Fantasy Land – Die Geschichte des Großen Exodus aus dem Kosovo.

Gewitterzellen ziehen über das klimawandelnde Land, von der Faulbrut verrückt gewordene Wespen verüben Selbstmordattentate auf unbekümmert bloß gelegte Körperpartien, unbekannte sirtakitanzende Gläubiger ziehen dem ordinären Girokontobesitzer das Geld schneller aus der Tasche als er seine IBAN aufsagen kann, der BVB kommt ausgerechnet dann, wenn man gerade nur ein halbes Stadion hat und dann wird Chemnitz auch noch von Asylbewerbern überschwemmt, geflutet und gestürmt. Es sind Krisenzeiten.
Kaum treibt der ehrlich zusammengeklaute Exportüberschuss sogar im ewig nicht blühen wollenden Osten ein paar zarte Blüten, da trampeln Flüchtlingshorden alles wieder platt und in unsere schönen leeren Platten ein. Als Chemnitzer steht man immer mit einem halben Bein auf der Wiese des Absurden, auch wenn man dabei jetzt keine auf dem Kopf stehenden Bilder mehr betrachten kann.
Aber es fällt trotzdem schwer zu verstehen, mit wie viel Futterneid und Fremdenhass und Existenzangst viele Menschen auf die Ankunft von Asylbewerbern reagieren, wie Politiker und Medien diese Entwicklung für Populismus und Propaganda ausnutzen als gäbe es tatsächlich eine Krise – so lange, bis es eine wird. Und man merkt, dass selbst eine ehrliche, tröstende Geste wie das Streicheln über die Wange eines weinenden Mädchens verlogen sein kann – weil es eben wegen der eigenen Politik und ihren Folgen weint. Scheiß Merkel, möchte man da manchmal sagen, wäre man nicht Merkel und hätte keine Alternative.
Weil remarx die Worte Party, Pop und Poesie und nicht Politik, Moral und Demagogie im Untertitel führt, wollen wir uns dem Thema Asyl auf eigene Weise nähern und haben uns ein paar Wochen im Kosovo umgesehen. Kosovo ist halb so groß wie Hessen. Schon ganz Hessen wäre den meisten trotz Äppelwoi, Schirrn und DFB wahrscheinlich zu klein, um ein ganzes Leben dort zu verbringen. Aber dann gibt es auch noch keine Arbeit. Einige Gründe, Kosovo für eine Weile zu verlassen, liegen also auf der Hand. Dass so viele von ihnen nach Deutschland kommen, liegt auch an den vielen Gerüchten, die es dort über Deutschland gibt – und die, wie das bei Gerüchten so ist, ziemlich viel über Deutschland verraten und über seine Krisen.IMG_3165

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