Re:view: Kraftklub – Keine Nacht für Niemand

Zugegeben: „Keine Nacht für Niemand“ ist das drittbeste Wortspiel nach „re:marx“ und  ganz offensichtlich eine heimliche Reminiszenz an das smac-Museum, wo die schönsten sächsischen Ton, Steine und Scherben wachsen. So viel vorab. Wir, die meistgefürchteten Musikkritiker von Re:marx, haben die neuen Songs natürlich schon gehört, bevor sie überhaupt geschrieben wurden. Deshalb gibt es,  basierend auf diesem ganz besonderen Nichtwissen, heute für euch „Keine Nacht für Niemand“ in der ausführlichen Track-by-Track-Vorab-Orakel-Besprechungs-Review, weil man als Musikkritiker generell viele Binde-striche macht.

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Partypopundpoesie ohne Grund: Wenn wir nicht so arrogant wären, würden wir jetzt haltlos über PARTY OHNE GRUND spekulieren

Re:marx kommt zu jeder Party und macht Stress ohne Grund, kennt das Fler-Original und die KIZ-Adaption, weiß aus dem Kopf in welchem Lied und in welcher Zeile die Textausschnitte zu finden sind und rühmt sich damit vor Leuten, die das eher als peinliche Offenbarung empfinden. Peinliche Offenbarungen gönnen, kurz POG oder Party ohne Grund, mischt seit kurzem mit geklauten Witzen oder unlustigen Memes das Chemnitzer Internet auf und stellt unser labiles Selbstwertgefühl, das aus 1539 Followern besteht, zunehmend auf die Probe. Eigentlich eine Art Re:marx light, nur eben für Leute, die keine ganzen Texte mehr lesen und sich nur noch auf Zweizeiler konzentrieren können – aber auch nur dann, wenn es ein Foto dazu gibt. Mit Zweizeilern für digitale Einzeller, der zu Tränenlachsmileys rührenden Poesie des Pöbels, konnten sie mittlerweile über eintausend Liker generieren, nur um dann zu Lesungen statt zum Braustolz-Fest einzuladen. Wenn jemand seine Zielgruppe nicht kennen will, dann sind wir das! Vielleicht ist das alles auch tiefgründige Satire und es versteht einfach wieder niemand. Auch das, von uns geklaut!

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Okay, wir geben es zu: Wir haben einen leichten PARTY OHNE GRUND-Komplex. Was noch untertrieben ist – wir sind regelrecht besessen von diesem postmodern postenden Projekt, aber eher so auf paranoide Art. Dass aufregende Dinge im Chemnitzer Internet passieren, ist ja doch eher selten: Die Bloggerszene ist überschaubar, auf Twitter ist auch nicht so viel los, Facebook-Projekte wie „Dinge, die ein Chemnitzer nicht sagt“,  „Occupy Conti-Loch“ oder „Herzschlag der Moderne“ (erinnert sich noch jemand?) scheitern schneller als man „The Rage of Chemnitz“ sagen kann – typisch re:marx, immer alles mies machen, was anderen Leuten einfach nur Spaß macht. Es könnte der Like-Neid sein, der hier gnadenlos an unseren raucherbeingelben Seelen nagt – eine Eigenschaft, so hässlich wie das Heckert im November-Nebel, aber man muss auch zu seinen schlechten Seiten stehen. Vielleicht empfinden wir es auch nur als schreiend große Ungerechtigkeit, wenn wenig Aufwand mit viel Fame belohnt wird, während wir um jeden einzelnen Like kämpfen müssen wie die SPD um Wähler, aber die Gesetze der digitalen Natur sind nun einmal hart.
Und vielleicht ist das auch alles gar nicht so wichtig, also die Sache mit dem Like-Neid, wurden wir doch vor kurzem berühmt-berüchtigter als Ingo-Steuers Stasi-Akte, die auf dem Grund des Schlossteichs vermutet wird und keinen interessiert. Mit einem Meme über den Lulatsch, niemand erinnert sich, schnupperten wir am Clickbait-Fame – die Like-Night war eröffnet und billiges Heroin schoss uns durch die Adern wie Tränenlachsmileys in die Finger unserer neuen Fans.

Als Mittel der Katharsis  (Nein, das ist nicht das, was man im Krankenhaus gelegt bekommt und hat auch nix mit der übernächsten WM zu tun) widmen wir POG heute und einmalig einen ganzen Beitrag – und dann werden wir nie wieder auch nur ein einziges Wort darüber verlieren. Nicht versprochen! Vorher aber wollen wir uns an der Internetbörse verspekulieren und konspirative Theorien ins Netz tröpfeln lassen wie feine Chemikalien in die Luft: Denn die wichtigste Frage ist immer noch: Cui Bono? Das heißt: Wer könnte hinter Party Ohne Grund stecken – und warum? Eines schon mal vorweg (Achtung: Spoiler!): Es ist nicht Michelle Obama. Und auch nicht Chad Kroeger. Ist es Herbert Grönemeyer? Rando Re:marxkotte wagt einen Annäherungsversuch.
Gern würden wir dafür auf irgendwelchen Gehaltslisten stehen, beipielsweise auf der vom Karl-Marx-Kopp-Verlag, – auf die Klauliste (noch einmal und es gibt was in die Kauleiste) von POG haben wir es schon geschafft, hoffen aber, dass unser Name auf den Abschusslisten folgender Personen(gruppen) landet, von denen wir vermuten, dass sie hinter der Vermemisierung des Abendlandes stecken. Re:marx kommt auf keine Party und ist beleidigt ohne Grund.

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Post der Moderne (KW 16): Was diese Woche überall geschah.

Was für eine Woche! Wieder einmal scheint die Welt aus den Fugen geraten zu sein: Tief erschüttert vom #Trainerbeben liegt sie nun in tausend schwarz-gelbe Einzelteile zerbrochen rautenförmig vor uns. Für alle die, die Mittwochmittag durch nutzlose Taten wie Arbeit oder Studium oder Vergleichbares verhindert waren und somit keinen einzigen der unzähligen Katastrophen-Live-Ticker live mitverfolgen konnten, haben wir die spekulativen Live-Ticker-Ereignisse des gestrigen Tages im ersten großen re:marx Live-Ticker-Live-Ticker zusammengestellt. Hier und jetzt zum Nachlesen, für die, die nachlesen möchten, in dieser professionellen PDF-Datei. Warum? Weil #slowjournalism der neue Live-Ticker ist: Trainerbeben-Liveticker-Liveticker
Alle anderen lesen einfach unten weiter.

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Zehn Kurze/Fragen mit: Jan Kummer.

Aus Rücksicht auf die Wähler ist er nicht Bürgermeister geworden.
Wenn es nach ihm ginge, würde Chemnitz noch Karl-Marx-Stadt heißen.
An seinen Texten hat sich die Stasi die kleinen grauen Zellen wund geschubbert.
Und seine Hochzeit hat er beinah beim Friseur verpennt.
Jan Kummer ist der erste Interview-Gast, bei dem wir überlegt haben, ob wir ihn nicht Siezen müssten. Der Don Brummer, Maler, Atomino-Gründer, Papa von zwei Kraftklub-Kids, 371-Kolumnist etc. pp., Jahrgang 1965, muss auch darüber nachgedacht haben. „Hallo, ich bin der Jan“, ist das erste, was er sagt. Und dann redet er vier Stunden ununterbrochen, signiert ein AG Geige-Plakat, raucht eineinhalb Schachteln Petra, die Mutti aus Tschechien mitgebracht hat, trinkt eine halbe Flasche Whiskey, hat nix zum Abendbrot gegessen und sieht trotzdem so aus als könnt er noch fahren:
Zehn Kurze/Fragen mit dem ewig unverstandenen Chuck Norris von Chemnitz!

Monika Kitzler: Eine Frau – Ein Mythos!

Nach einem entbehrungsreichen Jahr voller Recherchen und kräftezehrender Netzwerkarbeit ist es uns endlich gelungen, Moni K., auch bekannt als Monika Kitzler, Labelchefin des gleichnamigen Chemnitzer Textilimperiums, ausfindig zu machen. Nun treffen wir sie endlich zum exklusiven Interview. Auf dem Gelände einer ehemaligen Schlachterei werden wir mittels knapper Telefonanweisung zu einer spärlich beleuchteten Halle im hintersten Bereich des Komplexes gelotst. Nie zuvor hat man Außenstehenden derart intime Einblicke in den Kosmos der aufstrebenden Mode-Ikone gewährt. Die Aufregung ist groß, auch bei uns. Noch größer allerdings ist die anfängliche Enttäuschung, denn Monika schickt ihre Mitarbeiter, zwei freundliche, harmlose Hipster mit beeindruckendem Bartwuchs (Mitarbeiter ist hier zwar die offizielle Bezeichnung, jedoch spekuliert die Szene schon länger darüber, welche Funktion die gutaussehenden Jünglinge in Wirklichkeit innehaben), die uns charmant, aber bestimmt, darum bitten, sämtliche Telefone, Kameras etc. abzulegen. Nur Stift und Papier sind zugelassen. Einer von ihnen führt uns dann endlich in Monikas Büro, einem dunklen Raum, der gleichermaßen Mafia-Hauptzentrale und Backstage-Bereich von Mariah Carey sein könnte. Verraucht, verrucht, schummriges Licht, weiße Orchideen. Der Toyboy schaut nervös auf die Uhr. Zehn Minuten, sagt er, mehr nicht.

Eindrücke aus dem Atelier von Moni.  Alle Fotos wurden bereitgestellt von Monika Kitzler.

Eindrücke aus dem Atelier von Moni.
Alle Fotos wurden bereitgestellt von Monika Kitzler.

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