Gib mir mein Herz zurück: Ein Wochenende auf dem Kosmonaut (Chemnitz Fanfiction)

Eigentlich wollte sie einfach nur noch raus. Raus aus dieser Stadt, die sie schon so lange zu kennen, so lange zu hassen glaubte. Doch dann erhält die wicked Wutbloggerin Rema den Auftrag, auf dem Kosmonaut-Festival über eine Band zu berichten. Aus dem Bericht wird nichts, aber nichts wird nach diesem Wochenende mehr sein, wie es mal war. Denn da war er plötzlich: Dieser eine Moment, in dem sich für die superjunge Journalistin alles verändert.

Disclaimer: Das ist unsere allererste Chemnitz-Fanfiction, wir hoffen, sie gefällt euch und würden uns sehr über Feedback, Verbesserungsvorschläge und ähnliches freuen. Alle Personen dieser Geschichte sind absolut frei erfunden, außer natürlich die Stadt Chemnitz.

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Die Post der Moderne: Was im Juni in Chemnitz geschah

Im Sommer gibt es Städte, die gibt’s im Winter gar nicht. Chemnitz zum Beispiel. Chemnitz ist wie eines dieser Tiere in den Dokumentarfilmen über die kanadische Wildnis, die man als Kind immer geguckt hat: Ein wechselwarmes Wesen, eine Echsenstadt — sie hält Winterstarre, hat außer Schlafen, Arbeiten und sich Aufregen alle anderen wichtigen Stadtfunktionen heruntergefahren, der Innenstadtpuls geht gegen Null, die Sozialfrequenz ist auf ein Minimum reduziert. Und weil wir gerade einen Tierfilm schieben, legen wir noch eine kleine Timelapse ein:
Januar: Wochenlang sieht man keinerlei Menschen auf der Straße, monatelang verlässt man das Haus nicht, es ist ein bisschen wie in Sibirien, nur dass hier keine polare, sondern soziale Kälte klirrt. März: Die Stadt erwacht, der Schnee schmilzt, die Gesichter tauen auf, die soziale Kälte klirrt leiser, erstes Leben regt sich vor den Eisdielen. Juni: Überall sind jetzt Menschen, auf den Straßen, vor den Bars, in den Parks. Jeden Tag gibt es gute Veranstaltungen, statt sozialer Kälte klirrt eiskalter Aperol in den Gläsern, ein neues Trendgetränk aus Italien, das man jetzt auch in Chemnitz entdeckt hat. Man muss schon weit raus nach Adelsberg fahren, um mal unter keine Menschen zu kommen. Selbst Die Zeit berichtet über die Stadt, als wäre das Leben hier ein einziges Hippie-Festival. Fast könnte man Chemnitz jetzt uneingeschränkt cool finden – wäre da nicht die leise Angst, dass wieder irgendetwas Schlimmes, Peinliches, Chemnitziges passiert, ein lästiger Erfahrungswert vom letzten Sommer. Wäre man nicht im Urlaub in einer „richtigen“ Stadt gewesen, mit internationalen Menschen statt offenem Hass und Rassismus auf der Straße. Hätte man nicht auch im Juni schon wieder hundert mal „Ach Chemnitz“ geseufzt, wobei davon vielleicht sechzig Seufzer gut gemeint waren. Immerhin. Langsam wird’s: Die Post der Moderne für Juni. 

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Wiki-How Chemnitz: Deinen Künstler-Schwarm beeindrucken und Teil der kreativen Szene werden

Chemnitz ist eine Stadt, die es einem noch nie sonderlich leicht gemacht hat. Haben wir ja schonmal gesagt, neulich irgendwann. Da es auch in nächster Zeit vermutlich nicht  unbedingt einfacher werden wird, finden wir, dass die Stadt einen ordentlich Ratgeber für alle Chemnitz-Lagen braucht. Damit auch Chemnitz endlich mal das große Großstadt-Glück findet, das in den anderen Städten die ganze Zeit so ungehemmt fröhlich pulsiert. Und weil es wirklich nirgendwo bessere Lebensratschläge gibt als bei Wiki-How, der Bravo des Internets, haben wir das Prinzip einfach geklaut und uns nicht mal beim Namen Mühe gegeben. „Wiki-How Chemnitz“ heißt unsere neue Rubrik – und verrät euch ab jetzt regelmäßig wie ihr in Chemnitz richtig trinkt, flirtet, weint, protestiert, Bus fahrt, cool wirkt, kurz: klar kommt. Der Auftakt unserer Chemnitz-How-Reihe hätte früher wahrscheinlich „abgefakt: Freie Szene“ gehießen, aber weil wir zu viele Glücksratgeber gelesen haben und jetzt voll konstruktiv und positiv und so sind, heißt er „Wie man seinen Künstlerschwarm beeindruckt und Teil der freien Szene wird“.

1 Finde die richtigen Spots
Orte, an denen sich Kreative, Subkulturelle und co. versammeln, sind in Chemnitz so selten wie Wasserlöcher in der Wüsten-Steppe. Das Lokomov ist so ein Wasserloch, obwohl hier meistens was anderes getrunken wird. An der shabby Schnapspfütze am Fuße des Sonnenberges tummeln sich regelmäßig vielversprechende Artists und Artistinnen, Freigeister, Queerdenker, koole Kettenraucher, melancholische Musiker, betrübte Beatniks und andere Proll-Poeten (m/w/d). Vor allem sonntags, wenn absolut nichts in Chemnitz Hoffnung auf Exzess verspricht außer der Döner Drive-In hinterm Tietz, finden die armen, aber saxony Kreativen Trost in der warmen Sonntagssuppe oder sitzen, über die letzte Nacht seufzend, mit verkaterten Sonnenbrillen im Dieseldunst der kredibilen Straßenkreuzung. Jedenfalls triffst du hier garantiert immer jemand Interessanten, den du ganz einfach beeindrucken kannst, wenn du dir unsere Tipps zu Herzen nimmst.
Falls dir das Lokomov zu subversiv ist, kannst du es auch auf einer Vernissage versuchen. Im Weltecho und in der Galerie Borssenanger finden regelmäßig welche statt, und es gibt meistens Salzstangen-Buffet und Wein aus Zapfkartons, über den man wunderbar mit spannenden Kreativen ins Gespräch kommen kann. Auch Big Player wie die Kunstsammlungen bieten mindestens Sekt und Grissini und ziehen damit in der Regel wohlhabendere Wichtige an.

Andere Orte und Anlässe, bei denen du in Chemnitz potentielle Künstlerschwärme triffst: Theaterpremieren im Komplex, Biergarten im aaltra, Podiumsdiskussionen zur Kulturhauptstadt-Bewerbung, Zehn-Kurze-Interviews von re:marx

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abgefakt: Die Chemnitz-Fresse 

Wenn man in einer Stadt mit mehr als 100 Einwohnern lebt, kann es passieren, dass man auf offener Straße manchmal anderen Menschen begegnet. In Chemnitz ist man mit solchen Situationen meistens direkt überfordert. Dann wird gemeckert, gehupt, ge“oaaaaar“t und sich beschwert. Dann zeigt sie sich von ihrer grimmigsten Seite: Die Chemnitz-Fresse, das schlecht gelaunteste Gesicht, seitdem es das Marx-Monument gibt. Wir haben sie für euch portraitiert und dabei gleich ganz schlechte Laune bekommen.

Das war: Der Mythos von der Arbeiterstadt, die Chemnitzer als pragmatische Macher und wortkarge Workaholics, die erst nach etwa drei Jahren Bekanntschaft ganz langsam auftauen. Aber weil Arbeit nervt, haben sich tiefe Furchen in die Chemnitzer Gesichter gegraben: Die Chemnitzer kommen an jede Supermarktkasse und machen Stress ohne Grund, sind ständig gelaunt, genervt und etwa so verschlossen wie der eiserne Vorhang, aufgeschlossene Ausnahmen sind entweder aus dem Westen zugezogen oder einfach ungewöhnlich jung (2-32 Jahre). Auch 150 Jahre nach der Industrialisierung hat Chemnitz immer noch den Biorhythmus einer alten Arbeiterin: Die Stadt ist zeitig wach, geht früh zu Bett und will dabei auf gar keinen Fall gestört werden. Es ist eben ihr Spirit, dieser Schlummer-Modus: Berlin hat Techno, Schlager und Kokstaxis, Leipzig hat die Sachsenbrücke, München den Weißwurst-Äquator, Chemnitz schläft einfach gern gut.

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Die Post der Moderne: Was im Januar und Februar in Chemnitz geschah

Als wir uns für den Zweimonatsrückblick nochmal reizüberflutet durch die letzten Meldungen geklickt haben, ist uns aufgefallen, dass es in den vergangenen Wochen abseits der Kulturhauptstadtbewerbung eigentlich nur drei andere große Themen gab: Sonne, Grippe und Nazis. Wobei sich die beiden letzteren ziemlich ähnlich sind: Viraler Rotz, der gefährlich ansteckend ist und in jeder Hinsicht krank macht. Die Kulturhauptstadtbewerbung wiederum ist mit ihren Lenkungsgruppen, Programmräten, Beratern und Kulturbotschaftern so bürokratisch verwirrend, dass sie ein eigenes „abgefakt“ verdient hat. Die Sonne hingegen scheint. Der einzige zuverlässige Hoffnungsschimmer für die Stadt zu sein, denn kaum liegt die erste zarte Ahnung von Frühling in der Luft, eiskaliert ganz Chemnitz auf einem Niveau wie man es sonst nur aus dem mediterranen Süden kennt. Plötzlich tut die halbe Stadt so, als gäbe es sie im Winter gar nicht, bildet Schlangen vor Eiscafés wie die Leute in DDR-Witzen, lächelt manchmal sogar, sitzt selig in der Sonne und trinkt Aperol und sieht dabei kurz, ganz kurz nur, ein bisschen italienisch aus. Überall sind dann Menschen, wirklich überall, sogar auf dem Brühl, und man muss sich erstmal zurechtfinden mit so viel seltener Chemnitzer Lebensfreude. Wenn man sich erstmal aklimatisiert und vorm Café feierlich angesessen hat, kann man sich zurücklehnen undl in Ruhe die Post der Moderne lesen.

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Mikroprojekte für Chemnitz2025 II: Ich bin ein Star, holt mich wieder heim

Die Chemnitzer Kulturhauptstadt-Bewerbung wirft einige Fragen auf. Zum Beispiel, warum das Motto „AUFbrüche“ heißt, wenn doch so viele ihre Zelte hier ständig ABbrechen und wer da eigentlich auf der Caplock-Taste mAUSgerutscht ist. Oder ob sich später irgendjemand die zufallsgenerierten Slogans „Opening Minds“ und „Creating Spaces“ auf die Wade neben das CFC-Wappen tätowieren lassen wird.
Chemnitz wirkt wie ein tief verunsicherter Teenie zwischen Selbstsuche und Selbstbefriedigung, dem es nicht gelingt, sich von den spießigen Anderen abzugrenzen, aber auch nicht, sich einer coolen Subkultur-Szene anzuschließen und eine respektierte Underground-Größe zu werden. Frage: Was braucht ein taumelnder Teenie in der schwierigen Phase der Identitätsfindung? Genau: Vorbilder, Idole, Bravo-Starschnitte an der Wand. Da sieht es nicht so gut aus in Chemnitz, da gibt es quasi nur den Lulatsch, aber der ist vielen Chemnitzern  zu tolerant, und Kraftklub, aber die sind vielen Chemnitzern zu linksradikal. Nein, der gemeine Chemnitzer will endlich mal ungehemmt lokalstolz sein, will jemanden, der ihn im MDR-Riverboot repräsentiert und in der Carmen-Nebel-Show, will jemanden, den er am Marktplatz mit Deutschland-Fahnen empfangen kann, der einmal wöchentlich im Roten Turm Autogramme schreibt. Anschlussfrage:  Was haben Michael Ballack, Matthias Schweighöfer, Katarina Witt und Alexander Gauland gemeinsam? Genau: Sie leben alle nicht mehr in Chemnitz. Und die ganze Stadt trauert zumindest den ersten drei, vielleicht auch letzterem, nach wie ein Kleinkind dem verlorenen Lieblingskuscheltier. Das wollen wir ändern und beantragen hiermit 2.500 Euro Mikroprojekt-Gelder für die erfolgreiche Rückführung von ehemaligen Chemnitz-Legenden. Damit die gesamte Stadt auch mal eine Identifikationsfigur abseits des Sprechenden Nischels hat, damit Chemnitz endlich Kulturhauptstadt wird. Folgend ist aufgeführt, wie die vier deutschen Megastars die Stadt und ihre Bewerbung um die europäische Städtekönigin 2025 bereichern könnten.

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Es gibt ein richtiges Chemnitz im Falschen.

Seit sieben Jahren schreiben wir über Chemnitz, und im Prinzip immer wieder dasselbe: Über Lärmbeschwerden, Leeregefühle und Lulatschfarben. Über schlechte Zugverbindungen, die Betonsünden von Kellnberger, die chronischen Midlife-Krisen der Stadt und die seltsamen Ideen der Stadtverwaltung. Immer wieder sind auch Nazis und Rechtspopulisten Thema, mal mehr, mal weniger mehr, meistens jedoch nur in den Nebensätzen, irgendwo erwähnt am rechten Rand.
Jetzt sind die Rechten in die Hauptsätze marschiert, in die Schlagzeilen, auf die Titelbilder. Sie sind Innenminister, sie sind Verfassungsschutzpräsident, in den Kommentarspalten sind sie sowieso schon die ganze Zeit. Mit ihnen in den Fokus gerückt ist Chemnitz: Die Stadt, in der man sich über fehlende Parkplätze mehr aufregt als über grölende Nazis, in der es eher unwahrscheinlich ist, dass man nachts überhaupt noch andere Menschen auf der Straße trifft. Die alte Arbeiterstadt, die eigentlich nur ihre Ruhe haben will — und das ist vielleicht ihr größtes Problem.

Noch nie haben wir mehr über diese Stadt gelernt als in den letzten zwei Wochen. Gleichzeitig war es noch nie schwerer, über die Stadt zu schreiben, als in diesen letzten zwei Wochen. Weil wir aber nicht zur Normalsatire übergehen können, als wäre nichts passiert (dafür gibt’s ja außerdem schon die CDU Sachsen), müssen wir es doch tun. 

Was andere denken, wie Chemnitz ist.

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Sonnenberg vs. Kaßberg: Das Duell der Hoods im Faktencheck.

Ausgerechnet vorm Nischel und ausgerechnet an diesem sonderbar hitleresquen Datum (18/08/18), schwenken am Samstag ein paar braunverbrannte Trottel mal wieder eifrig ihre Reichsfahnen und demonstrieren dafür, endlich ungehemmt „deutsch und stolz“ sein zu dürfen. Die wirklich wichtige Frage aber wird nebenan im Stadthallenpark geklärt: Sonnenberg und Kaßberg kämpfen gemeinsam gegeneinander in einer historischen Wasserschlacht um die Chemnitzer Vorherrschaft und zeigen den Nazis, wo und wie sich eine Spaltung der Gesellschaft wirklich lohnt. Sojalatte gegen Sterniflasche, Großbourgeoisie gegen Arbeitermentaliät, Onkel gegen Loko, Bonzenedeka gegen Assinetto, Firstworldprobleme gegen Problemviertel, kurz: Kaßberg gegen Sonnenberg. Ihr wisst nicht, auf welcher Seite ihr dabei stehen sollt? Wir haben beide Stadtteile für euch auf essentielle Chemnitz-Kriterien wie „Ringbushaltestellen“, „Inszenierungspotenzial“ und „Kriminalitätsrate, gefühlt“ faktengecheckt. 
Eingang: Auf den Sonnenberg geht man viral durch einen dunklen Fußgängertunnel, der im Volksmund liebevoll Bazillenröhre genannt wird, weil man sich dadrin so schnell anstecken kann mit Chemnitz und mit Kriminalität. Die Bazillenröhre wäre in jedem finsteren deutschen Krimi ein zentraler Schauplatz: Für Verbrechen, für Verfolgungsjagden mit Nick Tschiller, für Drogendelikte oder für quälend lange Angstszenen. In Chemnitz ist sie wahlweise eine No-Go-Area für chronisch besorgte Tag24-Leser, eine Pilgerstätte für Kraftklubfans oder ein  potenzieller U-Bahn-Schacht für alle 2025-Visionäre. 
Auf den Kaßberg gelangt man nur über die Kaßbergauffahrt — wie bei einem alten Adelssitz. Weil die Kaßbergauffahrt derzeit aber restauriert wird, kommt man weder auf den Kaßberg rauf, noch vom Kaßberg runter, weshalb der urbane Adel quasi im goldenen Käfig festsitzt. Die Kaßbergauffahrt ist deshalb aber nicht weniger gefährlich: Wer sie mit dem Bus runterfährt, ohne sich manisch am Rollator festzuklammern, könnte auch genauso gut ohne Fallschirm Fallschirmspringen. Offizielle Alternative zur Kaßbergauffahrt ist übrigens die aaltra-Treppe — eine Art Freiluft-Bazillenröhre, nur viel viel anstrengender.
Fazit:  Die Bazillenröhre hat mehr Streetcred als jeder Citytunnel – 1:0 für den Sonnenberg.  Weiterlesen

Die Post der Moderne: Was im Juli in Chemnitz geschah.

Früher war mehr Loch: Mehr Sommerloch, mehr Conti-Loch, mehr Schlagloch. Na gut, vielleicht war früher ein bisschen weniger Arschloch, aber das sind ja angeblich immer nur gefühlte Wahrheiten. Und weil heute viel mehr Arschloch ist, also gefühlt, gibt es auch kein Sommerloch mehr. Stattdessen überall menschlich vollkommen verkorkste Debatten: Darüber, ob Özil nun ein aufrichtiger Deutscher ist oder ernsthaft auch darüber, ob man ertrinkende Menschen aus dem Meer rettenden sollte, viel zu wenig aber darüber, was eigentlich mit dieser verdammten Gesellschaft gerade nicht stimmt. Wer das alles nicht mehr erträgt, weil das alles kaum noch zu ertragen ist, der kann nach Chemnitz gucken.
In Chemnitz ist alles wie immer, denn das Einzige, das hier debattiert wird, ist die Frage, ob Chemnitz jetzt fast wie eine richtige Stadt oder doch nur ein bedeutungsloser Furz zwischen Gera und Görlitz ist. Deshalb haben wir ein neues Sommerloch für euch ausgehoben: Die Post der Moderne im Juli. 


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Live-Ticker zum Nachlesen: Die #runkelspielchen im Rückblick

Eine Stadtratsitzung ist spannender als jedes WM-Endspiel mit Verlängerung und Elfmeterschießen und drei Platzverweisen, nur weiß das kaum einer, weil die meisten glauben, Lokalpolitik gehe sie in etwa so viel an wie – sagen wir mal – die Frisur von Marc Andrè ter Stegen. Dabei ist Lokalpolitik in Wirklichkeit aber mindestens so wichtig wie der Fuß von Manuel Neuer und das Ego von Sandro Wagner. Es ist die Art von Politik, die uns am unmittelbarsten betrifft. Deshalb wollten wir mit unserer ersten Statdratsitzungs-Fanmeile im Atomino die Chemnitzer mehr für die Kommunalpolitik sensibilisieren. Also offiziell. In Wirklichkeit ging es nur darum, unseren bisher eher kümmerlichen Twitter-Fame mit einem exklusiven Liveticker zu potenzieren. Bei der gestrigen Stadtratsitzung sollte es um alles gehen: Um eine neue Polizeiverordnung mit Musikverbot, um Überwachungskameras, die Linie 51 und die MRB nach Leipzig. Doch dann ist Frau Ludwig vor re:marx eingeknickt, Herr Runkel wurde krank und die Abstimmung über die Polizeiverordnung verschoben und irgendwann hat auch noch der Stream versagt. Am Ende wurde es trotzdem ein leidenschaftliches Spektakel der Kommunalpolitik mit einer generationsübergreifenden medialen Strahlkraft, das große Fragen der Chemnitzheit aufwarf, die uns noch länger nachhaltig beschäftigen werden. Zum Beispiel: Ist Photoshop-Phillipp für die großartigen Grafiken zuständig? Wer ist die geheimnisvoll verhüllte Frau neben der Oberbürgermeisterin? Sendet die Stadt absichtlich Störsignale, um unsere Liveübertragung zu torpedieren? Wird unsere Liveübertragung im Stadtrat auch live übertragen? Ist Martin Kohlmann überhaupt anwesend? Welche Faschingsfehde feiert Runkel heute? Trendet re:marx schon auf Twitter? Und wer hat jetzt eigentlich gewonnen?
Der #runkelspielchen-Liveticker, von katastrophalen Handy-Tippfehlern bereinigt, für euch zum Nachlesen.

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