Du wirst nicht glauben, wie dieses Ranking der dreißig besten Suchanfragen unser Leben verändert hat!

Und dann, irgendwann, ist er da. Man hatte schon so eine leise Ahnung, als man die Masterarbeit vertrauensvoll in die Hände des Prüfungsamtes legte, man ahnte es auch, als die Citypost um sieben Uhr klingelte und feierlich ein liebevoll auf Prägepapier gedrucktes Zeugnis überreichte, man befürchtete bereits das Schlimmste, als man den Exmatrikulationsantrag aus dem Briefkasten fischte. Und trotzdem trifft einen die plötzliche Erkenntnis wie der Erfenschlag: Er ist gekommen – der letzte, der wirklich allerletzte Tag des Studiums. Lange überlegt man, wie man sieben Jahre Sinnlosigkeit nun entsprechend sinnvoll beenden könnte. Man könnte zur Mensa fahren und dort ganz feierlich zum jüngsten Gericht schreiten. Man könnte in die Straßenbahn steigen und endlich jede Endhaltestelle der Stadt aufsuchen, den Tag ausschließlich in der Linie 51 zwischen Zentralhaltestelle und Orangerie verbringen, alle Schließfächer in der Bibliothek blockieren, dem Pförtner im Turmbau einen Liebesbrief durch den schmalen Spalt schieben, hundert leere Tassen auf einem einzigen Tablett stapeln um den ewigen Kreis des Mensa-Laufbandes zu stoppen, tausend mal mit Kreide „Man kann nicht nicht kommunizieren“ an die schwarzen Wände des neuen Weinhold-Baus schreiben, man könnte aber auch reflektieren, was man in den vergangenen sieben Jahren eigentlich so gelernt hat:

„Der Wandel von durch Zeichensysteme binnenorganisierten externen Repräsenationssystemen am Beispiel von Print- und Online-Zeitungen im Vergleich mit der Bedeutsamkeit und der Berechnung von Effektgrößen bei der Stellung der Typografie am Bauhaus im Web 2.0: Wie sich kognitive Prozesse beim Lesen auf die abduktive Interpretation mit Ursprung in der Zeichentheorie und die Störung des öffentlichen Raums durch das Mobiltelefon und pädagogische Agenten auswirken und welche Maßzahlen der zentralen Tendenz und der Dispersion sich bei der Sprechakttheorie und in der Kulturindustrie unterscheiden lassen und was der Korrelationskoeffizient bei Zusammenhangshypothesen über Missverständnisse als Spezialfall von gestörter Kommunikation und Druckweiterverarbeitung im Sinne von Falzen und Fügeverfahren aussagt – Musikmagazine im Spannungsfeld zwischen Jugendkultur und Fachpresse: Die Darstellung von Konflikten in Massenmedien am Bsp. des Kosovo-Krieges anhand einer Theoriegenerierung mittels komparativer Inhaltsanalyse. Wie der Einfluss von Weblogs und Flüssigkristall-Displays auf die öffentliche Meinung die Rezeption von journalistischen Textsorten und die Inszenierung von dokumentarischer Kriegsfotografie unter gendertheoretischem Aspekt verändert hat. Wann man ein Impressum braucht und wo das gesetzlich festgeschrieben steht.“

Man denkt wehmütig an all die Seminare, in denen Kommilitonen während eines Referates als Pikachu verkleidet im Raum herumsprangen, an die Aktfotos, die man versehentlich auf der Festplatte eines Dozenten fand, man denkt an all die Vorlesungen, die ausfielen, damit der Professor besser ungestört Online-Poker spielen konnte, an all die Vorlesungen, die man nie besucht hat, weil ja schließlich am Donnerstagmorgen um 7:30 Uhr gerade erst die Sabotage-Party zu Ende ging, man denkt an all die Alkoholfahnen, die einem am Samstagvormittag zum Blockseminar mit wehenden Ovationen begrüßten. Und dann beschließt man, den wirklich allerletzten Studien-Tag seines Lebens (vermutlich) so zu verbringen, wie in den letzten 14 Semestern auch und macht, nun ja: nichts.

Beziehungsweise: Irgendetwas im Internet. Schließlich hat man ja auch irgendwas mit Internet studiert. Gut, damals hieß es zwar noch „Nicht irgendwas mit Medien“, aber unzählige wissenschaftliche Arbeiten über das Web 2.0 und dessen verheerende Konsequenzen auf Rezipient, Journalist und die virtuelle Selbstdarstellung später, weiß man, dass man definitiv „Internet“ studiert hat und dass das eine wirklich großartige Ausrede dafür ist, den ganzen Tag einfach weiter zu „studieren“, ganz im Sinne der Forschung – versteht sich. Und im Rahmen jener fragen wir uns just an dieser Stelle: Was bedeutet „Internet“ eigentlich heutzutage? Ganz genau: Google.

stramme boys

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Der Po:esie zweiter Teil. Mit Lyrik von Tom Schilling.

Ein Montag fühlt sich irgendwie tröstlicher an, wenn man am Tag zuvor schon den neuen Spiegel gelesen hat. Vielleicht, weil man dann für einen Tag lang das Gefühl hat, gut informiert zu sein. Was man natürlich nie ist – allein während der Lektüre des Spiegels könnte man schon verpasst haben, dass in einen Supermarkt in Chemnitz eingebrochen wurde, dass das Weltecho noch geöffnet, dass sich im Conti-Loch ein Occupy-Zeltlager gebildet und das ZDF unserem Beispiel gefolgt ist, und Lanz kalt gestellt hat. Oder dass ein Chemnitzer Grundschulhausmeister die Polizei rief, weil vor der Schule Fußbälle lagen. Originalverpackt! Außerdem hat Tape TV unsere alkoholigrafische Interviewreihe Zehn Kurze/Fragen kopiert. Allerdings mit nur sechs Schnäpsen. Ist ja auch vernünftiger.

Der Spiegel jedenfalls stellt auf seinem aktuellen Titel die Frage, wie schädlich Pornografie für Jugendliche ist. Nicht nur, dass wissenschaftlich längst erwiesen ist, dass Masturbation häufig Fieber verursacht und blind machen kann – ein Spiegelredakteur hat mittels Selbstbespiegelung und Umfragen in seinem Bekanntenkreis festgestellt, dass Pornokonsum dazu führt, dass das männliche Brusthaar ausstirbt. Stark gefährdet sind auch Achselhaare. Fiebrig fingierte Umfragen in unserem Bekanntenkreis  haben jedoch ergeben: diese erregende Erkenntnis ist schlichtweg falsch. Deshalb haben wir den Chemnitzer Lyriker Tom Schilling (Anfang 40, behaart) gebeten, die Wahrheit über Sex zu schreiben und das Intro seiner spritzigen Analyse auf einem behaarten Männerkörper festgehalten. Es folgt Teil zwei unserer schlüpfrigen Lyrik-Latte
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