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	<title>Pöbeln. &#8211; re:marx</title>
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	<description>Party. Pöbeln. Poesie.</description>
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		<title>Hilfe, die Touris sind da!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Dec 2025 21:58:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Party.]]></category>
		<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn früher Touristen nach Chemnitz kamen, dann waren das meistens Dortmundnazis auf Dienstreise, Eisenbahn-Nerds auf der Suche nach dem großen Reichsbahnabenteuer oder Menschen, die sich &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn früher Touristen nach Chemnitz kamen, dann waren das meistens Dortmundnazis auf Dienstreise, Eisenbahn-Nerds auf der Suche nach dem großen Reichsbahnabenteuer oder Menschen, die sich auf dem Weg nach Dresden irgendwie verfahren hatten. Nach dem Kulturhauptstatjahr ist alles anders. Die Einheimischen liegen nachts wach und können vor lauter Rollkofferklackern nicht mehr schlafen, überall ist es voll, ständig hört man andere Sprachen, droht man, in Touristenfallen zu tappen. Eine neue Situation, die den Chemnitzer:innen völlig fremd ist. Viele sind überfordert: Was tue ich, wenn ich Touristen begegne? Wie erkenne ich die überhaupt? Was antworte ich, wenn sie mich nach einem guten Café fragen? Wir helfen euch dabei.</p>
<p><strong>Woran erkenne ich Touristen?</strong></p>
<p>Wenn ihr in Chemnitz Menschen seht, die immer wieder stehen bleiben, sich umgucken, Stadtpläne, schlecht gedruckte Zettel aus der Touristinformation oder Google Maps in der Hand halten und dabei weder Camp David noch Yakuza und auch nicht Engelbert Strauß tragen, dann handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Touristen. Oder um fiese Investoren, die euren schäbigen Sonnenberg-Altbau gentrifizieren wollen. Touristen bewegen sich bevorzugt in Grüppchen (auch Großgruppenbildung möglich) durch die Stadt und tragen immer pragmatische, manchmal auch modische Rucksäcke. In der Hauptreisezeit (April bis September) rechnen wir mit einem erhöhten Aufkommen von E-Bike-Tourern, die man zuverlässig an ihrer Profi-Radfahrermontur erkennt und auf keinen Fall mit „European-Peace-Ride“-Männern oder Jan Ullrich verwechseln sollte. Ob auch Kreuzfahrt-Touristen von Rostock, Hamburg, Genua und Venedig in Bussen nach Chemnitz gekarrt werden, wissen wir noch nicht. Aber 2025 ist alles möglich. Woher die Touristen kommen, erkennt man auf den ersten Blick nur schwer — außer sie sprechen Englisch, dann sind sie aus Berlin. Oder sie sind aus Dresden, dann erzählen sie es einem sofort. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12870" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1339-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1339-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1339-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1339-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1339-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1339-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1339-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1339-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p><strong>Wo treffe ich Touristen?</strong></p>
<p>Was haben der Trevi-Brunnen, der Eiffelturm, die Sagrada Familia und das Gerümpel in Opas alter Garage gemeinsam? Genau: Alle sind absolute Touristen-Magnete. Weil Chemnitz bekanntermaßen nur drei Sehenswürdigkeiten hat – nämlich den Marktbaum, das Rosterfahrrad an der Zenti und das neue Conti-Loch neben dem Tietz – trifft man Touristen an eher ungewöhnlichen Orten. EEs kann passieren, dass sie am Harthweg aufschlagen und begeistert auf DDR-Garagen zeigen, als handele es sich um das sächsische Pompeji. Oder dass sie vornehm bei Feinkost Häusler sitzen, als wäre es der Gosch auf Sylt, weil man dort beim authentischen Wurstgulasch den besten Blick auf die Majolika-Häuser hat. Manche lassen sich freiwillig von Menschen in Richard-Hartmann-Gründerzeitkostümen durch die Stadt führen oder fahren auf den Kaßberg, um dort in der einzigen Buchhandlung der Stadt nach dem Gesamtwerk von Georg Trakl zu fragen. Immer wieder sieht man sie Rebel-Art-Fassaden fotografieren oder den heruntergekommenen Hot-Super-Hasen auf dem Brühl. Neulich sollen sogar Touristen auf der Franz-Mehring-Straße aufgetaucht sein und euphorisch „Oh look, it’s the monk“ gerufen haben. Da schwillt die stolze Kaßbergbrust. Aber wahrscheinlich waren sie nur froh, endlich eine geöffnete Kneipe gefunden zu haben.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Begeisterung und Hilflosigkeit:<span class="Apple-converted-space"> </span></strong></p>
<p>Touris erleben in dieser Stadt gemeinhin zwei Gefühlslagen, die sehr gegensätzlich, aber für Chemnitzer Einheimische dennoch kaum nachvollziehbar sind. Die eine ist Begeisterung, viele Touristen finden Chemnitz nämlich total schön. Das wiederum überfordert die minderwertigkeitskomplexgeplagten Chemnitzer:innen, die dann oft sarkastisch werden oder klassische Imposter-Syndrom-Sätze sagen. Die andere ist Hilflosigkeit: Zum Beispiel, wenn sie verzweifelt an verschlossenen Museumstüren rütteln, obwohl im Internet steht, dass das Gunzenhauser aktuell noch dicht ist. Oder wenn sie orientierungslos vor der Hartmannfabrik herumwandern, weil schon nach 17:30 Uhr ist. Wenn sie unter der Woche mittags einen Kaffee auf dem Kaßberg trinken wollen oder sich auf den ausgestorbenen Brühl verirren, weil sie irgendwo gelesen haben, dass das angeblich ein cooler Kiez sein soll. Das wiederum belustigt die Einheimischen: Was haben diese Touristen denn bitte hier erwartet?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12868" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1304-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1304-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1304-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1304-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1304-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1304-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1304-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1304-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p><strong>Welche Arten von Touristen gibt es?<span class="Apple-converted-space"> </span></strong></p>
<p><i>Leipziger Akteure: </i>Die Backpacker unter den Kuha-Touristen, weil niemand weiß, ob und wie weit sie überhaupt kommen, wir sagen nur RE6. Viele von ihnen stranden am Ende oft ganz woanders, zum Beispiel in Geithain, dem Bali Nordsachsens. Ähnlich wie Backpacker oder deutsche Influencer in Kapstadt haben Leipziger Akteure oft eine gewisse Hybris im Gepäck: In Chemnitz sich bisschen die Kunstszene aneignen, aber wissen: Zuhause, in der Plagwitzer 70-Quadratmeter-Wohnung für 1600 Euro kalt, da ist es doch am schönsten.</p>
<p><i>Berliner:innen, die mal Nazis sehen wollen: </i>Fahren nach Chemnitz wie andere ins Krisengebiet &#8211; irgendwie in der Hoffnung auf eine spannende Nazi-Geschichte, mit der sie sich dann später in Friedrichshain Applaus abholen können, während sie in der sonntags in der Schlange für Sauerteigbrot anstehen. Sind dann total empört, wenn ihnen tatsächlich drei Nazis über den Weg laufen und erzählen in der Sauerteigbrot-Schlange, dass man auf keinen Fall nach Chemnitz fahren kann.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><i>Westdeutsche Kultur-Touristen: </i>Meist gut gepflegte Best-Ager oder Düsseldorfer:innen in gutem Tuch (Kaschmir, Tweed, Seide), die wegen der Kunst hier sind. Buchen Purple-Path-Kutschfahrten und Villa-Esche-Führungen, interessieren sich außerdem für Karl Schmidt-Rottluff, die Architektur und gehen ins Ballett, die Oper oder über den Kaßberg. Sind meistens ziemlich begeistert von der Stadt. Kulturschock-Potenzial, wenn sie zum ersten Mal einen Garagen-Hof sehen,<span class="Apple-converted-space">  </span>Slum für Autoschrauber. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><i>Maker-Touristen: </i>Fantasie aus der Bewerbungsphase, existieren nicht. Niemand kommt nach Chemnitz um ein Wort zu laubsägen oder einen Apfelbaum zu pflanzen, wirklich niemand.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><i>Jan Böhmermann: </i>Millennial-Ableger des E-Bike-Tourers, weiß offensichtlich nicht, dass man in Chemnitz stilecht mit dem Segway oder mit einem überdimensionierten Pick-Up befährt. Will als überregionaler Journalist wahrscheinlich auch Nazis sehen, was kein Problem sein dürfte, und seinen E-Roller in ein Chemnitzer Gewässer schmeißen, wir empfehlen den Stadthallenbrunnen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><i>White-Lotus-Leute, aber in Chemnitz:</i> Boykottieren New York und Miami wegen Donald Trump, und haben sich stattdessen ein Apartment im Mindset-Ressort „Die Fabrik“ gebucht, wo sie in der Rooftopbar bei Champagner, Kokain und Visionen den Million-Dollar-Sunset über Schönau genießen. Ausflug mit dem Porsche auf den Sonnenberg ins „Alexxanders“ und zum BitCoin-Stack nach Schneeberg. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><i>Tagestouristen aus dem Erzgebirge:</i> Unterscheiden sich von Chemnitzer Einheimischen eigentlich nur dadurch, dass sie Chemnitz für ein graues, dreckiges Moloch halten und die moderne Kunst- und Kulturwelt noch viel weniger verstehen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12872" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1692-scaled.jpg" alt="" width="1280" height="1920" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1692-scaled.jpg 1280w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1692-200x300.jpg 200w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1692-683x1024.jpg 683w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1692-768x1152.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1692-1024x1536.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2025/12/DSCF1692-1365x2048.jpg 1365w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></p>
<p><strong>Typische Touri-Fragen und wie man sie richtig beantwortet:<span class="Apple-converted-space"> </span></strong></p>
<p><b><i>Habt ihr hier auch einen richtigen Kiez?: </i></b>Wenn die Frage von jemandem aus Dresden kommt, einfach nicht beantworten. Auch nicht auf den Brühl schicken, das deprimiert die Touristen nur. Empfehlt einfach den Sonnenberg oder Kaßberg. Also den Kaßberg. Also die eine Straße.</p>
<p><b><i>Wo gehts zum Stadtzentrum? </i></b>Wahrscheinlich die am meisten gestellte Frage. Falls sie euch jemand stellt: Nicht lachen. Nicht die Augen rollen. Einfach zum Marktbaum schicken.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b><i>Wo können wir denn hier (auf dem Kaßberg) schön Mittagessen gehen? </i></b>Wenn ihr sie nicht zu „Onkel Franz“ schicken wollt, bleibt nur noch das Turmbrauhaus.</p>
<p><b><i>Was sind das denn für komische Teller dort?</i></b><span class="Apple-converted-space">  </span>„Das ist unser neuer Marktbrunnen.“ (Wenn ihr gerade in der Stadt seid) oder „Das ist das alte Meißner, das die Nachbarn aussortiert haben“ (Wenn ihr gerade auf dem Kaßberg seid.)</p>
<p><b><i>Do you speak English? </i></b>Achtung! Nicht direkt Leute verprügeln, nur weil ihr auf Englisch angesprochen werdet. Ihr könntet zum Beispiel auch einfach auch ein freundliches „NO!“ zurück blaffen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Was ist das denn für ein Turm? </b>„Das ist der Wirkbau-Turm, er war Vorbild für den Campanile in Venedig.“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b><i>Wie lange dauert meine Kaffee-Bestellung noch?<span class="Apple-converted-space">  </span></i></b>„Deinen trockenen Kuchen hast du doch schon vor zehn Minuten bekommen, jetzt müssen wir nur noch die spezielle Bohne rösten und den Kaffee mit unserer Slow-Drop-Brew-Technik zubereiten, da wirst du ja wohl noch mal ne halbe Stunde warten können, oder?“</p>
<p><b><i>Wird das dort abgerissen oder gerade neu gebaut?: </i></b>„Das wird gebaut und sieht auch nicht viel hässlicher aus als die Neubauten in deinem schönen München.“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b><i>Wie komme ich denn jetzt zurück nach Leipzig?: </i></b>„Am besten über Dresden, dauert etwas länger, aber Sie haben ja Urlaub.“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b><i>Könnt ihr eine Ramenbar empfehlen?: </i></b>„Nein, aber wir haben ungefähr 300 andere gute vietnamesische Restaurants, die auch Ramen anbieten.“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b><i>Haben Sie das Gesamtwerk von Georg Trakl? </i></b>„Ja natürlich, wollen Sie die Habermas-Schmuckausgabe auch noch gleich mitnehmen?“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Ideen, wie ihr aus dem Touri-Ansturm Kapital schlagen könnt:<span class="Apple-converted-space"> </span></strong></p>
<ul>
<li>Bruchstücke einer alten Badfließe als „original Majolika-Kachel“ verkaufen<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Alte getrocknete Gartenkräuter als „Seltenen Silberlindenblüten-Tee vom Marktbaum“ verscherbeln <span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Eine Matratze in Opas alte Garage legen und als „einmalige Übernachtungsmöglichkeit in originellem Tiny House wie zu DDR-Zeiten“ bei Airbnb reinstellen<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Bier-Kronkorken lassen sich wunderbar als „Original Purple-Path-Bruchstücke“ feilbieten<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>„Polster &amp; Pohl“-Dependance in Köln gründen und scharenweise Kunstinteressierte nach Chemnitz karren<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Jochen-Schweizer Eventgutscheine „Ostalgie-Adventure“ für 371 Euro (ist aber nur der Garagen-Parcours)</li>
<li>Leere Fit-Flaschen nicht sofort in den Plastikmüll werden, sondern zum hundertfachen Preis als „mundgeblasene Roter Turm“-Miniatur verkaufen<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Kleiner illegaler Straßenstand mit überteuertem Maker-Bedarf (Lötkolben, Laubsäge, Heißklebepistole, Washi-Tape, Filz)</li>
<li>Tassen und T-Shirts mit den Konterfeis wichtiger Kuha-Männer bedrucken<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Uber-oder historische Kutschfahrten nach Leipzig anbieten<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
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			</item>
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		<title>Der große Kommunalwahl-Check für Chemnitz: Welche Partei passt zu mir?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Jun 2024 15:26:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[In einer Woche wird in Chemnitz ein neuer Stadtrat gewählt und wenn das so läuft, wie wir denken, wird sich die Mehrheit im Stadtrat nach &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">In einer Woche wird in Chemnitz ein neuer Stadtrat gewählt und wenn das so läuft, wie wir denken, wird sich die Mehrheit im Stadtrat nach rechts verschieben. Weil wir aber trotzdem noch Hoffnung haben, haben wir alle Wahlprogramme der demokratischen Parteien gelesen (grob überflogen), damit ihr es nicht tun müsst. Wer hat das richtige Mindset für Chemnitz,  wer fordert die meisten Verbote, wer schickt die meisten Promis ins Rennen und in welches Programm kümmert sich um den Marktbaum? Unser Wahlomat verrät euch, welche Partei am besten zu euch und eurer Idee von Chemnitz passt. </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b><span class="Apple-converted-space">Die FDP</span></b></span></h4>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Heute schon (an)gestoßen? Nein? Dann wird es Zeit, sich jetzt an den wirklich anstoßenden Wahlplakaten der FDP aufzureiben. Der Slogan „Bildung bewegt, Wirtschaft gestaltet“ verspricht ein Heißes-Luft-Level auf Linkedin-Niveau, das <a href="https://chemnitz.freie-demokraten.de/stadtratswahl-2024-0" target="_blank" rel="noopener">Programm</a> ist dann tatsächlich nicht ganz so schlimm. Die FDP will eben FDP-Sachen: Zum Beispiel Steuern senken, die Stadtverwaltung digitalisieren und natürlich den flächendeckenden Ausbau von Tempo300-Zonen. Mehr Fachkräfte, aber weniger Ausländer (siehe Frank Müller-Rosentritt), mehr Polizei, aber auch weniger Verkehr in der Innenstadt (DAS ist nicht mehr unsere FDP!!!11!), Fahrrad-Highways mit freier Fahrt für freie Fahrradfahrer. Und weil die FDP nun mal eine natural born Raserpartei ist, reicht ihr die gemütliche IC-Anbindung nicht, es muss natürlich ein ICE mit 300 kmh sein (der Meinung sind wir allerdings auch). Im Programm stehen aber auch Sachen wie: bessere Jugendförderung, mehr Geld für die freie Kultur, Ausbau von Photovoltaik, Begrünung der Innenstadt und Stärkung der Späti-Kultur, wobei wir uns fragen, welche Späti-Kultur da gemeint sein soll. Naja, jedenfalls, geht schon noch, wären da nicht: </span><br />
<span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Die Plakate:</strong> wurden Gerüchten zu Folge von den Chemnitzer JuLis entworfen und ohne, dass der Rest der Partei davon wusste, hing plötzlich <em><strong>„</strong></em><i><strong>Öfter mal (an)stoßen? Für ein verbessertes Nachtleben in Chemnitz“</strong>  </i>in der halben Stadt — das schlechteste, sexistischste und vielleicht auch dümmste Wahlplakat aller Kommunalwahlzeiten. Während ein wirklich verbessertes Nachtleben vor sexuellen Übergriffen schützt, bedeutet es bei der FDP genau das Gegenteil. Ein Plakat, wie von koksenden Burschenschaftlern getextet, die mal ein Alpha-Mentoring bei Andrew Tate gemacht haben und uns jetzt erklären wollen, worauf es bei einem guten Nachtleben wirklich ankommt: Darauf, dass Männer weiterhin unbehelligt „Spaß“ haben können. Immerhin sind die anderen Plakate besser. Oder? ODER? <strong><em>„Ihre Fachfrau für mehr Fachmänner“.</em></strong> Uff nee. <strong><em>„Damit der Schulweg nicht zur Freistunde wird.“</em> </strong>Hmmm neeee.<strong> <em>„Morgen kommt von machen“: </em></strong>klingt wie ein luftleerer Spruch aus dem Maker2025-Kalender, <em>&#8222;Maken ist wie machen, nur krasser&#8220;</em> und so, hat sich die FDP aber leider nicht aufs Plakat gedruckt.</span> <span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><em><strong>„Einer muss es ja machen“,</strong></em> sagt Frank Müller-Rosentritt und labert auf seinem Plakat etwas über <strong><em>„Einwanderung in Sozialsysteme stoppen“</em></strong>. Einer muss es ja machen: Rechte Rhetorik reproduzieren. Kleiner Tipp an die FDP: einfach mal <strong><em>nicht</em></strong> machen.<br />
<strong>Promifaktor:</strong> Die FDP weiß: Ein abgehalfterter Rockstar wie Ecke Bauer bringt Prozente. Mit einem sehr guten, ja fast schon absurden, zweiten Listenplatz wirbt dieser auf dem Kaßberg deshalb täglich für mehr „Bildung und Gastwirtschaft“ und <em>Die Partei</em> kann satiretechnisch einpacken.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wer die FDP wählen sollte</strong><b>: </b>Preppy Boys mit Burschenschaftlerscheitel, die nach zwei Bier auch mal über Vergewaltigungswitze lachen, Menschen mit Fabrik-Membership und Innovations-Mindset, Hundebesitzer:innen, Bauerplay-Fans.<span class="Apple-converted-space"><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12635" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/3.png" alt="" width="940" height="788" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/3.png 940w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/3-300x251.png 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/3-768x644.png 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/3-358x300.png 358w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /><br />
</span></span></p>
<h4><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b>Die CDU:</b></span></h4>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Die CDU sei keine Partei für Verbote, das steht fast so <a href="https://www.cdu-chemnitz.de/unser-kommunalwahlprogramm" target="_blank" rel="noopener">oft im Programm</a> wie die Wortkombination „Ordnung und Sicherheit“. Die CDU ist also total gegen Verbote, aber <i>für</i> ein Genderverbot. Sie ist absolut gegen Verbote, aber<i> für</i> Waffen- und Alkoholverbotszonen, sie ist komplett gegen Verbote, aber das AJZ würde sie am liebsten auch verbieten. Sie ist wirklich gegen jegliche Art von Verboten, aber <i>für </i>Verbote von Alkoholiker- und Drogentreffs und dem Abladen von Müll auf Spielplätzen. Was vertretbar ist, aber die Doppelmoral des CDU-Wahlpogrammes ist fast schon peinlich. Noch viel schlimmer als unkontrollierte Gendersternchen, das hat die CDU erkannt, ist aber der viele Müll in Chemnitz — Alexander Dierks hat neulich gleich mehrere illegale leere Eisverpackungen auf dem Sonnenberg gefunden und die Täter kamen wieder mal ungestraft davon. Darüber hinaus hat die CDU offensichtlich immer noch nicht verstanden, was die europäische Kulturhauptstadt ist: Keine Auszeichnung für die „moderne Großstadt Chemnitz“, wie es fälschlicherweise im Programm steht, sondern ein Auftrag zur Entwicklung zu einer solchen. Und dafür scheint die CDU eher hinderlich zu sein: Um die freie Kulturszene schert sie sich nicht, es geht nur um die Hochkultur. Auch sonst: Kaum Innovation, viel Stillstand, konservativ eben, aber das gehört auch zum demokratischen Spektrum dazu. Insgesamt liest sich das CDU-Programm jedoch, als wäre Chemnitz das sächsische El Salvador: Überall Drogen, Gewalt, Kriminalität, Müll, rechte und natürlich auch linke Stimmungsmache, weil letzteres ja bekanntermaßen das größte Problem in Sachsen ist. An den Schulen, in den Parks, in der Innenstadt, schlimm. Noch negativer und schwarzmalerischer wird’s dann nur noch ganz rechts.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Die Plakate:</strong> sind klassisch<i> gäääähnn. Ah sorry, kurz eingeschlafen. </i>Die Plakate der CDU sind klassisch …<i> huch, schon wieder eingeschlafen</i>. Die Plakate der CDU sind in etwa so spannend wie ein torloses Unentschieden zweier extrem defensiv spielender Fußballmannschaften und so innovativ wie ein achtstündiger Podcast über Konrad Adenauers Handschrift: <em><strong>Weil es um Chemnitz geht.</strong></em><br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Promifaktor</strong><b>: </b>Die CDU schickt Chris Dietrich ins Rennen, der ewig scheiternde Visionär, der schon mit dem Bürgerfest sein goldenes Händchen für die Stille Mitte in Yakuza-Fraktur bewiesen hat und eine Art Ecke Bauer der CDU ist.<em><strong> „Chemnitz zum Paris des Ostens machen“,</strong></em> will Jakob Kullik, kein Promi, aber ein Superspruch. Immerhin: Für die CDU kandidieren <em>gefühlt</em> mehr Menschen mit Migrationshintergrund als für die Linke und die SPD, nämlich zwei oder so. Das sollte allen zu denken geben.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wer die CDU wählen sollte</strong><b>: </b>Menschen, die die fünf Minuten zur Arbeit oder zum Bäcker immer mit dem Auto fahren, weil es einfach so schön bequem ist, Menschen, die beim ASR arbeiten, Menschen, die Angst vor Veränderung haben. </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12637" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/1.png" alt="" width="940" height="788" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/1.png 940w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/1-300x251.png 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/1-768x644.png 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/1-358x300.png 358w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /></p>
<h4><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b>Die Linke</b></span></h4>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">ist sowas wie der poppige Gegenentwurf der CDU. Beim Slogan schwört sie auf das Stilmittel des populären, aber eben auch fast immer generischen Dreiklanges, in diesem Fall ist es:<b> „Sozial. Gerecht. Nachhaltig.“</b> <a href="https://www.chemnitz-wahl24.de" target="_blank" rel="noopener">Das Programm</a> der Linken dreht sich in Chemnitz vor allem um soziale Themen: Wie kann man das Leben in der Stadt für Senior:innen besser machen, wie kann man einkommensschwache Menschen besser unterstützen, Familien, Jugendliche und Kinder, Alleinerziehende, Geflüchtete, Wohnungslose oder Suchtkranke? Es geht um mehr Sozialarbeit, bessere Integration, mehr Inklusion und Barrierefreiheit, mehr antifaschistische Arbeit. Es geht auch viel um den Wohnungsmarkt, weil die Linke anscheinend Chemnitz mit Leipzig verwechselt hat, das kann schon mal passieren. Die eine Stadt gilt schließlich als boomende, junge, hippe Sachsen-Metropole, die andere Stadt ist Leipzig.<span class="Apple-converted-space">  Allerdings glauben wir, dass der Wohnungsmarkt aktuell einfach kein Thema für Chemnitzer Wähler:innen ist. </span>Im Programm findet man noch andere spannende Ideen, die sich lesen wie aus einem re:marx-Post, aber ernst gemeint sind. Zum Beispiel: Der Lulatsch als Boulderturm, Garagenanlagen vor Kuha-Spekulanten schützen, eine Erlebniswelt „Versteinerter Wald“, mehr Züge nach Berlin Kreuzberg, Rheinmetall darf nicht CFC-Sponsor werden, mehr Pop-Up-Stores und Spätis. In diesen beiden — und auch in einigen anderen Punkten — sind sich Linke und FDP übrigens erstaunlich ähnlich, was beide ärgern dürfte. Was uns im Programm fehlt, ist ein Punkt zum besseren Schutz der Silberlinde, z.B. vor Austrocknung, Hitzetod, Borkenkäfer und Vandalismus.<br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Die Plakate</strong><b>: </b>setzen auf poppige Farben wie rot, lila und grün und knackige Sprüche wie „<em><strong>Geht nicht, gibt’s nicht“,</strong> <strong>„Chemnitz, jung und alt“</strong></em> oder Banger wie<em><strong> „Chemnitz macht Betrieb“</strong></em>. Textlich kann man da noch mal ran, aber die Plakate zählen zu den besseren in der Stadt. <span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wer die Linke wählen sollte</strong><b>: </b>Ist die Linke eine Art FDP für Leute mit antikapitalistischer Low-Performer-Mentality? Wer keinen Bock auf die permanente kapitalistische Leistungsgesellschaft, Nazis, soziale Ungerechtigkeiten oder die Rüstungsindustrie hat, kann jedenfalls ohne Bedenken die Linke wählen.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12634" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/2.png" alt="" width="940" height="788" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/2.png 940w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/2-300x251.png 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/2-768x644.png 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/06/2-358x300.png 358w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /></p>
<h4><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b>Die Grünen</b></span></h4>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">wollen uns ja bekanntermaßen alles verbieten, unsere Dieselmotoren, unsere Kantinen-Currywurst, und wahrscheinlich wollen sie uns jetzt auch noch unsere schönen Chemnitzer Betonplätze wegnehmen, also gleich mal gucken, was so drin steht im Programm: <span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong><i>„Fünf Prozent der städtischen Kulturmittel für die Freie Kulturszene“</i></strong>: Na okay, das wollen auch FDP, Linke und bestimmt auch die SPD, das ist ja nicht direkt ein Verbot. <strong><i>„Rock am Kopp wiederbeleben“:</i> </strong>Hmm, auch kein Verbot.<strong><i> „Multiprofessionelle Teams in allen Schulen“:</i> </strong>Keine Ahnung was das überhaupt sein soll, aber klingt nicht nach Verbot. Ah hier, wussten wir es doch: <strong>„<i>Ein städtisches Radwegenetz mit Winterdienst“</i></strong> — typisch Grüne, jetzt wollen sie auch noch Schnee und Eis auf Radwegen verbieten. Oder hier:<i><strong> “Förderung des Chemnitzer Ernährungsrats für gesunde Ernährung“</strong> </i>— Wie bitte? Wir entscheiden ja wohl selbst, ob wir ein doppelt paniertes Schweineschnitzel in Mayo-Ketchup-Sahne-Soße mit dreifach Pommes zum Mittag essen oder nicht!<span class="Apple-converted-space">  </span>Oder hier: <i><strong>„… wollen wir zudem eine Fahrradstreife etablieren, die vor allem die Sicherheit der Radfahrerinnen und Radfahrer im Blick hat, aber auch die Einhaltung von Straßenregeln im Radverkehr beachtet“</strong> — </i>Entschuldigung!?!? Wir wollen auf unserem Lastenrad<span class="Apple-converted-space">  </span>genauso rücksichtslos durch die Stadt brettern, wie 80 Prozent aller Chemnitzer Autofahrer:innen es täglich tun. Das gibts ja alles gar nicht. <i>„<strong>Deshalb setzen wir uns dafür ein, Lärmquellen in der Stadt zu beseitigen – bspw. durch Lärmschutzwände“. </strong></i>Boah Leute,<i> </i>was denn noch alles?<strong><i> „Maßnahmen gegen Rechtsextremismus“<span class="Apple-converted-space">  </span></i></strong>— Sorry, aber unsere Nazis lassen wir uns hier in Chemnitz nicht verbieten! Und: Auch im Programm der Grünen kein Punkt zum besseren Schutz des Marktbaumes, wir sind sehr enttäuscht. Immerhin: Die Grünen sind die einzige Partei, die Europa im Programm hat. Und: Im Gegensatz zur Antiverbotspartei CDU kommt das Wort „Verbot“ <a href="https://gruene-chemnitz.de/wahlprogramm-kommunalwahl-2024/" target="_blank" rel="noopener">im Programm</a> kein einziges Mal vor. </span><br />
<span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Die Plakate:</strong> Kommen für eine Verbots-Diktatur-Partei viel zu hippiesk daher: Tanzende und springende Kandidat:innen auf dem Opernplatz sind viel zu fröhlich für die Stadt. Ansonsten tun die Grünen, was fast alle Parteien tun: Kandidatenportraits mit Sprüchen. Zum Beispiel: <em><strong>„Gemeinsam für den Chemnitzer Osten“,</strong> </em>sorry, aber wir als Kaßberg-Wessis finden die ewig identitäre Ossi-Erzählung langsam nur noch nervig.<em><strong> „Gemeinsam für den Chemnitzer Norden“</strong></em>. Achso gut, wir nehmen alles zurück. Ansonsten steht auf allen: <em><b>„Machen, was zählt“ </b></em>— und wenn re:marx eine Partei wäre, dann würden wir die Wörter „machen“, „Macher“ und „Maker“ in Chemnitz sofort verbieten lassen.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Promifaktor:</strong> Ziemlich hoch, weil man ungefähr die Hälfte der Kandidat:innen von Twitter, äh sorry, X kennt. Mit Boris Kaiser kandidiert außerdem ein wichtiger Chemnitzer Podcast-Mann.<br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wer die Grünen wählen sollte:</strong> Menschen, die keinen Bock darauf haben, bei 6000 Grad im Sommer auf Chemnitzer Plätzen zu verglühen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b>Die SPD</b></span></h4>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Chemnitz gilt als stabile SPD-Hochburg: Chemnitz hat OB Svenni, ein Bundestagsdirektmandat und war bei der letzten Bundestagswahl der einzige rote Fleck in ganz Sachsen. Aber die SPD hat es sehr, sehr schwer in Sachsen, deshalb machen auch die Chemnitzer Genossen im Slogan vorsichtshalber mal ein bisschen auf CDU: <em><strong>„Chemnitz? Na sicher!“</strong></em><b><br />
</b><a href="https://stark-fuer-chemnitz.de/themen/" target="_blank" rel="noopener">Und das Programm?</a> Ist länger als jede CumEx-Akte von Olaf Scholz und kommt als schick designtes PDF mit vielen Bildern. Ganz oben im Programm der SPD stehen Familien- und Bildungspolitik, Kinder- und Jugendarbeit. Die SPD will unter anderem: kostenlose Menstruationsartikel in Unisex-Klos, den Aufbau eines Jugendparlamentes, Konkordiaparks in allen Stadtteilen, sich für bessere psychologische Betreuung von pandemiegebeutelten Jugendlichen einsetzen, Alleinerziehende und Pflegefamilien stärken. Dazwischen immer wieder auch mal Stockfotos, zum Beispiel von süßen Katzen, Cat Content als letzter Ausweg. Weiter im Programm: Die SPD will rechte Strukturen bekämpfen und queere Netzwerke stärken, mehr „sichere Großevents“ statt „seltene Ereignisse“ und die Innenstadt soll von einem „Angstort“ (Achtung, CDU-Wording) zu einem „Herzensort“ werden. Sprich: Das „IloveC“ muss endlich zurück auf den Marktplatz! Ach nee, die SPD meint die Innenstadtwache, ein gläserner Ort für eine gläserne Stadt.<i> </i>Hier hat die Partei folgende Idee: <i>„Durch Umfragen und Beteiligungsmöglichkeiten möchten wir von den Bürger*innen Hinweise erhalten, an welchen Orten sie sich nicht wohl fühlen und woran dies liegt.“<span class="Apple-converted-space"> </span></i> Da weiß man jetzt schon, was für Antworten kommen werden. Was unter anderem noch im Programm steht:<i> </i><i>„</i><i>Die SPD Chemnitz wird sich nicht für Alkoholverbotszonen, Waffenverbotszonen oder ähnliches aussprechen.“</i> (Achtung, CDU-Diss). Und folgender Satz, der gut ist, weil er in anderen Wahlprogrammen in dieser Deutlichkeit komplett fehlt: „<i>Wir solidarisieren uns mit und bekennen uns zum jüdischen Leben in Chemnitz. Des Weiteren unterstützen wir Bildungsangebote, die zum Thema Antisemitismus aufklären.“ </i>Ansonsten auch hier wieder: Kein Wort zum  <a href="https://remarx.eu/2023/11/die-post-der-moderne-kein-herz-fuer-baeume/" target="_blank" rel="noopener">Marktbaum.</a> Schwach.<br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Die Plakate:</strong> kommen im SPD-Coporate-Design in Schwarz-Weiß und Rot, huch. Das ist zwar nicht überraschend, aber mindestens so solide wie ein TikTok von Olaf Scholz. Die knallroten „Gegen Hass und Hetze&#8220;-Statements, die die Partei überall in der Stadt aufgehängt hat, finden wir gut.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Promifaktor:</strong> EXTREM hoch. Der SPD ist es gelungen, viele parteilose Kandidat:innen für hintere Listenplätze zu finden, und da tummelt sich viel Prominenz. Doch im Gegensatz zu den Stockbildern auf der SPD-Webseite, ist die Kandidat:innenliste sehr weiß, und irgendwie auch sehr männlich. Das wiederum passt gut zu OB Svenni. Abgesehen von einer berühmten Galeristin, findet man dort vor allem sehr wichtige Männer, zum Beispiel Sören Uhle, ein weiterer wichtiger Podcastmann mit gutem Listenplatz. Oder Kai Winkler, den wichtigsten Fahrradmann der Stadt. Und während Genoss:innen aus Hannover oder so beim Wort &#8222;Currywurst&#8220; vor allem an Gerhard Schröder denken, denken die Chemnitzer:innen natürlich sofort an Falk Hammermüller.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wer die SPD wählen sollte:</strong> OB-Svenni-Ultras, Menschen, die Mitleid mit Underdogs haben, und Menschen, die beim Demokratisch-Wählen einfach auf Nummer sicher gehen wollen.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<h4><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b>Die Partei</b></span></h4>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b><span class="Apple-converted-space"><br />
</span></b></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">hat erkannt, was das große Problem der Chemnitzer Innenstadt ist: fremdländische Leute, die nicht von hier sind. Sondern aus Einsiedel. Deshalb sollen Einsiedler:innen und andere Leute aus Randgebieten nun in ihre Herkunftsgebiete zurückgeführt werden. Die Parteisäge soll zum Raumfahrtsbahnhof, Euba geflutet und Grüna vollständig entsiegelt werden, der Kaßberg soll einen Soli-Zuschlag für ärmere Stadtteile zahlen, Clubs sollen bessere Angebote für Senior:innen schaffen.<br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Die Plakate:</strong> Gehören eindeutig zu dem besten, was derzeit in Chemnitz hängt. Der Klassiker <em><strong>„Schlimm“</strong></em> fasst in der Chemnitzer Innenstadt alles perfekt zusammen.<em><strong> „Einer von hier“</strong> </em>ist auch super und Cedels <em><strong>„Authentisch“</strong></em> ist besonders unter Jens Kieselsteins Dreiklang <em><strong>„Ehrgeizig. Authentisch. Erfahren.</strong><strong>“</strong></em> perfekt platziert. <em><strong>„Unser Geld für unsere Leute“</strong></em> und <em><strong>„Wer CDU wählt, kann auch gleich Grün wählen“</strong></em> sind leider nicht von der Partei, sondern von der AfD, könnten aber genau so gut auch Satire sein. (Leider ernstgemeint)<br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wer die Partei wählen sollte:</strong> Ecke Bauer.</span></p>
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		<title>Wirkbau oder Die Fabrik: Welches Chemnitzer Maker-Mekka ist besser?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2024 14:03:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[Wohnungen in irgendwelchen angesagten Chemnitzer Stadtvierteln waren gestern, heute hat man Spaces (Büros) in sanierten oder halbsanierten Industriekomplexen (Fabriken). Man ist nicht mehr einfach nur &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Wohnungen in irgendwelchen angesagten Chemnitzer <a href="https://remarx.eu/2022/09/bruehl-gegen-kassberg-welches-viertel-ist-spiessiger/" target="_blank" rel="noopener">Stadtvierteln</a> waren gestern, heute hat man Spaces (Büros) in sanierten oder halbsanierten Industriekomplexen (Fabriken). Man ist nicht mehr einfach nur Mieter, man ist Maker — oder Member. Man hängt nicht mehr einfach nur mit den Leuten aus dem Kiez im Hinterhof ab, man networkt mit der Community in stylischen Areas. Man setzt sich nicht einfach nur mit dem Laptop in ein schickes Café, das es in Chemnitz gar nicht gibt, man arbeitet mit agilem Mindset an neuen Projekten und Innovationen. In welchem der drei coolen Chemnitzer Stadtviertel ihr wohnt, juckt also nicht mehr — was zählt, ist, wo ihr euren <a href="https://remarx.eu/2023/02/not-so-urban-dictionary-kuha-chemnitz-chemnitz-kuha/" target="_blank" rel="noopener">Makerspace</a> habt. </span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Hier stechen zwei große Player heraus: Die ehemalige Tüllfabrik an der Zwickauer Straße und der Wirkbau mit seinem schönen Turm, in beiden wurden früher Textilmaschinen produziert. Doch während die Fabrik gerade noch von Malte Ziegenhagen höchstpersönlich saniert wird und lautstark um potenzielle Maker wirbt, ist der Wirkbau schon fertig entwickelt und von sehr wichtigen Makern besiedelt. </span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Wir haben beide für euch auf wichtige Maker-Kritierien wie Mindset, LinkedIn-Potenzial, Nazi-Umfeld, Wellnessfaktor und Michael-Ballack-Galerien gecheckt.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Mindset: </span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Chemnitz zeichnet sich bisher eher durch seine Low-Performer-Mentalität aus: Geringes Durchschnittseinkommen, niedrige Mieten, auf den Straßen nur Skodas statt Porsches<span class="Apple-converted-space"> </span>unterwegs, kaum Achievements beim internationalen Fernverkehr, schlechte Performance bei sämtlichen Wirtschaftsrankings, die Maker meckern nur und die anderen Städte erwähnen uns nie in ihren LinkedIn-Beiträgen. Nur innerhalb der reichweitenstarken Nazi-Targetgroup performt die Stadt einigermaßen. Die Fabrik will das ändern und aus dem ewig lowperformenden Chemnitz eine echte Leadership-City mit agilem Mindset machen. Agil heißt im Fabrik-Kontext, dass man sich mit seinem Macbook auch mal demonstrativ ins Café-Fenster setzen kann, also das, was in „richtigen Städten“ schon seit 20 Jahren normal ist. Wobei „richtige Stadt“ eben eine Frage des Mindsets ist, und wenn wir alle nur genug Geld in unsere Fabrik-<a href="https://www.diefabrik.de/memberships" target="_blank" rel="noopener">Memberships</a> investieren, muss sich Chemnitz nie wieder mit richtigen Städten vergleichen. Das ist natürlich toll, aber am Ende dreht sich Chemnitz hier wieder nur um sich selbst, wie so viele notorische „Mindset“-Sager:innen. Der Wirkbau hingegen braucht gar kein Mindset, er ist einfach gefestigt in seiner Haltung: EUROPA steht in großen Leuchtlettern an der Fassade.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Fazit:</strong> Wenn Chemnitz irgendeine Art von Mindset braucht, dann ja wohl Europa.<b><span class="Apple-converted-space"> </span></b></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Dieser Punkt MUSS an den Wirkbau gehen. Wirkbau 1, Fabrik 0.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Publikum:<span class="Apple-converted-space"> </span></span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">In der die Fabrik trifft man LinkedIn-Poser und Peter Patt, im Wirkbau Leute aus New York und angesehene Leipziger Spinnerei-Akteure. Während sich in der die Fabrik mittelalte Männergrüppchen und selbsternannte Expert:innen gegenseitig KI-Bla und die laufende Niners-Saison erklären, diskutieren im Wirkbau kunstbeflissene Kulturkenner:innen darüber, ob die Nacktheit bei POCHEN-Peformances ein Akt der Subversion oder ein archaischer Affront ist, beides ist natürlich ähnlich anstrengend. Im Wirkbau klirren junge Menschengrüppchen mit Bierflaschen und reden berlinerisches Halb-Englisch bei überteuertem Flat White im Bohnenmeister, in der Fabrik werfen sich Baller gegenseitig leere Marketing-Buzzwords zu. In der Fabrik kann man dank „organisiertem Zufall“ der deutschen Designlegende Werner Aisslinger begegnen und ihn aus Versehen mit Lars Fassmann verwechseln, im Wirkbau legt Lars Eidinger auf. Im Wirkbau gibt es Mieter, in der Fabrik Member. In der Fabrik trifft man einen künstlichen Malte Ziegenhagen-Avatar, im Wirkbau den echten Osmar Osten.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b>Fazit: </b>New York ist cooler als LinkedIn, deshalb muss dieser Punkt wieder an den Wirkbau gehen. Wirkbau: 2, Fabrik: 0</span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12607" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/1.png" alt="" width="940" height="788" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/1.png 940w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/1-300x251.png 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/1-768x644.png 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/1-358x300.png 358w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /></p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Dachterrassen:<span class="Apple-converted-space"> </span></span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Die Fabrik hat natürlich gar keine Dachterrasse, sondern ein „Rooftop“, das sagt man so, wenn man schon mal „Die Höhle der Löwen“ geguckt und deshalb Ahnung von Investments hat. <i>„Unser Dach bietet mehr als nur eine Terrasse“</i>, steht auf der Webseite, nämlich einen Basketballplatz, eine Outdoor-Küche — also wahrscheinlich einen Webergrill — und die „Memberlounge“. Das klingt ein bisschen wie die DB Lounge, in die man nur reindarf, wenn man erste Klasse-Tickets gebucht hat, und ist deshalb bei „eat the rich&#8220; mitgemeint. Aber weil für Highperformer, wie man sie in der Fabrik nun mal trifft, der Sky das Limit ist, hat man von hier oben aus einen „einmaligen Ausblick auf die Kulturhauptstadt 2025“ — und auf das Jugendzentrum der Identitären Bewegung.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Ganz bodenständig hingegen der Wirkbau: Das Rooftop heißt hier ganz schlicht und bürgernah „Dachgarten“ und braucht gar keine exklusive Lounge, weil es mehr Bäume hat als der Chemnitzer Markt und mehr Stadtgrün als die gesamte Innenstadt und Atomino-Sommerfeste noch dazu. Ein echter Value für die Community, wie man drüben in der Fabrik sagen würde.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Fazit:<span class="Apple-converted-space"> </span></strong> Weil Dachterrassen grundsätzlich gut sind, gibt es einen Punkt für beide. Wirkbau 3, Fabrik 1<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<h2>Hier gibt es keine Treppen, hier gibt es nur Bulletpoints</h2>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">LinkedIn-Potential:<span class="Apple-converted-space"> </span></span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">LinkedIn, auch bekannt als Facebook für Businessboomer, ist der Dyson-Föhn unter den sozialen Netzwerken — angeblich total krass, am Ende kommt aber auch nur heiße Luft raus. In ihrer sich ewig selbstbestätigenden Inhaltslosigkeit sind LinkedIn-Posts aber fast schon eine eigene Kunstform, und diese Kunstform hat die Fabrik perfektioniert. Während der Wirkbau nicht mal ein eigenes LinkedIn-Profil hat (übrigens ein unterschätztes Qualitätsmerkmal), IST die Fabrik LinkedIn, aber als realer Ort. Heißt: Alle sind Expert:innen, Speaker, Leadershipper, Brand Visionär:innen oder Creative Creators also irgendwie wichtig, aber niemand weiß, wofür. Auf LinkedIn schreibt die Fabrik über sich selbst: „<i>Hier entsteht eine Community zum Vernetzen und Verwirklichen. Damit Visionen zu Realitäten werden. Und Verbindungen zu Innovationen“, </i>und mehr muss man auch gar nicht über LinkedIn wissen.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Fazit:</strong> In den Wirkbauhallen schallt’s zwar und vorm Atomino wird geraucht, in der Fabrik ist aber mehr Schall und Rauch: Hier gibt es keine Treppen, hier gibt es nur Bulletpoints und die führen alle nach oben. Punkt für die Fabrik. Wirkbau: 3, Fabrik: 2<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Nomads: </span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Es kann keinen geschäftigen Working-Business-Something-Space geben, ohne dass superwichtige Maker mit MacBook vor einer überteuerten Schüssel Salat sitzen. Dafür gibt es im Wirkbau — und im Rest der Stadt — eigentlich nur einen einzigen Ort, das <a href="https://www.nomad-chemnitz.de" target="_blank" rel="noopener">Nomad</a>. Das Nomad hieß früher ganz normal „Suppengrün“, hat sich dann einen fancy Namen gegeben und sorgt seitdem dafür, dass die ganze Stadt bald nur noch nach dem „Grilled Veggie“-Salat schmecken wird, auch die Fabrik. Denn dort soll es ebenfalls eine Nomad-Filiale geben, genauer gesagt eine „Nomad Bakery&#8220;. Das ist LinkedIn-Lingo und heißt übersetzt so viel wie „Bäckerei“. Für irgendein Brot und paar Zimtschnecken an einem angesagten Laden anstehen, das kannte man bisher eigentlich nur aus Berlin Mitte, aber weil in der Fabrik eben nicht nur Bread, sondern auch ein neues Chemnitzer Mindset gebaked wird, kann man das wahrscheinlich auch bald an der Zwickauer Straße tun. Das Haupt-Nomad, in dem es das beste Essen aller Nomads gibt, bleibt allerdings im Wirkbau — und hat zudem ein großes Avocado-Bild an der Wand, wie es sich für moderne Lifestyle-Kantinen gehört.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Fazit:</strong> Bakery ist ja ganz nett, aber Roulade ist besser. Der Punkt geht an den Wirkbau, die Fabrik bekommt einen halben Trostpunkt. Wirkbau: 4, Fabrik: 2,5.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12608" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/Design-ohne-Titel.png" alt="" width="940" height="788" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/Design-ohne-Titel.png 940w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/Design-ohne-Titel-300x251.png 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/Design-ohne-Titel-768x644.png 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/Design-ohne-Titel-358x300.png 358w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Berlinfaktor:<span class="Apple-converted-space"> </span></span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Die Fabrik macht einen auf Möchtegern-Soho-Haus, der Wirkbau einen auf Spinnerei Leipzig, nur ohne Leute. Beides ist natürlich ein bisschen peinlich und erinnert an den Monitoringbericht der EU-Kommission zur Kulturhauptstadt, in dem stand, dass das ganze Co-Working-Maker-Spaces-Ding ja wohl seit 20 Jahren durch sei. Nicht in Chemnitz, liebe EU-Kommission, nicht in Chemnitz. Hier geht es gerade erst los. Die Frage ist also: Wo fühlt es sich mehr an wie in Berlin? Wenn man im Bohnenmeister teuren Flat White trinkt und sich danach in der Galerie Borssenanger feministische Art von Osmar Osten anguckt — oder wenn man auf dem Fabrik-Rooftop gemeinsam mit dem Malte-Ziegenhagen-Avatar Körbe wirft und danach in der Pitch Area zusammen mit Diana zur Löwen Business-Ideen austauscht? Die Antwort: Wenn man im Atomino sitzt und durch die großen Fenster die Züge über den Bahnbogen fahren sieht.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Fazit:</strong> Das <a href="https://remarx.eu/2021/02/im-never-gonna-dance-again-eine-imaginaere-clubtour-durch-chemnitz/" target="_blank" rel="noopener">Atomino</a> rettet mal wieder die Stadt. Ein Punkt für den Wirkbau wegen Kunst, Kaffee und Bahnverkehr, ein halber für die Fabrik wegen Werner Aisslinger. Wirkbau: 5, Fabrik: 3</span></p>
<h2>Feministische Art oder Ideen pitchen mit Diana zur Löwen?</h2>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Wellnessangebote: </span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Arbeit ist nicht alles, wichtig ist auch, dass man sich in seiner Freizeit fit hält, um auf Arbeit besser performen zu können. Die Fabrik hat das erkannt, und baut sich ein schickes „Gym“ (das ist LinkedIn für Fitnessstudio) in den Keller, wo man seinen High-Protein-Performer-Body formen kann. Wer seine Kinder mit auf Arbeit nehmen möchte, kann sie im „Kids Space“ parken, wo sie mit Gleichaltrigen networken, sich gegenseitig kreative Ausmalideen pitchen und im Basketbällchenbad toben können. Wer wiederum auf regelmäßige Trinkkuren schwört, kann eine kostenlose Tee-, Wasser- und Kaffeeflat in Anspruch nehmen, vorausgesetzt, man bezahlt mindestens 120 Euro im Monat für eine Membership. </span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Der Wirkbau hingegen setzt auf die heilende Kraft der Tanztherapie: Hier kann man von Mittwoch bis Samstag im Atomino den Stress wegtanzen und bei einer anti-aryuvedischen Schnapskur der Besinnung entkommen. Den Tanzretreat bekommt man ab ca. 20 Euro pro Abend, inklusive Eintritt. Fortgeschrittene trainieren allerdings gegenüber im Tanzclub Orchidee.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Fazit:</strong> Die Wasserflat gibt’s zwar aus jeder handelsüblichen Leitung, aber für die fancy Fitte bekommt die Fabrik einen halben Punkt. Der Sieg geht trotzdem an den Workoutbau. Wirkbau: 6, Fabrik: 3,5</span></p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Expert:innendichte:<span class="Apple-converted-space"> </span></span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Klar, im Wirkbau sitzt mit Staffbase zwar das einzige Einhorn Sachsens und es gibt einmal im Jahr POCHEN-Veranstaltungen, die niemand versteht, aber die echten Expert:innen wird man zukünftig in der Fabrik treffen. Hier wird sich die geballte Chemnitzer Fachkompetenz versammeln, und zwar für alles, was gerade wirklich wichtig ist: KI, Basketball, Excel, Crypto, E-Mobility, Tech-Trends, Siebträgermaschinen, Mindset, Kulturhauptstadt, Paint, Creative Leadership, Outlook, Projekt Management, Mental Health, Teambuilding, Innovation, Investment, Fax, digitale Transformation, Entrepreneurship, das neueste Apple-Update, Tesla-Aktien, you name it.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b>Fazit:</b> Hier kann es also keine zweite Expert:innen-Meinung geben: Diesen Punkt schnappt sich die Fabrik. Wirkbau: 6, Fabrik: 4,5</span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12606" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/2.png" alt="" width="940" height="788" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/2.png 940w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/2-300x251.png 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/2-768x644.png 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/04/2-358x300.png 358w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /></p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Nazi-Umfeld:<span class="Apple-converted-space"> </span></span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Machen wir uns nichts vor, in Chemnitz ist natürlich immer Nazi-Umfeld. Die Frage ist also: Wo ist MEHR Nazi-Umfeld? Im unmittelbaren Wirkbau-Umfeld sieht man gehäuft CFC-Ultras-Sticker, aber die gibt es mittlerweile überall. Ansonsten ist der Wirkbau von Bernsdorf umgeben, das ist durchaus international, und von Altchemnitz, das ist einfach nur leer.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Die Fabrik hat ein bisschen mehr Pech: Die Zwickauer Straße ist, wie alle Chemnitzer Ausfallstraßen, vor allem ein verlängerter Minderwertigkeitskomplex in die nächstgrößere Stadt. Und dann eben ausgerechnet nach Zwickau. Dementsprechend dubios ist mitunter die Umgebung dort, irgendwie ein bisschen, naja, seltsam, wie zum Beispiel die Imbisse am Kappelbach. Und dann ist direkt gegenüber auch noch Schönau, wo neuerdings europäische Spitzen-Nazis nisten und sich ein neues IB-Nest hingebaut haben. </span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b>Fazit:</b> Zwickau schlägt Altchemnitz, Fabrik: 5,5, Wirkbau: 6</span></p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Michael-Ballack-Galerien: </span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Beide Kreativfabriken hatten unabhängig voneinander einst große Ambitionen — auf eine von unserem Micha höchstpersönlich betriebene Art-Gallery mit ausgewählten Werken aus der privaten Kunstsammlung der CFC-Wade der Nation. Allerdings gelten beide Pläne soweit wir wissen mittlerweile als gescheitert, dafür soll demnächst aber angeblich ein Matthias-Schweighöfer-Theater auf dem Kaßberg eröffnen. Jedenfalls: Schwach! Punktabzug für beide: Wirkbau 5, Fabrik 4,5</span></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Fazit:</strong> Der Wirkbau schlägt die Fabrik zwar ganz knapp, aber Expert:innen wissen, dass beide längst durch sind. Echte Maker investieren jetzt in einen szenigen <a href="https://remarx.eu/2020/12/bruehl-gegen-zietenaugustusburger-das-duell-der-szenestrassen/" target="_blank" rel="noopener">Sonnenberg</a>-Space in der Stadtwirtschaft oder melden sich zum 3D-klöppeln in einem gottverlassenen Maker-Hub im Erzgebirge an. Die<a href="https://www.stadtwirtschaft.org/konzept" target="_blank" rel="noopener"> Stadtwirtschaft</a> ist wie die Fabrik, nur mit noch besserem Nazi-Umfeld und noch leereren Floskeln („hier entsteht ein Treffpunkt für Produktion, kreatives Schaffen und Unterhaltung“) und dabei auch noch eine städtische Interventionsfläche. Sie kann Maker-Hemdsärmligkeit, Entrepreneurship und Akteurs-Wichtigkeit miteinander vereinen wie der Wirkbau und steht dabei der Fabrik in Sachen LinkedIn-Lingo in nichts nach. Hier gibt es drei Höfe, unterteilt nach beliebten „Macher:innen-Aktivitäten“, zum Beispiel den <em>„Eventhof: Flexibler Raum für Ereignisse, temporäre Events und performative Aneignung“</em> oder den „<em>Kreativhof: Kreativer Austausch zwischen Arealnutzer:innen und Besucher:innen.“</em><b> </b>Ihr wisst absolut nicht, was GENAU damit gemeint ist? Perfekt — das ist das Maker-Mindset für 2025. <span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
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		<title>Die Post der Moderne: Heute schlechte Gesellschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Feb 2024 14:34:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Chemnitzer Rathaus blinkt jetzt eine Leuchtschrift: bürokratieblaue Letter, kaum lesbar und trotzdem: wie am Times Square. Chemnitz, das New York des Ostens, wir haben &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Am Chemnitzer Rathaus blinkt jetzt eine Leuchtschrift: bürokratieblaue Letter, kaum lesbar und trotzdem: wie am Times Square. Chemnitz, das New York des Ostens, wir haben es schon immer gesagt. „Chemnitz, Kulturhauptstadt Europas“, sagt wiederum die Leuchtschrift. In 355 Tagen oder in 352 oder in 333 oder 33 oder 3, je nach dem, welcher Tag heute ist. Jedenfalls,<i> it’s the final Countdown, </i>und er hat begonnen, seitdem OB Svenni bei seinem Neujahrsempfang feierlich auf den Symbol-Knopf gedrückt und das letzte Level freigeschaltet hat. Der Countdown läuft bis zum 18. Januar 2025, wenn beim Kuha-Opening die große Makerparade über die Brückenstraße ziehen wird und die Freie Sachsen Trommelgruppe gleich hinterher. Das haben Kohlmann und Co. jedenfalls schon mal beziehungsweise <i>noch</i> mal <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/freie-sachsen-und-pro-chemnitz-kuendigen-erstes-stoerfeuer-fuer-kulturhauptstadt-an-artikel13213740" target="_blank" rel="noopener">angekündigt</a> — Chemnitz nimmt es mit der konsequenten Umsetzung des Bid Books eben sehr genau. Aber wahrscheinlich wird das alles gar nicht so schlimm, weil die Stille Mitte bei der Makerparade selbst gemakte Gegenstände in die Luft halten und damit endgültig rechte Strukturen zerschlagen wird. Und wenn dann ein Lichtkegel feierlich den Spruch „Maker aller Länder vereinigt euch“ zur Livemusik eines gecancelten Mannes auf die Parteisäge projizieren wird und wir alle kollektiv Gänsehaut haben, dann haben wir Chemnitz endlich durchgespielt. Das wird gut. Oder?<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;"><i>Oder?<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></i></span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;"><i>o d e r?<span class="Apple-converted-space"> </span></i></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Auf Instagram vermittelte die Stadt neulich eher einen gegenteiligen Eindruck: Wieder OB Svenni, dieses Mal<a href="https://www.youtube.com/watch?v=hpucM8cBlFE" target="_blank" rel="noopener"> in einem Video.</a> Er erzählt etwas zur Kulturhauptstadt. „W<i>arum sind denn gerade DIE Kulturhauptstadt geworden?“, </i>sagt er, als würde er selbst daran zweifeln, dann aber:<i> „Weil wir es unbedingt wollen“. </i>Dabei sieht er allerdings aus, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen, als hätte ihn jemand dazu gezwungen, das so zu sagen. Wie ein Kind, das in der Kita scharfe Aal-Suppe mit Spinatbrocken essen muss.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Ganz anders unser Ministerpräsident Micha, der in seiner <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8NbQ_lbh8x8" target="_blank" rel="noopener">Neujahrsansprache</a> entschlossen einen auf Rammstein macht, mit Helm im Stahlwerk, hinter ihm Funken und Feuer und Männer. Von ihm: Worte wie „Stolz, Leidenschaft, Deutschland, Arbeit“, eine Rede wie von Till Lindemann geschrieben. Das ist der Macher- und Mackergeist, den Chemnitz jetzt braucht. Denn eigentlich müssten wir alle längst fanatisch „Fetzt“-Schilder laubsägen, täglich unsere Euja-Hoodies auftragen, die Garage noch mal gründlich putzen, die Zweitwohnung schon mal auf Airbnb einstellen, uns das neue Bekenntnis-Herz auf den Oberschenkel tätowieren lassen. Eigentlich müsste die Stadt flirren vor nervösem Taten- äh Makerdrang. Eigentlich.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12589" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0121-scaled.jpeg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0121-scaled.jpeg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0121-300x200.jpeg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0121-1024x683.jpeg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0121-768x512.jpeg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0121-1536x1024.jpeg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0121-2048x1365.jpeg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0121-450x300.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Aber die Stimmung ist schlecht in der Provinz, in der Stadt, im ganzen Land. Zumindest wird das jetzt immer so gesagt, wie eine Anti-Affirmation inmitten der TikTok-esoterischen Manifestationsmantren. Die schlechte Stimmung, das ist der neueste Hauptstadttrend, den alle unreflektiert mitmachen: Schnauzbärte, schwarze Steppjacken, als Social-Media-Aktivismus getarnter Antisemitismus. Und jetzt hängen, passend zur Rückkehr der Nullerjahre-Baggypants, auch noch die Mundwinkel ganz weit unten. Warum? Weil alles so schlecht ist hier bei uns in Deutschland. Danke, Ampel!<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Klar, Ukraine, Afghanistan, Hamas-Terror, Gaza zerbombt, Jemen, Sudan, Klimawandel und so, aber uns hier, uns trifft das alles am härtesten. Denn wer denkt an unseren Wohlstand? Wer schützt unsere Konten? Wer rettet unsere Kalbsschnitzel?</span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Im Oberopferland Sachsen ist natürlich alles besonders schlecht: die Ampel, die Ausländer, die anderen. Nie ging es uns schlechter. Darauf erstmal den Dritt-SUV aus der Ebersdorfer Eigenheimgarage holen und raus aufs Feld dieseln, noch mal 1000 Euro wegböllern, als Zeichen gegen die da oben. Unzufriedensein aus Prinzip. Von Umsturzplänen faseln und Nazis wählen wollen, weil sich dann die Komplexität der Welt sofort in braune Luft auflöst und alles besser wird.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Und ja, vieles ist teurer geworden, und ja, viele Menschen sind von Armut betroffen. Aber laut sind vor allem die anderen. Laut oft sind die, die Angst davor haben, einen Teil ihres Wohlstandes abgeben zu müssen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">In Chemnitz ist die Stimmung wie die Stadt selbst: irgendwie grau, irgendwo dazwischen. Vielleicht geht es bergab mit der Stadt, denn alles schließt, der Mäcces, Vapiano, Jysk, die Hälfte der Läden am Rosenhof ist dicht, und wenn etwas neu eröffnet, dann ist es direkt ein Jugendzentrum der IB. Vielleicht geht es aber auch bergauf mit der Stadt, denn die Kulturhauptstadt kommt und mit ihr die Touristen und überhaupt, der <a href="https://remarx.eu/2023/11/die-post-der-moderne-kein-herz-fuer-baeume/" target="_blank" rel="noopener">Marktbaum</a> zeigt schon erste Knospen in dieser baumfeindlichen Umgebung, wenn das mal kein Zeichen ist. Trotzdem bleibt die Euphorie gedämpft,<span class="Apple-converted-space"> </span>weil auch über der Kulturhauptstadt das demokratische Damoklesschwert namens „Superwahljahr“ hängt, das in Sachsen zum „Supergauwahljahr“ werden könnte. Wie wird das mit der europäischen Kulturhauptstadt, wenn sich die Mehrheiten im Stadtrat und im Landtag ändern? Welcher Ministerpräsident schüttelt am 18. Januar 2025 internationale Maker-Hände?<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<h2><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Das Zeitalter des rauchlosen Lulatsch </span></h2>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Immerhin: In Chemnitz ist ein neues Zeitalter angebrochen. Nein, nicht das Zeitalter des Wassermanns, von dem jetzt auf TikTok alle faseln. Chemnitz hat natürlich ein eigenes Zeitalter:<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">In Chemnitz steht Pluto jetzt im Zeitalter des rauchlosen Lulatsch. Dort stand er zuletzt vor der Industrialisierung, also bevor sich die Stadt zum sächsischen Manchester und zu internationaler Größe aufschwang. Zeitalter-Expert:innen sind sich noch uneinig, ob das Zeitalter des rauchlosen Lulatsch nun Aufschwung oder Untergang der Stadt bedeutet. Bei einem sind sich allerdings sicher: Das Zeitalter des rauchlosen Lulatsch wird ein revolutionäres Zeitalter, nicht nur wegen des damit verbundenen <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/braunkohle-heizen-energie-waerme-koehleausstieg-100.html" target="_blank" rel="noopener">Braunkohleausstiegs der eins energie</a> und weil es dem Lulatsch gelungen ist, nach Jahrzehnten des Ketterauchens von einem Tag auf den anderen rauchfrei zu werden, sondern </span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">auch wegen seiner provokativ bunten Farben, die im traditionell grau geprägten Chemnitz schon immer als revolutionär galten.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12590" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0106-scaled.jpeg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0106-scaled.jpeg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0106-300x200.jpeg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0106-1024x683.jpeg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0106-768x512.jpeg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0106-1536x1024.jpeg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0106-2048x1365.jpeg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2024/02/DSCF0106-450x300.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Und tatsächlich: Seitdem das Heizkraftwerk Chemnitz-Nord am 18. Januar – genau ein Jahr vor Kuha-Opening (Zufall oder Chiffre?) — heruntergefahren wurde, laufen die Dinge in der Stadt anders: <span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Einerseits gibt es eine schleichende Übernahme durch das Erzgebirge. Nicht nur durch die auefarbenen Arme des Purple Path, die auch Teile von Chemnitz immer fester umklammern, sondern auch durch <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/caf-emmas-onkel-auf-dem-chemnitzer-kassberg-hat-einen-neuen-betreiber-artikel13228531" target="_blank" rel="noopener">erzgebirgische Gastronomen</a>, die hier plötzlich eine Kneipe nach der anderen übernehmen, unter anderem <a href="https://remarx.eu/2018/05/draussen-vor-emmas-onkel-eine-anleitung-zum-szenischen-sitzen/" target="_blank" rel="noopener">Emmas Onkel</a> auf dem Kaßberg. Der Kaßberg wird also erzgebirgifiziert. Was kommt als nächstes: Klöppel-Spaces, Hutzn-Brunch, Prepper-Bar, Schwurbel-Trommel-Kurs? Was auch immer es ist, es deutet eher auf den Untergang der Stadt hin.<br />
</span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Andererseits: Direkt am Sonntag nach der Lulatschabschaltung waren 12.000 Menschen gegen Rechtsextremismus <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/extremismus-chemnitz-erneut-demo-gegen-rechts-in-chemnitz-rund-2100-teilnehmer-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-240124-99-739656" target="_blank" rel="noopener">auf der Straße</a>, am Mittwoch danach noch mal rund 2000. Die VHS eröffnet eine Jugendkunstschule. Und: Sogar OB Svenni kümmert sich plötzlich um <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/nach-umfrage-schock-in-chemnitz-wie-die-stadt-auch-fuer-junge-leute-attraktiver-werden-will-artikel13226150" target="_blank" rel="noopener">die Bedürfnisse der fünf verbliebenen Jugendlichen</a> in der Stadt. Das wiederum deutet eher auf Aufschwung hin.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif;">Hoffen wir also, dass es der rauchlose Lulatsch gut mit uns meint.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
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		<title>Die Post der Moderne: Kein Herz für Bäume</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Nov 2023 17:35:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein altes Chemnitzer Sprichwort sagt: „Eine Stadt sollte in ihrem Leben drei Dinge tun: Ein Kellnbergerhaus bauen, einen Marktbaum pflanzen und einen Maker zeugen.“ Seitdem &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Ein altes Chemnitzer Sprichwort sagt: „Eine Stadt sollte in ihrem Leben drei Dinge tun: Ein Kellnbergerhaus bauen, einen Marktbaum pflanzen und einen Maker zeugen.“<br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Seitdem nun also Anfang November auf dem Chemnitzer Markt ein Baum gepflanzt wurde, ist Chemnitz endlich die perfekte Stadt und mindestens so alpha wie all die Männer, die ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt und, ganz wichtig, einen SOHN gezeugt haben. Aber weil Chemnitz immer noch Chemnitz ist, treibt die Baumpflanzung natürlich seltene Blüten in den kommunalen Kommentarspalten: Die Chemnitzer:innen sind wie immer unzufrieden mit ihrem Baum. Chemnitz gilt generell als sehr baumkritische Stadt: Wie oft wurden hier schon unschuldige vogtländische Fichten als „Krücken“ oder „Krüppel“ beschimpft, nur weil sie nicht dem erzgebirgischen Weihnachtsbaum-Maß-Index entsprechen?<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Dass nun ausgerechnet das vermeintlich harmlose Thema Baum die Boomer triggert, hätte man also ahnen können. Denn was ist ein Baum, also im besten Fall? Genau: Ein Baum ist <i>grün.</i> Und Grün sein ist einfach schwierig in Sachsen. In der anti-grünen Säge-Sachsen-Logik macht ein Baum nicht etwa Schatten oder saubere Luft oder Lebensraum für Vögel und Insekten, nein — ein Baum macht vor allem <i>Dreck.<span class="Apple-converted-space"> </span></i></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12561" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8670-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8670-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8670-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8670-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8670-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8670-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8670-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8670-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Jetzt steht in unserer ohnehin sehr empfindlichen Innenstadt, die ja schon dreckig und gefährlich genug ist, also auch noch ein Baum. Eine Silberlinde um genauer zu sein, eine aus Südosteuropa eingewanderte Art, die — wir wissen es jetzt schon — im Sommer ihre lästigen Lindenblüten einfach so auf den Boden werfen und dort liegen lassen wird. Die die unzähligen Autos, die täglich auf dem Markt parken, schmutzig machen wird, oder, noch schlimmer, Kratzer durch herabfallende Zweige verursachen und später keine Verantwortung dafür übernehmen wird. Die Silberlinde wirft jetzt schon ihren Schatten voraus, denn niemand hat uns gesagt, wann die Linde eigentlich blüht, nämlich im Juli: Genau, das Weinfest ist in Gefahr. Lindenblüten im Grauburgunder, Lindenblüten als Langostopping, Lindenblüten auf dem Pflaster, auf dem man dann betrunken ausrutscht. Und überhaupt: das Laub. Leute. DAS LAUB!? Wie viele laute Laubbläser wird es in Zukunft brauchen, um den Marktplatz vom Lindenlaub zu befreien und was bedeutet das für unseren <a href="https://remarx.eu/2019/12/wiki-how-chemnitz-ueber-den-mittelaltermarkt-laufen-ohne-die-pest-zu-bekommen/" target="_blank" rel="noopener">Weihnachtsmarkt</a>? Kann es überhaupt noch einen Weihnachtsmarkt geben, wenn drei Lindenblätter auf dem Pflaster liegen und den Marktplatz verschmutzen? Fragen, auf die es noch keine Antwort gibt, aber eines ist klar: All das würde nicht passieren, wenn man eine trockene Thuja gepflanzt oder ein hübsches Schotterbeet angelegt oder einen der Bäume aus dem versteinerten Wald hingestellt hätte.</span></p>
<h2>Die wenigsten wussten es bisher: Bäume wachsen</h2>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Dann gibt es noch die andere Fraktion, die sich daueraufgeregt darüber empört, dass der Baum zu klein ist, typisch Chemnitz, und so was will Kulturhauptstadt werden?<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Auch wir haben uns den Baum ehrlich gesagt ein bisschen größer vorgestellt, haben gedacht dass ein spektakulärer Schwertransport eine rustikale dreihundertjährige Eiche anschleppt oder eine gigantische Trauerweide mit Ästen, die so schlecht gelaunt über dem Marktpflaster hängen wie die Chemnitz-Fressen der Passanten. Jetzt, wo wir das aufschreiben, fällt uns auf, wie naiv das war. Bäume sind erstens teuer, Bäume haben zweitens Wurzeln und können nicht so einfach hin und her gepflanzt werden und drittens, und das wussten bisher die wenigsten: Bäume <i>wachsen</i>.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Vor allem die Silberlinde wächst, sie ist wachstumsstärker als die deutsche Automobilindustrie, macht 40-60 cm im Jahr (für Pflanzen ist das sehr sehr gut) und ist außerdem besonders beliebt bei Hummeln. Was will man eigentlich mehr? Ach ja. Mehr Bäume will man, ein paar Buddys für unsere kleine Silberlinde. Aber der strenge Haushaltsplan von Sparstrumpf-Svenni sagt dazu leider nein. Wir mögen den Marktbaum jedenfalls, auch wenn (oder weil) er wahrscheinlich großes Meme-Potenzial hat. Er tut uns nur ein bisschen leid, weil er da so ganz alleine steht. Außerdem machen wir uns ein bisschen Sorgen: Dass ein Grünhassender ihn nachts brutal absägt oder dass sich Proteste vor dem Baum formieren, dass es aufgeheizte „Wider Stamm“-Rufe gibt oder dass Käse Maik bei seiner umjubelten Rückkehr auf den Chemnitzer Wochenmarkt den Baum aus Versehen einfach umfährt. Vor allem aber machen wir uns Sorgen, dass der Baum allein in endlos trockenen Hitzesommern auf einem schattenfreien Marktplatz leiden muss.</span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12562" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8694-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8694-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8694-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8694-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8694-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8694-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8694-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8694-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Themawechsel: Und zwar hat Chemnitz ja auch eine Handvoll Jugendliche, die in Zukunft hemmungslos unter dem Baum herumlungern <i>könnten. </i>Wenn sie nicht zu sehr damit beschäftigt wären, aus Chemnitz wegziehen zu wollen. Was fällt ihnen ein, jetzt wo Chemnitz ein<span class="Apple-converted-space"> Lichterfest und ein Leuchtherz hat?<br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Jedenfalls hat die Stadt neulich eine Jugendumfrage gestartet, sage noch mal jemand die Stadt tue nichts für ihre Jugend, und 6000 Fragebögen an Jugendliche im Alter zwischen 16 und 19 Jahren geschickt. Etwa 1800 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück — und das Ergebnis ist bitter: Fast <a href="https://www.chemnitz.de/chemnitz/media/aktuell/umfragen/jugendumfrage_auswertung_2023.pdf">80 Prozent aller Jugendlichen</a> wollen vielleicht oder sicher weg aus Chemnitz. </span></p>
<h2>Alle, die mal einen Nagel eingeschlagen haben, sind plötzlich Maker</h2>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Unter anderem wurde gefragt, was wichtig ist, damit junge Menschen in der Stadt bleiben, und die Antwort wird niemanden überraschen, außer Sven Schulze. Neben beruflichen Perspektiven sind das nämlich vor allem: Kultur, Veranstaltungen, Events und Festivals. Also Hutfestival, Weindorf, Rod Stewart Revival, Maker-Folklore, Kastelruther Spatzen und Brauereimeile – was die Trendsetter-City Chemnitz eben so kulturell für junge Menschen zu bieten hat.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Auch noch wichtig waren unter anderem: Freizeitmöglichkeiten (Schlüpfermarkt, Parkeisenbahn und Eisenbahnmuseum Hilbersdorf), Shopping (Kik, Tedi und Pepco) oder Nah- und Fernverkehr (Citybahn nach Aue). Gar nicht wichtig hingegen war: Beteiligung. Das ist lustig, weil: Die europäische Kulturhauptstadt, die Chemnitz ja vor sich selbst retten soll, vor allem auf <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/chemnitz-stollberg/kulturhauptstadt-chemnitz-gelebte-nachbarschaft-kultur-news-100.html" target="_blank" rel="noopener">provinzielle Partizipationskonzepte</a> setzt und allen, die mal irgendwann einen Nagel eingeschlagen haben, plötzlich den Maker-Stempel aufdrückt. Das ist okay, kann aber nicht alles sein. Denn es will gar nicht jeder immer Maker sein, sondern ganz oft auch einfach nur User. Auch wir haben gar keinen Bock auf Lötkolben, 3D-Druck und Klöppelstuhl, wir wollen einfach nur Kultur konsumieren. Popkultur oder geile provokative Kunst, es kann gerne politisch sein oder auch nicht, es sollte nur keine Angst vor Haltung haben und nicht ständig ängstlich vor potenziellen Facebook-Boomer-Kommentaren einknicken.</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">OB Svenni, der Mann, der das einzige Angebot für junge Menschen dieser Art quasi gecancelt hat und die Jugend nun aus der Stadt spart, zeigt sich jetzt natürlich total verwundert von den Umfrage-Ergebnissen: Er sei überrascht, dass Heimatverbundenheit für die Jugendlichen nicht so wichtig ist wie Kultur, Festivals, Shopping, Freizeit und…was wars noch? Ach ja, Perspektive. <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/umfrage-unter-chemnitzer-jugendlichen-ueberrascht-oberbuergermeister-fast-90-prozent-der-abiturienten-wollen-wegziehen-artikel13119655">Das sagte er ernsthaft</a> der Freien Presse.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Aber: Er sehe die Ergebnisse als Handlungsanweisung. Immerhin. Vermutlich wird er aber eher an der beruflichen Perspektive (Wirtschaft) schrauben, als auch nur irgendwie an der Kultur.<span class="Apple-converted-space"><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12564" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8665-scaled.jpeg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8665-scaled.jpeg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8665-300x200.jpeg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8665-1024x683.jpeg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8665-768x512.jpeg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8665-1536x1024.jpeg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8665-2048x1365.jpeg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/11/DSCF8665-450x300.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Zum Schluss noch eine Meldung aus der viel gefürchteten Sprachdiktatur. Man darf ja heutzutage gar nichts mehr sagen, „CDU-Politiker:innen“ zum Beispiel. Das soll jetzt verboten werden – von CDU-Politiker:innen. Die CDU will der Stadtverwaltung <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/chemnitzer-cdu-will-dem-rathaus-das-gendern-verbieten-artikel13122744" target="_blank" rel="noopener">das Gendern verbieten</a>, weil geschlechtergerechte Sprache ja bekanntermaßen das größte Problem unserer Zeit ist. Und weil Chemnitz als Stadt derart fortschrittlich ist, dass hier permanent rücksichtslos gegendert wird, als gäbe es keinen Duden mehr. Zum Beispiel manchmal in Insta-Posts der Stadtverwaltung. Zu viel für die CDU, die jetzt einen auf Zwickau machen und die schlimme Sprachdiktatur, unter der wir hier alle leiden, verbieten will. Richtig so! Der Fortschritt der Gesellschaft lässt sich nur noch mit Verboten bremsen. Das hat auch OB Svenni erkannt, und bleibt, obwohl er selbst  kein Freund des Genderns ist, erstaunlich stabil: Er hat der CDU das Genderverbot einfach verboten. </span></p>
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		<title>Die Post der Moderne: Aber hier leben, nein danke</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Aug 2023 21:02:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[Wo liegt eigentlich die schwierigste Stadt Deutschlands? Duisburg soll ja ziemlich schlimm sein oder Gelsenkirchen, andere würden Kassel sagen, vielleicht sogar Berlin. Es gibt Menschen, &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wo liegt eigentlich die schwierigste Stadt Deutschlands? Duisburg soll ja ziemlich schlimm sein oder Gelsenkirchen, andere würden Kassel sagen, vielleicht sogar Berlin. Es gibt Menschen, die<span class="Apple-converted-space"> </span>finden München schwierig: die Mieten, die CSU, die Lederhosen, das Austernschlürfen vorm Dallmayr und so. Und überhaupt: Beim Thema schwierige Stadt müssen wir dringend über <a href="https://remarx.eu/2022/04/prunks-not-dead-wie-viel-chemnitz-steckt-in-dresden/" target="_blank" rel="noopener">Dresden</a> reden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Vielleicht müssen wir aber auch mal wieder über uns selbst reden, also über Chemnitz, denn Süddeutsche, FAZ und co. sind sich sicher: Die schwierigste Stadt Deutschlands – das <i>muss</i> Chemnitz sein. „<a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/frederic-bussmann-kunstsammlungen-chemnitz-afd-rechtsextremismus-karlsruhe-1.6083279" target="_blank" rel="noopener">Ein Gespräch über eine der schwierigsten Städte Deutschlands“</a>, schrieb die Süddeutsche im Teaser für ein Interview mit Frédéric Bußmann, einem, der es nicht geschafft hat auf dem harten Pflaster des deutschen Pjöngjangs. Die FAZ, anderes Blatt, selber Autor, betitelte ihre Chemnitzer Ortsbegehung mit <i>„<a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/chemnitz-wie-kann-die-stadt-zur-kulturhauptstadt-werden-19068763.html" target="_blank" rel="noopener">Bitte heute kein ‚Sieg Heil‘-Gebrülle</a>“.</i> Dabei geht es in dem Artikel eigentlich um was anderes, um die Kulturhauptstadt. Aber weil es ein Text über <i>Chemnitz<span class="Apple-converted-space">  </span></i>ist, muss es automatisch immer auch um Nazis gehen, das erzählt sich einfach besser. Die Geschichte ist quasi schon fertig, bevor die Reporter:innen überhaupt aus der MRB geklettert und einmal mit wichtigen Akteuren über die von Baggern und Beef aufgewühlte Zietenstraße spaziert sind. Mittlerweile ist das fast schon ein eigenes journalistisches Genre: Ost-Stadt-Porn. Und weil Ost-Stadt-Porn sells, also Nazis gut klicken, und der August 2018 demnächst fünf Jahre alt wird, ist Chemnitz so heiß wie eh und je: Die Platten, die Nazis, die Neunziger, die bittere Ironie des Karl-Marx-Monuments, von wegen schwierig. Keine Stadt ist als Thema für eine Ost-Stadt-Porn-Reportage mit Gefahrenzuschlag so dankbar wie Chemnitz.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12533" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8639-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8639-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8639-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8639-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8639-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8639-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8639-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8639-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p>Wir hier in Chemnitz wissen das längst, also das mit der schwierigsten Stadt der Welt. Chemnitz, die härteste Tür des Landes, das Berghain als Stadt, die anderen sollen erstmal rankommen, die Gelsenkirchens und Duisburgs und Hannovers und Münchens dieser Welt.<span class="Apple-converted-space"> </span>Wir kämpfen uns Jahr für Jahr durch acht Monate grau vernieselten Chemnitzer Herbst,<span class="Apple-converted-space"> </span>nur der nukleare Winter ist schlimmer. Wir erleiden regelmäßig heftige Cringe-Krämpfe, wenn sich das Stadtmarketing mal wieder was Belebendes für unsere hoffnungslose Innenstadt ausgedacht hat. Wir werden in einem Moment von ungeahnten Großstadtgefühlen überwältigt, und im nächsten Augenblick schlagen wir uns auf dem brutalen Beton die Hoffnung blutig, wenn montags versprengte Faschos mit Freie Sachsen-Fahnen unbehelligt durch Innenstadt laufen. Wir müssen die Präsentkörbe der Stadt Chemnitz ertragen und dem OB dabei zusehen, wie er Rasen mäht, Pizza backt, dem Bundeskanzler zur Begrüßung eine Fitflasche schenkt, der CWE die Schuld für alles gibt. Und wenn wir mit dem Zug in die weite Welt reisen wollen, werden wir von der MRB härter durchgeschüttelt als Oppenheimer von der Detonationswelle seiner beschissenen Bombe. Wir sind trotzdem noch da. Manche sind sogar freiwillig wieder zurückgekommen, in eine der schwierigsten Städte Deutschlands. Aber schon Frank Sinatra sang über Chemnitz: &#8222;<i>If you can’t make it here, you won’t make it anywhere.&#8220;</i></p>
<p>Nun waren die letzten Chemnitz-Wochen besonders schwierig, was am Sommerloch lag. Die Süddeutsche würde schreiben: Ein Text über das Leben in einem der schwierigsten Sommerlöcher Deutschlands. Denn seit Ende Juni klafft in Chemnitz ein veranstaltungsloser Krater in dreifacher Größe des neuen Conti-Lochs am tietz. Kein Kosmos, kein Anstehen an der Käse Maik Schlange, keine nennenswerten Konzerte, die Clubs dicht, die Lieblingskneipen im Urlaub, stattdessen: Hundert Wochen Weindorf. Dort musste die Jugend nun verdursten, in diesem auch popkulturell sehr trockenen Sommer – oder sich direkt in die Alkoholabhängigkeit treiben lassen. Eine Chemnitzer Tragödie.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Doch seit letzter Woche hat sich das Chemnitzer Sommerloch schlagartig in Berliner Luft aufgelöst, und das liegt an dem Mann, der immer zur Stelle ist, wenn Chemnitz mal wieder vor sich selbst gerettet werden muss: Lars Fassmann.<span class="Apple-converted-space"> </span>Der Projekthaussegen hängt schief in Fassmanien, <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/spaeti-schliessung-auf-dem-chemnitzer-sonnenberg-streit-zwischen-zwei-vereinen-laesst-projekt-platzen-artikel12996829" target="_blank" rel="noopener">und jetzt muss der Späti schließen</a>. Weil die einen die Küche nicht geputzt haben und die anderen nie zum Plenum gekommen sind oder so, ein bisschen wie bei einem Studi-WG-Streit um den Gemeinschaftsraum – und natürlich um die Haushaltskasse. <span class="Apple-converted-space"> </span>Die Stadt ist jedenfalls tief gespalten, entweder ist man jetzt Team Fassmann oder Team Späti. Ein Riss geht durch die Bubble, ein bisschen so wie damals mit der Judäischen Volksfront und der Volksfront Judäa.<span class="Apple-converted-space"> </span>Wobei eine ganz neue Front auf den Plan getreten ist, die AFA. Das steht in Chemnitz neuerdings für <a href="https://www.tag24.de/chemnitz/lokales/gute-zieten-schlechte-zieten-spaeti-zoff-auf-dem-sonnenberg-2917455" target="_blank" rel="noopener">Anti-Fassman-Aktion</a> oder für Akteur-Fight-Arena, ersterer wiederum nimmt’s nicht mit Humor und hat direkt eine Anzeige rausgeballert. Der Akteursbeef bedeutet vor allem eines: Das Ende des <a href="https://remarx.eu/2018/08/sonnenberg-vs-kassberg-das-duell-der-hoods-im-faktencheck/" target="_blank" rel="noopener">Sonnenbergs</a>, wie wir ihn aus den immer gleichen Ost-Stadt-Porn-Reportagen kennen, und auch generell. Im Kreativ-Königreich bröckeln die labilen Strukturen wie der Putz von den halbsanierten Wohnungs-Wänden. Der Sonnenberg ist durch, aber war der Sonnenberg jemals richtig da?<span class="Apple-converted-space"> </span>Dafür schlägt jetzt die Stunde der anderen Stadtteile: Der Brühl strauchelt und könnte eine Späti-Spritze gebrauchen, Bernsdorf hat auch nicht viel zu bieten. Die Akteure könnten aber mal was Neues probieren, das Yorckgebiet zum Beispiel oder Hilbersdorf als neuen Sonnenberg etablieren. Völlig unberührt von all dem bleibt der Kaßberg, der die anderen Stadtteile nur von oben herab belächelt, er hat schon viele Akteure kommen und sich zerstreiten sehen. Der Kaßberg ist trotzdem wieder da. Aber war der Kaßberg jemals richtig weg?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12535" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8641-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8641-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8641-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8641-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8641-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8641-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8641-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/08/DSCF8641-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p>Vielleicht gilt Chemnitz auch deshalb als eine schwierigsten Städte Deutschlands, weil es sich seit Jahren in endlosen Umlaufbahnen um sich selbst dreht, und zwar ausschließlich. Aber nun ist Chemnitz ja europäische <a href="https://remarx.eu/2023/02/not-so-urban-dictionary-kuha-chemnitz-chemnitz-kuha/" target="_blank" rel="noopener">Kulturhauptstadt</a> geworden, um sich nach außen zu öffnen und sich mal ein paar neue, weitläufigere Umlaufbahnen zu suchen. Doch was macht die Stadt stattdessen? Genau, sie dreht sich noch viel härter um sich selbst als die vom Weindorf beschwipsten Säulen des Manifold-Marktplatz-Brunnens. Die Umlaufbahn, auf der Chemnitz um sich selbst kreist, wird immer kleiner.<span class="Apple-converted-space"> </span>Großes Gejammer, mehr Befindlichkeiten als bei einem fünfwöchigen Poetry-Slam-Festival, eine Opfermentalität, wie man sie sonst nur aus Dresden kennt, und dann das ewig-nörgelige Beteiligungs-Geweine. Die Selbstbezogenheit der Stadt sorgt zunehmend dafür, dass das „europäisch“ in „Europäische Kulturhauptstadt“ für „egal“ steht. Dabei hat sich Chemnitz auch genau deswegen für den Titel europäische Kulturhauptstadt beworben: Damit „Leute von außen“ kommen und neue Impulse mitbringen. Weil Chemnitz das von alleine eben nicht so richtig schafft.<span class="Apple-converted-space"> </span>Nun sind wieder mal „Leute von außen“ gekommen, das mag man ja generell nicht so gerne in der Stadt: Die EU-Kommission hat sich mal den aktuellen Kuha-Stand angeguckt. Das Fazit: Chemnitz fehlt das Europa-Mindset, der ganze Co-Working-Maker-Quatsch ist voll 2010, man solle sich doch bitte ans Bid Book halten und ein ordentliches Projektmanagement wäre auch nicht schlecht. Trotzdem alles entspannt,  ist ja noch bisschen Zeit bis 2025, für Projektmanagement gibt&#8217;s tolle Tools und internationale Netzwerke brauchen wir hier nicht. Schließlich sind wir eine Stadt, in der aus einem pseudo-spanischen Restaurant (Hispano) ein internationales Schnitzelparadies wird. Wenn ihr euch jetzt fragt, was &#8222;internationale (?) Schnitzel (?)&#8220; überhaupt sein sollen und euch dabei ein leicht ungutes Gefühl überkommt: Willkommen in einer der schwierigsten Kulturhauptstädte Deutschlands.</p>
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		<title>Die Post der Moderne: Krise kann auch geil sein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 May 2023 18:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Mann ist in der Krise. Also angeblich – und nicht unbedingt in Chemnitz: Männer profilieren sich durch Kulturprojekte und Rennradrunden, Männer bilden Männerbanden, Männer machen &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Der Mann ist in der Krise. Also angeblich – und nicht unbedingt in Chemnitz: </span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Männer profilieren sich durch Kulturprojekte und Rennradrunden, Männer bilden Männerbanden, Männer machen komische Sachen, anstatt in Therapie zu gehen, Männer sind wie im Herbert Grönemeyer-Song, Männer sind schließlich auch nur Menschen. Und wenn Männer mal gendern müssen, sind manche von ihnen derart verunsichert, dass sie ein eigenes Festival brauchen, um ihre männliche Mitte wieder zu finden. In Chemnitz steigt am Wochenende deshalb das erste <a href="https://maennerfestival.in-chemnitz.de" target="_blank" rel="noopener">Männerfestival</a> – und damit ist nicht etwa die Kulturhauptstadt (das ist das <a href="https://remarx.eu/2022/04/die-post-der-moderne-mackers-united/" target="_blank" rel="noopener">Makerfestival</a>) oder ein lokaler Ableger des Southside/Hurricane gemeint, sondern ein esoterisches Männlichkeitsfest in der Holzkirche, unten am Kappelbach, wo die maskulinen Energien noch im Fluss sind.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><i>„Wir möchten Euch Männern mit diesem Männerfestival wieder zu Eurer ureigenen Kraft zurück führen. Ihr bekommt einen lebendigen und intensiven Eindruck davon, wie sich kraftvolle, herzliche und selbstbestimmte Männlichkeit anfühlt“, </i>steht auf der Webseite des Männerfestivals. Das klingt nach Pick-Up-Artist-Party, nach testosteronsüchtigen „Do you even lift?“-Pumpern, nach Rare-Medium-Ribeye Ron Swansons, ein bisschen auch nach Berlin Mitte-Life-Crisis, kommt aber aus der Öko-Esoterik-Ecke. Man wird nicht so richtig schlau, ob die männlichen Energien, die hier freigesetzt werden sollen, einfach nur super achtsam und spirituell, leicht rechtsdrehend oder doch nur im normalen Maß unterschwellig frauenfeindlich sind. Das Männerfestival ist ein Ort, wo der vom modernen Leben völlig weichgespülte Krisen-Mann beim schamanischen Tantra-Ecstatic-Kakao-Ritual lernt, endlich wieder Mann zu sein. Hier kann er all seine Unsicherheiten, Selbstzweifel, Unmännlichkeiten und Tränen — also alles, was eigentlich völlig normal sein sollte im Leben — in Schwitzhütten, bei Feuerläufen und Männerkreisen meditativ wegatmen. Hier gibt es sie noch, die Räume, in denen Männer endlich mal geschützt unter sich sein können, fernab vom fiesen Feminismus — genau das, was die Welt jetzt dringend braucht.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Angeblich wird dabei auch toxisches Verhalten entgiftet, aber wenn man sich auf der Webseite des Männerfestivals herumtreibt, sich die Referenten und ihre spirituellen Vorbilder anguckt und dabei selbst ein bisschen abdriftet in eine Welt voller Schamanismus, Männermantras, <a href="https://malevolution.org/wp-content/uploads/2023/03/MALEvolution_Eventkalender_2023.04.htm" target="_blank" rel="noopener"><i>„Digitaler Patriarchen“ </i></a>und Blogbeiträge über Frauen <a href="https://www.maennlichkeit-staerken.de/mann-sein/nie-mehr-mr-nice-guy/" target="_blank" rel="noopener"><i>als Test-Objekte </i></a>für das gesteigerte <a href="https://www.maennlichkeit-staerken.de/mann-sein/maennlichkeit-leben/" target="_blank" rel="noopener"><i>Männlichkeits-Game</i></a>, mannifestiert sich eher ein gegenteiliger Eindruck. Die Inhalte sind auch Männern gegenüber problematisch: Es geht um &#8222;Krieger-Energie&#8220;, Körperlichkeit, kraftvolles Mann-Sein, Kettensägen, Wildnis, Feuer, es geht darum, die alten Rollenbilder aufzubrechen und sie noch archaischer zu machen.</span></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><span class="Apple-converted-space"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12452" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8267-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8267-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8267-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8267-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8267-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8267-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8267-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8267-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><a href="https://maennerfestival.in-chemnitz.de/2023/04/03/fabian-edzard-schneider/" target="_blank" rel="noopener">Fabian Edzard Schneider</a> zum Beispiel ist so ein wichtiger Alphafestival-Akteur und nebenbei Betreiber der Webseite „Mann im Glück“ sowie Coach für das „MenEncounter“-Training. Dort lernt Mann unter anderem, seine Stimmung <i>„nicht mehr von den Launen seiner Frau abhängig zu machen“</i> oder nicht mehr <i>„klein beizugeben bei attraktiven Frauen und dominanten Männern“</i>. Wer einmal durch so ein Männertraining gegangen ist, wird nicht nur zum von jeglicher Unsicherheit befreiten „ganzen Mann“, sondern kann dabei auch „echte Männergemeinschaft“ erleben — ganz normaler Chemnitzer Politik- und Kultur-Alltag eigentlich.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Das Männerfestival ist ein Festival für Männer, von Männern. Also eigentlich wie jedes andere Festival auch höhö, aber mit NOCH besserem Programm: Es gibt „Der Wilde Mann – Kraftvolles und körperbewusstes Mannsein lebendig erfahren“, es gibt „Bogenschießen“ mit Danilo Magister, „Axtwerfen, Kettensägen“, und „Kakao-Zeremonie und Ecstatic Dance“ mit Renè Schliwinski, und wir schwören, dass wir uns das nicht ausgedacht haben.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Ein weiterer Mann ist in der Krise, und die Rede ist natürlich von Käse Maik. Denn bei Käse Maik sorgt der <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/kehrt-kaese-maik-auf-den-chemnitzer-wochenmarkt-zurueck-artikel12856847" target="_blank" rel="noopener">Fachmäusemangel</a> (die beiden Verkäufer gehen in Rente und es gibt bisher keine Nachfolger:innen) dafür, dass auf dem Chemnitzer Markt vorerst nicht mehr die Löcher aus dem Käse fliegen. <a href="https://www.tag24.de/chemnitz/lokales/chemnitzer-traurig-kaese-maik-verlaesst-den-wochenmarkt-2812348" target="_blank" rel="noopener">Chemnitz ist erschüttert</a> — der Brie Bro vom Brühl Bro ist schließlich Teil der urbanen Identität. Brutaler rechter Übergriff im März? Schulterzucken, joa schon blöd, aber so ist das halt in Chemnitz. Kein Käse Maik auf dem Markt mehr: WAS WIRKLICH ERNSTHAFT? ACH DU SCHANDE WEINEMOJI.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Natürlich kann man ins Head-Quarter nach Wittgensdorf fahren, aber das ist erstens ganz schön umständlich und zweitens einfach nicht dasselbe. Es läuft aktuell nicht gut für Chemnitz, könnte man meinen: Menschen, die zu Gast sind, werden von Nazis verprügelt, weil sie Englisch sprechen, über rechte Gewalt wird lieber geschwiegen, gleichzeitig werden dem Kosmos, dem Festival für Demokratiebildung, die Gelder gestrichen, niemand versteht, was die Kulturhauptstadt eigentlich so treibt — und dann muss man für das ganz besondere Käse Maik Markterlebnis jetzt auch noch nach Zwickau oder Leipzig fahren, ausgerechnet.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12449" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8180-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8180-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8180-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8180-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8180-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8180-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8180-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/05/DSCF8180-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Andererseits läuft es ganz gut für Chemnitz, könnte man auch meinen: Überall wird gebaut, was man durchaus als Zeichen des Fortschritts und Wohlstands deuten kann. Die Gentrifizierung schreitet voran und damit auch die richtige Stadt-Werdung – in Chemnitz weiß man allerdings nie so richtig, ob man das geil finden soll oder ob man lieber ranziger Underdog bleiben will. Weil der Chemnitzer Lokalpatriotismus wirklich seltsame Beton-Blüten treibt, freut man sich in der Stadt über den jährlichen <a href="https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2023/03/drogen-report-studie-eu-berlin-kokain-mdma-hauptstadt-spitzenplatz.html" target="_blank" rel="noopener">Abwasser-Meth-Report</a> mindestens genau so, wie über einen Play-Off-Platz der Niners. </span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Die wichtigste Nachricht: Erfurt ist endlich geschlagen im Abwasser-Ranking und Chemnitz führt wieder bei den Meth-Rückständen in Deutschland, belegt sogar europaweit einen soliden fünften Platz. Neu, und da wären wir beim Thema Gentrifizierung, ist aber: Bei den Kokain-Rückständen rangiert Chemnitz nun auf Platz zehn. Also auf Platz zehn von insgesamt zehn teilnehmenden Städten oder so, die Teilnahme am Abwasser-Controlling ist ja freiwillig, aber hey: Jedes Ranking, in dem Chemnitz überhaupt vorkommt, ist ein gutes Ranking.<span class="Apple-converted-space"> </span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Jedenfalls ist Chemnitz jetzt endgültig wie Berlin, und man ahnt, was der Stadt als nächstes droht: Meth-Häuser werden für viel Geld schick saniert und müssen teuren Kokain-Buden weichen, der Sonnenberg wird unbezahlbar, aus den bodenständigen Meth-Bikes werden bonzige Koks-Taxis, der Camp David Fraktur Swag weicht einem luxuriösen  Ed Hardy/Philip Plein Schick und so weiter. Und weil die urbane Chemnitz-<span class="Apple-converted-space">Identität aus DREI Säulen besteht, nämlich dem Meth-Problem, Käse Maik und der MRB nach Leipzig, zum Schluss noch eine Meldung aus dem Hogwarts- bzw. Horror-Express:<br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Der Spiegel empfiehlt die Strecke Leipzig-Chemnitz als eine der <a href="https://www.spiegel.de/reise/deutschland/49-euro-ticket-die-schoensten-strecken-fuer-das-deutschlandticket-von-sylt-bis-zu-den-alpen-a-12fdc578-52a8-4bd9-8324-c34cb7500210" target="_blank" rel="noopener">„schönsten Bahnstrecken für das 49-Euro Ticket“</a> und schreibt dazu: „<i>Mindestens bis ins Jahr 1980 zurück geht die etwa einstündige Zeitreise im RE6. Die Waggons, gezogen von einer Diesellock, kommen noch aus DDR Produktion.“ </i>Abgehängt-Sein, aber als nostalgischer Trend. Bald werden reihenweise Reiseblogger diesem ganz besonderen Gefühl der Rückständigkeit hinterher jagen und mit Selfie-Drohnen und GoPros und Leipziger Iced-Latte in die MRB steigen und dann werden sie in Chemnitz landen, also vielleicht, wenn sie Glück haben. In dieser Stadt, die immer noch selbstzweifelnd zwischen zwei Welten hängt, zwischen der urbanen und der dörflichen.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
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		<title>Canceln kommt von Chemnitz: Zehn Chemnitzer Cancel Szenarien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Apr 2023 17:10:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[Canceln, die von der CDU gefürchtete, mittlerweile gängige Kulturtechnik, gilt im trendresistenten Chemnitz nach wie vor als neumodisches Großstadt-Phänomen, das man höchstens aus Berlin oder &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Canceln, die von der CDU gefürchtete, mittlerweile gängige Kulturtechnik, gilt im trendresistenten Chemnitz nach wie vor als neumodisches Großstadt-Phänomen, das man höchstens aus Berlin oder entlegenen Twitterblasen kennt. Chemnitz macht bei so was nicht mit: Hier dürfen Freiwild noch völlig unbehelligt in der städtisch betriebenen Messe auftreten, hier werden noch ordentliche Nazi-Devotionalien auf dem Flohmarkt verkauft, hier kann man die fünf Meter zum Bäcker noch ungestört mit dem SUV fahren, ohne dabei von nervigen Lastenrad-Grünen gestört zu werden, hier ist mit „vegetarisch“ noch saftiges Hühnerfleisch gemeint. Doch selbst an Chemnitz geht das moderne Leben nicht komplett spurlos vorbei — erst kamen die E-Roller, dann kam die Fernzuganbindung, dann kommen Mietpreise über fünf Euro warm und bald erreicht vermutlich auch die Cancel Culture die Stadt. Erste Anzeichen dafür gab es, als Martin Sonneborn nicht im Weltecho, aber Uwe Steimle im Kraftwerk auftreten durfte. Um die Stadt besser darauf vorzubereiten und ihr die Angst vorm Cancel-Gespenst zu nehmen, haben wir zehn mögliche Chemnitzer Cancel-Szenarien der nahen Zukunft aufgeschrieben. Wer wird gecancelt und wenn ja, was sagt Richard David Precht dazu? Wer radikalisiert sich, wer landet bei Lanz, wer schafft es nicht über tag24-Clickbait hinaus? An wem geht die Cancelung spurlos vorbei und wer muss die Stadt schlagartig verlassen? Unsere rein hypothetischen und doch greifbar nahen Chemnitzer Cancel-Szenarien verraten es euch.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Lulatsch</strong><b><br />
</b></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>wird gecancelt weil:</strong> bei der Sendung mit der Zwangsmaus ein im Heizkraftwerk-Chemnitz Nord gedrehter Beitrag über die Arbeit kommunaler Stadtwerke läuft, bei dem die bunte Esse mehrfach groß eingeblendet wird. Zufällig stößt der reaktionäre Detektiv Julian Reichelt auf seiner Suche nach Spuren von „Gender-Gaga&#8220; im Öffentlich-Rechtlichen auf den Beitrag und wittert in der Esse ein queeres Phallus-Symbol sowie gebührenfinanzierte Gaypride-Propaganda und Gefährdung des heteronormativen Kindes- und Chemnitzwohls. Ulf Porschardt pflichtet ihm bei, die BILD schickt ihren besten Mann, Paul Ronzheimer, nach Chemnitz, der am Chemnitztal-Radweg Stimmen der Einheimischen einfangen will, dabei aber mehrfach fast von verbissenen Rennradmännern umgefahren wird. Der WDR Kinderchor fährt auch nach Chemnitz und singt dort live den provokativen Song „Meine Oma fährt in Regenbogenfarben Elektro-Fahrrad“, woraufhin konservative Kräfte auf Twitter endgültig hyperventilieren.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie er die Cancelung übersteht:</strong> Die Stadt Chemnitz veröffentlicht ein Statement auf Twitter, mit dem sie sich deutlich zum Lulatsch und seinen Farben bekennt, eins energie launched zusammen mit Unknown Basics eine neue Lulatsch-Kollektion, die innerhalb weniger Minuten komplett ausverkauft ist, der DFB lässt plötzlich Lulatsch-Solidaritäts-Trikots anfertigen und das Maskottchen Schorsch bekommt eine Hauptrolle im satirischen Böhmermann-Musical „Braunkohlewittchen und die sieben Farben“ und avanciert zum Star. <span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12437" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7141-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7141-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7141-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7141-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7141-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7141-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7141-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7141-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Peter Patt</strong><b><br />
</b></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>wird gecancelt weil:</strong> er nach einem harten Mausrutscher auf Facebook aus Versehen in einen Weltecho-Post für eine feministische Podiumsdiskussion stolpert und dort einen erzkonservativen Abtreibungsgegner-Kommentar hinterlässt. Bei der anschließend heiß aufflammenden Kommentarspalten-Diskussion stellt sich heraus, dass der Kommentar gar kein unglücklicher Mausrutscher, sondern ein Statement aus tiefster Überzeugung war. Will daraufhin auch zur Podiumsdiskussion eingeladen werden, aber zwei Teilnehmerinnen drohen öffentlich mit ihrer Absage, falls sie ihr Podium mit Peter Patt teilen müssen, weshalb Peter Patt nicht etwa aus-, sondern gar nicht erst eingeladen wird. Die CDU Sachsen gibt sich beleidigt, schreibt auf ihrem Facebook-Account etwas von „Aushöhlung der Demokratie durch Links“. Friedrich Merz wird eingeflogen und verspricht Peter Patt bei einem gemeinsamen, söderesk deftigen Abendessen in der „Ausspanne“ saftige Karrierechancen auf Bundesebene.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie er die Cancelung übersteht:</strong> geht mit Micha Kretsche gemeinsam in grünen Partner-Jacken auf „So geht Sächsisch“-Tour und wird 2024 trotzdem oder vielleicht auch deswegen wieder mit Direktmandat in den Landtag gewählt, hat dank des Einsatzes von Friedrich Merz plötzlich <i>sehr</i> gute Chancen auf den Bundesvorstand der CDU.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Die Theater Chemnitz<span class="Apple-converted-space"> </span></strong><b><span class="Apple-converted-space"><br />
</span></b></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>werden gecancelt weil:</strong> Nachdem die Robert Schuhmann Philharmonie von der Cancel Culture völlig unbemerkt ein Werk des antisemitischen NS-Sympathisanten Kurt Atterberg <a href="https://www.theater-chemnitz.de/spielplan/detailseite/skrjabin-schnittke-atterberg/11781" target="_blank" rel="noopener">aufführen konnte</a> (ja, wirklich), versuchen <i>Die Theater Chemnitz</i> nun noch größere Geschütze aufzufahren, um auch endlich mal ins über die Chemnitzer Grenzen hinaus strahlende Cancel-Rampenlicht zu rücken oder wenigstens mal kurz im landesweiten Feuilleton stattzufinden. Dafür ziehen sie wirklich alle Register und kündigen ein großes Winnetou-Open Air mit Dieter Nuhr in der Rolle des American Native-Häuptlings und Till Schweiger als Old Shatterhand auf dem Theaterplatz an. Der gewünschte Empörungs-Effekt bleibt jedoch aus: Die Tickets sind innerhalb von Sekunden ausverkauft, Gunter Emmerlich und Jan Josef Liefers übernehmen Gastrollen, Michael Kretschmer kündigt seinen Besuch an und die Theater feiern sich für den großen kommerziellen Erfolg. Die zwei bis drei üblichen engagierten Twitterlinken regen sich zwar kurz auf, aber der große Aufschrei bleibt aus. Erst, als die Chemnitzer Theater die exklusive Produktion „August 2018 – das Musical“ ankündigen, bebt das Chemnitzer Internet bis nach Berlin, sogar die taz berichtet, Dr. Dittrich ist zu Gast bei Markus Lanz und ZDF aspekte dreht endlich mal eine Sendung in Chemnitz.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie sie Cancelung überstehen:</strong> werden von der Stefan Heym Puppe zur Räson gebracht und sagen „August 2018 – das Musical“ wieder ab.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Chemnitzer MdBs:<br />
</span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>werden gecancelt weil:</strong> eine in Chemnitz frisch gegründete Gruppe junger Klimakleber:innen an einem Montagmorgen um 6:26 Uhr am Chemnitzer Hauptbahnhof den IC nach Berlin mit Bautzner Senf beschmiert und die Schiene blockiert, um auf die traurige Fernverkehrs-Situation der Stadt aufmerksam zu machen. Ein MdB (SPD), der sich davon persönlich angegriffen fühlt, poltert auf Twitter „von selbstgefälligen Idioten, die die Sicherheit jetzt sogar im Bahnverkehr gefährden“. Ein Chemnitzer Blog zitiert den Tweet mit der Anmerkung, wo nichts an Zügen fahre, könne man auch nichts gefährden und gießt noch mal extra Öl ins Social Media-Fegefeuer. Zwei überengagierte Twitterlinke weisen auf den Gebrauch ableistischer Sprache hin, weshalb eine heftige „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Diskussion die Drukos erschüttert und sich mit schweren Boomer-Vorwürfen vermischt. Ein anderer Chemnitzer MdB (FDP) mischt sich ein und plötzlich wird aus der Protestform-Kritik eine „Das wird man ja wohl noch fahren dürfen“-Debatte über Verbrenner und E-Fuels. Der SPD-MdB und die IC-Kleber:innen erkennen, dass sie eigentlich dasselbe wollen und schießen daraufhin gemeinsam gegen die hoffnungslose FDP-Verkehrspolitik.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie sie die Cancelung überstehen:</strong> Beide sind Männer und müssen sich eigentlich keine Sorgen machen. Der SPD-Mann hat Chemnitz außerdem bei der letzten Bundestagswahl vor einem bösen AfD-Debakel gerettet – die versuchte Cancelung lässt ihn am Ende so kalt wie der ICE den Chemnitzer Hauptbahnhof.</span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12438" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/F23BD574-6992-425D-85B6-85682A420E2E-7834-000021D6BE70B357-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" /></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Miko Runkel:</strong><b><br />
</b></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>gecancelt weil:</strong> Tag24 in dem Artikel <i>„Drei Jahre Corona-Wahnsinn: Diese irren Maßnahmen gab es in Chemnitz“</i> daran erinnert, dass es im zweiten oder dritten Lockdown in der Chemnitzer Innenstadt mal ein hartes Verzehrverbot gab, in dessen Rahmen der Ordnungsbürgermeister a.D. eigenmächtig illegale Bratwurstesser abmahnte. Daraufhin flutet eine Gruppe militanter Schnitzelboomer die tag24-Facebook-Kommentarspalte mit „Jetzt erstmal ein 50000kg Dry-Age-Rib-Eye-Steak“-Sprüchen, die noch mal extra mit „Grüne Verbotsdiktatur“ mariniert und mit Impfperialismus-Schwurblerei gepfeffert werden. In der Telegram-Gruppe „Chemnitz steht auf“ verbreitet sich die Verschwörungstheorie, die Stadtverwaltung plane ein generelles Bratwurst-Verbot in der gesamten Chemnitzer Innenstadt und wolle im Rahmen des „Great Meatset“ alle saftigen Steaks durch trauriges Tofu ersetzen. Die militante Schnitzelboomer-Szene radikalisiert sich in der neuen Telegram-Gruppe „Chemnitz isst Wurst“. Miko Runkel, der verlauten lässt, dass er selbst gerne auch die ein oder andere Roster verzehre und der eigentlich nah dran am reaktionären Schnitzel-Boomer ist, avanciert zu einer schrägen Ikone des Chemnitzer Linksliberalismus, weil es sonst auch nicht so viele gibt.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie er die Cancelung übersteht:</strong> verkleidet sich als Überwachungskamera und taucht für unbestimmte Zeit (Karnevalssaison) in Düsseldorf ab.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Brühl Bro </strong><b><span class="Apple-converted-space"><br />
</span></b></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><b>wird</b> <strong>gecancelt weil:</strong> Die Freie Presse bei einer investigativen Recherche herausfindet, dass der Brühl Bro gar nicht hinter einer angesagten Rebel Art Fassade auf dem Brühl, sondern in einer schicken Vier-Zimmer Altbau-Wohnung auf dem Kaßberg lebt und sich den jugendlichen Slang des Szeneviertels nur angeeignet hat, um auf dem Brühl fett Geld zu verdienen. Im Chemnitzer Feuilleton entbrennt daraufhin eine stark intellektualisierte Debatte über die Zusammenhänge von Gentrifizierung und kultureller Aneignung. Diese geht sogar soweit, dass das Ur-Kaßberger CSG-Maskottchen „Herr Buntspecht“ in der Süddeutschen Zeitung einen Kommentar über das Konzept Maskottchen und hyperlokale Identität veröffentlicht, der auf Twitter allerdings auf große Kritik stößt, weil man in Chemnitz offenbar nicht verstanden zu haben scheint, was kulturelle Aneignung wirklich bedeutet. Ein paar beleidigte Brühlbewohner:innen wollen sich von einem Kaßbär nicht sagen lassen, wie cool ihr Viertel zu sein hat, und entfernen das Brühl-Bro Antlitz nachts heimlich vom Studenten-Wohnheim.<br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie er die Cancelung übersteht:</strong> mit einer halbherzigen Nonpology, die für noch mehr Gespött im Netz sorgt, weshalb er auf den Sonnenberg zieht und sich dort ein neues, szenefreies Leben im Zietentreff aufbaut. </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Osmar Osten:<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>wird gecancelt weil:</strong> er bei einer<b> </b>„Viva la Vulva “-Ausstellung völlig unbeeindruckt die Druckgrafik „Menschen mit Gebärmutter trinken kein Bier“ zeigt, von der man einfach nicht weiß, ob sie brillant oder problematisch ist. Fünf FLINTA-Aktivist:innen sind sich sicher: Die Grafik ist problematisch! Als Osmar Osten daraufhin zwei Wochen später seine neue Druckgrafik „Wirf nicht die FLINTA ins Korn“ präsentiert, kommt es vor der Galerie Borssenanger zu Protestaktionen und Sprühkreide-Sprüchen. Die Galerie versucht elegant abzulenken und zeigt zur Beruhigung stattdessen Friedenspfeife rauchende Tiere von Jan Kummer. Die Chemnitzer Kunstsammlungen wittern endlich ihre große Chance auf Wahrnehmung in der internationalen Kunstbubble und laden zu einer von Matthias Zwarg moderierten Podiumsdiskussion namens „Ist das Kunst oder kann man das canceln?“ ein, die alle bisherigen Podiumsdiskussions-Besucherrekorde bricht und sogar live auf MDR Kultur übertragen wird. Auf dem Podium: Osmar Osten, der scheidende Generaldirektor Frédéric Bußmann, ein Typ vom Peng!-Kollektiv, Alexander Ochs und ein Veranstalter der Documenta 15, natürlich alles Männer. Nicht eingeladen werden z.B. die Flinta-Aktivist:innen, die die Kunst kritisiert hatten – typisch Chemnitzer Kulturhauptstadt. <span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie er die Cancelung übersteht:</strong> mit einer weiteren Druckgrafik „Heute gecancelte Gesellschaft“, von der man einfach nicht weiß, ob sie nun brillant oder problematisch ist.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12436" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7146-scaled.jpg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7146-scaled.jpg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7146-300x200.jpg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7146-1024x683.jpg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7146-768x512.jpg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7146-1536x1024.jpg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7146-2048x1365.jpg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/04/DSCF7146-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong><br />
Matthias Schweighöfer</strong><b><br />
</b></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>wird gecancelt weil:</strong> er eine neue eigene Hollywood-Produktion ankündigt, bei der er natürlich Hauptrolle, Drehbuch und Regie übernimmt. In der autobiografisch angehauchten Action-Komödie „Ravenstone“ soll es um eine Jugend in Chemnitz gehen, inklusive peinlicher Nackt-Szene am Stausee Rabenstein und „Speed“-ähnlicher Action-Romantik-Busfahrt über den Sonnenberg. Ganz Chemnitz ist super aufgeregt: Eine Hauptrolle in Hollywood hat man sich hier schon immer heimlich gewünscht. Doch als sich herausstellt, dass der Film größtenteils in L.A. und teilweise in Görlitz gedreht werden soll, ist die Enttäuschung groß. „<i>Ausgerechnet: Unser Mann in Hollywood verrät seine Heimatstadt“ </i>titelt tag24, Sachsen Fernsehen fragt: „<i>Warum Görlitz?“</i> und ein Blog merkt an, dass die Produktions-Entscheidung durchaus Sinn mache, weil Chemnitz ja ohnehin das „L.A. des Ostens sei“ – nämlich eine Stadt, in der alle mit fetten Autos herumfahren und niemand läuft. Als Schweighöfer dann bei Jimmy Fallon zu Gast ist und Witze über „the city with the three Os“ macht, implodiert der <a href="https://remarx.eu/2020/06/abgefakt-der-chemnitzer-minderwertigkeitskomplex/" target="_blank" rel="noopener">Chemnitzer Minderwertigkeitskomplex</a> endgültig. Die Stadt Chemnitz veröffentlicht ein aufwendig produziertes Promo-Video namens „Hollywood loves C“, in dem sich verschiedene Akteur:innen zu ihrer Stadt bekennen und bekannte Filmszenen vor dem &#8222;I Love C&#8220;-Fotopoint nachspielen. <span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie er die Cancelung übersteht:</strong> bietet OB Svenni eine Gastrolle in „Ravenstone“ an, bei der Svenni sogar seine Amtskette tragen darf. Der OB nimmt dankend an und wird zum internationalen Meme.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">Nischel<br />
</span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>soll gecancelt werden, weil:</strong> AfD und Freie Sachsen im Nischel ein Symbol des Faschismus sehen, der ja bekanntermaßen von Links kommt, und ihn deshalb abreißen lassen wollen, was teilweise zu Unmut in den eigenen Reihen führt, da viele Nazis nicht mehr wissen, wo sie sonst aufmarschieren sollen. Auch die FDP sieht in ihm ein untragbares Überbleibsel des Unrechtsstaates DDR, vor allem aber die kapitalismusfeindliche Glorifizierung der furchtbaren Gratismentalität, die Deutschland zu ruinieren droht, und wendet sich an Mathias Döpfner mit der Bitte, die BILD möge den Nischel wegschreiben. Als eine kleine Gruppe anders linker Aktivist:innen daran erinnert, dass Marx teilweise rassistische und antisemitische Einstellungen vertrat und das Monument nun vor allem einen traurigen Ruf als Nazi-Versammlungsort habe, ziehen Kohlmann und co. ihre Abriss-Petition wieder zurück, weil ihnen das mit dem Rassismus dann doch ganz gut gefällt — oder doch nicht, weil man mit der Antisemitismus-Erzählung den Linken ihren Marx gut madig machen kann. Am Ende sind alle völlig verwirrt: Ist der Nischel noch cool oder nicht? Wer missbraucht den Marx-Kopf hier für welche Zwecke? Muss das ganze Marx-Merch jetzt aus den Läden genommen werden? Darf man überhaupt noch Karl-Marx-Stadt sagen? Was passiert mit dem Marxkottchen der Niners? Gibt es bei der Frage überhaupt richtig und falsch? Die Debatte, ob das Marx-Monument nun abgerissen werden sollte oder nicht und vor allem, aus welchem legitimen Grund, erschüttert nicht nur das Freie Presse Feuilleton, sondern auch die Lesermeinungen und die internationale Socialist Modernism Community auf Instagram.<br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie er die Cancelung übersteht:</strong> mit der inneren Emigration zur Stillen Mitte — er verschwindet einfach wieder unter einem riesigen aufblasbaren Hut und betrinkt sich hemmungslos auf dem Weindorf.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;">re:marx<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></span></strong><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>soll gecancelt werden, weil:</strong> der Blog einen Text über Chemnitzer Cancelungen veröffentlicht, bei dem einige nicht so richtig wissen, über wen genau sich re:marx hier eigentlich lustig macht. Antwortet daraufhin genervt, das sei doch klar und ignoriert oder muted sämtliche kritische Kommentare. Als sich re:marx dann letztendlich doch wie immer in feiger Anonymität mit „Satire“ rechtfertigt, kommentiert das Antigewalt-Büro, man solle noch mal überdenken, ob man wirklich so viel besser sei als z.B ein Uwe Steimle. Auf Twitter teilen fünf Leute den Tweet „Warum der Cancel-Text von re:marx problematisch ist. Ein Thread.“<br />
</span><span style="font-family: helvetica, arial, sans-serif;"><strong>Wie re:marx die Cancelung übersteht:</strong> tut so, als wäre ihm alles egal, weint dann aber drei Wochen lang durchgehend und zieht prophylaktisch auf unbestimmte Zeit nach Leipzig. Langweilt sich in der richtigen Stadt aber schnell und feiert nach nur zwei Wochen sein Comeback in Chemnitz. Dort ist die Schmach eh schon längst wieder vergessen, weil die Kulturhauptstadt-GmBH uns Uwes, also Dziuballa und Steimle, zu einem launigen Stille Mitte-Humorabend ins Headquarter eingeladen hat und Boomer in den buntesten Beigetönen Schlange von der Schmidtke-Bank-Passage bis zur Kaßberg-Auffahrt stehen. Die Social Media Luft brennt und re:marx muss diese natürlich sofort mit befeuern. </span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Post der Moderne: Autokratie Chemnitz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Mar 2023 21:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[Zuerst die gute Nachricht: Man muss sich als Klima-Aktivist:in nicht umständlich auf die Straße kleben, um in Chemnitz von aggressiven Autofahrer:innen überfahren zu werden. Es &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zuerst die gute Nachricht: Man muss sich als Klima-Aktivist:in nicht umständlich auf die Straße kleben, um in Chemnitz von aggressiven Autofahrer:innen überfahren zu werden. Es reicht schon, wenn man die Straße einfach nur zu Fuß überquert, an der Ampel, bei Fußgänger-Grün. Überhaupt muss man in dieser Stadt nicht mal unbedingt Klima-Aktivist:in sein, um regelmäßig von aggressiven Autofahrer:innen umgefahren zu werden – es reicht, wenn man einfach nur zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist. Wobei das nach Chemnitzer Maßstäben auch schon eine Art Klima-Aktivismus, ach was, Klima-Terrorismus ist, denn Chemnitz ist eine gottverdammte Autokratie. So ereignete sich vergangenen Freitag beim Klimastreik folgendes: Die Fridays For Future-Demo überquerte eine grüne Fußgänger-Ampel.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Das geht natürlich zu weit – vor allem, weil die Demonstrierenden dabei auch noch provokante „Verkehrswende jetzt!“-Schilder trugen, anstatt endlich mal „ordentlich arbeeten zu gehen“, weshalb einige wutverdieselte Chemnitz-Fressen extra hart aufs Gaspedal traten und beinahe absichtlich ein paar Jugendliche <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/jugendliche-demonstrieren-in-chemnitz-fuer-verkehrswende-und-werden-mehrmals-fast-ueberfahren-artikel12745741" target="_blank" rel="noopener">überfahren hätte</a>n. <i>They kinda had it coming</i>, wie irgendjemand in eurer Lieblingsserie jetzt abgeklärt und kaltherzig sagen würde, weil sie mit ihrem grünem Lastenradikalismus und &#8222;hysterischen&#8220; Zukunftsängsten unseren hart arbeitenden Autos die Parkplätze wegnehmen wollen. Zu allem Auspuff-Überfluss formiert sich <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/bald-klebeaktionen-in-der-stadt-letzte-generation-wird-in-chemnitz-aktiver-artikel12746748" target="_blank" rel="noopener">jetzt auch noch die Letzte Generation</a> so langsam in Chemnitz, die Stadt macht sich also bereit für die größte Boomer-Eskalation seit dem versunkenen Skoda im Schlossteich. Die Facebook-Kommentarspalten glühen schon mal vor, Gott weiß, was passiert, wenn der Lulatsch mit Kartoffelbrei beworfen oder das &#8222;I Love C&#8220; mit Fake-Kohle beschmiert oder, am allerschlimmsten, der Autoverkehr kurz aufgehalten wird. Am Wochenende gab es bereits den ersten Vorgeschmack auf das potentielle, vermutlich nie dagewesene Empörungs-Eskalations-Niveau, nämlich bei den überaus aggressiven<a href="https://www.tag24.de/chemnitz/politik-wirtschaft/nach-oel-aktion-vorm-bundestag-chemnitzer-fdp-politiker-nennt-letzte-generation-abschaum-2767049" target="_blank" rel="noopener"> Reaktionen</a> diverser <a href="https://www.freiepresse.de/meinungen/kommentare/schlicht-unfassbar-zur-kritik-chemnitzer-abgeordneter-an-klima-aktivisten-artikel12750335?cvdkurzlink=t&amp;ref=share_twitter" target="_blank" rel="noopener">Chemnitzer MdBs</a> auf die Grundgesetz-Aktion, die man vielleicht streitbar oder drüber finden kann, die im Grunde aber völlig harmlos war. Am Ende stellt sich die Frage, wer hier eigentlich <em>&#8222;hysterischer&#8220;</em> ist: Die Menschen, die um ihre Zukunft, oder die Menschen, die um ihre Autos fürchten.<br />
Doch Chemnitz kann sich entspannt im Fahrersitz zurück lehnen, denn hier gilt zum Glück immer noch das deutsche Grundgesetz, Artikel 1: <i>Das Abgas des Autos ist unantastbar. </i>Es gilt auch die Wandtattoo-Maxime: „<i>Lebe stets so, dass Volker Wissing stolz auf dich wäre“</i>, und das Wandtattoo wirkt, denn Volker Wissing macht jetzt Verkehrspolitik nach Chemnitzer Modell: Wenig Deutsche Bahn, viel deutsche Autobahn. Der geplante Deutschlandtakt der Bahn soll bald nach Vorbild des Chemnitzer ICEs fahren, nämlich erst 2070, beziehungsweise nie. Dafür sollen wiederum die Autobahnen nach Vorbild der Chemnitzer Brückenstraße ausgebaut werden, nämlich zehnspurig. Da passt es auch gut, dass die geldgebeutelte Kulturhauptstadt bei VW, also bei Volkswagen, nicht bei Volker Wissing, angeklopft und nach Geld gefragt hat, was total Sinn macht – denn was könnte besser zu Chemnitz passen, als ein Sponsoring der Automobil-Industrie? Wir freuen uns jetzt schon auf die <em>VW-Kulturhauptstadt 2025</em>, die Allianz-Arena der europäischen Kulturprojekte: 3000 Garagen, aber als dezentrales Autohaus, Tanzen am Tempolimit im Garagencampus, die European Peace Ride rollt mit PKWs nach Pilsen und schnallt sich ihre 5000 Euro Carbon-Maschinen einfach auf die Dachgepäckträger. Die frisch gepflanzten Apfelbäume werden wieder gefällt, weil man Parkplätze braucht und die FDP investiert ihre Aktienrente in ein zukunftsfähiges c-Fuel aus Apfelsaft. Der OB präsentiert den neuen VW-Kuhareq in sieben exklusiven Speziallackierungen, das Hup-Festival feiert Straßenmusik mal anders, die Befahrungen bringen neues Leben in stillgelegte Parkhäuser und die Tankstellen verkaufen ein eigens gemischtes Kultur-Benzin, von dem jeweils ein Euro pro Liter an die Auto-Lobby geht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12413" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/03/DSCF7600-scaled.jpeg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/03/DSCF7600-scaled.jpeg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/03/DSCF7600-300x200.jpeg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/03/DSCF7600-1024x683.jpeg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/03/DSCF7600-768x512.jpeg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/03/DSCF7600-1536x1024.jpeg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/03/DSCF7600-2048x1365.jpeg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/03/DSCF7600-450x300.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p>Das ZDF weiß nicht, wo Chemnitz liegt, wobei das ja vielen so geht. Deshalb wird aktuell die <a href="https://www.freiepresse.de/kultur-wissen/kultur/chemnitz-bei-zdf-serie-concordia-aussen-vor-schon-wieder-aufregung-um-falschen-drehort-artikel12716877">internationale Serien-Produktion</a> „Concordia“, die in Chemnitz spielt, ausgerechnet in <a href="https://remarx.eu/2020/11/wieviel-chemnitz-steckt-in-leipzig/" target="_blank" rel="noopener">Leipzig</a> gedreht. Im Filmbusiness ist das eigentlich normale Praxis: Görlitz zum Beispiel muss ständig als irgendeine Dreißigerjahre-Nazi-Stadt herhalten, dabei bräuchte Görlitz dafür nicht mal unbedingt historischen Film-Kontext. Für Chemnitz ist das aber so, als würde man dem Chemnitzer <a href="https://remarx.eu/2020/06/abgefakt-der-chemnitzer-minderwertigkeitskomplex/" target="_blank" rel="noopener">Minderwertigkeitskomplex</a>, der ja ohnehin schon angeschlagen auf dem Boden liegt, noch mal extra brutal auf die Tränendrüse treten. Allerdings hat auch niemand je gefragt, wie es eigentlich Leipzig damit geht, sich seinen Fame mittlerweile als billiges Chemnitz-Double verdienen zu müssen. Die Empörung ist jedenfalls ziemlich funny, aber auch natürlich auch total berechtigt. Der Plot der Serie klingt schließlich so, als hätte Miko Runkel höchstkarnevalspersönlich das Drehbuch geschrieben: <em>Chemnitz wird dank permanenter Kamera-Überwachung zu einem gewaltfreien, sozial und wirtschaftlich florierenden City-Paradies, bis am Erzgebirgsrand ein schrecklicher Mord passiert. </em>Diese Story hat Leipzig einfach nicht verdient!</p>
<p>Ramsan Kadyrow hingegen weiß, wo Chemnitz liegt, also vielleicht. Der Tschetschenen-Tchef will demnächst Ostdeutschland besetzen, als Rache dafür, dass die BRD jetzt Panzer in die Ukraine liefert. Zufällig trifft sich das ganz gut, denn Ostdeutschland will offenbar auch unbedingt von Russland besetzt werden. In Sachsen werden derzeit jedenfalls schon mal Russlandfahnen geschwenkt wie sonst nur Reichsflaggen. Wobei das mit den Russlandfahnen auch daran liegen könnte, dass Reichsflaggen mittlerweile verboten sind und der propagandablinde Widerstands-Ossi bei seiner Montagsdemo neuerdings auf Russlandfahnen umschwenken <i>MUSS</i>, wenn er Seite an Seite mit Nazis für Freiheit, Frieden und gegen Diktatur marschiert. Hauptsache, man solidarisiert sich aus bloßem Opferossi-Trotz mit irgendeinem menschenverachtenden Aggressor.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span>Chemnitz wiederum wird gerne von Uwe Steimle besetzt, und das, obwohl der aus <a href="https://remarx.eu/2022/04/prunks-not-dead-wie-viel-chemnitz-steckt-in-dresden/" target="_blank" rel="noopener">Dresden</a> kommt. Aber Steimle vereint einfach das Schlimmste aus allen Welten, und das gefällt vielen (Umlands-)Chemnitzer:innen: Hier etwas Homophobie, da mal Anflüge von Antisemitismus, zwischendurch ein bisschen Lügenpresse-Hetze, dort eine Prise Corona-Schwurbelei und ganz viel Dresdner Dialekt, natürlich alles von der Kunstfreiheit gedeckt. Die typische Montagsdemo-AfD-Litanei eben, aber vielleicht repräsentiert Steimle am Ende auch nur einen Querschnitt aller in Sachsen salonfähigen Stille-Mitte-Meinungen. Das würde wiederum erklären, warum sich bei seinem vom Schalom hofierten Auftritt im Kraftwerk trotz ambitionierter Cancel-Versuche der Grünen eine Menschenschlange quer durch Chemnitz kringelte wie sonst nur beim Apotheken-Prozentemontag oder Einlass Roland Kaiser Konzert. Oder warum Kuha-Boss Stefan Schmitdke auf Instagram öffentlich traurig darüber war, die Veranstaltung verpasst zu haben. Die lange Menschen-Schlange endete bei einer Erkenntnis: Jammerton, Steimle, Scherben – das ist der Punk der Sachsen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
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		<title>Die Post der Moderne: Seltene Ereignisse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mann hinter re:marx]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Feb 2023 15:56:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pöbeln.]]></category>
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					<description><![CDATA[In Schweden wurde kürzlich ein gigantisches Aufkommen seltener Erden (über eine Million Tonnen) gefunden. Das sind spezielle Metalle, die arme ausgebeutete Kinder in China schürfen &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In Schweden wurde kürzlich ein gigantisches Aufkommen <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/seltene-erde-schweden-101.html">seltener Erden</a> (über eine Million Tonnen) gefunden. Das sind spezielle Metalle, die arme ausgebeutete Kinder in China schürfen müssen, damit wir den ganzen Tag auf teure Smartphone-Displays starren und uns auf Twitter für unseren moralisch perfekten WM-Boykott feiern lassen können.<span class="Apple-converted-space"> </span>In Chemnitz hingegen wurde für 2023 ein gigantisches Aufkommen seltener Ereignisse (14) angekündigt. Das sind Veranstaltungen in der Innenstadt, die länger als bis 22 Uhr gehen und wegen denen arme, lärmgebeutelte Anwohner:innen unerträgliche Großstadt-Qualen leiden müssen, damit wir auf dem Hutfestival zu Schifferklaviermusik Ringelreihe tanzen können.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span>Jedenfalls ist es eine wunderbare Ironie, dass die Stadt, der man gerne ab 18 Uhr hochgeklappte Bürgersteige nachsagt, Innenstadtveranstaltungen als „<a href="https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/aktuell/presse/pressemitteilungen/2022/802.html" target="_blank" rel="noopener">seltene Ereignisse“ </a>anpreist, aber natürlich liegt Chemnitz damit mal wieder voll im Trend.<br />
Seltene Ereignisse sind aktuell nämlich allgegenwärtig: Halbblauer Himmel und ungraue Laune zum Beispiel sind derzeit zwei <i>sehr</i> seltene Ereignisse, der Komet C/2022 E3 ist auch ein ziemlich seltenes Ereignis. Und wann hat man zuletzt eine stabile Aussage von Michael Kretschmer gehört? Okay, das ist kein seltenes, sondern ein sehr unwahrscheinliches Ereignis. Ein geselliger Montagabend in Chemnitz jedoch, oder ein Sven Schulze Gruppen-Foto, auf dem sich mehr als eine Frau in der letzten Reihe versteckt, eine Fahrradstraße, die länger als 200 Meter ist, eine menschliche Meldung aus Einsiedel — alles seltene Ereignisse.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12384" src="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/02/DSCF7511-scaled.jpeg" alt="" width="1920" height="1280" srcset="https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/02/DSCF7511-scaled.jpeg 1920w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/02/DSCF7511-300x200.jpeg 300w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/02/DSCF7511-1024x683.jpeg 1024w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/02/DSCF7511-768x512.jpeg 768w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/02/DSCF7511-1536x1024.jpeg 1536w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/02/DSCF7511-2048x1365.jpeg 2048w, https://remarx.eu/wp-content/uploads/2023/02/DSCF7511-450x300.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></p>
<p>Dabei könnte Einsiedel selbst auch so ein seltenes Ereignis sein, aber Einsiedel ist leider nur ein Dorf wie viele <a href="https://www.saechsischer-fluechtlingsrat.de/de/2023/01/25/zunahme-rechtsextremer-proteste-gegen-unterbringung-gefluechteter-herz-statt-hetze-demo-am-27-01-in-kriebethal/" target="_blank" rel="noopener">andere in Sachsen</a>, ist wie Kriebethal, wie Laußig, wie <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/delitzsch-eilenburg-torgau/strelln-proteste-unterkunft-fluechtlinge-polizei-100.html" target="_blank" rel="noopener">Strelln</a> — Einsiedel ist ein ziemlich häufiges Ereignis. <a href="https://www.tag24.de/chemnitz/lokales/chemnitzer-eingemeindungs-serie-teil-4-in-einsiedel-herrscht-wieder-ruhe-2541934" target="_blank" rel="noopener">Die Gemeinde</a> gehört zum rechten Randgebiet von Chemnitz und wurde 2015 berühmt, als dort Geflüchtete im ehemaligen Pionierlager untergebracht wurden, woraufhin die eingefleischte Empathie-Einöde <a href="https://remarx.eu/2015/11/homeland-die-kleingeister-die-ich-rief/" target="_blank" rel="noopener">Einsiedel</a> ihren abgeschiedenen Namen zum Pogrom äh Programm machte: Mahnwachen mit passiv-aggressiven Gedächtnis-Kerzen und „<i>Wer schützt unsere Kinder?</i>“-Schildern am Straßenrand, Blockaden, Brandanschlag, Reichsflaggen, Hakenkreuze, der ganz normale sächsische Bürgerprotest eben. Nachdem die Geflüchteten weg waren, versank auch Einsiedel wieder in der Randgebietsversenkung und war nur noch bei Ausflügen in den Goldenen Hahn und horrenden Chemnitzer Wahlergebnissen relevant. Die AfD holte hier zur Bundestagswahl 31% der Zweitstimmen, so viel wie nirgendwo sonst in Chemnitz.<br />
Jetzt ist Einsiedel wieder da und es ist, als wäre es nie weg gewesen: Einsiedel sagt mal wieder Nein, und Nein heißt Nein zum Heim. Nein zur <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/einsiedel-sagt-nein-zu-solarenergie-in-der-landwirtschaft-artikel12677273" target="_blank" rel="noopener">Solarenergie in der Landwirtschaft,</a> Nein zum minimal veränderten Rouladen-Rezept im Dorfgasthof, Nein zum 21. Jahrhundert, Nein zu Menschlichkeit und Empathie.<br />
Insgesamt 300 Menschen sollen in den nächsten Monaten im ehemaligen Pionierlager untergebracht werden. <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlinge-chemnitz-unterkunft-reaktiviert-afghanische-ortskraefte-in-einsiedel-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-230116-99-238152" target="_blank" rel="noopener">41 sind schon da</a>, genauer elf Männer, zehn Frauen und 20 Kinder (!), alle aus dem ewig verwundetem Afghanistan, Ortskräfte der Bundeswehr und Angehörige. In Einsiedel hat man wenig Verständnis dafür, dort sind not-leidende Menschen selbst schuld an ihrer Misere, außer natürlich die Deutschen an 1945. So berichtete die Freie Presse im <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/erneut-protest-in-einsiedel-artikel12592793">Dezember</a> von der Einwohnerversammlung:<i> „Unter den etwa 180 Besuchern herrschte überwiegend Unverständnis über ihre Aufnahme. Die Ortskräfte hätten doch gewusst, dass sie als Kollaborateure gelten und Probleme bekommen, wenn die </i><a href="https://www.freiepresse.de/thema/taliban"><i>Taliban</i></a><i> den Krieg gewinnen, sagte ein älterer Mann. Ein anderer wollte wissen, ob auch ältere Kinder einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen wurden.“<span class="Apple-converted-space"><br />
</span></i>Für die Ukrainer:innen, die vergangenes Jahr kurzzeitig im Pionierlager untergebracht waren, wurde zwar noch vorbildlich gespendet, aber erstens waren die weiß und christlich und zweitens hielt die Solidarität auch nur bis zur ersten Gaspreiserhöhung.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span>Wo Unmut in der braungetrübten Kloßbrühe brodelt, sind die Freien Sachsen natürlich nicht weit, um die Bürgersorgen für ihre Nazi-Zwecke heiß aufzukochen. So geriet ein furchtbarer <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/buerger-verunsichert-gefaelschter-flyer-ueber-einsiedel-im-chemnitzer-stadtgebiet-verteilt-artikel12657701" target="_blank" rel="noopener">Flyer</a>-Fake zum Thema Einsiedel in Umlauf, der aussah wie von der Stadt Chemnitz mit dem ILoveC-Paint-Programm gemacht, vom „Diversity-Booster“ faselte und der vor allem einen erschütternden Verdacht weckte: Auch Nazis würden insgeheim gerne gendern.<br />
Wahrscheinlich wird Einsiedel bald wieder versuchen, sich krampfhaft von seinem schlechten Ruf zu distanzieren, aber eben nicht von den Nazis, die dort Hass schüren, Proteste organisieren und Lügen-Flyer verteilen. Dabei sollten die Einsiedler:innen eigentlich froh über jeden Zuzug sein: Schließlich will NIEMAND freiwillig nach Einsiedel – es wäre kein Wunder, wenn die Geflüchteten demnächst anfangen, gegen ihre Unterbringung in diesem blaubraunen Nest zu demonstrieren.</p>
<p>Zurück zu den seltenen Ereignissen: Dazu gehört auch die seltsame Sparpolitik der Stadt, bei der sich sowohl <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/millionenloch-im-chemnitzer-haushalt-ploetzlich-weg-artikel12677413" target="_blank" rel="noopener">Finanzlöcher</a> als auch plötzliche Geldberge auftun und wieder verschwinden wie in populären Mystery- und Mafia-Serien. Bei den <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/naechste-kita-kuerzung-in-chemnitz-rathaus-stoppt-erzieherausbildung-artikel12649221?cvdkurzlink=t&amp;ref=share_twitter&amp;rec=1" target="_blank" rel="noopener">Sparplänen</a> der Stadt zeichnet sich jedenfalls eine<span class="Apple-converted-space">  </span>deutliche Tendenz ab: In die Zukunft wird in Chemnitz nicht investiert, an der Zukunft wird in Chemnitz lieber gespart.<span class="Apple-converted-space"> </span>Zu den seltenen Ereignissen gehören aber natürlich auch Rankings, in denen Chemnitz gut beziehungsweise überhaupt irgendwie abschneidet. Ein <a href="https://www.freiepresse.de/chemnitz/grossstadtranking-chemnitz-auf-dem-absteigenden-ast-artikel12635300" target="_blank" rel="noopener">Großstadtranking</a>, das die Wohn-, Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftssituation in deutschen Städten mit mehr als 100.000 Einwohner:innen untersucht hat, sieht Chemnitz auf dem „absteigenden Ast“ – was die vorsichtige Frage aufwirft, ob Chemnitz jemals auf dem aufsteigenden Ast war. Wobei: Beim Thema Nachhaltigkeit sieht es für Chemnitz im Ranking zum Beispiel gar nicht so schlecht aus. Bei sozioökonomischen Aspekten allerdings schon: Zu wenig Neugründungen, zu geringe Steuerkraft, zu hohe Jugendarbeitslosigkeit, zu alt. Und beim Thema Immobilienmarkt landet Chemnitz sogar ganz hinten, letzter Platz: Zu günstige Mieten, zu wenige Nachfragen auf Eigentumswohnungen,<span class="Apple-converted-space">  </span>zu wenig tanzende Siedlung, kurz: zu wenig gentrifiziert. Und plötzlich fühlt es sich wieder ganz schön cool an, auf dem absteigenden Ast zu sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
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