re:marx Clubcheck part II: ATOMINO

So schnell kann es gehen… Das Stairways ist (vorerst) wieder geschlossen. Eine Entwicklung die zeigt, dass wir mit den Einschätzungen in unserem ersten Clubcheck gar nicht mal so falsch lagen. Auch wenn es schade für die mutigen Macher am Terminal 3 ist: irgendwie war das abzusehen. Im zweiten Teil unserer Reihe beleuchten wir nun den Club der Stadt, der dank seiner Haus- und Hofkapelle auch über die Stadtgrenzen hinaus viel Aufmerksamkeit und Fame erhalten konnte und das ganze Gegenteil zur großräumigen Lichterflut des Stairways ist.

Vor kurzem dazu gezwungen sich ein neues Zuhause zu suchen, fand das Atomino seine neue Heimat am legendären Brühl. Wie viele Träume waren hier schon geplatzt? Wie viele Pläne gescheitert? Das Viertel zwischen Georgstraße und Müllerstraße scheint verhext zu sein. Verlassen ist es nach wie vor.

Das Atomino beweist mit seinem Umzug viel Mut, denn es reiht sich ein in die Liste der optimistischen Projekte, die mit ihrem Anfangen eine Belebung des gesamten Boulevards lostreten wollten. Bis jetzt sind alle diese Versuche gescheitert. Doch das muss beim Atomino deswegen nicht zwangsläufig auch der Fall sein, denn zum einen zeichnen sich durch die geplante „Erschließung“ des Brühls als Campus Viertel verbesserte Bedingungen ab. Und zum anderen ist das Atomino einer der bekanntesten Clubs der Stadt mit einem festen Stammpublikum. Wie gut der Club auf den neuen Abschnitt in der atomaren Clubgeschichte vorbereitet ist, soll wie schon im ersten Teil anhand unserer bewerten Kriterien ergründet werden:

Ambiente:
Der momentane Clubraum des Atominos ist die Turnhalle im Hinterhof der ehemaligen Karl Liebknecht Schule am Brühl. Dementsprechend sportlich ist das Ambiente. Das Schulsportimage wird bewusst gepflegt, was das klassische Atomino-Publikum sicher anspricht. Da der Sportunterricht ja weniger für gemütliches Zusammensitzen, sondern eher für körperliche Ertüchtigung bekannt ist, bietet das Atomino wenig Sitzgelegenheiten. Dekorationen sind bis auf eine neue psychedelische Tier-Tapete im hinteren Teil des Clubs Mangelware, was dazu führt, dass ein gewisses Schulball-Ambiente allgegenwärtig ist. Die Einrichtung ist nach wie vor im DDR-Stil gehalten und ohnehin altbewährt. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Allerdings muss erwähnt werden, dass der Zugang zur ehemaligen Schulsport-Stätte etwas abschreckend wirken kann, da man diese nur über einen spärlich bis gar nicht illuminierten, also stockfinsteren Schulhof erreicht, dessen Kulisse eher an Crime-TV erinnert als an hippes Clubbing.

Publikum:
Der Abend der Datenerhebung fiel auf einen Mittwoch. Das bedeutet Studentendisko im Atomino. Wer hat auch sonst an einem Mittwoch Zeit, sich den Freuden einer Clubnacht hinzugeben? Das musikalische Angebot aus Indie, Britpop und allem was Spaß macht, traf den Geschmack der Leute, was schnell für Bewegung auf der Tanzfläche und somit für Stimmung im Club sorgte. Studenten können immer feiern. Das wurde bestätigt.

Licht:
Die Lichtverhältnisse sind angenehm. Nicht zu hell und nicht zu dunkel. Die einzigen eindeutigen Lichtquellen sind die Bar und die Bühne. Angenehmes Halbdunkel sorgt für die richtige Atmosphäre, um betrunken abzufeiern und ist hell genug, um nicht zu stolpern.

Sound:
Die große Achillesferse des Atominos. Schon in der alten Location umstritten und auch hier wenig überzeugend. Vorne übersteuert und hinten zu leise. Ein wenig dumpf und ohne Höhen. Manchmal hören sich alte Hits an, wie bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Kein Klangwunder und in jedem Fall ausbaufähig.

Service:
Das Personal ist entspannt. Der Ton ist freundlich. Alles geschieht zügig und auch bei vollem Club kommt man schnell an seine Getränke. Eine angenehme Neuerung ist die Garderobe, die es im alten Atomino leider nicht gab.

Hygiene:
Wenn in einem Club ausgelassen gefeiert wird, fällt einem schon mal ein Getränk aus der Hand. Deswegen sind klebrig-bunte Bereiche auf dem Boden nichts ungewöhnliches am Ende einer Party. Am Anfang sollten sie jedoch noch nicht da sein, denn das macht einen ungepflegten Eindruck. Hier gibt es für das Atomino im Bereich Hygiene noch etwas rauszuholen.

Geruch:
Der Geruch orientiert sich glücklicherweise nicht am Sportunterricht in alten Turnhallen. Es war nie stickig, trotz vollem Club.

Abschleppchancen:
Hier ist für jeden was dabei. Vor allem aber für Jüngere. Deshalb: vorher immer lieber nach dem Alter fragen. Ansonsten ist das Publikum relativ ausgewogen, was sowohl die Geschlechter, als auch die Altersgruppen betrifft. Allerdings dürfte es Abstriche für diejenigen geben, die auf aufgedonnerte Party-Chicks stehen – im Atomino setzt man per se eher auf Natürlichkeit und lässigen Indie-Style.

Preis-Leistung:
Freier Eintritt und bezahlbare Getränkepreise. Da kann man als Gast nicht viel falsch machen. Und dadurch, dass das viele Leute so sehen, bekommt man auch noch eine gut besuchte und stimmungsvolle Party oben drauf. Im Preis-Leistungs-Verhältnis schneidet das Atomino somit sehr gut ab.

Fazit:
Es lässt sich wunderbar feiern im Atomino. Auch, wenn man kein Student ist. Wem der gemeinsame Spaß am Tanzen, Trinken und Freundetreffen am Herzen liegt, der ist im Atomino gut aufgehoben. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut. Weniger gut ist die Soundqualität, was die Leute aber nicht großartig davon abhält den Abend zu genießen. Das beweist der etwas ungepflegte Zustand des Bodenbelags. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Insgesamt muss das Fazit aber positiv ausfallen, was hoffnungsvoll stimmt. Nicht nur für die Zukunft des Atominos, sondern auch für die des Brühls.

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