine der außergewöhnlichsten Veranstaltungsreihen im heutigen Chemnitz sein würde. Zumal die Erzgebirgsmetropole geographisch bedingt eher weniger mit Hochseeschifffahrt am Hut hat. Diesem Widerspruch zum trotz findet eben diese Veranstaltungsreihe seit Anfang des Jahres im Chemnitzer Weltecho statt. Der Fokus der Veranstaltungen liegt dabei auf „dem erweiterten Spektrum elektronischer Tanzmusik“, was zur Zeit ja fast auf jede Veranstaltung in und um Chemnitz zutrifft. re:marx wollte daraufhin ganz genau wissen, worum es beim Chemnitzer Echolot eigentlich geht und traf Frank Schönfeld aka Felde – den Booker des Chemnitzer Echolots – zum Interview bei Tee, Wein und Kippe:

Worin unterscheidet sich Echolot zu anderen Veranstaltungen in Chemnitz und speziell im Weltecho?

Grundsätzlich ist Echolot keine klassische Party, sondern eine Art Konzertreihe für elektronische Tanzmusik. Es geht darum, am „Zahn der Zeit“ elektronische Tanzmusik zu präsentieren – egal, ob Band, DJ oder Liveact. Es gibt in Chemnitz zwar Partys, die auch Liveacts im Programm haben, jedoch geschieht dies immer in einem Partykontext. Echolot soll hingegen auch vom Ablauf den Konzertcharakter behalten. Es gibt also einen Act zum „Vorspiel“ und danach dann den eigentlichen Hauptact. Zur Aftershow darf das ganze dann auch gerne zur Party werden, aber grundsätzlich ist zwischen den einzelnen Künstlern immer eine Pause mit Zeit für Applaus, sodass dort nicht, wie bei einer Party üblich, ein gewisser „Flow“ generiert wird. Dafür prallen auch meist Musikstile aufeinander, die zu verschieden sind.

Was und wen möchtet ihr mit Echolot erreichen? Was ist die Message? Was ist das Ziel?

Erreichen wollen wir die Leute die früher das Voxxx genossen haben. Das Voxxx war der Vorgänger des Weltechos, befand sich auf dem Kaßberg und erlangte in den 90ern durch sein Programm deutschlandweite Bekanntheit. Echolot soll im Prinzip daran anknüpfen und die Leute, die mittlerweile ja schon etwas älter geworden sind wieder herauslocken. Die Botschaft ist also, dass es nicht nur Techno-, HipHop- oder Reggaepartys gibt, sondern auch was für Musikliebhaber. Außerdem möchte Echolot dabei helfen den Musikstandort Chemnitz besser zu positionieren, denn die Acts, die wir bis jetzt da hatten, hört man nicht überall. Nicht überall in Sachsen und nicht überall in Deutschland, aber in Chemnitz.

Echolot gibt es seit Anfang des Jahres. Welche Künstler konnte das Echolot bis jetzt orten und präsentieren? Wie fällt dein Resümee zum Jahresende aus?

Es war schon eine ganz schöne Palette an Künstlern zu Gast. Darunter z.B. Moritz von Oswald, Byetone aka Olaf Bender, Morphosis aus dem Libanon, die Band Elektro Guzzi aus Österreich, Lady Blacktronika aus San Francisco, C-Beams aus Dresden und Lowtec, der Labelchef von Workshop Records.
Ein Resümee ist schwierig. Wir hatten im Schnitt 100 Gäste bei jeder Veranstaltung und wer eins und eins zusammenzählt, der weiß, dass das wirtschaftlicher Schwachsinn ist, aber ok. Man macht es halt, denn das Weltecho ist keine Disko, sondern ein Kulturverein. Trotzdem würden wir uns in Zukunft über mehr Leute beim Echolot freuen.

Am kommenden Freitag präsentiert Echolot mit dem Leipziger Kassem Mosse und Andrea Lange aus Berlin zwei besondere Leckerbissen. Was dürfen die Gäste an diese Abend erwarten?


Mit Kassem Mosse kann man einen Livact der Stunde erwarten. Labels in aller Welt reißen sich um ihn und seine Produktionen, weil es wirklich „deeper shit“ ist. Er kommt vollständig ohne Laptop aus und produziert ausschließlich mit Maschinen. Es ist also – wie eigentlich alle vorherigen Acts auch – etwas ganz besonderes, weil wenn man bei seiner Agentur nach einem Auftritt in Chemnitz anfragt, sind die dort Zuständigen eher skeptisch. Wir sind jedenfalls sehr stolz, dass es mit Kassem Mosse geklappt hat.
Andrea Lange hab ich vor einigen Jahren mal auf der Transmediale live erlebt und fand einfach, dass wir sie mal hier nach Chemnitz holen müssen. Es ist eigentlich eine sehr schräge Nummer, denn sie manipuliert digitale Wecker mit Mikrofon und Kamera und überträgt das als audiovisuelle Show. Ich will aber gar nicht so viel verraten, denn das soll ja eine schöne Überraschung werden.
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andrea lange / A.L. | Myspace Music Videos

Wird Echolot auch 2013 weiter orten und präsentieren? Wenn ja, kannst du schon sagen, worauf sich die Chemnitzer gefasst machen dürfen?

Echolot wird auf jeden Fall weiter orten und natürlich auch präsentieren. Im nächsten Jahr machen wir erstmal mit Klinke auf Cinch weiter, einer weiteren Techno Live Band, die ich dieses Jahr auf der Fusion erlebt hab und die da unglaublich gerockt haben und die garantiert auch Chemnitz rocken werden. Infos folgen dann bald.

Gibt es sonst noch etwas, was du unbedingt loswerden möchtest?

Ja, drei Sachen würde ich gern noch loswerden:

  1. Danke Ingo! [Ingo Scheller ist Veranstalter des Echolots und „Betreiber“ des Weltechos Anm. d. Red.]
  2. Chemnitzer unterstützt die Sache und seid froh, dass was passiert. Bevor ihr schimpft, dass nichts passiert, kommt einfach mal vorbei.
  3. Danke re:marx, dass ihr euch dafür interessiert.

re:marx bedankt sich natürlich ebenso für das ausführliche Interview und den leckeren Tee.

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