Unknown Pleasures – Kultur im sächsischen Manchester. Teil Zwei: Musiker-Leben mit Bombee.

Die ohnehin recht übersichtliche Chemnitzer Club-Szene ist derzeit stark angeschlagen: Erst musste das Atomino vom Brühl weichen – jetzt steht auch noch dem Weltecho dank Bürgerinitiative mitsamt Klage ein ähnliches Schicksal bevor.
Während die Bühnen nach und nach im Nichts verschwinden, hat sich re:marx für den zweiten Teil der „Unknown Pleasures – Kultur im Sächsischen Manchester„-Reihe auf die Suche nach jener seltener Spezies begeben, die mit den Bühnen dieser Stadt auch ein Stück ihres natürlichen Lebensraums zu verlieren droht: Chemnitzer Musikern.

Gefunden haben wir Philipp und Felix von Bombee, die mittlerweile so was wie ein echtes Schwerkaliber der hiesigen Elektro-Pop-Szene sind und erst unlängst (also im September 2013) mit ihrer aktuellen EP „Aurelia“ auf Deutschlandtour gingen, um den sagenumwobenden Chemnitzer Band-Spirit weit über die Grenzen Sachsens hinaus zu tragen.

Ein Gespräch über das Musiker-Daseins in Chemnitz, und darüber, wie es nach ihrer im Oktober erschienen „Aurelia EP“ weiter geht, was für 2014 alles geplant ist und wie schlimm das P1 in München wirklich ist.

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Unknown Pleasures – Kultur im sächsischen Manchester. Teil eins: Die Chemnitzer Filmwerkstatt.

Es gibt Großstädte, in denen tobt das kulturelle Leben auf den Stra… Also, es gibt Großstädte.
Und es gibt Chemnitz. Chemnitz ist Chemnitz. Ein städtisches Dorf/eine dörfliche Stadt, in der etwa 240.000 Einwohner im absoluten Einklang mit der Stille leben. Wie in einem urbanen Kloster mit eingeklagter Ruheoase und angebautem Rentnerparadies, dessen Keller-Gewölbe und Geheimgänge jedoch zu einer himmlischen Party-Hölle führen können – wenn man sie nur kennt. Es scheint, als wären die meisten Menschen, die hier leben, schon vor Jahren ins subkulturelle Zölibat getreten, um tagtäglich der allmächtigen Arbeit zu frönen. (Oder um an auserwählten Orten [Zenti, Netto in Bernsdorf] den Konsum hochprozentiger Getränke zu zelebrieren) Die süßen Sünden des frivolen Stadtlebens (Clubs, Bars, Musik, Unterhaltung) gilt es dabei weitestgehend auszublenden. Eine Stadt, vereint im Glaube an die Ertüchtigung – und im Bedürfnis nach nächtlicher Naherholung. Anders als im exhibitionistischen Hipster-Vergnügungspark Berlin, wo man sich gerne als hedonistischer Techno-Lustmolch, selbstoptimierter Startupper oder freischaffender Medienirgendwas mit veganer Bio-Chai-Latte und Dauergästeliste stilisiert, definiert sich das drecksche Industrieloch Chemnitz über die fleißige, bodenständige Arbeiterseele mit dem großen Rückzugsbedürfnis. Industrielle Introspektive statt subkulturelles Schaulaufen. Trotzdem ist der gemeine Chemnitzer heimlich stolz auf sein geliebtes „sächsisches Manchester.“

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