abgefakt: Zeitgeist 2014. Teil II (Juli bis Dezember)

Juli:
Eintrag vom 02. Juli 2014
Liebes Tagebuch,
„Heute ist wieder einer dieser Tage. An dem eine unendliche Leere die Seele umschlingt wie Lianen die Bäume im Dschungel. Denn heute ist fußballfrei. […] kein Tor in der Nachspielzeit der Nachspielzeit, kein Wet-Look-Jogi im Regen von Recife, keine Kathrin Müller-Hohenstein, die mit Poldi am Pool sitzt und mit den Füßen leise Muster ins Wasser malt. Und so droht man in ein bodenloses Loch zu fallen, ein Loch, größer als das Conti-Loch, ein Loch, größer als das größte Sommerloch jemals sein kann.“


Was sonst noch geschah:

Der Aufreger des Monats:
Diese „bloggende Selbstherrlichkeit“, diese „Bastion der Arroganz“, dieser „lose Verband wahnsinniger Geisteswissenschaftler“ (Zitat re:marx über re:marx) ging uns so richtig auf die Eier. Zeit für ein abgefakt! Die Chemnitzer Community dankte es uns inständig – scheinbar haben wir damit vielen Lesern aus der Seele geschrieben.

IMG_6249Was außer sonst noch sonst noch geschah:

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Nie und Nipster: Du wirst nicht glauben, wie diese fünf Wahl-Plakate aus Chemnitz dein Leben für immer verändern werden!

Vergangene Woche neigte Klaus Kleber im heute-Studio den Kopf ganz besonders schief zur Seite und sprach vom „Sommer der Kriege“. Na fein, denkt sich da der geneigte Zyniker vorm Mediengerät angesichts der derzeitigen globalen Schieflage. Hieß das neulich nicht noch „Sommer der Liebe“? Sprach man nicht einst vom „Sommer unseres Lebens“? Wo “früher“ also alles besser war und man im Sommer barfuß über duftende Alpenwiesen tanzte und mit haarigen Hippies am Lagerfeuer sang und nachts nackt in den See sprang und die BILD Schlagzeilen wie „Hammer-Hitze in Heidelberg“ auspackte, tobt nun der „Sommer der Kriege“. Für grundsätzlich weltschmerzgeplagte Kulturpessimisten wie mich uns sind das wahrlich harte Zeiten, in denen nicht mal mehr die in Deutschland ohnehin schwer auslieferbare Allzweckwaffe Ironie hilft. Auch der vom Aussterben bedrohte Qualitätsjournalismus hechelt da nur noch hilflos hinterher, röchelt schwerfällige Schlagzeilen und kotzt Informationsbrocken ins Netz – Hauptsache sie lassen sich leicht wegputzen:
Fünf Dinge, die Sie jetzt über den IS wissen sollten.
Fünf Fotos von kopflosen Toten, die Sie nie vergessen werden.
Fünf Fakten über die Ausbreitung von Ebola in Europa, die Ihr Leben verändern werden. Sie werden nicht glauben, was diese fünf süßen Katzenbabies mit dieser kleinen Spitzmaus machen!

Und: Er erfindet neue furchtbare Wörter für eigentlich nicht so ganz neue, aber nicht minder unschöne Phänomene – die Rede ist vom Nipster. Was klingt wie ein niedliches Nagetier ist jedoch weitaus schlimmer als die letzte Waschbärenplage in Niederwiesa: Nazis, die gern so wären wie Hipster. Sie tragen Jute-Beutel und Bärte und kochen vegan und anti-koscher auf YouTube. Und weil das Elend der Welt anscheinend noch nicht groß genug ist, bedrohen sie nun auch noch die demokratische Grundordnung in Chemnitz.

   undercut

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