Shades of Grey – Diese 88259847 Grautöne musst du gesehen haben, bevor du nichts mehr siehst.

Grau ist das Eigenschafts-Wort, das auf diesem Blog mit Abstand am häufigsten geschrieben wurde, das verrät uns zumindest die gefühlte Wahrheit, und die lügt bekanntermaßen nie. Ja, das farblose Wörtchen „grau“ haben wir als Adjektiv und Substantiv bereits derart oft verwendet, dass wir es fast schon zum Verb erklären könnten. Grauen. Ich graue, du gräust, er graut: Grau ist unsere Stimmung, grau ist unsere Stadt, grau werden auch bald unsere Haare sein, wenn wir hier so greisgrämig weiter schreiben.

Grau – das ist schwärzer als Weiß und weißer als Schwarz. Besser als böse, böser als gut. Mehr nichts als sagend, mehr trüb als sinnig, mehr Mono als Ton. Dauerfröhlichcamper und versonnenstrahlte „Die Welt ist schön“-Finder werden uns an dieser Stelle natürlich wieder Graumalerei vorwerfen. Aber Grau ist ja auch die Nicht-Farbe der Melancholie, jenem Gemütszustand der schönen Traurigkeit, in dem wir uns so gerne suhlen, und deshalb lieben wir Nebelschwaden. Sogar in Chemnitz. Denn Chemnitz ist die graue Eminenz unter den deutschen Großstädten. In jeder Hinsicht: Sachlich, alt, unscheinbar, bescheiden, langweilig, gleichgültig und zubetoniert. Eine gigantische Grauzone.

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Die 22 besten Bücher über Chemnitz, die man gelesen haben muss, bevor man woanders hin zieht.

Chemnitz ist ja Welthauptstadt für vieles: Für Beige-Töne, Lärm-Beschwerden, Parkhäuser und Graufacetten zum Beispiel. Außerdem vermuten Experten hier die größte Karl-Marx-Büste des Erdtrabanten und den versteinertsten Wald der Welt. Doch trotz aller offensichtlichen urbanen Qualitäten ist Chemnitz eines erstaunlicherweise nicht: Eine Weltstadt der Literatur. Dabei wurde Peter Härtling hier geboren und Stephan Heym, außerdem befindet sich wohl eine der besten Buchhandlungen des Landes weit oben in der hohen Luft des Kaßberges und hier kann man in den Genuss der Ergüsse der Chemnitzer Schreibwerkstatt kommen. Wenn man aber Bücher über Chemnitz sucht, die keine  Reiseführer oder alte Eisenbahn-Pornos sind, findet man höchstens Bildbände über halbverweste Industriebrachen und buchgewordene Karl-Marx-Stadt-Nostalgie vom Chemnitzer Verlag. Na gut: Und Rico Ranunkels Bestseller „Mein Leben mit der Misanthropie“ natürlich – vermutlich das erfolgreichste und ehrlichste Buch, das jemals über Chemnitz geschrieben wurde. Erstens, weil es nie wirklich geschrieben wurde und zweitens, weil es nie wirklich über Chemnitz geschrieben wurde, sondern nur das erbämliche Leben Ranunkels erzählt – was von vielen Kritikern als Allegorie (wahlweise auch Allergie) auf eine menschenfeindliche Stadt interpretiert wurde. In Chemnitz ist so viel nicht los, dass man ganze Bücher damit füllen könnte – Romane, in denen auf über tausend Seiten rein gar nichts passiert, sind ja bekanntermaßen auch die besten. Trotzdem scheint diese Stadt von großer belletristischer Armut gebeutelt, und es bleibt vollkommen unklar, warum „50 Shades of Grey“ nicht in Chemnitz handelt, warum sich noch kein Germanistik-Student mit einem biografischen „Ich bin dann mal weg“ in die Berliner Arbeitslosigkeit verabschiedet hat und warum wir von Re:marx noch keine neunhundertseitige Wortspiel-, Alliterations-, und Syntaxorgie namens „Nihilysses“ an den Suhrkamp-Verlag geschickt haben.

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Harry Potter, Hack und Hauls : Chemnitzer Blogger und was re:marx von ihnen lernen kann. Eine kleine Blogkunde.

Alle Jahre wieder im März feiern wir großes Jubiläum. Dieses Mal sind es vier Jahre re:marx, was fast schon fünf Jahre sind, was fast ein halbes Jahrzehnt, was im Internet wiederum eine halbe Ewigkeit ist. Alle Jahre wieder fühlen wir uns wie kurz vor der inhaltlichen Insolvenz. Alles schon geschrieben und alles schon ignoriert, was es zu schreiben und was es zu ignorieren gab:
Alle zwei Jahre macht das Atomino irgendwo zu und irgendwo anders wieder auf. Ein alter Club schließt, ein neuer wird eröffnet. Jemand klagt über Lärm. Jemand hat die Ironie nicht verstanden. Niemand kommt zum Konzert. Fensterscheiben werden eingeschlagen, Autos angezündet, Kulturgelder gekürzt. Ein paar kackbraune Nazis marschieren an betongrauen Kellnbergerfassaden vorbei. Queen Antifa marschiert buntbefahnt dagegen. Ein Projekt, das spannend klingt, verläuft sich im Nichts. Falko Rock postet ein neues Foto auf Instagram. Das Leben in Chemnitz dreht sich so zuverlässig im Kreis wie sich die Welt um Re:marx dreht. Dachten wir jedenfalls immer. Doch als dann das Kurze Kraftklub-Interview das vorgegebene Ziel (20.000 Facebook-Follower) nicht erreichte, gerieten wir kurz ins Zweifeln. Was könnte man besser machen – falls besser überhaupt noch möglich ist? Wo kann man billig Themen kaufen? Wie fesselt man die Leserschaft? Wie löst man einen Shitstorm aus?
Im regelmäßigen Rahmen unserer  schonungslosen Selbstreflexion haben wir aufgrund der großen Ideenleere  beschlossen, uns einer der gängigsten Praktiken der Lügenpresse zu bedienen: Unreflektiertes Abschreiben der Fehler der anderen. Oder vielmehr: Inhalte klauen bei anderen Blogs. Wobei uns die Erkenntnis, dass es in Chemnitz außer uns tatsächlich noch andere Blogs gibt, zugegebenermaßen recht schmerzlich traf. Jemand hat uns ins Revier gepisst – das riecht nach Beef! Jetzt wird zurück gepisst. Auf der Suche nach dem verlorenen Inhalt haben wir Chemnitzer Blogs auf Herz (Impressum) und Nieren (Facebook-Follower) geprüft – und uns dabei gleich Anregungen für eine neue thematische Ausrichtung geholt. Es folgt Teil eins der Blogkunde: Buch-, Back- und Beautyblogs.

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