Wir sind BILD! Party, Puff und Po-esie. Teil eins.

BILD-Zeitungs-Niveau. Wir haben es euch versprochen, hoch und heilig. Schnaps, Sex und Sensationen – darauf geben wir euch unser Word! press. (Au weia!)
Nachdem erst vergangene Woche der Schnaps in Strömen floss und bereits die ersten fetten Schlagzeilen abwarf, wollen wir nun noch mehr und packen ein bisschen Sex obendrauf. Also: Schluss mit dem pseudo-intellektuellen Geschwafel über Lärm und Liebe – Sex sells, das müssen auch wir einsehen.
Tittenlyrik lautete der subtile Arbeitstitel für diese neue Skandal-Kategorie, die gewohnt virtuos BILD-Zeitungs-Niveau (Lyrik) mit re:marx’scher Hochkultur (Titten) vereint. Denn die Poesie wurde bisher leider sträflich von uns vernachlässigt, so sehr, dass wir irgendwann selber nicht mehr wussten, warum wir sie eigentlich im Tittel (autsch) tragen. Ab heute aber soll alles anders werden. Aus Poesie wird Po-esie, Gedichte, geschrieben auf nackte Körper, Lust und Lyrik, vereint bei re:marx. Oder, um es mit der BILD zu sagen:

Geile Gedichte: Re:marx zeigt zügellose Zweizeiler! So scharf kann Literatur sein.

Proll-Poeten: Prostituierten sich diese Sex-Sachsen für die Kultur?

Bunga-Bunga-Blogger feiern wilde Orgie beim Sex-Shooting.

Skandal! Chemnitzer-Chaos-Blog veröffentlicht Lust-Lyrik.

Sex-Schock: Rüpel-Re:marx postet Porno-Poesie.

Lyrik-Hammer! Gedicht mit Penis geschrieben!

(Alliterations-Allergie – Aus für ambitionierte Autorin)

(Überdosis: Tausend Tassen Kaffee – Bloggerin muss ins Irrenhaus)

get-attachment.aspxEinmal monatlich sollen just an dieser Stelle nun Texte (kooperations-)williger Autoren auf verschiedenen, weiblich wie männlichen, Körperteilen sowie in konventionell danieder geschriebener Form präsentiert werden.
Den Auft-Akt (Oh Mann!) macht Poesie von Heiner Hendrix, der aus München kommt, Musik macht und trotzdem ein Gedicht über Chemnitz geschrieben hat.

Chemnitz

Gras zwischen Bordstein und Straße
im Widerstand gegen Städtebau
drüber rauschen Glatzen auf Motos
Hecken quellen durch Zäune und wackeln im Wind

Ein großes Loch auf der Straße
und ein alter Mann davor, der erzählt:
„Dieses Scheißloch ist hier schon seit zwei Jahren,
langsam wird da ein See draus“

Die beleidigte Landschaft
spuckt Hochhäuser in den Himmel
wie eine zahnlose Nutte im Chemnitz-Trikot
Kippen in den Schnee

Manche Gedichte brauchen keine Überschrift #1

„Das sehe ich anders“
sagte die Frau und nahm ihre Brille ab.
Ihre Augen funkelten dunkelblau,
aber nicht wie ein schöner Sommerhimmel,
sondern wie Riffe unter aufgewühltem Meer.

Sie strich mit einem Silberlöffel
den Rand ihrer Teetasse entlang, umso
gleichmäßiger je länger ihr Gegenüber
sie dabei fixierte.

„Kaleidoskopisch“ dachte er
und knöpfte sich panisch
den obersten Hemdknopf auf.

Was ihn wirklich interessierte:
ob er im Begriff war einen Herzinfarkt zu bekommen
oder nicht.

Wenn nicht, wurde es höchste Zeit
mit diesem Abend warm zu werden.
Falls aber schon, sollte er jetzt den Notarzt rufen,
um noch reelle Chancen
aufs Überleben zu haben.

ohne überschrift #1

immer ist die schwerste krankheit die nächste
und immer ist die große katastrophe im verzug
und wenn meine gedanken töten könnten
wäre ich in lebensgefahr

aber hier bin ich selbstmörderisch
und hier rotte ich mich aus
denn hier werde ich immer wen finden
der besser und schöner ist als ich

an ein hochhaus genagelt
vor eine ubahn gespannt
in ein taxi gestopft
zu tode beschützt

Der junge Mann

Als um die Welt gereist und
an Erfahrung reich beschenkt dann
alles Glück erstanden schien
fand sich der junge Mann plötzlich
erschlagen vom Gebirge
der Frage nach dem Ziel

Im Taumel, Schock und
hilflos um sich selbst geirrt,
durch Nächte tief und Täler schwarz
bis endlich Arbeit sich sein Hirn
bemühte: woher die Angst denn kommt
vor einem – Wort?

Weil Zeit dann qua Gesetz
die Milch im Geist verwischend
eine Brücke schlug, fand sich
der junge Mann an festen Ufern
seiner Schritte leicht in die
Gewohnheit fort

Hundeleben

Wo dicker Nebel in den Wiesen klebt
und sich erst mittags dann vielleicht verzieht
wo es statt Straßen Trampelpfade gibt
und statt Zäunen lichte Hecken
liegt ein Hund in Ketten.

Über den dicken, alten Eschen, Linden
wirbeln Vögel durch das weite Blau
als dunkle Punkte sieht er sie verschwinden
langsam übergehen ins laue Meer
der Hund schaut nur – hinterher.

Einmal hat er eine tote Maus gefunden
und manchmal träumt er noch von Wald und Flur
Er springt seit Jahren nur eine Figur
Wenn er ein Baum wär, könnte er hoch hinaus
weil er ein Hund ist, bleibt er unten.

Hinter seiner Hütte liegen frische Wiesen
und dahinter schiere Unendlichkeit
mit jedem Tag verstreicht ein bisschen Zeit
Er wird sich schlafen legen. Katzen haben sieben Leben
ihm bleibt nicht mal eins.

Abends hört er Mäuse, Frösche leise lachen
sich im Gras vor ihm verbergen, er sitzt auf altem Stroh
Wenn sie wollen können sie weitermachen
für diese Freiheit würde er sofort sterben
aber – er stirbt auch so.

Der Autor:
Heiner Hendrix ist auch ein Teil der Band Aloa Input, die am Freitag (ja, der 21.02.) das wunderbare Weltecho beehren. Zum Foto selbst sprach er: „Geil!“ Ja, auch feinfühlige Lyriker werden zu verbalen Einzellern in Anwesenheit von Brüsten. Da geht es den Bloggern wie den Poeten. Wir freuen uns auf Freitag.

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