Unten am Fluss: Fünf Jahre Weltecho.

Fünf Jahre Weltecho.
Fünf Jahre fidele Feierei und hin und wieder auch mal ein bisschen Kultur.
Denn schließlich ist das Weltecho ja nicht nur ein feuchtfröhlicher Party-Tempel: Konzerte, Kino, Kunst. Theater, Techno, Teenies. Hier unten am Fluss gibt es alles, was das Chemnitzer-Szene Herz ab und an mal begehren mag.

Die Szene-Herzen von re:marx jedenfalls schlugen dem Jubiläum, das am Samstag in einer dicken Party, die alles bot, was man vom Weltecho hätte erwarten können, gipfelte, dankbar entgegen.
(Nur wer diesem wirren Schachtelsatz noch folgen kann, ist ein echter re:marx-Leser!)
Wir nutzen den freudigen Anlass für eine kleine Sammlung persönlicher und wahnsinnig emotionaler Rückblicke. Was verbindet der individuelle Re:marxler mit dem Weltecho? Es folgen vier knallharte Erfahrungsberichte, die so bunt sind wie das Weltecho selbst und die ganz fragmentarisch sowie total subjektiv ein kleines Stück Chemnitzer Kulturgeschichte nachzeichnen.

Fünf Jahre Weltecho – Vier Erfahrungsberichte.

Zeitraffer:

Alles begann irgendwie ganz normal. Alles endete wie immer total absurd.
Als meist eher nüchterne Beobachterin eines großen, bunten Disco-Rausches langweilte ich mich, tanzte wild, tanzte verhalten. Ich schämte mich fremd, schlug mir das Knie blutig, schlug die Hände überm Kopf zusammen, schlug mir ein Stück Zahn aus. Ich saß im Hof, bei guten Wetter und bei Regen, saß am Einlass, saß auf den Fensterstöcken, saß auf den Sofas – müde, entsetzt, amüsiert, traurig.
Es gab Kunstschnee und Lametta, es gab Porno-Filmchen, schräge Outfits, weiße Stiefel, Flüssiges an der Bar, gute Gespräche, komische Gespräche und es gab Konzerte: merkwürdige Konzerte, schöne Konzerte, laute Konzerte, volle Konzerte, leere Konzerte. Ein neuer Tanzstil wurde geboren – und obendrein so mancher aufstrebende Star-DJ.

Fünf Jahre Weltecho: das zeitlose Zusammenspiel von Kultur und Wahnsinn, Feierei und Fremdscham, ein Garant für bizarre Abende, verpackt in ein edles Club-Gewand. Fünf Jahre lang die allerschönsten Party-Geschichten der Stadt.

 Lyrik:

blutige nasen
exzess
nasser kopfstein
quietschende ohren

 

Liebesbrief:

Mein liebes Weltecho,

eigentlich müsste ich Dir unfassbar sauer sein: Ich habe bereits dutzende wertvolle Gegenstände bei Dir verloren. Ich habe so viel Geld bei Dir gelassen, dass ich davon locker ein sehr schickes Auto hätte kaufen können. Habe so viele Gehirnzellen verloren, dass ich sonst wahrscheinlich schon einen Nobelpreis hätte bekommen können. Und trotzdem kann ich Dir einfach nicht böse sein. Weil Du mir gleichzeitig so viele schöne Geschichten gegeben hast. Weil Du mich zu dem gemacht hast, der ich jetzt bin. Das klingt alles viel zu theatralisch und unglaublich pathetisch. Aber das verbinde ich nun mal mit Dir, mein liebes Weltecho. Vom Vollnerd zum Superhelden innerhalb von fünf Jahren. Vielen Dank dafür. Auf die nächsten fünf Jahre.

Dein Finanzierer

Kritik:

Es gibt unzählige Theorien darüber, was einen Musik-Club hip macht, warum er nicht als billige Abfülldisko gilt und was dazu gehört, um den ehrenvollen Titel „Szeneclub“ tragen zu dürfen. Eine dieser Theorien besagt, dass ein Club nach drei Jahren im laufenden Betrieb nicht mehr „Underground“ und damit in der Szene angesagt sein kann. Der Club ist abgenutzt und das „Szenepublikum“ geht lieber zur neuen Konkurrenz.
In Anbetracht dessen könnte einem beim Gedanken an „5 Jahre Weltecho“ schon etwas wehmütig ums Herz werden. Aber zum Glück gelten hier andere Regeln. Denn das Weltecho ist durch sein vielfältiges Angebot von vornherein kein Club, der ausschließlich ein bestimmtes Publikum (also eine Szene) anspricht.

Viel eher ist es so, dass viele unterschiedliche Musikstile ihr entsprechendes Publikum in das Weltecho locken. Mit anderen Worten: „Da geht jeder mal hin.“ Doch das klingt leider einfach zu beliebig für einen „Szeneclub“, auch wenn das Publikum im Weltecho durchaus alternativer ist als anderswo.

Dennoch bleibt die Frage – worin unterscheidet sich das Weltecho eigentlich von der spärlich vorhandenen Club-Konkurrenz? Wenn immer alle alles machen, gehen auch immer alle überall hin. Damit gibt es keine Szene, keinen „Underground“ und die Clublandschaft der Stadt fühlt sich an, wie eine einzige Großraumdisko.

Leider kann daran auch das Weltecho nichts ändern. Nach 5 Jahren sind die Abläufe zu eingefahren, das Image steht und Veränderungen fallen schwer. Sicherlich hatte jeder von uns schon wundervolle Momente und mitreißende Partys im Weltecho, aber mindestens genauso oft, stand man fast alleine auf der Tanzfläche und schaute sich verwundert an.
Das Weltecho hat sich mit Chemnitz und den Chemnitzern arrangiert. Es funktioniert – man unterhält sich. Zwar wird man selbst dadurch seltener die Musik erleben, die einem persönlich am besten gefällt, aber wenigstens bleibt das Weltecho auch im fünften Jahr unberührt von der Theorie der Halbwertzeit eines Clubs. Was nicht zuletzt am Mangel an Alternativen und hauptsächlich an der Vielfalt des musikalischen Angebots liegt.

Ein Gedanke zu „Unten am Fluss: Fünf Jahre Weltecho.

  1. Kein Re;Marx Eintrag ohne Chemnitzer gebashe,… Geht doch einfach ins ach so hippe Berlin, euch will (und braucht) hier niemand!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*